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Josephine Baker erhält Auftrittsverbot in München (am 14.2.1929)

Josephine Baker erhält Auftrittsverbot in München (am 14.2.1929) WDR Zeitzeichen 14.02.2024 14:39 Min. Verfügbar bis 14.02.2099 WDR 5

Ein internationaler Star: Tänzerin, dazu Sängerin, erste Schwarze Hauptdarstellerin im Tonfilm. Und Josephine Baker kämpft gegen Rassismus, leistet Widerstand gegen die Nazis.

Josephine Baker ist der erste weibliche Superstar mit afroamerikanischen Wurzeln. Als "schwarze Venus" begeistert die Amerikanerin zunächst das Publikum in Paris, später in ganz Europa und den USA. Und sie setzt sich zeitlebens für Menschenrechte ein: Im Zweiten Weltkrieg unterstützt Josephine Baker die französische Résistance, später kämpft sie an der Seite von Martin Luther King gegen Rassismus. *** Das ist unsere wichtigste Gesprächspartnerin: Mono Horncastle, Kunsthistorikerin und Biografin von Josephine Baker *** Das sind die Macher und Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen: Autorin Veronika Bock, Autor: Ulrich Biermann, Redaktion: Matti Hesse


Mit der "Revue Nègre" wird Josephine Baker 1925 fast über Nacht zum gefeierten Star in Paris. Wie die amerikanische Tänzerin ihren kaum bekleideten Körper kühn verrenkt und schwingt, haben die Franzosen so noch nicht gesehen. Die Pariser Avantgarde ist begeistert, Josephine Baker verkörpert für sie die Moderne im Varieté. Die französische Sittenpolizei bemängelt indes, dass schwarze Haut kein Kostüm sei. Der erste schwarze Superstar ruft Bewunderung und Abscheu hervor.
So hält die Kirche in Wien Gottesdienste ab, um vor Josephine Bakers Tournee zu warnen. Die moralische Alarmierung nützt nichts, nun kaufen sich die Menschen erst recht Tickets für die Show. Das will man in München verhindern und strebt vorsichtshalber direkt ein Auftrittsverbot an. Als Gründe werden genannt: die Erfahrungen aus Wien, die Fastenzeit, und dass Josephine Baker nach den bisherigen Mitteilungen der Presse eine unberechenbare Person sei.
Das Auftrittsverbot in München ist für Josephine Baker eine weitere ihrer unzähligen rassistischen Erfahrungen, ihren Ruhm stoppt es allerdings nicht. Sie tanzt nicht nur auf den Bühnen der Welt, sondern tritt als Sängerin und Schauspielerin im Film auf und gilt bald als reichste "reichste Afroamerikanerin der Welt"

In diesem Zeitzeichen erzählen Ulrich Biermann und Veronika Bock :
  • wie Josephine Baker im Zweiten Weltkrieg die französische "Résistance" unterstützt hat,
  • warum ihr das Tanzen "schon in die Wiege" gelegt wurde,
  • über den Rassismus, mit dem Josephine Baker zeitlebens konfrontiert ist,
  • wie die Tänzerin gegen die Ausgrenzung von Menschen kämpft,
  • über ihre "Regenbogenfamilie" mit zwölf Adoptivkindern.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Ulrich Biermann
Autorin: Veronika Bock
Redaktion: Matti Hesse

Wilhelm Voigt, der "Hauptmann von Köpenick" (geb. am 13.2.1849)

Wilhelm Voigt, der "Hauptmann von Köpenick" (geb. am 13.2.1849) WDR Zeitzeichen 13.02.2024 14:52 Min. Verfügbar bis 13.02.2099 WDR 5

Er wird durch seine "Köpenickiade" berühmt: Wilhelm Voigt verkleidet sich als Hauptmann und raubt 1906 mit gutgläubigen Soldaten im Köpenicker Rathaus die Stadtkasse.

Ein ehemaliger Zuchthäusler führt den preußischen Staat vor: Am 16. Oktober 1906 fängt Wilhelm Voigt, bekleidet mit einer Hauptmannsuniform, ein Trupp ahnungloser Soldaten nach dem Toilettengang ab. Er befiehlt ihnen, ihn nach Köpenick zu begleiten. Dort beschlagnahmt er im Rathaus die Stadtkasse - und taucht unter. *** Das ist unser Interviewpartner: Ruprecht Frieling (Sachbuchautor, Verleger und Produzent) *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Heiner Wember, Redaktion: Christoph Tiegel und David Rother


Am 16. Oktober 1906 fängt ein Hauptmann in grauer Uniform, der gerade von der Toilette kommt, einen kleinen Trupp ahnungsloser Soldaten in blauen Röcken ab. Er gibt den Männern den Befehl, mit ihm nach Köpenick zu fahren. Der Hauptmann ist nicht echt, sondern ein Ex-Zuchthäusler namens Wilhelm Voigt.
Im dortigen Rathaus beschlagnahmt Wilhelm Voigt gegen Quittung kurzerhand die Gemeindekasse - 3.557, 45 Pfennige. Nach heutigem Wert etwa 26.000 Euro. Er unterschreibt mit dem Namen seines letzten Gefängnisdirektors: von Malzahn.
Bürgermeister Langerhans und der Stadtkämmerer Rosenkranz werden vom Hauptmann verhaftet. Später lässt Voigt sie unter Bewachung mit Droschken nach Berlin zur Neuen Wache transportieren, wo man natürlich nichts weiß und sie frei lässt.
Zehn Tage lang kann Voigt untertauchen, bevor er geschnappt wird. Das Urteil: milde vier Jahre. Zu peinlich ist es für das preußische Staatsverständnis, dass ein ehemaliger Zuchthäusler solch ein Ding durchziehen kann.
Nach zwei Jahren begnadigt Kaiser Wilhelm II. den falschen Hauptmann. Mit 59 Jahren beginnt für Wilhelm Voigt die schönste Zeit seines Lebens.

In diesem Zeitzeichen erzählt Heiner Wember:
  • Wie der Schusterjunge Wilhelm Voigt schon mit 14 Jahren auf die schiefe Bahn gerät,
  • wie der preußische Staat Straftäter auch nach verbüßter Haftstrafe weiter jagt,
  • wie Wilhelm Voigt seine "Köpenickiade" später erfolgreich vermarkten kann,
  • wie der Erste Weltkrieg schließlich zu Wilhelm Voigts Verarmung führt,
  • was Rudolf Platte, Heinz Rühmann und Harald Juhnke gemeinsam haben.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Ruprecht Frieling (Sachbuchautor, Verleger und Produzent)
  • Ruprecht Frieling: Der Hauptmann von Köpenick. Die wahre Geschichte des Wilhelm Voigt, Berlin 2011

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Heiner Wember
Redakteur: Christoph Tiegel und David Rother
Technik: Moritz Raestrup
Onlineproducerin: Vera Kettenbach

Abraham Lincoln: Kampf um die Vereinigten Staaten von Amerika

Abraham Lincoln: Kampf um die Vereinigten Staaten von Amerika WDR Zeitzeichen 12.02.2024 14:43 Min. Verfügbar bis 12.02.2034 WDR 5

Das Attentat trug zur Bildung des Mythos bei: Vor allem aber machen Lincolns (geb. 12.2.1809) Persönlichkeit und Verdienste ihn zu einem der größten US-Präsidenten aller Zeiten.

Abraham Lincolns Präsidentschaft gilt als eine der bedeutendsten in der Geschichte der Vereinigten Staaten: Lincoln führt die Nordstaaten Sezessionskrieg gegen die Südstaaten, setzt die Wiederherstellung der Union durch und betreibt erfolgreich die Abschaffung der Sklaverei in den USA. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Dr. Ronald Gerste, Historiker und Lincoln-Biograf *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Irene Dänzer-Vanotti, Redaktion: Matti Hesse


Abraham Lincoln gewinnt zwei Mal die Wahl zum Präsidenten der USA. Er wird als Mensch voller Empathie, voller Sympathie für Schwache, für die Zurückgebliebenen in der Gesellschaft, natürlich gerade für Sklaven und Schwarze in den USA beschrieben. Andererseits ist da der feste Wille Mitte der 1860er-Jahre den grausigen amerikanischen Bürgerkrieg durchzuziehen mit all den vielen Opfern.
Vier Jahre lang dauern die Kämpfe. Etwa 620.000 Menschen sterben. Zunächst scheinen die Südstaaten siegreich, mit einem neuen Heerführer gewinnt der Norden, Lincolns Union, aber manche Schlacht. Der Präsident sieht es als seine Pflicht an, sich der Opfer würdig zu erweisen.
Sie hätten eigentlich den Bestand der jetzt tatsächlich Vereinigten Staaten von Amerika geschaffen, die Demokratie erhalten. Ihr Werk wolle er vollenden. Das sagt Lincoln im Angesicht von Särgen und Pferdekadavern auf dem Schlachtfeld der kleinen Gettysburg in Pennsylvania.
Die Gettysburg-Rede gilt als Lincolns wichtigste Rede und eine der bedeutendsten in der Geschichte der USA.

In diesem Zeitzeichen erzählt Irene Dänzer-Vanotti:
  • Mit welchen Worten US-Präsident Barack Obama seinen frühen Amtsvorgänger Abraham Lincoln würdigt,
  • welche Berührungspunkte es in den Lebensgeschichten Obamas und Lincolns gibt,
  • warum Lincoln für die Abschaffung und doch kein glühender Gegner der Sklaverei ist,
  • wie man im 19. Jahrhundert in den USA ohne Studium Anwalt wird

Das ist unser wichtigster Interviewpartner:
  • Dr. Ronald Gerste, Historiker und Lincoln-Biograf

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Autorin: Irene Dänzer-Vanotti
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Sarah Fitzek
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Lebensgefahr unter Tage: Die Staublunge

Lebensgefahr unter Tage: Die Staublunge WDR Zeitzeichen 11.02.2024 14:31 Min. Verfügbar bis 11.02.2099 WDR 5

Das Leiden ist seit dem Altertum bekannt: Die Staublunge. Seit dem 11.2.1929 gilt Silikose als Berufskrankheit, erkrankte Bergleute erhalten Geld aus der Versicherung.

20.000 Liter Luft fließen täglich durch unsere Lunge. Das macht sie sensibel für Staub. Während größere Partikel von den Bronchien mit dem Schleim abgesondert und ausgehustet werden können, dringen kleinste Partikel in die Lunge und lagern sich dort ab. Unter Tage staubt es im Bergbau mächtig. Zigtausende Bergleute erkranken an einer "Staublunge", die 1929 als Berufskrankheit anerkannt wird. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Dr. Daniel Trabalski, Historiker Promotion an Ruhr-Universität Bochum *** Die Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Steffi Tenhaven, Redaktion: Gesa Rünker.


Ab den 1920er-Jahren setzt eine sehr starke Mechanisierung des Steinkohlebergbaus ein. Wichtigste Werkzeuge sind der Presslufthammer und Sprengstoff, wobei sehr viel Staub entsteht.
Erschwerend kommt hinzu, dass der Bergbau auf der Suche nach Kohle oder auch anderen Erzen immer tiefer in den Berg hinein gräbt. Das macht die Belüftung der Bergwerke immer schwieriger.
Schlechtere Belüftung plus sehr viel Staub bilden eine gefährliche Kombination im Hinblick auf die Silikose - oder auch Staublunge genannt.
Das Sozialversicherungssystem, wie wir es heute kennen, gibt es erst seit den 1880er-Jahren. Berufskrankheiten sind zunächst noch nicht versichert. Die erste Berufskrankheiten- Verordnung wird 1925 in der Weimarer Republik eingeführt.
Mit der zweiten Verordnung 1929 wird auch die Staublunge als Berufskrankheit anerkannt. Der 11. Februar 1929 wird zum Stichtag für die "schwere Staublunge".
Umgehend melden mehr als 14.000 Menschen ihre Beschwerden an. Doch nur wer buchstäblich bereits aus dem letzten Loch pfeift, darf auf Entschädigung hoffen. Mehr als 90 Prozent gehen damals leer aus.

In diesem Zeitzeichen erzählt Steffi Tenhaven:
  • Woher die Redewendung "weg vom Fenster" stammt,
  • mit welchen Hausmitteln Bergleute versuchten, der Staublunge vorzubeugen,
  • warum starke Raucher besonders schlechte Karten haben,
  • wie der Kampf um die Rente am Selbstbewusstsein der Bergleute nagt,
  • was ein "Ertränker" im Bergbau macht.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Dr. med. Kurt G. Hering, Ärztlicher Direktor/Chefarzt der Klinik für Radiologie a.D./Klinikum Westfalen
  • Horst Rudnik, Reviersteiger im Ruhestand - heute Gästeführer Zeche Zollverein Essen
  • Dr. Daniel Trabalski, Historiker Promotion an Ruhr-Universität Bochum
  • Dr. Daniel Trabalski, Weg vom Fenster - Die Staublunge der Ruhrbergleute zwischen wissenschaftlicher Entdeckung, betrieblicher Regulierung und gesellschaftlichem Vergessen in der Bundesrepublik, Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte – Beihefte, Band 258
  • Ralf Piorr (Hrsg.), Die Männer von Luise - Erzählungen eines unbekannten Bergmanns, Essen 2017

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Autorin: Steffi Tenhaven
Redaktion: Gesa Rünker
Technik: Sascha Schiemann
Onlineproducerin: Vera Kettenbach

Scham, Angst und Hoffnung: Tagebuch des Petter Moen

Scham, Angst und Hoffnung: Tagebuch des Petter Moen WDR Zeitzeichen 10.02.2024 14:45 Min. Verfügbar bis 10.02.2034 WDR 5

Am 10.2.1944 schreibt Petter Moen im Osloer Gestapo-Gefängnis seinen ersten Tagebucheintrag. Heimlich entsteht mühsam ein wichtiges Dokument, das niemanden kaltlässt.

Anfang Februar 1944 wird Petter Moen von den Nazis verhaftet und in der Gestapo-Hauptzentrale in Oslo inhaftiert. Er ist einer der Hauptakteure im norwegischen Widerstand. Schon wenige Tage später beginnt Moen mit seinen Aufzeichnungen. Sein Tagesbuch dokumentiert bewegend seine körperlichen und seelischen Qualen in der Haft. *** Das sind die Macher und Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Irene Greuer, Redaktion: Matti Hesse *** Das ist unsere wichtigster Gesprächspartner: Michael Custodis, Musikwissenschaftler, Uni Münster; Walter Möbius, Mediziner und Buchautor


Als die Nazis Norwegen überfallen, geht Petter Moen in den Untergrund. Der Mathematiker informiert in einer illegalen Zeitung über die Machenschaften der Deutschen und den Kriegsverlauf. Die Berichte hören er und seine Mitstreiter bei der BBC ab. Doch die Gestapo kommt ihnen auf die Schliche und Petter Moen wandert ins Gefängnis. "Bin zweimal verhört worden. Wurde gepeitscht". Das sind die ersten Einträge in dem ungewöhnlichen Tagebuch aus Toilettenpapier.

Mit einem Draht pickt Moen jeden Buchstaben sorgsam auf die einzelnen Blätter, die er im Lüftungsschacht unter seiner Pritsche versteckt. Nach Kriegsende werden die kleinen Rollen zu einem Zeugnis der Nazi-Gewaltherrschaft. Sie beschreiben beispielhaft die Ängste und Schmerzen von Nazi-Opfern; die Misshandlungen, die sie erfahren mussten. Petter Moen schreibt auch über seine Scham, weil er Weggefährten unter Folter verraten hat.

In diesem Zeitzeichen erzählt Irene Geuer:
  • Wie Petter Moen als Ungläubiger aus Verzweiflung zu beten beginnt,
  • über seinen Tod auf dem Weg nach Deutschland,
  • dass sein Tagebuch nur durch einen Zufall gefunden wird,
  • warum Norwegen nach Kriegsende die Widerstands-Aktivisten wenig beachtet.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Prof. Michael Custodis, Musikwissenschaftler und Soziologe, Uni Münster
  • Walter Möbius, Mediziner und Buchautor
  • Petter Moens Tagebuch. Herausgegeben von Edzard Schaper. Frankfurt. 1959.

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Irene Geuer
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Christina Reinartz

Tomi Ungerer, Bilderbuchautor, Schriftsteller und Freigeist

Tomi Ungerer, Bilderbuchautor, Schriftsteller und Freigeist WDR Zeitzeichen 09.02.2024 13:58 Min. Verfügbar bis 09.02.2099 WDR 5

"Die drei Räuber" - ein Kinderbuch als Westbestseller. Geschrieben und gezeichnet von Tomi Ungerer (gestorben am 9.2.2019). Seine Kunst, auch die für Kinder, war schonungslos und satirisch.

Tomi Ungerer ist ein Wanderer zwischen den Welten. Ein Leben lang ist er auf Reisen, wechselt Berufe und Wohnorte, bis er im Zeichnen seine Bestimmung findet. Aber auch hier bleibt er den Extremen treu: Auf der einen Seite illustriert er Märchen und Liedersammlungen, auf der anderen Seite zieren kopulierende Frösche und nackte Frauen seine Bücher. *** Das ist unsere wichtigste Interviewpartnerin: Agata Hofrichter, Kommunikationsexpertin und Autorin *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christoph Vormweg, Redaktion: David Rother


Mit 60 Dollar in der Tasche und einem Koffer voller Zeichnungen und Manuskripte, zieht Jean-Thomas Ungerer, genannt Tomi, im Jahr 1956 nach New York. Hier steigt er schnell zu einem der weltweit erfolgreichsten Kinderbuchautoren, Illustratoren, Zeichner und Werbegrafiker auf.

Ungerer eckt oft an, pfeift auf political correctness - nicht nur in seinen Werken. In den 60er Jahren sorgt der Elsässer mit Plakaten für Aufsehen, die den Rassismus, die Rolle der USA im Vietnam-Krieg und die Doppelmoral der amerikanischen Gesellschaft anklagen. Als er mit erotischen Zeichnungen die Prüderie anprangert, setzen die Behörden seine Kinderbücher auf die Schwarze Liste sämtlicher US-Bibliotheken.

Ungerers Werk umfasst mehr als 160 Bücher und 40.000 Zeichnungen. Trotz der Flut an Ehrungen bleibt er bis zu seinem Tod am 9. Februar 2019 ein Identitätssucher, ein chronischer Zweifler, ein engagierter Pessimist.

In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vormweg:
  • Warum Ungerer den Spitznamen "Picasso der Karikatur" trägt,
  • wie seine elsässischen Wurzeln dem Karikaturisten das Leben schwer machen,
  • warum Ungerer zwischenzeitlich vom FBI beschattet wird.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Agata Hofrichter, Kommunikationsexpertin und Autorin
  • Tomi Ungerer: Die Gedanken sind frei. Meine Kindheit im Elsass. (1993)
  • Tomi Ungerer: Die Hölle ist das Paradies des Teufels. (2009)
  • Agata Hofrichter: Fluchtpunkt Europa. Der politische Tomi Ungerer. Baden-Baden 2021.

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Christoph Vormweg
Redaktion: David Rother
Technik: Annett Bastian

Die Sortierung des Kosmos: Mendelejews Periodensystem

Die Sortierung des Kosmos: Mendelejews Periodensystem WDR Zeitzeichen 08.02.2024 14:46 Min. Verfügbar bis 08.02.2099 WDR 5

Der russische Chemiker Dmitri Mendelejew (geboren am 8.2.1834) ordnet mit seinem Periodensystem die chemischen Elemente mit einem Clou: er lässt Lücken für Unentdecktes.

Das Periodensystem der Elemente, welches auf den als exzentrisch geltenden Professor Dmitri Mendelejew zurückgeht, erfreut sich weltweiter Bekanntheit. Mendelejews Leistungen aber gehen weit über die Chemie hinaus - dabei ist der Russe mit dem Zottelbart nicht immer unumstritten. *** Das ist unsere wichtigste Quelle: Michael Gordin: A Well-Ordered Thing. Dmitrii Mendeleev and the Shadow of the Periodic Table (2004) *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Wolfgang Burgmer, Redaktion: Matti Hesse


Ordnung ist das halbe Leben - diese Phrase gilt auch in der Chemie. Daher präsentiert der Russe Dmitri Mendelejew 1869 ein Ordnungssystem, in das er sämtliche damals bekannten chemischen Elemente nach zunehmender Atommasse sortiert. Das Besondere: Sein System weist Lücken auf - für Elemente, die bis dahin noch gar nicht entdeckt sind.

Sein Periodensystem wird schnell zum weltweit anerkannten Standard. Mit diesem Triumph hat Mendelejew den Gipfel seiner Forscherkarriere erreicht - und überschritten. In den 1870er Jahren vergeudet er Zeit und Geld mit der Suche nach dem fiktiven Äther-Element, hat auch als Ballonfahrt-Pionier und Eismeer-Erkunder kaum Erfolg. Und selbst manche seiner chemischen Glaubenssätze überholt irgendwann die Realität.

Dennoch erhält er für sein System viele Ehrungen und Titel. Die vielleicht größte Auszeichnung erlebt Mendelejew allerdings nicht mehr: Zu seinen Ehren bekommt 1955 das künstlich hergestellte Element 101 den Namen "Mendelevium". Der Chemiker mit dem markanten Zottelbart stirbt 72-jährig in Sankt Petersnurg.

In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Burgmer:
  • Warum Mendelejew bei der Wahl in die Akademie der Wissenschaften durchfällt,
  • wie die Physiker sein Periodensystem neu deuten,
  • warum er privat als Macho mit Widersprüchen gilt,
  • wie ihm Darwin und Newton als Vorbild dienen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen:
  • Michael Gordin: A Well-Ordered Thing. Dmitrii Mendeleev and the Shadow of the Periodic Table (2004)
  • Paul Strathern: Mendeleyev's Dream. The Quest for the Elements (2001)
  • Michael Pilz: Tanz der Elemente. Über die Schönheit des Periodensystems (2019)
  • Primo Levi: Das periodische System (1975)

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Autor: Wolfgang Burgmer
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Sarah Fitzek

"Indiana Jones der Bibelwissenschaft": Konstantin v. Tischendorf

"Indiana Jones der Bibelwissenschaft": Konstantin v. Tischendorf WDR Zeitzeichen 07.02.2024 15:52 Min. Verfügbar bis 07.02.2034 WDR 5

Am 7.2.1859 entdeckt der Bibelforscher Konstantin von Tischendorf die wohl älteste Bibelhandschrift, den "Codex Sinaiticus", nach einer abenteuerlichen Reise...

Konstantin von Tischendorf - seine abenteuerlichen Orientreisen und sensationellen Entdeckungen alter Bibelhandschriften machen ihn zu einem der berühmtesten Gelehrten seiner Zeit. Höhepunkt: Die Entdeckung und Publikation des Codex Sinaiticus. Der Fund stellt eine Sensation dar, die in der gelehrten Welt sofort mit größter Aufmerksamkeit wahrgenommen wird. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Holger Strutwolf, Direktor des Instituts für neutestamentliche Textforschung *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Wolfgang Meyer, Redaktion: David Rother


Konstantin von Tischendorf gilt als der "Indiana Jones" des 19. Jahrhunderts. Denn am 7. Februar 1859 findet der Leipziger Theologieprofessor tatsächlich den verlorenen Schatz - den heiligen Gral der Bibelforschung: Den Codex Sinaiticus. Es ist die bis heute älteste Bibelhandschrift der Welt; im 4. Jahrhundert auf feinstem Pergament in Griechisch geschrieben. Darin zu lesen ist das vollständige Neue Testament sowie große Teile des Alten Testaments. Das macht den Codex Sinaiticus zu einem unschätzbar wertvollen Schriftstück christlicher Geschichte.

Gefunden hat Tischendorf die Blätter im Katharinenkloster am Berg Sinai. Vorausgegangen sind zahlreiche abenteuerliche Orientreisen des Professors - ganz Indiana Jones-like eben. Für seine Erforschung und Herausgabe dieser Bibel wird Tischendorf vom russischen Zaren in den Adelsstand erhoben.

In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer:
  • Was das Problem an Schriftstücken aus Papyrus oder Pergament ist,
  • warum sich selbst komplett erhaltene Texte zuweilen voneinander unterscheiden,
  • warum Tischendorf drei Reisen und geschickte Diplomatie braucht, um an die Blätter des "Codex Sinaiticus" zu gelangen,
  • für was die Bezeichnung "Codex Sinaiticus" steht.

Das sind unse wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Ulrich Johannes Schneider (Hrsg.): Codex Sinaiticus. Geschichte und Erschliessung der "Sinai-Bibel", Leipzig 2007
  • Holger Strutwolf, Direktor des Instituts für neutestamentliche Textforschung an der Universität Münster

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Autor: Wolfgang Meyer
Redaktion: David Rother

Rudi Assauer, Schalkes Erfolgsmanager (gestorben am 6.2.2019)

Rudi Assauer, Schalkes Erfolgsmanager (gestorben am 6.2.2019) WDR Zeitzeichen 06.02.2024 14:38 Min. Verfügbar bis 06.02.2099 WDR 5

Er spielt für den BVB und für Werder Bremen. Als Manager bringt er Schalke in die Erfolgsspur zurück. Dann spricht der "Fußball-Macho" Rudi Assauer über seine Krankheit.

Rudi Assauer ist als aktiver Fußballer und Fußballmanager eine prägende Figur der Bundesliga. Er pflegt seinen eigenen Stil: Der Macher und Malocher raucht teure Zigarren und kleidet sich elegant. *** Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Werner Hansch (Sportreporter), Rudi Assauer und Patrick Strasser: Wie ausgewechselt. Verblassende Erinnerungen an mein Leben. München 2012 *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Detlef Wulke, Redaktion: Gesa Rünker


Als aktiver Fußballer und Fußballmanager ist Rudolf Assauer eine prägende Figur der Bundesliga. Er hat seinen eigenen Stil: Der Macher und Malocher raucht 27 Euro teure Zigarren und kleidet sich elegant. Er kann selbstgerecht sein, launisch und unverschämt.
Assauer gilt nicht als rhetorisch geschliffener Redner, aber als ein Virtuose im Umgang mit der bildreichen Sprache der Straße. Seine Ehefrauen und Freundinnen - wie Simone Thomalla - nennt er "Lebensabschnitt-Teilzeit-Gefährtinnen". Im Haushalt kennt er sich nicht aus.

In diesem Zeitzeichen erzählt Detlef Wulke:
  • bei wem Rudi Assauer als Schüler seine Hausaufgaben abschreibt,
  • weshalb er die DFB-Regeln bei einem Torpfosten-Bruch während eines Spiels kennt,
  • warum Assauer einmal DFB-Präsident Egidius Braun auf die Toilette folgt,
  • wie Assauers Vergesslichkeit zunächst falsch interpretiert wird,
  • womit der Manager seine Krankheit bekämpfen will.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Werner Hansch (Sportreporter)
  • Rudi Assauer und Patrick Strasser: Wie ausgewechselt. Verblassende Erinnerungen an mein Leben. München 2012

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Autor: Detlef Wulke
Redaktion: Gesa Rünker
Technik: Nico Söllner

Griechenland den Griechen: Der Politiker Andreas Papandreou

Griechenland den Griechen: Der Politiker Andreas Papandreou WDR Zeitzeichen 05.02.2024 14:49 Min. Verfügbar bis 05.02.2099 WDR 5

Andreas Papandreou (geboren am 5.2.1919) war der erste sozialistische Premierminister Griechenlands: ein unberechenbarer Modernisierer - ein bewegtes, spannendes Leben.

Er gibt sich volksnah, anti-amerikanisch und national: Andreas Papandreou wird 1981 der erste sozialistische Ministerpräsident in der jüngeren Geschichte Griechenlands. Der Gründer der PASOK modernisiert Griechenland, stürzt den Staat aber auch in eine tiefe Krise. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Ioannis Zelepos (Professor für Neuere Geschichte an der Universität Ioannina, Westgriechenland) *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Claudia Friedrich, Redaktion: Matti Hesse


Man nennt ihn auch den griechischen Kennedy: Andreas Papandreou wird 1981 der erste sozialistische Ministerpräsident in der jüngeren Geschichte Griechenlands. Er ist ein Hoffnungsträger mit Charisma; und die von ihm gegründete PASOK erlebt einen rasanten Aufstieg als moderne Massenpartei.
Andreas Papandreou ist ein widersprüchlicher Mann. Er ist Europäer und - wenn es der eigenen Sache dient - Nationalist. Er modernisiert Griechenland, stürzt den Staat aber auch in eine tiefe Krise. Er ist weltgewandt und populistisch, ist Sozialist und Patriarch, eine Ikone mit tiefen Rissen.

In diesem Zeitzeichen erzählt Claudia Friedrich:
  • an welchem außergewöhnlichen Ort die Geburt von Andreas Papandreou stattfindet,
  • warum er als Student in die USA emigriert,
  • welche Rolle sein Vater Georgios in seinem politischen Leben spielt,
  • wie die anti-amerikanische Haltung von Andreas Papandreou zu erklären ist,
  • welche Politikentscheidungen er als Premierminister der 30 Jahre jüngeren Stewardess Mimi Liani überlässt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Ioannis Zelepos (Professor für Neuere Geschichte an der Universität Ioannina, Westgriechenland)
  • Nick Papandreou: Und Vater tanzte. Erfundene Erinnerungen. München 1998
  • Thanos Veremis: Andreas Papandreou. Große Erwartungen. Athen 2017
  • Ioannis Zelepos: Kleine Geschichte Griechenlands. Von der Staatsgründung bis heute. München 2014

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Autorin: Claudia Friedrich
Redaktion: Matti Hesse

Der Schriftsteller Alfred Andersch: Demokratie braucht Schutz

Der Schriftsteller Alfred Andersch: Demokratie braucht Schutz WDR Zeitzeichen 04.02.2024 14:46 Min. Verfügbar bis 04.02.2099 WDR 5

Alfred Andersch, geboren am 4.2.1914, gilt als engagierter deutscher Autor. Nach seinem Tod zeigt sich: Sein Selbstbild stimmt nicht mit historischen Fakten überein.

Kommunist in der Nazi-Diktatur, Häftling im KZ Dachau, Deserteur im Zweiten Weltkrieg: In seinem Buch "Die Kirschen der Freiheit" liefert Alfred Andersch 1952 einen autobiografischen Bericht ab - und wird zu einer zentralen Figur des Literaturbetriebs und moralischen Instanz in der jungen BRD. Erst Jahre nach seinem Tod kommt heraus, was er nicht erzählt hat. *** Das ist unser Interviewpartner: Erhard Schütz (Literaturwissenschaftler) *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christian Kosfeld, Redaktion: Gesa Rünker


Mit seinem Buch "Die Kirschen der Freiheit" macht sich Alfred Andersch 1952 Freunde und Feinde: In dem autobiografischen Bericht schildert er seine Kindheit, seine Jugend als Kommunist in der Nazi-Diktatur, erzählt von einer Haft im KZ Dachau und seine Desertion im Zweiten Weltkrieg.

Andersch wird zu einer zentralen Figur des Literaturbetriebs und moralischen Instanz in der jungen BRD. Erst Jahre nach seinem Tod kommt heraus, was er nicht erzählt hat.

In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Kosfeld:
  • wie Alfred Andersch als Neunjähriger 1923 den Hitlerputsch erlebt,
  • welche Ungereimtheiten es in seiner Autobiografie - etwa zur Inhaftierung im KZ Dachau und zu seiner Fahnenflucht - gibt,
  • was ein Kirschbaum in Italien mit dem Buchtitel von 1952 zu tun hat,
  • wie Anderschs Karriere nach Kriegsende Fahrt aufnimmt,
  • mit welchem Gedicht der 60-Jährige ein junges, linkes Publikum auf sich aufmerksam macht.

Das ist unser Interviewpartner:
  • Erhard Schütz (Literaturwissenschaftler)

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Christian Kosfeld
Redaktion: Gesa Rünker

Simone Weil, widerspenstige Philosophin

Simone Weil, widerspenstige Philosophin WDR Zeitzeichen 03.02.2024 14:43 Min. Verfügbar bis 03.02.2099 WDR 5

Eins ihrer Lebensthemen: Sensibilität für das Leiden anderer. Für viele gehört Simone Weil (geboren am 3.2.1909) zu den wichtigsten Philosophinnen des Abendlands.

Simone Weil engagierte sich aktiv in politischen Bewegungen, darunter während des Spanischen Bürgerkriegs und im Widerstand gegen die nationalsozialistische Besetzung Frankreichs. Trotz ihrer zarten Gesundheit und persönlicher Gefahr praktizierte sie bewusst Mangelernährung als Akt der Solidarität mit den Opfern des Krieges. Diese radikale Form des Widerstands zeugt von ihrem tiefen Engagement für die Prinzipien der Freiheit und Gerechtigkeit. // Wolfram Eilenberger: Feuer der Freiheit: Die Rettung der Philosophie in finsteren Zeiten 1933-1943. Stuttgart 2020.// Autorin: Doris Arp // Redakteure: Christoph Tiegel und David Rother


Am 3. Februar in Paris geboren, studiert Simone Weil später an der École normale supérieure Philosophie, Mathematik und Politikwissenschaft und hat einen breiten intellektuellen Hintergrund. Sie entwickelt eine kritische Perspektive auf soziale Ungerechtigkeiten und politische Systeme, insbesondere im Kontext der Arbeiterbewegung und des Marxismus.

Zentral ist ihre Betonung auf Achtsamkeit, ein Konzept, das sie als "Aufmerksamkeit als Gebet" bezeichnet. Hier verbindet sie ihre spirituellen Überlegungen mit ihrem Streben nach sozialer Gerechtigkeit.

Simone Weil stirbt 1943 mit nur 34 Jahren an den Folgen von Mangelernährung und Erschöpfung, sie hungert bewusst als Akt der Solidarität mit Kriegsopfern.

In diesem Zeitzeichen erzählt Doris Arp:
  • warum Simone Weil statt in der Schule lieber rauchend und diskutierend in Cafés sitzt,
  • was ihr Familienmerkmal ist,
  • wie sie gelernt hat, Denken und Handeln miteinander zu verknüpfen,
  • warum ihr Tod als bewusste Solidaritätsbekundung gelesen werden kann.

Das sind unsere wichtigsten Quellen:
  • Wolfram Eilenberger: Feuer der Freiheit. Die Rettung der Philosophie in finsteren Zeiten 1933-1943. Stuttgart 2020.
  • Simone Weil: Schwerkraft und Gnade. Berlin 2021.
  • Simone Weil: Fabriktagebuch und andere Schriften zum Industriesystem.
  • Simone Weil: Krieg und Gewalt. Essays und Aufzeichnungen. Zürich 2011.
  • Simone Weil: Die Einwurzelung. Kösel 1956.

Und das unsere Interviewpartner:
  • Wolfram Eilenberger (Autor und Philosoph, Berlin)

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Autorin: Doris Arp
Redaktion: Christoph Tiegel und David Rother
Technik: Christine Reinartz

Sie beherbergt Brecht im finnischen Exil: Hella Woulijoki

Sie beherbergt Brecht im finnischen Exil: Hella Woulijoki WDR Zeitzeichen 02.02.2024 14:40 Min. Verfügbar bis 02.02.2099 WDR 5

Finnische Unternehmerin und Kommunistin, Rundfunkintendantin und Autorin: Hella Wuolijoki, gestorben am 2.2.1954, hat auch mit Bertolt Brecht ein Drama verfasst.

Sie hat zwar zusammen mit Bertolt Brecht das Theaterstück "Herr Puntila und sein Knecht Matti" geschrieben, Hella Wuolijoki ist aber zu Lebzeiten mehr als eine Schriftstellerin: Sie ist Unternehmerin, Millionärin, überzeugte Kommunistin und Intendantin des nationalen finnischen öffentlich-rechtlichen Radios Yle. *** Das sind unsere Interviewpartner: Erkki Tuomioja, Professor Hannu Riikonen und Outi Valle *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autoren: Petra Schirrmann und Hans Giessen, Redaktion: Gesa Rünker


Geboren wird Hella Wuolijoki 1886 in der Provinz in Estland, für ihr Studium zieht sie aber später nach Finnland. Dort wird die überzeugte Kommunistin in einer sozialistischen Studentenbewegung aktiv und heiratet den kommunistischen finnischen Parlamentsabgeordneten Sulo Vuolijoki, einen Freund des Gründers der Sowjetunion Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin.

In Finnland lernt Wuolijoki auch Bertolt Brecht kennen, der auf seiner Flucht vor den Nazis 13 Monate im hohen Norden verbringt. Zusammen schreiben sie das Theaterstück "Herr Puntila und sein Knecht Matti", das weltweit ein Erfolg wird, beim finnischen Theaterwettbewerb, für das es eigentlich geschrieben wird, aber leer ausgeht.
In der Endphase des Krieges kommt sie ins Gefängnis, weil sie einer sowjetischen Agentin Unterschlupf gewährt haben soll. Nach dem Krieg wird sie nicht nur freigelassen, sondern sogar zur Rundfunk-Intendantin befördert - der letzte große Gegensatz in ihrem Leben.

In diesem Zeitzeichen erzählen Petra Schirrmann und Hans Giessen:
  • wie die überzeugte Kommunistin zur Millionärin wurde,
  • warum sie von Bertolt Brecht begeistert war,
  • dass Hella Wuolijoki neben Lenin womöglich auch Stalin traf,
  • was sie mit Olof Palme verbindet,
  • warum sie erst verhaftet, dann Rundfunk-Intendantin wurde.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Erkki Tuomioja (Enkel von Hella Wuolijoki sowie ehemaliger finnischer Industrie- und Handelsminister und Außenminister)
  • Hannu Riikonen (Professor für vergleichende Kulturwissenschaft an der Universität Helsinki)
  • Outi Valle (frühere Hörspiel-Redakteurin beim nationalen finnischen öffentlich-rechtlichen Radiosender Yle)

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Autoren: Petra Schirrmann und Hans Giessen
Redaktion: Gesa Rünker

Der Zen-Meister Ikkyu Sojun: Wegbereiter des japanischen Teewegs

Der Zen-Meister Ikkyu Sojun: Wegbereiter des japanischen Teewegs WDR Zeitzeichen 01.02.2024 14:45 Min. Verfügbar bis 01.02.2034 WDR 5

Am 1.2.1394 wurde er als Sohn des Kaisers von Japan geboren - ohne Ansprüche, seine Mutter war Konkubine. Ein Mönch, der in Freudenhäusern verkehrt und Gedichte schreibt.

Er wird zum Helden von Volkserzählungen und Legenden, zur Hauptperson in zahllosen Anekdoten und Geschichten: Der japanische Mönch Ikkyu Sojun hat nicht nur die japanische Kunst der Teezubereitung geprägt. Er ist auch heute noch in vielen Filmen und auch der Popmusik präsent. *** Das ist unsere Interviewpartnerin: Anna Gorke (Schülerin der Teemeisterin Etsuko Mukai) *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Claudia Belemann, Redaktion: Matti Hesse


Den japanischen Mönch Ikkyu Sojun kennt in Japan jedes Kind. Er ist eine der schillerndsten Figuren Japans im 15. Jahrhundert: Ein schlagfertiger, unangepasster, lebenslustiger Priester, aber auch ein wichtiger Zen-Meister und Würdenträger und nicht zuletzt jemand, der die Künste massiv beeinflusst hat, unter anderem die japanische Kunst der Teezubereitung: den Teeweg.

Ikkyu ist zwar ein Sohn des Kaisers von Japan, aber ohne Legitimation und Ansprüche. Ab seinem 12. Lebensjahr soll er täglich ein Gedicht verfasst haben. Über 1.000 sind von ihm überliefert, alle in chinesischer Sprache. Nach seiner Zeit im Kloster predigt er in Kneipen, Marktbuden und Freudenhäusern den Zen-Buddhismus. Erst mit Mitte 70 trifft er in der die blinden Sängerin Shin die Liebe seines Lebens.

In diesem Zeitzeichen erzählt Claudia Belemann:
  • Wie Ikkyu Sojun zum Helden von Volkserzählungen und Legenden wurde,
  • warum eine Trennung sein Leben veränderte,
  • wie er den Teeweg beeinflusste,
  • wie er eine der berühmtesten Tempelanlagen Japans aufbaute,
  • warum Ikkyu Sojun, der sein Leben lang Würdenträger beschimpft hat, selbst zum Würdenträger wird.
Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartnerin:
  • Anna Gorke (Schülerin der Teemeisterin Etsuko Mukai)
  • Evgeny S. Steiner. Aus dem Russischen übersetzt von Peter Raff: Ikkyu Sojun. Der Zen-Mönch "Verrückte Wolke" und seine Zeit (2018)
  • Ikkyu Sojun: Im Garten der schönen Shin (2017)
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Autorin: Claudia Belemann
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Nico Söllner

Theodor Heuss, erster deutscher Bundespräsident

Theodor Heuss, erster deutscher Bundespräsident WDR Zeitzeichen 31.01.2024 14:45 Min. Verfügbar bis 31.01.2099 WDR 5

Er spricht von Kollektivscham und erinnert an NS-Verbrechen: Theodor Heuss, geboren am 31.1.1884, hat selbst historische Fehlentscheidungen zu verantworten.

Wegen seiner gemütlichen Art wurde er auch "Papa Heuss" genannt: Theodor Heuss hat das Amt des Bundespräsidenten als Erster geprägt und zu einer moralischen Instanz gemacht, die sich aus dem täglichen Politgeschäft heraushält - aber auch das Wort ergreift, wenn es darauf ankommt. *** Das ist unser Interviewpartner: Thomas Hertfelder (Geschäftsführer der Heuss-Stiftung in Stuttgart) *** Die Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Irene Geuer, Redaktion: Gesa Rünker


"Wir haben von den Dingen gewusst." In den ersten Jahren der noch jungen Bundesrepublik Deutschland ist das ein mutiger Satz. Und es ist der Kernsatz des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss. Nach dem Zweiten Weltkrieg will er dafür sorgen, dass die Gräueltaten der Nazis nicht dem Vergessen anheimgegeben werden. Er will für Aussöhnung mit den Opfern sorgen und gleichzeitig einer Bevölkerung auf die Füße helfen, die selber in diesem Krieg gelitten hat. Dabei prägt er den Begriff der "Kollektivscham".

Er selber nimmt sich dabei nicht aus. Heuss ist ein Bundespräsident, der selbst ein Leben lang mit seinen Gefühlen ringt. Denn 1933 macht auch er als Abgeordneter der deutschen Demokratischen Partei den Weg frei für Hitler.

In diesem Zeitzeichen erzählt Irene Geuer:
  • Warum Theodor Heuss von vielen auch "Papa Heuss" genannt wurde,
  • welchen großen persönlichen Fehler er noch auf dem Totenbett bereut hat,
  • warum seine Rolle bei der Begnadigung von Kriegsverbrechern bis heute diskutiert wird,
  • warum ihm der Föderalismus so wichtig war.

Das ist unser Interviewpartner:
  • Thomas Hertfelder, Geschäftsführer der Heuss-Stiftung in Stuttgart

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Autorin: Irene Geuer
Redaktion: Gesa Rünker
Technik: Petra Laubach

Was für eine Grenzüberschreitung: Die Hinrichtung von Karl I.

Was für eine Grenzüberschreitung: Die Hinrichtung von Karl I. WDR Zeitzeichen 30.01.2024 14:12 Min. Verfügbar bis 30.01.2099 WDR 5

Am 30.1.1649 wird Englands König geköpft - verurteilt vom Parlament. Wie ist es soweit gekommen und warum ist die Englische Revolution heute vergleichsweise unbekannt?

Das englische Parlament verurteilt König Karl I. 1649 zum Tod durch das Schwert. Monty Python behauptet, die Tatsache, dass Karl I. zu Beginn seiner Regierung 20 Zentimeter größer gewesen sei als an deren Ende, sei das Interessanteste, was man über ihn sagen könne. Witzig, aber falsch. Denn Karl I. markiert eine der spannendsten Episoden englischer Geschichte. *** Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Professor Ronald G. Asch (Historiker, Experte für die Geschichte Englands im 17. Jahrhundert) *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Maren Gottschalk, Redaktion: Matti Hesse


Das englische Parlament verurteilt König Karl I. 1649 zum Tod durch das Schwert. Monty Python behauptet, die Tatsache, dass Karl der I. zu Beginn seiner Regierung 20 Zentimeter größer gewesen sei als an deren Ende, sei das Interessanteste, was man über ihn sagen könne. Witzig, aber falsch. Denn Karl I. markiert eine der spannendsten Episoden englischer Geschichte.

Nach dem Tod der letzten Tudorkönigin Elisabeth I. regieren die Stuarts zum ersten Mal England, Schottland und Irland in Personalunion. Auf diese Weise hat Karl protestantische und katholische Untertanen und sitzt auch privat zwischen den Stühlen. Seine Frau Henrietta Maria, eine französische Königstochter, ist katholisch; sein Schwager Friedrich V. von der Pfalz ist Protestant.

King Charles will die religiösen Gegensätze miteinander versöhnen, doch in einer Zeit, in der ganz Europa von einem verheerenden Glaubenskrieg verwüstet wird, kann das nicht gelingen. Außerdem fordert das englische Parlament politisches und religiöses Mitspracherecht.

In diesem Zeitzeichen erzählt Maren Gottschalk:
  • welche persönlichen Eigenschaften König Karl I. kennzeichnen,
  • von welchem Maler sich der Herrscher vorteilhaft porträtieren lässt,
  • welche Rolle der Parlamentarier Oliver Cromwell in seinem Leben spielt,
  • wie viele Parlamentarier König Karls Todesurteil unterzeichnet,
  • weshalb die Englische Revolution heute weniger bekannt ist als die Französische.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Professor Ronald G. Asch (Historiker, Experte für die Geschichte Englands im 17. Jahrhundert)
  • Peter Wende: Geschichte Englands. Stuttgart 1985
  • Dieter Berg: Oliver Cromwell, England und Europa im 17. Jahrhundert. Stuttgart, 2019
  • Ronald G. Asch: Der Hof Karls I. von England. Köln, 1993

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Autorin: Maren Gottschalk
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Sascha Schiemann

Oprah Winfrey, US-Talkshowmoderatorin (geboren am 29.1.1954)

Oprah Winfrey, US-Talkshowmoderatorin (geboren am 29.1.1954) WDR Zeitzeichen 29.01.2024 14:44 Min. Verfügbar bis 29.01.2099 WDR 5

Mit ihrer Gabe, sich in Menschen hineinzuversetzen und sie vor der Kamera zum Erzählen zu bewegen, wird Oprah Winfrey zur amerikanischen Ikone - und zur Milliardärin.

Bereits als Kind hat sie das Talent, Menschen zu Zuhörern zu machen. Die US-Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey hat ein großes Einfühlungsvermögen und den Mut, auch die eigenen Schwächen und Probleme in ihre Interviews mit einzubringen. Das macht sie für viele unwiderstehlich. *** Das ist unser Interviewpartner: Günter Leypoldt (Universität Heidelberg, Center for American Studies) *** Die Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Andrea Klasen, Redaktion: Gesa Rünker


Die Markenzeichen von US-Moderatorin Oprah Winfrey sind ihr Einfühlungsvermögen und ihr Mut, auch die eigenen Schwächen und Probleme in ihre Interviews mit einzubringen. Das hat mit ihren Erfahrungen zu tun. Als uneheliche Tochter minderjähriger Eltern kommt sie am 29. Januar 1954 im US-Bundesstaat Mississippi zur Welt.

Oprah wächst auf der Schweinefarm ihrer Großmutter auf, die so arm ist, dass Oprah Kleider aus Kartoffelsäcken trägt. Mit acht Jahren muss sie wieder zurück zu ihrer Mutter, wo chaotische Verhältnisse herrschen und Oprah Grausames erlebt: Sie wird von Familienmitgliedern vergewaltigt. Nach einer heimlichen Schwangerschaft stirbt das Kind nach einer Frühgeburt.

Doch Oprah ist eine Kämpferin. Sie nimmt ihr Leben in die Hand und besinnt sich auf ihre Stärken: Sie liebt es, auf Bühnen zu stehen, der Mittelpunkt zu sein, in Gottesdiensten als Solistin zu singen. Bereits als Kind hat sie das Talent, Menschen zu Zuhörern zu machen.

In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Klasen:
  • wer Oprah Winfrey in ihrer schweren Kindheit Halt gibt,
  • mit welchen Mitteln die Talkmasterin Nähe zu ihren Talkgästen herstellt,
  • was lebenslanges Lernen für sie bedeutet,
  • welche Prominenten von Oprah Winfrey schon interviewt worden sind,
  • wie geschäftstüchtig die Frau ist.

Das ist unser Interviewpartner:
  • Günter Leypoldt (Universität Heidelberg, Center for American Studies)

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Autorin: Andrea Klasen
Redaktion: Gesa Rünker
Technik: Nico Söllner

Premiere des Films "Die Feuerzangenbowle" (am 28.1.1944)

Premiere des Films "Die Feuerzangenbowle" (am 28.1.1944) WDR Zeitzeichen 28.01.2024 14:42 Min. Verfügbar bis 28.01.2099 WDR 5

Kauzige Lehrer, lustige Schüler, mittendrin Hans Pfeiffer, gespielt von Heinz Rühmann: Der Film "Die Feuerzangenbowle" wird bis heute gezeigt - und zitiert.

Die Kulissen der idyllische Kleinstadt Babenberg, in der der Film spielt, wurde in den UFA-Studios in Potsdam-Babelsberg aufgebaut. So sollte das Kino-Publikum Deutschland sehen - während es vom Nazi-Regime bereits in den Untergang geführt wurde. Dennoch: Die humorvolle Qualität des Films wird bis heute geschätzt. // Das ist unsere wichtigste Quelle: Oliver Ohmann: Heinz Rühmann und die Feuerzangenbowle: Die Geschichte eines Filmklassikers // Autor: Wolfgang Meyer, Redaktion: Gesa Rünker


Die deutsche Filmkomödie "Die Feuerzangenbowle" von 1944, unter der Regie von Helmut Weiss, basiert auf Heinrich Spoerls gleichnamigem Roman. Der Film erzählt die Geschichte von Hans Pfeiffer, gespielt von Heinz Rühmann, einem erfolgreichen Theaterautoren, der das Schulleben noch einmal erleben möchte. Getarnt als Schüler mischt sich Pfeiffer "mit drei 'f" in eine Oberschulklasse ein, bringt Schwung in den Alltag und wird zum Idol der Schüler sowie zum Schrecken seiner Professoren.

Babenberg, der Schauplatz des Films, bietet eine sonnenbeschienene Kleinstadtidylle und unschuldige Schülerstreiche. Doch die Realität sieht zu der Zeit in Nazi-Deutschland längst anders aus: Als die Uraufführung am 28. Januar 1944 in Berlin stattfindet, haben in der Nacht zuvor englische Flieger Berlin bombardiert. Währenddessen schöpfen die Kinobesucher Hoffnung in der heilen Kinotraumwelt - mit einem (fast) unpolitischen Durchhaltefilm.

Heinz Rühmanns humorvolle Darstellung und die amüsanten Verwicklungen während seiner vermeintlichen Schülerzeit machen "Die Feuerzangenbowle" auch nach dem Krieg zu einem der beliebtesten deutschen Kultfilme.

In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer:
  • warum der Film bis heute zu den größten Erfolgen Heinz Rühmanns zählt,
  • wie der die Kinobesucher bei der Premiere die Realität vergessen konnten,
  • warum Rühmann mit der Filmrolle unterm Arm im Nachtzug quer durch Deutschland fuhr,
  • weshalb Heinz Rühmann die Dreharbeiten in die Länge gezogen haben soll,
  • warum der beliebte Schauspieler auch kritisch zu sehen ist.

Das sind unsere wichtigsten Quellen:
  • Heinrich Spoerl: Die Feuerzangenbowle.
  • Gregor Ball u.a.: Heinz Rühmann und seine Filme. München 1985
  • Torsten Körner: Ein guter Freund – Heinz-Rühmann-Biographie. Berlin 2003
  • Oliver Ohmann: Heinz Rühmann und die Feuerzangenbowle: Die Geschichte eines Filmklassikers. Leipzig 2010

Weiterführende Links:

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Wolfgang Meyer
Redaktion: Gesa Rünker

Wilhelm II., letzter Kaiser Deutschlands, geboren am 27.1.1859

Wilhelm II., letzter Kaiser Deutschlands, geboren am 27.1.1859 WDR Zeitzeichen 27.01.2024 14:45 Min. Verfügbar bis 27.01.2099 WDR 5

Wilhelm II. ist politisch reaktionär und kulturell rückwärtsgewandt - er trägt Mitverantwortung für den Ersten Weltkrieg; doch moderne Technik fasziniert ihn sehr.

Durch sein oft großspurig empfundenes Auftreten verursacht Wilhelm II. als letzter deutscher Kaiser mehrfach innen- und außenpolitische Krisen. Mit seinem profunden Technikwissen kann er aber durchaus beeindrucken. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Wolfgang König, emeritierter Professor für Technikgeschichte *** Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Martin Herzog; Redaktion: Gesa Rünker


Die Regierungszeit von Wilhelm II. ist eine Zeit großer Erfindungen auf zahlreichen Gebieten. Die Eisenbahn, der Verbrennungsmotor, Flugzeug, Hubschrauber, Maschinengewehr oder der Reißverschluss sind nur einige davon.

Diese Welt im Umbruch dringt schon in Wilhelms Kinderstube, zunächst in Form von Kriegsspielzeug. Technik in jeder Form fasziniert ihn, auch die Glasbläsereien und Kohlebergwerke, in die ihn sein Erzieher Georg Ernst Hinzpeter mitnimmt.

Das Praktische, Handfeste ist sein Ding. Wenig anfangen kann er dagegen mit allem Musischen, Theoretischen, klagt Erzieher Hinzpeter: Wilhelm fehle "jede philosophische, höhere, ins Innere gehende Begabung [...]. Er hätte Maschinenbauer werden sollen!"

Kulturell ist Wilhelms Geisteswelt geprägt von Traditionalismus und reaktionären Ideen. Moderne Literatur verachtet er, moderne Kunst ist ihm ein Graus - wie übrigens der Mehrheit der Deutschen. Von den gesellschaftlichen Umwälzungen und Verwerfungen der Moderne will er nichts wissen. Auch wenn die oft genau durch jenen rasanten technischen Wandel hervorgerufen werden, den er so sehr feiert und fördert.

In diesem Zeitzeichen erzählt Martin Herzog:
  • wie Reichskanzler Bernhard von Bülow den Kaiser bei dessen Eitelkeit packen kann,
  • womit Wilhelm II. die Aussteller der Weltausstellung in Brüssel 1910 verblüfft,
  • was Erzieher Georg Ernst Hinzpeter jeden Mittwoch und Samstag mit dem jungen Wilhelm und dessen Bruder Heinrich unternimmt,
  • wer sich als Wilhelms wandelndes Wikipedia verdient macht.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Wolfgang König, emeritierter Professor für Technikgeschichte, Berlin
  • Fridl Brunckhorst, Karl Weber (Hgg.): Kaiser Wilhelm II. und seine Zeit. Regensburg 2016.
  • Wolfgang König: Wilhelm II. und die Moderne. Der Kaiser und die technisch-Industrielle Welt. Paderborn 2007

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Martin Herzog
Redaktion: Gesa Rünker
Onlineproducerin: Vera Kettenbach

"Home and Soul of Black Music": Das Apollo Theater

"Home and Soul of Black Music": Das Apollo Theater WDR Zeitzeichen 26.01.2024 14:45 Min. Verfügbar bis 26.01.2099 WDR 5

Das Apollo Theater in Harlem/New York, wird am 26.1.1934 für Schwarzes Publikum neu eröffnet. Nicht nur für Ella Fitzgerald und James Brown war das Apollo die wohl wichtigste Bühne.

Kein Zutritt für schwarze Gäste - in den 1920er-Jahren gilt diese rassistische Eintrittbeschränkung in New York in fast alle großen Theater und Nachtklubs. Es dauert Jahre, bis diese Regelung erstmals gekippt wird. Am 26. Januar 1934 ist es endlich so weit. Das Apollo-Theater an der 125. Straße im Stadtteil Harlem öffnet seine Tore auch für schwarze Menschen. *** Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Thomas Mau, Redaktion: David Rother


In den 1920er-Jahren präsentieren in New York fast alle großen Theater und Nachtklubs zwar schwarze Künstler auf der Bühne. Einem schwarzen Publikum bleibt der Zutritt jedoch verwehrt.

Bis diese rassistische Eintrittbeschränkung erstmals fällt, dauert es Jahre. Am 26. Januar 1934, einem Freitag, ist es endlich so weit. Das Apollo-Theater an der 125. Straße im Stadtteil Harlem öffnet seine Tore auch für schwarze Gäste.

Im Apollo beginnt die Karriere vieler afroamerikanische Künstler. Dazu gehören unter anderem Ella Fitzgerald, Sarah Vaughan, Billie Holiday, Sammy Davis Jr. und James Brown.

In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Mau:
  • was für 15 Cents alles geboten wird,
  • wie eine "Amateur Night" abläuft,
  • welcher Sänger 1962 das Millionenseller-Album "Live at the Apollo" aufnimmt,
  • wie viele Zuschauer das Apollo-Theater fasst.
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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Thomas Mau
Redaktion: David Rother

Arzt, Spion, Schriftsteller: William Somerset Maugham

Arzt, Spion, Schriftsteller: William Somerset Maugham WDR Zeitzeichen 25.01.2024 14:44 Min. Verfügbar bis 25.01.2099 WDR 5

William Somerset Maugham, geboren am 25.01.1874 in Paris, führt ein vielschichtiges Leben. Sein Roman "Des Menschen Hörigkeit" macht ihn weltberühmt.

Die fremden Welten in seinen Erzählungen, sein schnörkelloser Stil und seine unkonventionelle Lebensweise machen ihn populär und reich. Richtig glücklich ist William Somerset Maugham Zeit seines Lebens aber nie. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Christoph Ehland (Professor für englische Literatur- und Kulturwissenschaft, Universität Paderborn) *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Melahat Simsek, Redaktion: David Rother/Christoph Tiegel


Es sind die fremden Welten in seinen Erzählungen, sein klarer, schnörkelloser Stil und seine unkonventionelle Lebensweise, die ihn so populär - und auch reich - machen. Uneingeschränkt glücklich ist William Somerset Maugham Zeit seines Lebens aber nie.

Geboren wird er am 25. Januar 1874 in der britischen Botschaft in Paris - und ist damit englischer Staatsbürger. Sein Verhältnis zum Vaterland bleibt aber stets gespalten. Somerset Maugham wird früh zum Vollwaisen, beginnt mit zehn Jahren zu stottern. Ein Handicap, das dem als scheu geltenden William schwer zu schaffen macht.

Ungeachtet dessen führt Somerset Maugham ein schillerndes, rastloses Leben: Er studiert Medizin, lebt seine Bisexualität aus und wird sogar Geheimagent. Doch am wichtigsten für Somerset Maugham sind das Schreiben und Lesen. Insgesamt widmet der Brite 65 Jahre seines Lebens der Schriftstellerei - mit Erfolg. Sein Roman "Des Menschen Hörigkeit" ist bis heute eines der meistgelesenen Bücher überhaupt.

Neben dem Schreiben, zu dem er sich nach eigener Aussage hingezogen fühlt "wie eine Ente zum Wasser", sind ausgedehnte Reisen Maughams andere große Leidenschaft. Sie führen ihn bis nach Ostasien und auf die Südseeinseln. Hier erfährt er Freiheit, hier findet er Geschichten. Doch trotz des Ruhms stirbt William Somerset Maugham 1965 nach einem Sturz im Alter von 91 Jahren einsam und verbittert in Südfrankreich.

In diesem Zeitzeichen erzählt Melahat Simsek:
  • Was Somerset Maugham nach Heidelberg verschlägt und wie er da aufblüht,
  • warum er mit seiner großen Liebe eine Ehe zu dritt führt,
  • warum er sich mit England verbunden, dort aber nie richtig heimisch fühlt,
  • wie das Stottern sein Leben und seine Karriere beeinflusst.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Christoph Ehland (Professor für englische Literatur- und Kulturwissenschaft, Universität Paderborn)
  • Simone & Thomas Stölzel: W. Somerset Maugham - Leben und Werk (2010)

Weiterführender Link:

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Autorin: Melahat Simsek
Redaktion: David Rother/Christoph Tiegel
Onlineproducerin: Cora Lanzerath

Heimatfilme mit Realismus-Faktor: Der Regisseur Joseph Vilsmaier

Heimatfilme mit Realismus-Faktor: Der Regisseur Joseph Vilsmaier WDR Zeitzeichen 24.01.2024 14:43 Min. Verfügbar bis 24.01.2099 WDR 5

"Comedian Harmonists" oder "Schlafes Bruder": Der Regisseur Joseph Vilsmaier, geboren am 24.1.1939, hat mit Filmen viele Menschen erreicht; die Kritiker nicht immer.

Joseph Vilsmaier startet seine Karriere als Kameramann bei mehreren Tatorten, den Serien "Auf Achse" und "Rote Erde". Erst mit 49 Jahren führt er erstmals Regie. Der Film "Herbstmilch" wird unter anderem mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Rüdiger Suchsland, Filmkritiker *** Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Martina Meißner; Redaktion: Gesa Rünker


Joseph Vilsmaier kommt 1961 zur Bavaria Film - als Kaffeeholer und Materialassistent. Er wird Assistent an der dritten Kamera, Assistent an der zweiten, an der ersten. Nach elf Jahren macht er den ersten Film als Kameramann. Über 200 Fernsehfilme sollen es werden.

1985 hört Vilsmaier von der Bäuerin Anna Wimschneider, die ein Buch über ihr Leben geschrieben hat. Vilsmaier verschuldet sich und kauft für 100.000 Mark die Rechte an dem Buch mit dem Titel "Herbstmilch". Erstmals ist er nicht nur Kameramann, sondern auch Regisseur und Produzent. Der Film wird ein großer Erfolg und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Über zwei Millionen Zuschauer sehen ihn im Kino.

In seinen Filmen wirft Vilsmaier einen nostalgischen Blick auf sein eigenes Leben. Bei "Herbstmilch" ist es seine Kindheit. "Rama Dama" ist seine Erinnerung an den Krieg. Dann "Stalingrad" - wo drei seiner Brüder gefallen sind.

Vilsmaier ist selbst schon sterbenskrank, als er eine Komödie über den Tod dreht. "Der Boandlkramer und die ewige Liebe" mit Michael "Bully" Herbig in der Rolle des Todes. Die Premiere erlebt Joseph Vilsmaier nicht mehr. Im Februar 2020 wird er im Alter von 81 Jahren vom Boandlkramer abgeholt.

In diesem Zeitzeichen erzählt Martina Meißner:
  • Wie aus dem Bettwäschevertreter der Kameramann Vilsmaier wird,
  • dass seine Arbeit ihn auch mit seiner Frau Dana Vávrová zusammenbringt,
  • wie Vilsmaier sich für den Film "Schlafes Bruder" ein Kulissendorf "ausschnapst",
  • warum Vilsmaier sein Leben als "Fasching" bezeichnet.

Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner:
  • Rüdiger Suchsland, Filmkritiker
  • Ulrich Limmer, Drehbuchautor

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Martina Meißner
Redaktion: Gesa Rünker
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"Herr der Haie": Der Unterwasser-Filmer Hans Hass

"Herr der Haie": Der Unterwasser-Filmer Hans Hass WDR Zeitzeichen 23.01.2024 14:45 Min. Verfügbar bis 23.01.2034 WDR 5

Hans Hass (geboren am 23.1.1919) war Zoologe, Tauchpionier, Meeresforscher und nicht zuletzt ein Geschichtenerzähler: "Tauchen war für mich zuerst Abenteuer."

Hans Hass soll eigentlich die Kanzlei seines Vaters übernehmen und Rechtsanwalt werden. Doch dann kommt alles anders. Der Österreicher schreibt Bücher und dreht Filme. Besonders haben es Hass die Haie angetan. Er taucht mit ihnen und filmt sie. Wenn ihm die Tiere zu nah kommen, weiß er, was zu tun ist: direkt auf sie zuschwimmen. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Joachim Jakobsen (Tierfilmer) *** Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Ralph Erdenberger, Redaktion: Matti Hesse


Der Österreicher Hans Hass soll eigentlich die Kanzlei seines Vaters übernehmen und Rechtsanwalt werden. Doch dann kommt alles ganz anders. Er schreibt zahlreiche Bücher und dreht Filme. Für die Dokumentation "Unternehmen Xarifa" bekommt er in den 1950er-Jahren sogar einen Oscar. Der Film entsteht während der ersten großen Expedition mit dem gleichnamigen Forschungsschiff.

Besonders haben es Hass die Haie angetan. Er taucht mit ihnen und filmt sie. Da es zu der Zeit noch keine entsprechenden Kameras gibt, baut er sich einfach selber welche. Und wenn ihm die Tiere einmal zu nah kommen, weiß er genau, was zu tun ist: direkt auf sie zuschwimmen.

Insgesamt dreht Hass rund 70 Unterwasserfilme, die Dokumentarisches mit Unterhaltungselementen verknüpfen. Hass stirbt im hohen Alter von 94 Jahren in Wien. Im Bewusstsein, dass es auch nach ihm in der Welt unter Wasser noch so viel zu entdecken gibt.

In diesem Zeitzeichen erzählt Ralph Erdenberger:
  • Warum eine Reise nach Paris Hass‘ Leben verändert,
  • wie seine Frau Lotte zum Erfolg der Filme beiträgt,
  • über seine Pionierarbeit und warum Hass dennoch die wissenschaftliche Anerkennung versagt bleibt
  • wie der Zoologe über die zunehmende Verschmutzung der Meere denkt.

Das ist unser wichtigster Interviewpartner:
  • Joachim Jakobsen (Tierfilmer)

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Autor: Ralph Erdenberger
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Wandelbar und widersprüchlich: Der Dramatiker August Strindberg

Wandelbar und widersprüchlich: Der Dramatiker August Strindberg WDR Zeitzeichen 22.01.2024 14:41 Min. Verfügbar bis 22.01.2099 WDR 5

War August Strindberg (geboren am 22.1.1849) Frauenhasser oder erster Feminist? Fest steht: Die Themen des schwedischen Nationaldichters sind auch heute interessant.

August Strindberg gilt als einer der wichtigsten schwedischen Autoren. Im ausgehenden 19. Jahrhundert dominiert er die Literaturszene in Schweden, ist umstritten und oft in persönliche Konflikte verwickelt. Seine Romane, Novellen und Dramen zählen zu den Klassikern schwedischer Literatur. ***Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Dr. Peter Schütze, August Strindberg-Biograf ***Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Jana Magdanz, Redaktion: Matti Hesse.


Das Widersprüchliche, Sprunghafte, Wandelbare und vor allem das tief Empfundene kennzeichnen Leben und Werk des schwedischen Nationaldichters August Strindberg. Auch heute noch gibt es international ein großes Interesse an seiner schillernden Person und seinem facettenreichen Schaffen.
Strindberg ist ein Egozentriker. Er will auch schon als junger Mann als Schriftsteller Aufsehen erregen. Und er legt sich auch gleich mit den Größten seiner Zeit an, mit dem norwegischen Dramatiker Henrik Ibsen zum Beispiel. Seine ersten Stücke sind eigentlich Antworten auf Ibsens Stücke.
August Strindberg hat den Anspruch, nicht nur moderne Themen in seine Stücke und in seine Prosa aufzunehmen. Er will die Gesellschaft verändern, indem er die Missstände und deren Lösungsansätze nicht nur inhaltlich, sondern auch formal neu fasst. Damit sieht er sich Ibsen überlegen.

In diesem Zeitzeichen erzählt Jana Magdanz:
  • warum Strindberg für viele ein Frauenhasser ist,
  • Strindbergs Pendeln zwischen Oberschicht und Dienstboten,
  • womit Strindberg sich eine Anzeige der katholischen Kirche einhandelt,
  • warum der vermeintliche Kampf der Geschlechter eher der Kampf der Gehirne ist.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:

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Grigori Rasputin, russischer Wanderprediger (geb. am 21.1.1869)

Grigori Rasputin, russischer Wanderprediger (geb. am 21.1.1869) WDR Zeitzeichen 21.01.2024 14:39 Min. Verfügbar bis 21.01.2099 WDR 5

Viele Legenden ranken sich um Rasputin, den Prediger mit dem wilden Bart, mit den geheimnisumrankten Einfluss auf die Zarin, mit seiner angeblich großen sexuellen Energie.

Grigori Jefimowitsch Rasputin ist ein russischer Wanderprediger, dem Erfolge als Geistheiler nachgesagt werden. Er ist mit der Familie von Zar Nikolaus II., dem letzten russischen Monarchen, befreundet und gewinnt in den letzten Jahren des Zarenreichs großen Einfluss. ***Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Thomas Klug, Redaktion: David Rother


Ein Bauernsohn wird zur Projektionsfläche von Hoffnungen, Ängsten und Sehnsüchten: Über Grigori Rasputin gibt es viele Geschichten. Was stimmt, was ist erfunden? Klar ist: Er stammt aus Sibirien und war Vertrauter des letzten russischen Zaren.
Eine ungewöhnliche Verbindung: Rasputin kann kaum Lesen und Schreiben. Nach ein paar Jahren im Kloster zieht er als Wanderprediger durchs Land. Dabei soll es zu sexuellen Ausschweifungen mit seinen Jüngern und Jüngerinnen gekommen sein.

In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Klug:
  • wie Rasputin schon zu Lebzeiten zur Legende wird,
  • was Wodka mit Krieg zu tun hat,
  • wie Rasputin mit seinem "inbrünstigen Glauben" die Obrigkeit auf den Plan ruft
  • wie Rasputin zum Sündenbock und letztlich ermordet wird.

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Autor: Thomas Klug
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1749 im Schloss Versailles: Das Nashorn Clara wird präsentiert

1749 im Schloss Versailles: Das Nashorn Clara wird präsentiert WDR Zeitzeichen 20.01.2024 14:42 Min. Verfügbar bis 20.01.2099 WDR 5

Der französische König ist vom Nashorn Clara im Januar 1749 angetan. Wie ist es dorthin gelangt? Claras Odyssee erzählt viel über das Verhältnis von Mensch und Tier.

Ein Nashorn auf Europa-Tournee: Mitte des 18. Jahrhunderts ist das Tier aus Indien gezwungenermaßen in vielen Ländern zu Gast. Im deutschsprachigen wird sie "Jungfer Clara" genannt. Ihre Auftritte finden in Scheunen statt, manchmal aber auch in Palästen. Wie im Januar 1749 im französischen Versailles. *** Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Dieter Salzgeber (Kunsthistoriker), Gero Seelig (Museumskurator) *** Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Jürgen Werth, Redaktion: Matti Hesse.


Geboren wird Clara vermutlich im Jahr 1738. Sie ist drei Jahre alt, als sie vom Direktor der Niederländischen Ostindien-Kompanie in Kalkutta gekauft wird - als Spielgefährtin für dessen Kinder. Als das Tier dafür zu groß wird, übernimmt es ein Kapitän. So landet Clara in Europa, wo sie in vielen Ländern als Sensation präsentiert wird.
Sie tritt in Scheunen auf, aber auch in Palästen. Im Januar 1749 wird sie in Versailles vorgeführt. Der französische König will Clara für seinen Zoo kaufen. Aber der Besitzer verlangt einen Preis, der selbst Ludwig XV. zu hoch ist. Er lehnt dankend ab.

In diesem Zeitzeichen erzählt Jürgen Werth:
  • welche anderen Prominenten in Europa sich an Clara ergötzen,
  • mit welchen Worten Schausteller für das Nashorn werben,
  • was die Nähe zu Menschenmengen für Wildtiere bedeuten,
  • wann das erste Nashorn in Europa eintrifft,
  • wie alt Clara wird.

Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner:
  • Dieter Salzgeber (Kunsthistoriker)
  • Gero Seelig (Museumskurator)
  • Tobias Rahde (Zoo-Kurator, verstorben)
  • Stefan Ziegler (WWF)

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Jürgen Werth
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Holger Maerten

Theodosius wird Kaiser im Osten des Römisches Reiches

Theodosius wird Kaiser im Osten des Römisches Reiches WDR Zeitzeichen 19.01.2024 14:37 Min. Verfügbar bis 19.01.2099 WDR 5

Am 19.1.379 wird Theodosius Kaiser. Wie ihm das gelingt, darüber rätseln Forscherinnen und Forscher bis heute. Fest steht: Als Kaiser ist er modern und sehr erfolgreich.

Im Jahr 378 dringen gotische Kriegerverbände in das Römische Reich ein und töten Kaiser Valens, der für die östliche Reichshälfte zuständig ist. Da schlägt die Stunde von Theodosius. Er wird am 19. Januar 379 zum Nachfolger des verstorbenen Herrschers ernannt. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Professor Felix Maier (Althistoriker, Universität Zürich) *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Marfa Heimbach, Redaktion: Matti Hesse


Im Jahr 378 dringen gotische Kriegerverbände tief ins Römische Reich vor – über die Donau bis Adrianopel, dem heute türkischen Edirne. Die Römer erleben einen Schock: Das römische Heer unterliegt einem gotischen Kriegerverband. Dabei wird auch Kaiser Valens getötet, der für die östliche Reichshälfte zuständig ist.
Das ist die Stunde von Theodosius. Er wird am 19. Januar 379 zum Nachfolger ausgerufen. Wie es dazu kommt, ist bis heute unklar. In der Schlacht von Adrianopel ist er jedenfalls nicht dabei. Ernannt wird Theodosius von Kaiser Gratian, der für die westliche Hälfte des Römischen Reiches zuständig ist.
Kaiser Theodosius stößt mit seinen Methoden innenpolitisch auf Widerstand. Doch es gelingt ihm mit einer neuen Strategie, die Goten von Konstantinopel fernzuhalten: Er setzt auf Friedensverträge statt militärische Siege.

In diesem Zeitzeichen erzählt Marfa Heimbach:
  • wo Theodosius geboren wird,
  • welche Rolle sein Vater im Römischen Reich spielt,
  • wie er sich vom militärischen Erfolgsdruck löst,
  • wie er das römische Kaisertum neu definiert,
  • welches Machtwort Theodosius zugunsten der Katholiken spricht.
Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Professor Felix Maier (Althistoriker, Universität Zürich)
  • F. K. Maier: Palastrevolution. Der Weg zum hauptstädtischen Kaisertum im Römischen Reich des vierten Jahrhunderts, Leiden 2019
  • H. Leppin: Theodosius der Große, Darmstadt 2003
Weiterführender Link:
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Autorin: Marfa Heimbach
Redaktion: Matti Hesse
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Toni Turek, Torwart und "Fußballgott von Bern"

Toni Turek, Torwart und "Fußballgott von Bern" WDR Zeitzeichen 18.01.2024 14:47 Min. Verfügbar bis 18.01.2099 WDR 5

Toni Turek, geboren am 18.1.1919, ist einer der Fußballhelden des "Wunders von Bern": Seine Paraden retteten Deutschland die Führung im Endspiel der Fußball-WM 1954 - dabei war die erste Halbzeit gar nicht gut für ihn gelaufen...

Als Anton "Toni" Turek am 18. Januar 1919 in Duisburg Wanheimerort zur Welt kommt, ist die Hoffnung auf eine goldene Zukunft in der kleinen Mietwohnung nicht mehr als ein Luftschloss. 35 Jahre später wächst Turek als Torhüter im WM-Finale Deutschland - Ungarn über sich hinaus. Er wird zum "Fußballgott" und einer der Helden von Bern.*** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Manuel Neukirchner, Direktor Deutsches Fußball-Museum *** Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Burkhard Hupe; Redaktion: Christoph Tiegel und David Rother


Anton "Toni" Turek steht schon als kleiner Junge beim Straßenfußball in Duisburg Wanheimerort im Fußballtor.
Im Sommer 1954 wird Turek als Keeper der deutschen Nationalmannschaft einer der Helden von Bern. Kurz vor Schluss rettet er mit einer Glanztat den 3:2 Sieg der Deutschen.
In diesem Augenblick wird Turek durch den Radio-Reporter Herbert Zimmermann zur lebenden Legende erhoben. "Die Verteidiger der Ungarn müssen weit mit aufrücken. Jetzt heben sie den Ball in den Strafraum hinein…Schuss!...Abwehr von Turek! Turek du bist ein Teufelskerl. Turek, du bist ein Fußballgott!"
Das Glück von Bern hält für Turek ein ganzes Leben. Die Gesundheit verlässt den Fußballgott dagegen schon bald. Immer wieder hat Turek mit Lähmungserscheinungen zu kämpfen, vermutlich ausgelöst durch einen Granatsplitter in seinem Kopf, der ihn im Zweiten Weltkrieg schwer verwundet. Die WM-Helden von Bern richten ein Benefizspiel aus, es kommen aber nur 3.500 Zuschauer.
Toni Turek stirbt ein halbes Jahr nach einem Herzinfarkt und einem Hirnschlag am 11. Mai 1984 im Alter von 65 Jahren.

In diesem Zeitzeichen erzählt Burkhard Hupe:
  • wie Toni Turek den Weg ins Fußballtor findet,
  • womit Rot-Weiß Essen Sepp Herbergers Zorn weckt,
  • wie Wilhelmine Turek ihrem Mann Toni in amerikanischer Kriegsgefangenschaft das Überleben sichert,
  • vom kaum beachteten Karriereende Toni Tureks.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Manuel Neukirchner, Direktor Deutsches Fußball-Museum
  • O-Ton Hörfunkreportage Herbert Zimmermann
  • O-Ton Rudi Michel, Radio- und Fernsehreporter

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Autor: Burkhard Hupe
Redaktion: Christoph Tiegel und David Rother
Onlineproducerin: Vera Kettenbach

Smog: Gefährliche Konzentration von Schadstoffen in der Luft

Smog: Gefährliche Konzentration von Schadstoffen in der Luft WDR Zeitzeichen 17.01.2024 14:38 Min. Verfügbar bis 17.01.2099 WDR 5

Im Haus bleiben, Fenster geschlossen halten, Auto stehen lassen: So lauten am 17.1.1979 die Anweisungen beim bundesweit ersten Smog Alarm im Ruhrgebiet.

Als Reaktion auf den großen Smog in London 1952 und den Smog-Tagen 1962 im Ruhrgebiet hat die NRW-Landesregierung ein Warnsystem initiiert. Mit verschiedenen Maßnahmen soll im Ernstfall verhindert werden, dass durch eine hohe Luftverschmutzung Menschen sterben. Im Januar 1979 tritt der erste Ernstfall ein. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Frank Uekötter, Professor für Umweltgeschichte an der Ruhr-Universität Bochum *** Das sind die Macherinnen und Macher hinter dem Zeitzeichen: Autorin: Veronika Bock, Autor: Ulrich Biermann, Redaktion: Gesa Rünker


Das Jahr 1979 beginnt mit dicker Luft: Das westliche Ruhrgebiet ist umhüllt von einer Dunstglocke. Smog nennen die Engländer diese Mischung aus Nebel (fog) und Rauch (smoke), die den Bewohnern die Sicht versperrt und ihnen die Luft zum Atmen nimmt. Weil eine obere warme Luftschicht die untere kalte Luft am Boden hält, können Abgase nicht abziehen.

So schnellen Mitte Januar die Stickoxidwerte im Ruhrgebiet so in die Höhe, dass die Landesregierung Düsseldorf zum ersten Mal eine Smogwarnung der Stufe eins ausgibt. In der ersten Warnstufe werden Bürger und Industrie noch gebeten, alle Arten von Verbrennungen zu reduzieren, der Verzicht ist aber freiwillig. Zum Glück kommt bald schon Wind auf und der gefährliche Nebel lichtet sich wieder.

Sechs Jahre später ist die Lage ernster. Im Januar 1985 muss die NRW-Landesregierung Smogalarm der Stufe drei auslösen. Damit ist die Zeit des Bittens vorbei: Alle Unternehmen, die Luftverschmutzung verursachen, müssen ihren Betrieb einstellen. In einigen Teilen des Ruhrgebiets dürfen keine Autos mehr fahren, die Schulen bleiben geschlossen.

In diesem Zeitzeichen erzählen Veronika Bock und Ulrich Biermann:
  • warum sich im Januar 1979 viele an einen Film erinnern, den Wolfgang Menge sechs Jahre zuvor in Szene gesetzt hat,
  • wie noch in den 1960er Jahren die Smoggefahren für die Gesundheit beschwichtigt werden,
  • über den "Great Smog" in London mit Tausenden Toten im Jahr 1952,
  • warum es heute keinen Smogalarm mehr gibt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:

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Autorin: Veronika Bock
Autor: Ulrich Biermann
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Thomas Fritsch, Schauspieler und Synchronsprecher

Thomas Fritsch, Schauspieler und Synchronsprecher WDR Zeitzeichen 16.01.2024 14:42 Min. Verfügbar bis 16.01.2099 WDR 5

Fans der "???"-Hörspiele lieben die Stimme von Thomas Fritsch (geboren am 16.1.1944). In den 1960er Jahren sollte niemand wissen, dass der Frauenschwarm des deutschen Films schwul war.

In jungen Jahren verkörpert Thomas Fritsch den singenden Sunnyboy neben Filmgrößen wie Lilli Palmer und Hildegard Knef. Später spielt er in "Derrick", "Rivalen der Rennbahn" oder "Drei sind einer zuviel" mit. Und er wird die deutsche Stimme von Russell Crowe und Scar aus "König der Löwen". *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Oliver Kalkofe, Schauspieler, Autor, Komiker *** Das sind die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Fritz Schaefer, Redaktion: David Rother


Geboren wird Thomas Fritsch als Sohn des Ufa-Schauspiel-Stars Willy Fritsch und der Tänzerin Dinah Grace. Die Eltern sind wenig überrascht, als sich der junge Thomas für die Schauspielerei entscheidet. Die Karriere beginnt für den gut aussehenden Fritsch erfolgreich, 1963 wird er als bester Nachwuchsschauspieler mit dem Bambi ausgezeichnet. Zu seinem Leidwesen wird Fritsch vor allem für romantische und leichte Rollen gebucht.

Nach einem Karriereknick gelingt Thomas Fritsch Ende der 70er-Jahre das Comeback mit der Serie "Drei sind einer zuviel", mit Jutta Speidel und Herbert Herrmann. Später steht er mit "Rivalen der Rennbahn" wieder im Fokus der Öffentlichkeit – und als Synchronsprecher. Seine Baritonstimme ist bei "Findet Nemo", "König der Löwen" und den "Drei Fragezeichen" dabei. In dem Kinofilm "Der WIXXer" hat Thomas Fritsch als Mopszüchter "Earl of Cockwood" seinen letzten großen Filmauftritt. Fritsch stirbt 2021 nach einer Demenzerkrankung.

In diesem Zeitzeichen erzählt Fritz Schaefer:
  • über die innige Beziehung von Thomas Fritsch zu seiner Mutter,
  • wie Gustaf Gründgens sein Schauspieltalent prüft,
  • warum er seine Homosexualität lange geheim hält,
  • über Fritschs Zufluchtsort Mykonos,
  • wie der Schauspieler einen Gehirntumor überwand.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • René Heinersdorff, Schauspieler, Regisseur, Theaterintendant
  • Heikedine Körting, Hörspielproduzentin "Die drei ???"
  • Oliver Kalkofe, Schauspieler, Autor, Komiker

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Autor: Fritz Schaefer
Redaktion: David Rother

Anarchist, Sozialist, Querdenker: Pierre-Joseph Proudhon

Anarchist, Sozialist, Querdenker: Pierre-Joseph Proudhon WDR Zeitzeichen 15.01.2024 13:29 Min. Verfügbar bis 15.01.2099 WDR 5

"Eigentum ist Diebstahl", schreibt Pierre-Joseph Proudhon, geboren am 15.1.1809. Doch der Kommunismus im Sinne von Karl Marx ist nicht sein Ziel.

Der Franzose Pierre-Joseph Proudhon gilt als einer der großen Denker des 19. Jahrhunderts, der die Rechte der einfachen Bevölkerung stärken und die der Mächtigen beschneiden will. Seine Schriften werden von Tolstoi, Marx und Bakunin gelesen – und heftig diskutiert. Seine Ideen bringen ihn ins Parlament und Gefängnis. *** Das sind unsere wichtigsten Interviewpartnerinnen und -partner: Anne-Sophie Chambost, Professorin für Rechtsgeschichte an der Universität Lyon und Edouard Jourdain, Biografie-Autor von Pierre-Joseph Proudhon *** Autorin: Sabine Mann, Redaktion: Gesa Rünker


Als armer Sohn eines Küfers und einer Köchin bekommt der begabte Pierre-Joseph Proudhon zwar ein Stipendium für die höhere Schule, kann sie aber aus Geldmangel nicht abschließen. Der Junge aus Besançon empfindet seine Armut als Erniedrigung, die daraus resultierende Wut wird zu seinem Antrieb für mehr Gerechtigkeit zu kämpfen. Der Autodidakt löst schon mit seinem ersten Essay über ein neues Rechts- und Regierungsprinzip eine hitzige Debatte aus, in dem er festhält: "Eigentum ist Diebstahl!"

Doch Pierre-Joseph Proudhon ist kein Revolutionär, der mit den Messer zwischen den Zähnen zum Kampf aufruft. Vielmehr versucht er als Abgeordneter das System von innen zu ändern: "Wir werden gleichzeitig konservativ und fortschrittlich sein; denn nur in dieser doppelten Eigenschaft sind wir Revolutionäre". Er scheitert und seine Gegner bringen ihn ins Gefängnis. Und er sieht die Gefahren, die der Sozialismus und Kommunismus mit sich bringen und mahnt schon zu Lebzeiten, dass man "sich vor politischen Erschütterungen in Acht nehmen müsse, weil sie oft von Diktaturen abgelöst würden."

In diesem Zeitzeichen erzählt Sabine Mann:
  • wie es Pierre-Joseph Proudhon fast ohne Schulbildung in die französische Elite geschafft hat,
  • über Antisemitismus in seinen Schriften,
  • warum man ihn zu einer Gefängnisstrafe verurteilt,
  • über sein diskriminierendes Frauenbild.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Anne-Sophie Chambost, Professorin für Rechtsgeschichte, Universität Lyon
  • Edouard Jourdain, Biografie-Autor von Pierre-Joseph Proudhon
  • Pierre-Joseph Proudhon, zitiert inThibault Isabel: Pierre-Joseph Proudhon. L’anarchie sans le désordre. Paris. 2017.
  • Pierre-Joseph Proudhon: "Qu’est-ce que la propriété ou recherches sur le principe du droit et du gouvernement". Paris. 1840.
  • Pierre-Joseph Proudhon: "Carnets", zitiert von Edouard Jourdain, France Culture. 1919.
  • Pierre-Joseph Proudhon: "Jetzt beklagen sich die Trottel. Unveröffentlichte Notizen aus dem Kerker". Auszüge in Le Monde diplomatique. 16. Januar 2009.

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Redaktion: Gesa Rünker
Technik: Joseph Bader

Nicht Graham Bell: Wie Philipp Reis das Telefon erfand

Nicht Graham Bell: Wie Philipp Reis das Telefon erfand WDR Zeitzeichen 14.01.2024 14:16 Min. Verfügbar bis 14.01.2099 WDR 5

Philipp Reis (gestorben 14.1.1874): Ein hessischer Tüftler, der mit seinem "Telephon" die Welt verändert hat. Reich werden sollte er damit nicht.

Er ist wissbegierig, schlau, kommunikativ und handwerklich geschickt: Philipp Reis bringt alle Eigenschaften mit, die ein Erfinder benötigt. Nur an die Universität schafft er es nicht – und so nimmt die deutsche Physik- und Industriellen-Elite seine Erfindungen nicht ernst. Ein Fehler, wie sich später herausstellt. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Wolfram Weimer, Verleger und Publizist *** Das sind die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Martina Meißner, Redaktion: Matti Hesse


Geboren wird Philipp Reis 1834 in der hessischen Kleinstadt Gelnhausen in eine Bäckerfamilie hinein. Die Eltern sterben früh, Reis wird von seinem Vormund in eine Kaufmannslehre geschickt. Doch in seiner Freizeit begeistert sich der blitzgescheite und handwerklich versierte Reis für Naturwissenschaft und Technik. So gelingt es ihm als Nichtakademiker auch, eine Anstellung als Lehrer zu finden. Begeistert unterrichtet er seine Schüler und baut für ihr besseres Verständnis ein Modell von einem menschlichen Ohr.

"Seitdem hatte ich die Idee, ob man nicht einen Apparat bauen kann, mit dem man die menschliche Stimme auf weite Entfernungen hörbar machen kann", erinnert sich Philipp Reis später. Die ersten Prototypen bestehen aus einer Hasenblase, einer Stricknadel und einer Geige. Tatsächlich gelingt es ihm, Töne zu transportieren und Reis entwickelt seine Apparatur ständig fort. Er präsentiert seine Erfindung und die Weiterentwicklungen anderen Wissenschaftlern, Industriellen, Politikern – und sogar dem österreichischen Kaiser.

Nur das Potenzial erkennen weder Forscher noch Investoren. Die Eliten nehmen Philipp Reis, den Nichtakademiker aus der hessischen Provinz, nicht wirklich ernst. Anders der US-Amerikaner Graham Bell. Er lässt sich ein Reis-Telefon schicken, entwickelt es weiter und wird als Telefon-Pionier mehr als reich. Den Siegeszug des Telefons erlebt Philipp Reis nicht mehr. Er stirbt am 14.1.1874 an Tuberkulose.

In diesem Zeitzeichen erzählt Martina Meißner
  • welche kuriosen Dinge Philipp Reis noch erfunden hat,
  • warum der Tüftler für seine Beweise den Satz "Ein Pferd frisst keinen Gurkensalat" wählt,
  • warum sich der Industrielle Werner von Siemens noch lange über seine Begegnung mit Reis ärgert,
  • wie die US-Amerikaner Graham Bell und Elisha Gray beide die Erfindung des Telefons für sich in Anspruch nehmen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Wolfram Weimer, Verleger und Publizist
  • Wolfram Weimer: Der vergessene Erfinder: Wie Philipp Reis das Telefon erfand. München. 2019.

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Autorin: Martina Meißner
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Alexander Buske

Seit fast 1.000 Jahren Venedigs erster Hingucker: Der Markusdom

Seit fast 1.000 Jahren Venedigs erster Hingucker: Der Markusdom WDR Zeitzeichen 13.01.2024 14:45 Min. Verfügbar bis 13.01.2099 WDR 5

Über den aus Alexandria überführten Gebeinen des Evangelisten Markus errichten die Venezianer dreimal eine Kirche, zuletzt die Basilika San Marco. Sie wird 1094 geweiht.

Mit seinem 98 Meter hohen Glockenturm und seinen sieben Kuppeln prägt der Markusdom wie kein anderes Bauwerk das Stadtbild von Venedig. Auch das Innere kann sich sehen lassen: Mit den Mosaiken und vielen Kunstwerken gilt der Dom als eine der schönsten und üppigsten Kirchen der Welt – deren Schutz vor Hochwasser und Unwettern den Venezianern viel abverlangt. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Architekt Mario Piana *** Das sind die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Hildburg Heider, Redaktion: Christoph Tiegel und David Rother


Geweiht ist die Markuskirche dem Evangelisten und Märtyrer auf dem ägyptischen Alexandria. Im Jahr 828 bringen venezianische Kaufleute seine Gebeine mit einer kleinen List in die Lagunenstadt. Sie entwenden nachts die Reliquien und verstecken sie in einem Korb mit Schweinefleisch. Weil Juden und Muslime das Schweinefleisch als unrein ansehen, kann so die Zollkontrolle umgangen werden.

Die venezianische Stadtregierung erkennt die Bedeutung der Reliquie und errichtet ihr zu Ehren eine hölzerne Kirche neben dem noch bescheidenen Dogenpalast. Es ist die Geburtsstunde des Markuskults, der mit vielen Pilgern auch weiteres Geld in die Stadtkassen bringt. Später findet Markus als geflügelter Löwe mit einem Buch in den Tatzen einen Platz im Stadtwappen. Der heutige Dom ist die dritte Markuskirche. Sie wird am 13. Januar 1094 feierlich geweiht.

In diesem Zeitzeichen erzählt Hildburg Heider:
  • wie der Markusdom Rainer Maria Rilke und Mark Twain fasziniert,
  • wie ein Engel Markus seine letzte Ruhestätte offenbart,
  • wie problematisch die Lage an der Lagune für das Bauwerk ist.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Mario Piana, Leitender Architekt der Restaurierung von San Marco.
  • Birgit Haustedt: Das schöne Gegengewicht der Welt – Mit Rilke durch Venedig. Insel Verlag 2016

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Autorin: Hildburg Heider
Redaktion: Christoph Tiegel und David Rother

Modern in seiner Zeit: Der Komponist Reinhard Keiser

Modern in seiner Zeit: Der Komponist Reinhard Keiser WDR Zeitzeichen 12.01.2024 14:36 Min. Verfügbar bis 12.01.2099 WDR 5

Händel und Telemann sind seine Fans, mit seiner Musik will er die Texte verdeutlichen: Reinhard Kaiser, getauft am 12.1.1674, wird im 18. Jahrhundert als bedeutendster deutscher Opernkomponist gefeiert.

Wer Reinhard Keiser an die Musik heranführt hat, ist bis heute nicht ganz klar. Aber der Junge wird an der renommierten Leipziger Thomasschule ausgebildet – spätestens dort dürfte sein ausgesprochenes Musiktalent aufgefallen sein. In der Folge entwickelt sich Keiser zum exzentrischen Opernkomponisten, dessen Aufführungen im deutschen Bürgertum für Furore sorgen. *** Das ist unser wichtigster Gesprächspartner: Thomas Ihlenfeldt (†), Dirigent und Keiser-Experte. *** Das sind die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christoph Vratz, Redaktion: Gesa Rünker


Zeitgenossen und berühmte Musikschriftsteller des 18. Jahrhunderts sind voll des Lobes. Kein Wunder, gilt Reinhard Keiser doch als der bedeutendste Opern-Komponist seiner Zeit.

An der Leipziger Thomasschule ausgebildet, zieht es Keiser über Braunschweig 1697 nach Hamburg, wo er mit der Oper am Gänsemarkt das erste städtische Opernhaus in Deutschland prägt. Keiser schreibt selbst Opern, rund 70 sollen es gewesen sein. Nur von einem Teil sind Partituren erhalten, von anderen lediglich das Textbuch. Er schreibt Bühnenwerke über Störtebeker, den Karneval von Venedig, Boris Godunow oder das "Zerstörte Troja".

Für Reinhard Keiser steht die Geschichte im Mittelpunkt und das Singen oder das Musizieren als l’art pour l’art, sinngemäß "die Kunst um der Kunst willen", eher im Hintergrund. Er zeigt die Figuren als lebendige Menschen auf der Bühne, die sich im Gesang ausdrücken. Singen um des Singens willen, das Schön-Singen, ist zweitrangig.

Von Aufenthalten in Stuttgart und Kopenhagen abgesehen, bleibt Keiser bis zuletzt in Hamburg. Er wird Kantor am dortigen Dom und schreibt nun überwiegend Kirchenmusik. Reinhard Keiser stirbt mit 65 Jahren am 12. September 1739 in Hamburg.

In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vratz:
  • was außer dem Taufdatum über die Herkunft Reinhard Keisers bekannt ist,
  • was die Hamburger Oper am Gänsemarkt im 17. Jahrhundert so besonders macht,
  • vom Interesse bedeutender Komponisten am Schaffen Reinhard Keisers,
  • dass die Darsteller in Keisers Opern nicht nur als Sänger gefordert sind,
  • welche unappetitlichen Verzierungen das Hamburger Millerntor Ende des 17. Jahrhunderts erhält.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Thomas Ihlenfeldt (†), Dirigent und Keiser-Experte.
  • Walter Rösler: Reinhard Keiser – "Le premier homme du monde", in: Booklet zur Aufnahme "Croesus" mit René Jacobs.
  • Christine Blanken: "Keiser, Reinhard", in: Ludwig (Hg.) Finscher: Die Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG). Allgemeine Enzyklopädie der Musik, begründet von Friedrich Blume. 2., neubearb. Ausgabe.

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Christoph Vratz
Redaktion: Gesa Rünker

Italiens großer Liedermacher Fabrizio De André

Italiens großer Liedermacher Fabrizio De André WDR Zeitzeichen 11.01.2024 16:20 Min. Verfügbar bis 11.01.2099 WDR 5

Kein langes, aber ein reiches, volles Leben – und eine Musik, für die die Italiener Fabrizio De André noch immer verehren, auch 25 Jahre nach seinem Tod am 11.1.1999...

Mit 18 Jahren verlässt der Unternehmersohn die elterliche Villa und zieht in den verrufenen Genueser Stadtteil Prè, wo Seeleute sich in Bars tummeln, Drogen aus aller Welt ankommen und leichte Mädchen an Häuserwänden lehnen. Hier lebt Fabrizio De André zusammen mit den Ausgestoßenen, auf die das Bürgertum herabblickt – und denen er in seinen Liedern eine Stimme gibt. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Eric Pfeil, Musiker und Buchautor aus Köln *** Das sind die Macher und Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Andrea Klasen, Redaktion: David Rother.


Fabrizio De André ist kein Sänger. Er ist ein Dichter, der singt. Seine Texte erzählen von Menschen, die ausgestoßen sind, Leid durchleben. De André taucht tief in Bilder und Gefühle hinein. Auf der Bühne wirkt sein langer Pony oft wie ein Vorhang, den er zuzieht, um zu singen.

De André kommt aus einem wohlhabenden Elternhaus, was nicht unwichtig ist. Der Vater ist Geschäftsmann, die Mutter von Haus aus wohlhabend. Das ist genau das Leben, das Fabrizio nicht will und gegen das er mit seiner Musik aufbegehrt.

Ein Meisterwerk gelingt Fabrizio De André 1984 mit dem ungewöhnlichen Album "Crêuza de mä", zu Deutsch "Kleiner Pfad runter zum Meer". Es gilt als eines der besten Alben der 80er-Jahre. Danach produziert Fabrizio De André noch zwei Platten. Drei Jahre vor seinem Tod "Anime salve", zu Deutsch "Gerettete Seelen", erneut eine Hommage an die Menschen am Rande. Am 11. Januar 1999 stirbt der große Cantautore Fabrizio De André mit 59 Jahren an Lungenkrebs.

In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Klasen:
  • wie Fabrizio De André mit der Geige nichts anfangen kann, aber mit der Gitarre zur Musik findet,
  • mit welcher Beziehung Fabrizio seine Eltern schockiert,
  • welche Rolle die junge Prostituierte Marinella in De Andrés Karriere spielt,
  • was Fabrizio am Sterbebett seines Vaters verspricht,
  • wie De André und seine Freundin entführt werden und eine besondere Beziehung zu den Entführern eingehen.

Hier gehts es zur "Fabrizio de André"-Spotify-Playlist der Zeitzeichen-Autorin Andrea Klasen

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Eric Pfeil, Musiker und Buchautor aus Köln
  • Eric Pfeil: "Azzurro - mit hundert Songs durch Italien", Köln 2022.
  • Peter Burri; Ruedi Ankli: "Cantautore Republic - die italienischen Rockpoeten, ihre Geschichte, ihre Texte mit über 120 Liedern italienisch/deutsch", Basel 1985 (nur noch antiquarisch erhältlich).

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Autorin: Andrea Klasen
Redaktion: David Rother
Technik: Christina Gabriel
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Reisender, Schriftsteller, Revolutionär: Georg Forster

Reisender, Schriftsteller, Revolutionär: Georg Forster WDR Zeitzeichen 10.01.2024 14:44 Min. Verfügbar bis 10.01.2099 WDR 5

Als Reiseschriftsteller wird er in Deutschland gefeiert, als Revolutionär später geächtet: Georg Forster, gestorben am 10.1.1794, ist am Ende seines Lebens allein.

Georg Forster ist ein deutscher Reisender, Schriftsteller, Revolutionär in der Zeit der Aufklärung. Forster gilt als einer der ersten Vertreter der wissenschaftlichen Reiseliteratur. Daneben tritt er auch als Übersetzer, Journalist und Essayist hervor. *** Unsere wichtigsten Interviewpartner: Klaus Harpprecht, Journalist und Georg Forsters Biograf; Frank Vorpahl, Journalist und Buchautor. *** Die Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Andrea Kath, Redaktion: Gesa Rünker.


Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - für diese Ideale geht Georg Forster ins Exil. Ende des 18. Jahrhunderts ist er einer der führenden Jakobiner in Deutschland und glühender Anhänger der Französischen Revolution.
Forster ist zu Lebzeiten eine Berühmtheit. Als Illustrator an Bord bei der zweiten Weltumseglung von James Cook gehört er seit seinen Schilderungen von dieser "Reise um die Welt" zu den brillanten Schriftstellern seiner Zeit. Johann Wolfgang von Goethe ist von ihm begeistert, Christoph Martin Wieland schätzt ihn und für den jungen Alexander von Humboldt ist er ein Idol.
Als Mitbegründer der ersten deutschen Republik in Mainz muss Forster 1793 nach deren Ende im Pariser Exil bleiben und darf nicht zurück nach Deutschland. Nur wenige Jahre nach seinem Tod am 10. Januar 1794 in Paris ist Georg Forster in Deutschland fast vollkommen vergessen.

In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Kath:
  • wie Georg Forster schon als Jugendlicher mit außergewöhnlicher Begabung seine Familie unterstützt,
  • wie Forster als Illustrator mit James Cook auf Reisen geht,
  • dass Georgs Forschungsdrang seine Ehe belastet,
  • von Forsters Zweifeln an der Französischen Revolution.

Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner und Quellen:
  • Klaus Harpprecht (Interview von 2009), Journalist und Buchautor, Georg Forsters Biograf
  • Frank Vorpahl, Journalist und Buchautor, Kurator einiger Ausstellungen zu Georg Forster
  • Georg Forster und Gerhard Steiner (Hg.): "Reise um die Welt". 1983
  • Klaus Harpprecht: "Georg Forster oder die Liebe zur Welt: Eine Biographie". 1990
  • Frank Vorpahl: "Der Welterkunder: Auf der Suche nach Georg Forster". 2018

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Autorin: Andrea Kath
Redaktion: Gesa Rünker
Technik: Sascha Schiemann
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Mehr Enttäuschung als Hoffnung: Der Dramatiker Heiner Müller

Mehr Enttäuschung als Hoffnung: Der Dramatiker Heiner Müller WDR Zeitzeichen 09.01.2024 14:45 Min. Verfügbar bis 09.01.2099 WDR 5

Heiner Müller (geboren am 9.1.1929) ist einer der bedeutendsten Dramatiker des 20. Jahrhunderts. Schonungslos wühlt er sich durch die Schrecken der Weltgeschichte.

Der überzeugte DDR-Bürger Heiner Müller ist der personifizierte Widerspruch. Ein intellektueller Genussmensch, unerschrockener Kritiker des realen Sozialismus und einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dramatiker der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. *** Unser wichtigster Interviewpartner: Falk Stehlow *** Autor: Thomas Klug, Redaktion: Matti Hesse


Heiner Müller wird am 09. Januar 1929 in Sachsen geboren. Er erlebt die Verhaftung seines Vaters durch die Nazis, einen Besuch im Konzentrationslager und die Ausgrenzung als Sohn eines "Verbrechers". Nach der Nazizeit wird Heiner Müllers Vater Funktionär der SED - zieht aber schon 1951 mit seiner Familie in den Westen.
Heiner Müller bleibt in der DDR und wird zum gleichermaßen gefeierten wie umstrittenen Dramatiker. Er arbeitet als Dramaturg, Regisseur und zuletzt als Intendant des Berliner Ensembles.
In seinen Stücken erzählt Müller von den Brüchen und Widersprüchen in der DDR und den Hoffnungen auf eine bessere Zukunft. Als ihn das in Konflikt mit der Kulturbürokratie bringt, verlegt er sich auf die Bearbeitung antiker und historischer Stoffe. Heiner Müller will keinen fröhlichen Applaus, sondern er will das Publikum auch fordern.

In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Klug:
  • dass Heiner Müllers Texte wie gemacht sind für Warnhinweise,
  • wie Müllers Werk gleichermaßen Vergangenheit wie Zukunft bewältigt,
  • von der Verbindung Müllers zur Band "Einstürzende Neubauten",
  • wie Heiner Müller an Geschichten feilt und sich bei allem bedient, was gerade zur Hand oder im Kopf ist.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:

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Autor: Thomas Klug
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Martin Kropp
Onlineproducerin: Vera Kettenbach

"Die Wunder der Welt": Der venezianische Reisende Marco Polo

"Die Wunder der Welt": Der venezianische Reisende Marco Polo WDR Zeitzeichen 08.01.2024 14:41 Min. Verfügbar bis 08.01.2034 WDR 5

Am 8.1.1324 ist Marco Polo gestorben, das steht fest. Aber was ist wahr von all den unglaublichen Geschichten und Abenteuern, die er auf der Reise seines Lebens erlebt haben will?

Der venezianische Asienreisende Marco Polo wird durch die Berichte über seine Reise ins Kaiserreich China des 13. Jahrhunderts bekannt. Obwohl einzelne Historiker Zweifel an der China-Reise äußern, wird diese von den meisten Historikern als erwiesen angesehen. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Tilmann Spengler, Sinologe, Schriftsteller und Journalist. *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Marko Rösseler, Redaktion: Gesa Rünker.


In seinem Buch "Il Milione" berichtet der Venezianer Marco Polo von seiner abenteuerlichen Reise nach China und den Erlebnissen dort. Man erfährt von Heiratsbräuchen in China, ob Elefanten von riesigen Vögeln aus dem Sumpf gehoben werden können oder wie man eine Burg belagert.
Der Glaubwürdigkeit dieser Berichte ist nicht zuträglich, dass die Original-Handschrift verloren geht. Es existieren 150 Abschriften und frühe Übersetzungen des Textes, die zwar zum Teil noch zu Lebzeiten Marco Polos entstehen, aber stark voneinander abweichen.
Von ihrer Faszination haben Marco Polos Reiseberichte trotzdem kaum verloren. Es sind Berichte von großen Abenteuern in fernen Ländern und dem Kontakt zu fremden Kulturen. Das Buch ist eines der erstaunlichsten und einflussreichsten, die jemals geschrieben werden.
Ein späterer Chronist behauptet, ein Priester habe Marco Polo noch auf dem Sterbebett dazu gedrängt, all seine Lügen nun doch endlich einzugestehen, damit ihm das Himmelreich zuteilwerde. Polo aber habe geantwortet, "ich habe nicht die Hälfte von dem erzählt, was ich wirklich gesehen habe, denn sonst hätte mir niemand geglaubt."

In diesem Zeitzeichen erzählt Marko Rösseler:
  • wie Marco Polos Erinnerungen angeblich in einer Gefängniszelle niedergeschrieben werden,
  • wie Marco Polo durch Vater und Onkel für seine Reisen motiviert wird,
  • welche Bitte der mongolische Herrscher Kublai Khan an Papst Clemens IV. richtet,
  • von Marco Polos ersten Begegnungen mit Tatoos und Menschenfressern.

Das ist unser wichtigster Interviewpartner:
  • Tilmann Spengler, Sinologe, Schriftsteller und Journalist.

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Marko Rösseler
Redaktion: Gesa Rünker
Technik: Sascha Schiemann
Onlineproducerin: Vera Kettenbach

Inflationsheiliger und Kohlrabiapostel: Friedrich Muck-Lamberty

Inflationsheiliger und Kohlrabiapostel: Friedrich Muck-Lamberty WDR Zeitzeichen 07.01.2024 14:47 Min. Verfügbar bis 06.01.2099 WDR 5

Massenwahn, ganze Dörfer im wilden Tanz: Wo der Wanderprediger Friedrich Muck-Lamberty auftaucht in den wirren Jahren nach dem Ersten Weltkrieg, begeistert er die Menschen. Am 7.1.1984 ist Muck-Lamberty gestorben.

Friedrich Muck-Lamberty ist in der wirren und harten Zeit nach dem Ersten Weltkrieg ein erstaunlicher Mensch. Er spricht über Gott und die Welt, über die "Neue Zeit", die eine "Not-Zeit" ist und dass man zu einer "Not-Wende" kommen muss, indem man den verderblichen Strömungen begegnet. Mit seiner Schar zieht er durch die Lande und ruft die Menschen zur Besinnung auf. *** Das ist unsere wichtigste Interviewpartnerin: Heidemarie Hecht, Biografin *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Christiane Kopka, Redaktion: David Rother.


Friedrich Muck-Lamberty ist in der wirren und harten Zeit nach dem Ersten Weltkrieg ein erstaunlicher Mensch. Er spricht über Gott und die Welt, über die "Neue Zeit", die eine "Not-Zeit" ist und dass man zu einer "Not-Wende" kommen muss, indem man den verderblichen Strömungen begegnet. Mit seiner Schar zieht er durch die Lande und ruft die Menschen zur Besinnung auf.
Ein so überzeugender Prediger wie Muck-Lamberty trifft den Nerv der Zeit. Begierig lauschen die Entwurzelten und Verunsicherten seinen Botschaften.
Während der NS-Zeit gerät er gelegentlich in Schwierigkeiten, unter denen er sich aber wegducken kann. In den 1950er-Jahren zieht er zunächst nach Königswinter, dann als Heiler in den Westerwald. Bis zu seinem Tod im Alter von 92 Jahren am 7. Januar 1984 bleibt Friedrich Muck-Lamberty ein Querkopf und Freigeist. Er begrüßt Fidel Castros Kuba und die Studenten-Revolte, sieht sich als Vorreiter der Ökobewegung.

In diesem Zeitzeichen erzählt Christiane Kopka:

  • wie der kleine Friedrich Lamberty zu seinem Spitznamen "Muck" kommt,
  • womit die "Kohlrabi-Apostel" und "Inflationsheiligen" nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland ihre Anhänger begeistern,
  • welches Ernährungs-Experiment der deutschen Marine Friedrich Muck-Lamberty sehr entgegen kommt,
  • dass Muck-Lamberty selbst es mit der gepredigten Askese nicht so genau nimmt.

Das sind die wichtigsten Quellen und Interviewpartnerin:

  • Heidemarie Hecht, Biografin
  • Heidemarie Hecht: "An alle Lebendigen. Friedrich Muck-Lamberty - Ein völkischer Freigeist.", Jena 2020
  • Ulrich Linse: "Barfüßige Propheten. Erlöser der zwanziger Jahre", Berlin 1983
  • Lisa Tetzner: "Im Land der Industrie zwischen Rhein und Ruhr", Jena 1923

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Autorin: Christiane Kopka
Redaktion: David Rother
Technik: Theo Kramer
Onlineproducerin: Vera Kettenbach

Ein Jahrhundertleben für die Kunst: Heinz Berggruen

Ein Jahrhundertleben für die Kunst: Heinz Berggruen WDR Zeitzeichen 06.01.2024 14:45 Min. Verfügbar bis 06.01.2099 WDR 5

"Kunst ist eine Droge" sagte Heinz Berggruen, der bedeutendste deutsche Kunstmäzen und Kunsthändler des 20. Jahrhunderts. Am 6.1.1914 wurde er geboren.

Heinz Berggruen ist einer der bedeutendsten deutschen Kunstsammler und Galeristen des 20. Jahrhunderts. Sechzig Jahre nach seiner Emigration im Jahre 1936 kehrt er nach Deutschland zurück und verkauft in einer "Geste der Versöhnung" der Stadt Berlin und dem deutschen Staat seine Gemäldesammlung zum Preis von 253 Millionen Mark. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Heinz Berggruens Sohn Oliver *** Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Kay Bandermann, Redaktion: David Rother, Christoph Tiegel.


Heinz Berggruen wächst in einem liberalen, jüdischen Elternhaus in Berlin Wilmersdorf auf. Mit Kunst haben seine Eltern nichts am Hut, schreibt er in seiner Autobiografie. Ganz anders Heinz, der in Frankreich Kunstgeschichte und Literatur studiert.
Zurück in Deutschland arbeitet Berggruen zunächst als Journalist und flieht 1936 vor den Nationalsozialisten in die USA: Mit einem Stipendium der Berkeley-Universität geht er nach Kalifornien. Neben dem Studium arbeitet er in einem Museum für Moderne Kunst. Das verändert sein Leben. Berggruen wird erst Kunsthändler und dann Kunstsammler.
1996 kehrt Heinz Berggruen nach Deutschland zurück. In einer "Geste der Versöhnung" verkauft er dem deutschen Staat seine Gemäldesammlung zum Preis von 253 Millionen Mark.
Berlin stellt für die Sammlung den westlichen Stülerbau zur Verfügung: Hier entsteht das "Museum Berggruen". Heinz Berggruen wird im Jahr 2004 in einem Festakt zum Ehrenbürger Berlins ernannt.

In diesem Zeitzeichen erzählt Kay Bandermann:
  • warum Heinz Berggruen den Kriegseintritt der USA als "Erlösung" empfindet,
  • wie drei russische Schwestern Heinz Berggruen den Einstieg in den Kunsthandel ermöglichen,
  • wie Heinz Berggruen und sein Sohn Oliver durch eine Kunstausstellung zueinander finden,
  • wie Bundeskanzler Gerhard Schröder mit einem Zettelchen grünes Licht für den Erwerb der Berggruen-Sammlung gibt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Heinz Berggruen: "Hauptweg und Nebenwege", Autobiografie, 1996
  • Olivier Berggruen (Heinz Berggruens Sohn)
  • Professor Dr. Klaus-Dieter Lehmann, Berlin
  • Professor Michael Naumann, Berlin/Hamburg
  • Professorin Monika Grütters, MdB, Berlin

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Autor: Kay Bandermann
Redaktion: David Rother, Christoph Tiegel
Technik: Sascha Schiemann

Legendäre Flucht von Gefängnisinsel: Der Zugräuber Roy Gardner

Legendäre Flucht von Gefängnisinsel: Der Zugräuber Roy Gardner WDR Zeitzeichen 05.01.2024 14:30 Min. Verfügbar bis 05.01.2099 WDR 5

Wie Roy Gardner (geboren am 5.1.1884) von der "ausbruchsicheren" Gefängnisinsel McNeil Island floh, erzählte der US-Zugräuber gern. Es war nicht seine letzte Flucht.

Das beschauliche Leben im Schatten der Rocky Mountains ist Roy Gardner schnell zu öde. Er zieht eine Laufbahn als Eisenbahnräuber und Ausbrecherkönig vor. Zeitweise ist er der meistgesuchte Mann in den Vereinigten Staaten. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Michael Esslinger, Autor und Historiker *** Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Burkhard Hupe, Redaktion: Matti Hesse.


Roy Gardners Leben beginnt, wie ein ganz normales Leben im Schatten der Rocky Mountains. Er ist sportlich, liebt die Natur und die Leute mögen ihn. Der Familie geht es gut, doch Roy ist das alles schnell zu langweilig. Er streift umher, arbeitet mal als Bergmann, als Hufschmied und meldet sich bei der Army.
Auch das ist ihm bald zu öde. Gardner desertiert, strandet im mexikanischen Bürgerkriegs, versorgt die Rebellen mit Waffen, wird geschnappt und zum Tod durch Erschießen verurteilt. Aber er kann kurz vor der Exekution entkommen und flieht zurück in die USA.
Gardner überfällt vor allem Züge und wird geschnappt. Doch er entkommt aus dem berüchtigten Gefängnis auf McNeil Island. Mit der spektakulären Flucht, die er gerne an Zeitungen verkauft, wird er zum meistgesuchten Mann der USA. Mehrfach wird er eingebuchtet und flieht immer wieder. Doch aus dem Gefängnis von Alcatraz kann Gardner nicht mehr fliehen - dafür wird er 1938 nach vier Jahren Haft dort begnadigt, allerdings als von der Einzelhaft gebrochener Mann.
Gardner findet sich in der Freiheit nicht zurecht. Er schreibt ein Buch, das kaum Interesse findet, sein spektakuläres Leben kommt auch nicht ins Kino und ein in die Jahre gekommener Ganove produziert keine Schlagzeilen mehr. Gardner besorgt sich das Giftgas Zyanid und nimmt sich im Januar 1940 in einem Hotelzimmer das Leben.

In diesem Zeitzeichen erzählt Burkhard Hupe:
  • Wie der Gangster Roy Gardner im couragierten Postangestellten Roy Gin seinen Meister findet,
  • wie Roy Gardner reihenweise US-Marshalls blamiert,
  • wie ein nicht vorhandener Hirsch Roy Gardner zur Flucht verhilft,
  • den Inhalt eines Briefes, den seine Ehefrau Dolly ihm mit der Anrede "Dear Daddy" nach Alcatraz schickt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Michael Esslinger, Autor und Historiker
  • Michael Esslinger: Letters from Alcatraz, Ocean View Publishing, 2008, San Francisco
  • Finn J.D. John , Historiker und Autor des amerikanischen You-Tube Kanals Hidden Treasures

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Autor: Burkhard Hupe
Redaktion: Matti Hesse

Louis Braille, Blindenlehrer und Erfinder der Brailleschrift

Louis Braille, Blindenlehrer und Erfinder der Brailleschrift WDR Zeitzeichen 04.01.2024 14:47 Min. Verfügbar bis 04.01.2099 WDR 5

Mit gerade einmal 16 Jahren entwickelt der Franzose Louis Braille eine Blindenschrift aus sechs tastbaren Punkten, die die Blindenbildung revolutionieren sollte.

Es ist ein langer Weg mit vielen Widerständen, bis die von Louis Braille entwickelte Punktschrift sich als gängige Blindenschrift durchsetzt. Seine größte Ehrung erlebt Braille nicht mehr: 100 Jahre nach seinem Tod wird sein Leichnam in das Panthéon überführt, um dort unter den größten Frankreichs beigesetzt zu werden. *** Unser wichtigster Interviewpartner: Prof. Dr. Thomas Kahlisch, Leiter des deutschen Zentrums für barrierefreies Lesen in Leipzig. *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Amy Zayed, Redaktion: Matti Hesse.


Louis Braille selbst verletzt sich im Alter von drei Jahren mit einem Werkzeug am Auge. Das Auge entzündet sich und steckt das andere an. Mit fünf Jahren ist er vollständig erblindet.
Der Junge besucht die Dorfschule. Er ist ein guter Schüler, kann aber nur zuhören, und nicht lesen lernen wie alle anderen. Das geht nur am königlichen Blindeninstitut in Paris, der ersten Schule weltweit für junge blinde Menschen. Bloß das mit dem Lesen funktioniert nicht ganz so flüssig, wie Louis sich das wünscht. Bislang presst man lateinische Buchstaben mittels sogenanntem Reliefdruck in dickes Papier, das ist mühsam zu lesen und noch mühsamer zu schreiben.
1820 besucht Artilleriehauptmann Charles Barbier die Blindenschule und erzählt von einer militärischen Nachtschrift, mit der schriftliche Befehle auch im Dunkeln übermittelt werden können. Louis und seine Mitschüler probieren es aus und sind begeistert. Aber sie hat noch Mängel. Schulleiter Alexandre Pignier unterstützt fortan Brailles Vorhaben eine neue Blindenschrift zu entwickeln.
Im Alter von 16 Jahren hat Louis es 1825 geschafft. Seine Blindenschrift ist fertig. Sie besteht aus sechs Punkten, angeordnet wie auf einem Würfel. Jede Punktkombination ergibt einen Buchstaben oder ein Satzzeichen. Die sechs Punkte passen perfekt unter eine Fingerkuppe.

In diesem Zeitzeichen erzählt Amy Zayed:

  • warum sich auch Widerstände gegen Brailles Blindenschrift regen,
  • wie Braille blinden Menschen nicht nur das Lesen, sondern auch Musizieren erleichtert,
  • warum die Sprachausgabe von Büchern die Blindenschrift wohl nie vollständig ersetzen kann,
  • warum Louis Braille die Anstellung als Lehrer eines blinden Prinzen ablehnt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:

  • Prof. Dr. Thomas Kahlisch, Leiter des deutschen Zentrums für barrierefreies Lesen in Leipzig.
  • Cassandra Spittmann, Künstlername Cass Mae. Geburtsblinde Duisburger Musikerin.

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Autorin: Amy Zayed
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Jens Buchheister

Victor Borge: Klaviervirtuose und Komödiant der Klassik

Victor Borge: Klaviervirtuose und Komödiant der Klassik WDR Zeitzeichen 03.01.2024 14:57 Min. Verfügbar bis 03.01.2099 WDR 5

Klassische Musik ist eine ernste Sache. Das lernt auch der Pianist Victor Borge (geboren am 3.1.1909) - aber seine Kunst ist es, Komik in den Konzertsaal zu bringen.

Mit seinem Humor und seinem Können mischt er den klassischen Konzertbetrieb auf wie kein Zweiter: Der dänisch-amerikanische Pianist Victor Borge erinnert nicht nur an Charlie Chaplin. Er tritt auch in der Muppet-Show auf. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: György Meszaros (Dirigent und erster Kapellmeister am Landestheater Detmold) *** Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Ralph Erdenberger, Redaktion: David Rother


Manche seiner Witze erinnern an Charlie Chaplin: Der dänisch-amerikanische Pianist Victor Borge versucht ein Glissando, doch da endet die Tastatur - und er fällt neben das Klavier. Er mischt den klassischen Konzertbetrieb auf wie kein Zweiter.
Bei einem seiner Auftritte in der Muppet-Show lässt er bei der gleichförmigen Mondschein-Sonate das passieren, was jeder Kulturschaffende im Konzert vermeiden will: Alle schlafen ein - Zuhörer, Pianist und sogar die kleine Büste von Beethoven.

In diesem Zeitzeichen erzählt Ralph Erdenberger:
  • wann Victor Borge anfängt, Klavier zu lernen,
  • wie er sich ein Konzert-"Duell" mit einer Sängerin leistet,
  • wie der jüdische Pianist in den 1930er-Jahren antisemitische Zwischenrufe aus dem Publikum pariert,
  • wer Victor Borge in den USA groß rausbringt.

Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner:
  • György Meszaros (Dirigent und erster Kapellmeister am Landestheater Detmold)
  • Hans Liberg (niederländischer Musik-Entertainer)

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Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Ralph Erdenberger
Redaktion: David Rother

Oscar Micheaux: Schwarzer Siedler und US-Filmpionier

Oscar Micheaux: Schwarzer Siedler und US-Filmpionier WDR Zeitzeichen 02.01.2024 14:26 Min. Verfügbar bis 02.01.2099 WDR 5

Oscar Micheaux (geboren am 2.1.1884) ist seiner Zeit voraus: Als Schwarzer ist er nicht nur Siedler im Wilden Westen, er ist auch Pionier des afroamerikanischen Kinos.

Als Nachkomme ehemaliger Sklaven weiß Oscar Micheaux, was "Rassen"-Trennung bedeutet. Der Rassismus, dem er ausgesetzt ist, beschäftigt ihn sein Leben lang. Doch er lässt sich nicht unterkriegen - weder als dunkelhäutiger Farmer unter lauter weißen Siedlern, noch als erster Schwarzer Independent-Filmer. *** Das ist unsere wichtigste Quelle: McGilligan, Patrick: The great and only Oscar Micheaux.The Life of America’s first black filmmaker. New York, 2007 *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Almut Finck, Redaktion: Matti Hesse


Er stammt von ehemaligen Sklaven ab und weiß, was "Rassen"-Trennung bedeutet. Doch Oscar Micheaux lässt sich vom Rassismus in den USA nicht unterkriegen. Weder als Farmer, der sich als Schwarzer unter lauter weißen Siedlern behaupten muss. Noch als Autor und Filmemacher, der in drei Jahrzehnten einen Film nach dem anderen produziert, ab 1931 auch Tonfilme. Oscar Micheaux stirbt 1951 im Alter von 67 Jahren.

In diesem Zeitzeichen erzählt Almut Finck:
  • wie groß die Parzelle Land ist, die Oscar Micheaux erwirbt,
  • welche Herausforderungen er als Farmer zu bestehen hat,
  • wie Oscar Micheaux zum Filmemacher wird,
  • welche Bedeutung Hollywood in seinem Leben hat.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • McGilligan, Patrick: The great and only Oscar Micheaux.The Life of America’s first black filmmaker. New York, 2007
  • Bowser, Pearl; Gaines, Jane; Musser, Charles, Hgs.: Oscar Micheaux and His Circle. African-American Filmmaking and Race Cinema of the Silent Era. Bloomington, 2001

Weiterführender Link:

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Almut Finck
Redaktion: Matti Hesse

Das Internationale Jahr des Kindes beginnt

Das Internationale Jahr des Kindes beginnt WDR Zeitzeichen 01.01.2024 14:44 Min. Verfügbar bis 01.01.2099 WDR 5

Internationale Jahre: ein Klassiker der Vereinten Nationen. Ab dem 1.1.1979 sind zwölf Monate dem Kind gewidmet. Späteres Ergebnis: die UN-Kinderrechtskonvention.

Im Dezember 1976 beschließt die UNO-Generalversammlung einstimmig das Internationale Jahr des Kindes: 1979 ist es 20 Jahre her, dass die Vereinten Nationen die "Erklärung der Rechte des Kindes" proklamiert haben. Jetzt sollen die Kinderrechte in einem Völkerrechtsvertrag verankert werden. *** Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: UNICEF Deutschland (Hg.): Konvention über die Rechte des Kindes. Kinderfreundliche Fassung, 20.11.1989 *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Claudia Friedrich, Redaktion: Christoph Tiegel und Gesa Rünker


1979 ist ein symbolträchtiges Jahr. Es ist genau 20 Jahre her, dass die Vereinten Nationen die "Erklärung der Rechte des Kindes" proklamiert haben. Jetzt sollen die Kinderrechte in einem Völkerrechtsvertrag verankert werden.
1989 liegt es auf dem Tisch:  das "Übereinkommen über die Rechte des Kindes". Ein Meilenstein in der Geschichte der Kinderrechtsbewegung, der durch das "Internationale Jahr" so richtig ins Rollen gekommen ist. Bis heute haben 195 Staaten das Regelwerk unterzeichnet.

In diesem Zeitzeichen erzählt Claudia Friedrich:
  • warum Kinder eigene Rechte brauchen,
  • was das Internationale Jahr des Kindes gebracht hat,
  • was Völkerbund & Co. für die Kinderrechte getan haben,
  • welche Rolle UNICEF spielt
  • wie die Kinderrechtskonvention umgesetzt oder missachtet wird.

Das sind unsere wichtigsten Quellen:
  • UNICEF Deutschland (Hg.): Konvention über die Rechte des Kindes. Kinderfreundliche Fassung, 20.11.1989
  • Waltraud Kerber-Ganse: Die Menschenrechte des Kindes. Die UN-Kinderrechtskonvention und die Pädagogik von Janusz Korczak. Versuch einer Perspektivverschränkung, 2009
  • Janusz Korczak: Das Recht des Kindes auf Achtung. (1828) Ausgabe von Elisabeth Heimpel und Hannes Roos (Hg.), Göttingen, 1970

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Claudia Friedrich
Redaktion: Christoph Tiegel und Gesa Rünker

Vor 50 Jahren: So war das Jahr 1973

Vor 50 Jahren: So war das Jahr 1973 WDR Zeitzeichen 31.12.2023 14:23 Min. Verfügbar bis 29.12.2099 WDR 5

Im Jahr 1973 bestimmen Themen wie der Watergate-Skandal, die erste Ölkrise und der Jom-Kippur-Krieg das Weltgeschehen. Aber es gibt auch positives, vor allem gute Musik...

An Silvester blicken viele Menschen zurück. Das WDR Zeitzeichen schaut noch etwas weiter zurück als aufs vergangene Jahr. Wir reisen ins Jahr 1973: Wie haben die Menschen vor 50 Jahren das Weltgeschehen Revue passieren lassen? *** Das sind unsere wichtigsten Quellen: Chronik 1973 – Tag für Tag in Wort und Bild; Fabian Scheidler: Das Ende der Megamaschine, 2015 *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Thomas Pfaff, Redaktion: Gesa Rünker


Um Benzin zu sparen, werden im November und Dezember 1973 vier autofreie Sonntage verfügt. In der "Ölkrise" droht dem Fortschrittssymbol Auto der Sprit auszugehen.
Die Ölkrise nimmt ihren Anfang am 6. Oktober, dem höchsten jüdischen Feiertag "Jom Kippur" mit dem Angriff Ägyptens und Syriens auf Israel. In der Folge beschließen die ölproduzierenden arabischen Staaten aus Solidarität mit den Palästinensern Exportkürzungen und -boykotte gegen die Unterstützer Israels.
Ausgerechnet in diesen turbulenten Zeiten schwächelt die Weltmacht USA. Der Watergate-Skandal und das Eingeständnis, den Vietnam-Krieg verloren zu haben, stürzen das Land in die Krise. Der US-Geheimdienst CIA ist am 11. September 1973 aber noch maßgeblich am Sturz des gewählten chilenischen Präsidenten Salvador Allende und der Machtergreifung einer Militärjunta unter Führung des Generals Augusto Pinochet beteiligt.
Trotz aller Kontroversen, Krisen und Kriege: Heute erscheint das Jahr 1973 vielen in den westlichen Industrieländern fast wie die "gute, alte Zeit" mit großer sozialer Sicherheit, weniger Spaltung und einem gesellschaftlichen Grundkonsens, der von den meisten geteilt wird.

In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Pfaff:
  • wie aus dem politischen und jugendkulturellen Aufbruch der späten 1960er-Jahre Umweltbewegung, Frauenbewegung und antiautoritäre Konzepte entstehen,
  • wie das kleinbürgerliche Ekel Alfred in der Fernsehserie "Ein Herz und eine Seele" den konstruktiven Generationenkonflikt in Deutschlands Wohnzimmer bringt,
  • wie erstmals in der bundesdeutschen Geschichte Gastarbeiter Initiatoren von Arbeits-Niederlegungen werden.

Das sind unsere wichtigsten Quellen:
  • "Chronik 1973 – Tag für Tag in Wort und Bild" Chronik-Verlag
  • Fabian Scheidler, "Das Ende der Megamaschine", 2015
  • Ulrike Herrmann, "Das Ende des Kapitalismus", 2022

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Autor: Thomas Pfaff
Redaktion: Gesa Rünker
Onlineproducerin: Vera Kettenbach

Der römische Dichter Ovid muss ins Exil (im Jahr 8 n.Chr.)

Der römische Dichter Ovid muss ins Exil (im Jahr 8 n.Chr.) WDR Zeitzeichen 30.12.2023 15:38 Min. Verfügbar bis 30.12.2033 WDR 5

Publius Ovidius Naso ist der beliebteste Schriftsteller Roms, als er von Kaiser Augustus verbannt wird. War sein Buch "Liebeskunst" zu gewagt? Oder hatte Ovid im Kaiserpalast Dinge gesehen, die er nicht sehen sollte?

Ein Machtwort des großen römischen Kaisers Augustus hat harte Folgen für den antiken Dichter Publius Ovidius Naso. Der umschwärmte Künstler Roms muss in die Verbannung. Im Jahr 8 nach Chr. ereilt ihn das Verderben. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Professor Ulrich Schmitzer, Professor für Klassische Philologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. *** Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Marko Rösseler, Redaktion: David Rother.


Publius Ovidius Naso wird im alten Sulmo, heute Sulmona, in den Abruzzen geboren. Per Geburt gehört er dem wohlhabenden Ritterstand an. Der Vater möchte den Sohn einmal als Politiker im römischen Senat sehen.
Aber der Junge hat andere Pläne. Er will Dichter werden. Seine Karriere beginnt er mit Liebesgedichten. An Selbstbewusstsein mangelt es ihm nicht. Er muss mit seiner Kunst nicht einmal Geld verdienen. Mit seinem Erbe hat er für immer ausgesorgt.
Es könnte alles so schön sein. Ovid trägt seine Werke sogar am kaiserlichen Hof des Augustus vor. Doch mit irgendetwas erregt Ovid den Zorn des Kaisers. Womit genau, ist nicht bekannt. Aber es reicht offensichtlich aus, um in die Verbannung geschickt zu werden.
Es gibt allerhand Mutmaßungen, aber Genaues weiß man nicht. Möglicherweise hat Ovid etwas gesehen, was nicht für seine Augen bestimmt war. Vielleicht öffnet er im Palast des Augustus die falsche Türe und findet den Augustus, seine Frau Livia oder die Tochter Julia bei irgendeiner unerlaubten Tätigkeit. Wir wissen es nicht und werden es wahrscheinlich nie erfahren. Denn der Dichter schweigt beharrlich.
Die Verbannung verschlägt ihn wohl nach Tomi. Tomi liegt im heutigen Rumänien etwa an der Donau-Mündung, also am Schwarzen Meer. Heute heißt der Ort Constanza. In Constanza steht Ovid bis heute als Denkmal auf hohem Sockel und die Rumänen verehren ihn als einen der Ihren.

In diesem Zeitzeichen erzählt Marko Rösseler:
  • was Ovid vermutlich das Wort "Naso" im Namen beschert,
  • wie Ovid möglicherweise mit seinem Werk "Ars Amatoria", "Die Liebeskunst", seine Verbannung einleitet,
  • was weniger hübsche Menschen laut Ovid beim Partybesuch beachten sollen,
  • wie wenig freundlich Ovid seine "Gastgeber" im Exil beschreibt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und unser Interviewpartner:
  • Professor Ulrich Schmitzer, Professor für Klassische Philologie an der Humboldt-Universität zu Berlin.
  • Publius Ovidius Naso: Liebeskunst. Ars Amatoria. Herausgegeben und übersetzt von Niklas Holzberg. München/Zürich 1988
  • Publius Ovidius Naso: Metamorphosen. In deutsche Hexameter übertragen und herausgegeben von Erich Rösch. München/Zürich 1990.
  • Publius Ovidius Naso: Liebesgedichte. Amores. Lateinisch und Deutsch von Walter Marg und Richard Harder. München/Zürich 1984.

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Autor: Marko Rösseler
Redaktion: David Rother
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Der Ingenieur Wladimir Zworykin meldet sein Fernsehpatent an

Der Ingenieur Wladimir Zworykin meldet sein Fernsehpatent an WDR Zeitzeichen 29.12.2023 14:42 Min. Verfügbar bis 29.12.2099 WDR 5

Am 29.12.1923 meldet der russisch-amerikanische Ingenieur das Patent für sein "Ikonoskop" an, ein entscheidender Schritt bei der Entwicklung des Fernsehens.

Schon im ausgehenden 19. Jahrhundert war das Interesse an der Übertragung bewegter Bilder groß. Im Jahr 1923 meldet der russische Ingenieur Vladimir Zworykin das Patent für ein bahnbrechendes Instrument an. Sein "Ikonoskop" ist ein wichtiger Grundstein für die Entwicklung des Fernsehens. *** Unsere wichtigste Quelle: Jean Pütz, Wissenschaftsjournalist und Fernsehmoderator. *** Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Ralph Erdenberger, Redaktion: Matti Hesse.


Am 29.12.1923 meldet der russisch-amerikanische Ingenieur und Erfinder Vladimir Zworykin das Patent für sein "Ikonoskop" an. Das Ikonoskop ist die erste Aufnahme-Röhre, mit der man die umgebende Realität dreidimensional - also das, was um uns herum ist, abtasten kann. Im Prinzip werden im Ikonoskop die Helligkeitswerte des Bildes in Ladungswerte umgewandelt. Vor allem waren es beim Ikonoskop erstmal Live-Bilder, weshalb man Zworykin präziser als Vater des Live-Fernsehens bezeichnen könnte.
Das Ikonoskop kommt bereits 1936 bei den Olympischen Spielen in Berlin zum Einsatz. Hunderttausende finden im Olympia Stadion Platz, vielen anderen bietet der Fernseher die Möglichkeit mit Auge und Ohr dem Sport zu folgen: In speziell eingerichteten Fernsehstuben sehen Sportbegeisterte die ersten Übertragungen.
Das Ikonoskop ist praktisch die Mutter aller modernen elektronischen Kameras. Im Prinzip funktionieren sie nämlich alle ähnlich: Immer wird eine lichtempfindliche Schicht von einem Elektronenstrahl abgetastet. In allen Fernsehstudios, überall auf der Welt. Bis Mitte der 1980er-Jahre.
Inzwischen ist Fernsehen nicht nur digital und bis in Millionen von Bildpunkten hochaufgelöst, sondern auch die Nutzung des Mediums hat sich verändert. Weil inzwischen jeder mindestens eine Kamera und mit dem Smartphone sogar einen eigenen Sender hat.

In diesem Zeitzeichen erzählt Ralph Erdenberger:
  • Wie eines der ersten Kapitel Fernsehgeschichte 1930 im Büro der Radio Cooperation of America geschrieben wird,
  • wie ausgerechnet zwei Männer mit russischen Wurzeln in den USA helfen, eine uralte Vision der Menschheit zu verwirklichen,
  • wie schon im ausgehenden 19. Jahrhundert mehrere Erfinder an der elektrischen Übertragung von Bildern tüfteln,
  • welche Rollen Zapfen und Stäbchen bei der Entwicklung des Fernsehens spielen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Ausschnitte aus Interviews mit Vladimir Zworykin.
  • Jean Pütz, Wissenschaftsjournalist und Fernsehmoderator.
  • Arne Kaiser, Geschichtsexperte des Fernsehmuseums Ense.

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Ralph Erdenberger
Redaktion: Matti Hesse

Er schuf Nosferatu: Der Filmpionier Friedrich Wilhelm Murnau

Er schuf Nosferatu: Der Filmpionier Friedrich Wilhelm Murnau WDR Zeitzeichen 28.12.2023 14:13 Min. Verfügbar bis 28.12.2099 WDR 5

Friedrich Wilhelm Murnau (geboren am 28.12.1888) gilt als Magier der Stummfilmära. Er filmt aus bis dahin ungewohnten Perspektiven - und schuf den Ur-Vampir im Kino.

Friedrich Wilhelm Murnau ist einer der bedeutendsten Regisseure der Stummfilmzeit. Er entwickelt eine völlig neue Bildsprache und schafft mit "Nosferatu" den Ur-Vampir des Kinos. *** Unsere wichtigste Interviewpartnerin: Christiane von Wahlert, Vorstand der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in Wiesbaden *** Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Uli Schäfer, Redaktion: Matti Hesse.


Friedrich Wilhelm Murnaus wohl bekanntester Film ist "Nosferatu", ein inzwischen mehr als 100 Jahre alter Klassiker des Horrorfilms. Allein ein Foto des Vampirs Nosferatu sorgt auch heute noch für Schrecken.
Zwischen 1919 und 1931 dreht Murnau zweiundzwanzig Filme. Viele seiner frühen Werke sind verschollen. Nosferatu hat überlebt, genau wie "Der letzte Mann" oder "Faust", ebenfalls Klassiker der Stummfilmzeit.
1926 dreht Murnau seinen letzten Film in Deutschland. "Faust" bietet ein Feuerwerk der bewegten Bilder aus hell und dunkel, Licht und Schatten. Bald ist auch Hollywood beeindruckt von Murnaus Filmkunst. Sein erster in den USA inszenierter Film gewinnt 1929 drei Oscars.
"Tabu" ist Murnaus letzter Film. Eine Woche vor der Premiere stirbt er im März 1931 mit erst 42 Jahren nahe Hollywoods bei einem Autounfall. Er liegt auf einem Friedhof in Stahnsdorf bei Berlin begraben.

In diesem Zeitzeichen erzählt Uli Schäfer:
  • welche gruselige Legende sich um den "Nosferatu"-Darsteller Max Schreck rankt,
  • was es mit der "entfesselten Kamera" auf sich hat,
  • warum es Murnau auf der Suche ins Paradies in die Südsee zieht,
  • warum Murnaus Film "Tabu“ als erste "Schwulen-Revue der Filmgeschichte" bezeichnet wird,
  • womit Murnau 92 Jahre nach seinem Tod ohne eigenes Zutun noch für Grusel sorgt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Friedrich Wilhelm Murnau: ein Melancholiker des Films; Herausgeber: Hans Helmut Prinzler, Filmmuseum Berlin - Deutsche Kinemathek und Internationale Filmfestspiele Berlin Retrospektive 2003
  • Christiane von Wahlert, Vorstand der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in Wiesbaden
  • Daniel Kothenschulte, Film-Kritiker und Stummfilm-Pianist
  • Die Murnau Stiftung

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Autor: Uli Schäfer
Redaktion: Matti Hesse
Onlineproducerin: Vera Kettenbach

Zarathustra, Religionsstifter (gestorben vor rund 2575 Jahren)

Zarathustra, Religionsstifter (gestorben vor rund 2575 Jahren) WDR Zeitzeichen 27.12.2023 14:45 Min. Verfügbar bis 27.12.2099 WDR 5

1.000 Jahre lang ist Zarathustras Religion vorherrschend im heutigen Iran. Mit ihr vollzieht sich der Wandel zum Monotheismus, dem Glauben an einen Gott.

"Also sprach Zarathustra" - fast jeder kennt den berühmten Titel von Friedrich Nietzsches literarischem Epos. Oder die gleichnamige, ebenso berühmte Tondichtung von Richard Strauss. Die beiden Werke lassen den Namen des altiranische Priesters und Lehrers Zarathustra vertraut erscheinen. Doch tatsächlich wissen wir nur sehr wenig über ihn. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Prof. Dr. Manfred Hutter, Religionswissenschaftler, Universität Bonn. *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Marfa Heimbach, Redaktion: David Rother.


Anhand weniger geografischer Andeutungen kann man Zarathustras Wirkungsort wohl im kulturgeografischen Ost-Iran ansetzen. Nach moderner Geografie östlich der Staatsgrenzen der heutigen Islamischen Republik Iran, etwa in Turkmenistan, Usbekistan, vielleicht Nordafghanistan.
Religionshistorisch vollzieht sich offenbar mit Zarathustra vor rund zweieinhalbtausend Jahren langsam die Entwicklung vom Glauben an viele Götter zum Monotheismus, dem Glauben an einen Gott. Der altiranische Priester und Lehrer Zarathustra ist Verkünder der ältesten Offenbarungsreligion der Weltgeschichte.
Und auch wenn die Zahl ihrer Anhänger im Vergleich zu früher heute überschaubar ist, so gehören weltweit doch noch rund 170.000 Gläubige dieser uralten Gemeinschaft an. Die Mehrheit lebt in Indien und Iran.
Mit großer Wahrscheinlichkeit stirbt Zarathustra bei Masar-e Sharif, im heutigen Afghanistan, das damals zum antiken Persien gehörte. Wir wissen, er hatte eine Frau, drei Söhne, drei Töchter und er stirbt im Alter von 77 Jahren.

In diesem Zeitzeichen erzählt Marfa Heimbach:
  • welcher deutsche Philosoph Zarathustra Ende des 19. Jahrhunderts in Europa bekannt macht,
  • wie Zarathustra Einzug in die Science Fiction findet,
  • welche Rolle Aasvögel und Hunde in der altiranischen Bestattungskultur spielen,
  • auf welchen drei Säulen die Lehren Zarathustras ruhen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Prof. Dr. Manfred Hutter, Religionswissenschaftler, Universität Bonn.
  • Behzad Nigdin, Priester am Zarathustra-Tempel von Isfahan.
  • Zubin Mehta, indischer Dirigent.
  • Banu Vahidi, Heilpädagogin, Zarathustrierin aus Köln.
  • Nazirin Keshavarzi, Diplom-Ingenieurin, Zarathustrierin aus Köln.
  • Amir Miltz, Bankfachwirt, Zarathustrier aus Bonn

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Autorin: Marfa Heimbach
Redaktion: David Rother
Technik: Sarah Fitzek
Onlinproducerin: Vera Kettenbach