WDR Zeitzeichen

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Vor 50 Jahren: So war das Jahr 1973

Vor 50 Jahren: So war das Jahr 1973 WDR Zeitzeichen 31.12.2023 14:23 Min. Verfügbar bis 29.12.2099 WDR 5

Im Jahr 1973 bestimmen Themen wie der Watergate-Skandal, die erste Ölkrise und der Jom-Kippur-Krieg das Weltgeschehen. Aber es gibt auch positives, vor allem gute Musik...

An Silvester blicken viele Menschen zurück. Das WDR Zeitzeichen schaut noch etwas weiter zurück als aufs vergangene Jahr. Wir reisen ins Jahr 1973: Wie haben die Menschen vor 50 Jahren das Weltgeschehen Revue passieren lassen? *** Das sind unsere wichtigsten Quellen: Chronik 1973 – Tag für Tag in Wort und Bild; Fabian Scheidler: Das Ende der Megamaschine, 2015 *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Thomas Pfaff, Redaktion: Gesa Rünker


Um Benzin zu sparen, werden im November und Dezember 1973 vier autofreie Sonntage verfügt. In der "Ölkrise" droht dem Fortschrittssymbol Auto der Sprit auszugehen.
Die Ölkrise nimmt ihren Anfang am 6. Oktober, dem höchsten jüdischen Feiertag "Jom Kippur" mit dem Angriff Ägyptens und Syriens auf Israel. In der Folge beschließen die ölproduzierenden arabischen Staaten aus Solidarität mit den Palästinensern Exportkürzungen und -boykotte gegen die Unterstützer Israels.
Ausgerechnet in diesen turbulenten Zeiten schwächelt die Weltmacht USA. Der Watergate-Skandal und das Eingeständnis, den Vietnam-Krieg verloren zu haben, stürzen das Land in die Krise. Der US-Geheimdienst CIA ist am 11. September 1973 aber noch maßgeblich am Sturz des gewählten chilenischen Präsidenten Salvador Allende und der Machtergreifung einer Militärjunta unter Führung des Generals Augusto Pinochet beteiligt.
Trotz aller Kontroversen, Krisen und Kriege: Heute erscheint das Jahr 1973 vielen in den westlichen Industrieländern fast wie die "gute, alte Zeit" mit großer sozialer Sicherheit, weniger Spaltung und einem gesellschaftlichen Grundkonsens, der von den meisten geteilt wird.

In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Pfaff:
  • wie aus dem politischen und jugendkulturellen Aufbruch der späten 1960er-Jahre Umweltbewegung, Frauenbewegung und antiautoritäre Konzepte entstehen,
  • wie das kleinbürgerliche Ekel Alfred in der Fernsehserie "Ein Herz und eine Seele" den konstruktiven Generationenkonflikt in Deutschlands Wohnzimmer bringt,
  • wie erstmals in der bundesdeutschen Geschichte Gastarbeiter Initiatoren von Arbeits-Niederlegungen werden.

Das sind unsere wichtigsten Quellen:
  • "Chronik 1973 – Tag für Tag in Wort und Bild" Chronik-Verlag
  • Fabian Scheidler, "Das Ende der Megamaschine", 2015
  • Ulrike Herrmann, "Das Ende des Kapitalismus", 2022

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Autor: Thomas Pfaff
Redaktion: Gesa Rünker
Onlineproducerin: Vera Kettenbach

Der römische Dichter Ovid muss ins Exil (im Jahr 8 n.Chr.)

Der römische Dichter Ovid muss ins Exil (im Jahr 8 n.Chr.) WDR Zeitzeichen 30.12.2023 15:38 Min. Verfügbar bis 30.12.2033 WDR 5

Publius Ovidius Naso ist der beliebteste Schriftsteller Roms, als er von Kaiser Augustus verbannt wird. War sein Buch "Liebeskunst" zu gewagt? Oder hatte Ovid im Kaiserpalast Dinge gesehen, die er nicht sehen sollte?

Ein Machtwort des großen römischen Kaisers Augustus hat harte Folgen für den antiken Dichter Publius Ovidius Naso. Der umschwärmte Künstler Roms muss in die Verbannung. Im Jahr 8 nach Chr. ereilt ihn das Verderben. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Professor Ulrich Schmitzer, Professor für Klassische Philologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. *** Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Marko Rösseler, Redaktion: David Rother.


Publius Ovidius Naso wird im alten Sulmo, heute Sulmona, in den Abruzzen geboren. Per Geburt gehört er dem wohlhabenden Ritterstand an. Der Vater möchte den Sohn einmal als Politiker im römischen Senat sehen.
Aber der Junge hat andere Pläne. Er will Dichter werden. Seine Karriere beginnt er mit Liebesgedichten. An Selbstbewusstsein mangelt es ihm nicht. Er muss mit seiner Kunst nicht einmal Geld verdienen. Mit seinem Erbe hat er für immer ausgesorgt.
Es könnte alles so schön sein. Ovid trägt seine Werke sogar am kaiserlichen Hof des Augustus vor. Doch mit irgendetwas erregt Ovid den Zorn des Kaisers. Womit genau, ist nicht bekannt. Aber es reicht offensichtlich aus, um in die Verbannung geschickt zu werden.
Es gibt allerhand Mutmaßungen, aber Genaues weiß man nicht. Möglicherweise hat Ovid etwas gesehen, was nicht für seine Augen bestimmt war. Vielleicht öffnet er im Palast des Augustus die falsche Türe und findet den Augustus, seine Frau Livia oder die Tochter Julia bei irgendeiner unerlaubten Tätigkeit. Wir wissen es nicht und werden es wahrscheinlich nie erfahren. Denn der Dichter schweigt beharrlich.
Die Verbannung verschlägt ihn wohl nach Tomi. Tomi liegt im heutigen Rumänien etwa an der Donau-Mündung, also am Schwarzen Meer. Heute heißt der Ort Constanza. In Constanza steht Ovid bis heute als Denkmal auf hohem Sockel und die Rumänen verehren ihn als einen der Ihren.

In diesem Zeitzeichen erzählt Marko Rösseler:
  • was Ovid vermutlich das Wort "Naso" im Namen beschert,
  • wie Ovid möglicherweise mit seinem Werk "Ars Amatoria", "Die Liebeskunst", seine Verbannung einleitet,
  • was weniger hübsche Menschen laut Ovid beim Partybesuch beachten sollen,
  • wie wenig freundlich Ovid seine "Gastgeber" im Exil beschreibt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und unser Interviewpartner:
  • Professor Ulrich Schmitzer, Professor für Klassische Philologie an der Humboldt-Universität zu Berlin.
  • Publius Ovidius Naso: Liebeskunst. Ars Amatoria. Herausgegeben und übersetzt von Niklas Holzberg. München/Zürich 1988
  • Publius Ovidius Naso: Metamorphosen. In deutsche Hexameter übertragen und herausgegeben von Erich Rösch. München/Zürich 1990.
  • Publius Ovidius Naso: Liebesgedichte. Amores. Lateinisch und Deutsch von Walter Marg und Richard Harder. München/Zürich 1984.

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Autor: Marko Rösseler
Redaktion: David Rother
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Der Ingenieur Wladimir Zworykin meldet sein Fernsehpatent an

Der Ingenieur Wladimir Zworykin meldet sein Fernsehpatent an WDR Zeitzeichen 29.12.2023 14:42 Min. Verfügbar bis 29.12.2099 WDR 5

Am 29.12.1923 meldet der russisch-amerikanische Ingenieur das Patent für sein "Ikonoskop" an, ein entscheidender Schritt bei der Entwicklung des Fernsehens.

Schon im ausgehenden 19. Jahrhundert war das Interesse an der Übertragung bewegter Bilder groß. Im Jahr 1923 meldet der russische Ingenieur Vladimir Zworykin das Patent für ein bahnbrechendes Instrument an. Sein "Ikonoskop" ist ein wichtiger Grundstein für die Entwicklung des Fernsehens. *** Unsere wichtigste Quelle: Jean Pütz, Wissenschaftsjournalist und Fernsehmoderator. *** Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Ralph Erdenberger, Redaktion: Matti Hesse.


Am 29.12.1923 meldet der russisch-amerikanische Ingenieur und Erfinder Vladimir Zworykin das Patent für sein "Ikonoskop" an. Das Ikonoskop ist die erste Aufnahme-Röhre, mit der man die umgebende Realität dreidimensional - also das, was um uns herum ist, abtasten kann. Im Prinzip werden im Ikonoskop die Helligkeitswerte des Bildes in Ladungswerte umgewandelt. Vor allem waren es beim Ikonoskop erstmal Live-Bilder, weshalb man Zworykin präziser als Vater des Live-Fernsehens bezeichnen könnte.
Das Ikonoskop kommt bereits 1936 bei den Olympischen Spielen in Berlin zum Einsatz. Hunderttausende finden im Olympia Stadion Platz, vielen anderen bietet der Fernseher die Möglichkeit mit Auge und Ohr dem Sport zu folgen: In speziell eingerichteten Fernsehstuben sehen Sportbegeisterte die ersten Übertragungen.
Das Ikonoskop ist praktisch die Mutter aller modernen elektronischen Kameras. Im Prinzip funktionieren sie nämlich alle ähnlich: Immer wird eine lichtempfindliche Schicht von einem Elektronenstrahl abgetastet. In allen Fernsehstudios, überall auf der Welt. Bis Mitte der 1980er-Jahre.
Inzwischen ist Fernsehen nicht nur digital und bis in Millionen von Bildpunkten hochaufgelöst, sondern auch die Nutzung des Mediums hat sich verändert. Weil inzwischen jeder mindestens eine Kamera und mit dem Smartphone sogar einen eigenen Sender hat.

In diesem Zeitzeichen erzählt Ralph Erdenberger:
  • Wie eines der ersten Kapitel Fernsehgeschichte 1930 im Büro der Radio Cooperation of America geschrieben wird,
  • wie ausgerechnet zwei Männer mit russischen Wurzeln in den USA helfen, eine uralte Vision der Menschheit zu verwirklichen,
  • wie schon im ausgehenden 19. Jahrhundert mehrere Erfinder an der elektrischen Übertragung von Bildern tüfteln,
  • welche Rollen Zapfen und Stäbchen bei der Entwicklung des Fernsehens spielen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Ausschnitte aus Interviews mit Vladimir Zworykin.
  • Jean Pütz, Wissenschaftsjournalist und Fernsehmoderator.
  • Arne Kaiser, Geschichtsexperte des Fernsehmuseums Ense.

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Autor: Ralph Erdenberger
Redaktion: Matti Hesse

Er schuf Nosferatu: Der Filmpionier Friedrich Wilhelm Murnau

Er schuf Nosferatu: Der Filmpionier Friedrich Wilhelm Murnau WDR Zeitzeichen 28.12.2023 14:13 Min. Verfügbar bis 28.12.2099 WDR 5

Friedrich Wilhelm Murnau (geboren am 28.12.1888) gilt als Magier der Stummfilmära. Er filmt aus bis dahin ungewohnten Perspektiven - und schuf den Ur-Vampir im Kino.

Friedrich Wilhelm Murnau ist einer der bedeutendsten Regisseure der Stummfilmzeit. Er entwickelt eine völlig neue Bildsprache und schafft mit "Nosferatu" den Ur-Vampir des Kinos. *** Unsere wichtigste Interviewpartnerin: Christiane von Wahlert, Vorstand der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in Wiesbaden *** Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Uli Schäfer, Redaktion: Matti Hesse.


Friedrich Wilhelm Murnaus wohl bekanntester Film ist "Nosferatu", ein inzwischen mehr als 100 Jahre alter Klassiker des Horrorfilms. Allein ein Foto des Vampirs Nosferatu sorgt auch heute noch für Schrecken.
Zwischen 1919 und 1931 dreht Murnau zweiundzwanzig Filme. Viele seiner frühen Werke sind verschollen. Nosferatu hat überlebt, genau wie "Der letzte Mann" oder "Faust", ebenfalls Klassiker der Stummfilmzeit.
1926 dreht Murnau seinen letzten Film in Deutschland. "Faust" bietet ein Feuerwerk der bewegten Bilder aus hell und dunkel, Licht und Schatten. Bald ist auch Hollywood beeindruckt von Murnaus Filmkunst. Sein erster in den USA inszenierter Film gewinnt 1929 drei Oscars.
"Tabu" ist Murnaus letzter Film. Eine Woche vor der Premiere stirbt er im März 1931 mit erst 42 Jahren nahe Hollywoods bei einem Autounfall. Er liegt auf einem Friedhof in Stahnsdorf bei Berlin begraben.

In diesem Zeitzeichen erzählt Uli Schäfer:
  • welche gruselige Legende sich um den "Nosferatu"-Darsteller Max Schreck rankt,
  • was es mit der "entfesselten Kamera" auf sich hat,
  • warum es Murnau auf der Suche ins Paradies in die Südsee zieht,
  • warum Murnaus Film "Tabu“ als erste "Schwulen-Revue der Filmgeschichte" bezeichnet wird,
  • womit Murnau 92 Jahre nach seinem Tod ohne eigenes Zutun noch für Grusel sorgt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Friedrich Wilhelm Murnau: ein Melancholiker des Films; Herausgeber: Hans Helmut Prinzler, Filmmuseum Berlin - Deutsche Kinemathek und Internationale Filmfestspiele Berlin Retrospektive 2003
  • Christiane von Wahlert, Vorstand der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in Wiesbaden
  • Daniel Kothenschulte, Film-Kritiker und Stummfilm-Pianist
  • Die Murnau Stiftung

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Autor: Uli Schäfer
Redaktion: Matti Hesse
Onlineproducerin: Vera Kettenbach

Zarathustra, Religionsstifter (gestorben vor rund 2575 Jahren)

Zarathustra, Religionsstifter (gestorben vor rund 2575 Jahren) WDR Zeitzeichen 27.12.2023 14:45 Min. Verfügbar bis 27.12.2099 WDR 5

1.000 Jahre lang ist Zarathustras Religion vorherrschend im heutigen Iran. Mit ihr vollzieht sich der Wandel zum Monotheismus, dem Glauben an einen Gott.

"Also sprach Zarathustra" - fast jeder kennt den berühmten Titel von Friedrich Nietzsches literarischem Epos. Oder die gleichnamige, ebenso berühmte Tondichtung von Richard Strauss. Die beiden Werke lassen den Namen des altiranische Priesters und Lehrers Zarathustra vertraut erscheinen. Doch tatsächlich wissen wir nur sehr wenig über ihn. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Prof. Dr. Manfred Hutter, Religionswissenschaftler, Universität Bonn. *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Marfa Heimbach, Redaktion: David Rother.


Anhand weniger geografischer Andeutungen kann man Zarathustras Wirkungsort wohl im kulturgeografischen Ost-Iran ansetzen. Nach moderner Geografie östlich der Staatsgrenzen der heutigen Islamischen Republik Iran, etwa in Turkmenistan, Usbekistan, vielleicht Nordafghanistan.
Religionshistorisch vollzieht sich offenbar mit Zarathustra vor rund zweieinhalbtausend Jahren langsam die Entwicklung vom Glauben an viele Götter zum Monotheismus, dem Glauben an einen Gott. Der altiranische Priester und Lehrer Zarathustra ist Verkünder der ältesten Offenbarungsreligion der Weltgeschichte.
Und auch wenn die Zahl ihrer Anhänger im Vergleich zu früher heute überschaubar ist, so gehören weltweit doch noch rund 170.000 Gläubige dieser uralten Gemeinschaft an. Die Mehrheit lebt in Indien und Iran.
Mit großer Wahrscheinlichkeit stirbt Zarathustra bei Masar-e Sharif, im heutigen Afghanistan, das damals zum antiken Persien gehörte. Wir wissen, er hatte eine Frau, drei Söhne, drei Töchter und er stirbt im Alter von 77 Jahren.

In diesem Zeitzeichen erzählt Marfa Heimbach:
  • welcher deutsche Philosoph Zarathustra Ende des 19. Jahrhunderts in Europa bekannt macht,
  • wie Zarathustra Einzug in die Science Fiction findet,
  • welche Rolle Aasvögel und Hunde in der altiranischen Bestattungskultur spielen,
  • auf welchen drei Säulen die Lehren Zarathustras ruhen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Prof. Dr. Manfred Hutter, Religionswissenschaftler, Universität Bonn.
  • Behzad Nigdin, Priester am Zarathustra-Tempel von Isfahan.
  • Zubin Mehta, indischer Dirigent.
  • Banu Vahidi, Heilpädagogin, Zarathustrierin aus Köln.
  • Nazirin Keshavarzi, Diplom-Ingenieurin, Zarathustrierin aus Köln.
  • Amir Miltz, Bankfachwirt, Zarathustrier aus Bonn

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Autorin: Marfa Heimbach
Redaktion: David Rother
Technik: Sarah Fitzek
Onlinproducerin: Vera Kettenbach

Mitgestalter der deutschen Währungsreform: Gerhard Colm

Mitgestalter der deutschen Währungsreform: Gerhard Colm WDR Zeitzeichen 26.12.2023 14:41 Min. Verfügbar bis 26.12.2099 WDR 5

Vor den Nazis muss er fliehen und wird in den USA zu einem wichtigen Wirtschaftsberater: Gerhard Colm, gestorben am 26.12.1968, hilft mit beim deutschen Wiederaufbau.

Er ist nicht nur Konjunkturforscher, sondern auch aktiver Kämpfer für die Weimarer Republik, für die Demokratie und für den Rechtsstaat - und damit Feind der Nazis. Deshalb muss Gerhard Colm 1933 aus Deutschland fliehen, wird nach dem Krieg aber ein hochgeschätzter Architekt des Wiederaufbaus. *** Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner: Dr. Gunnar Take (Universität Stuttgart) und Prof. Dr. Rolf J. Langhammer (IfW Kiel) *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Kay Bandermann, Redaktion: Gesa Rünker


Gerhard Colm ist ein Patriot. 1897 wird er in Hannover geboren, studiert ab 1918 in Düsseldorf, Freiburg und München Staatswissenschaften mit Schwerpunkten auf Volkswirtschaft, Philosophie, Recht und Statistik. 1925 geht er nach Kiel zum noch jungen "Institut für Weltwirtschaft und Seeverkehr". Doch 1933 muss er Deutschland verlassen. Als SPD-Mitglied und Kämpfer für die Demokratie und den Rechtsstaat ist er zum Feindbild der Nazis geworden.
In den USA hingegen wird er geschätzt. Hier ist gerade die Zeit gekommen für wirtschaftspolitische Berater wie Colm. 1946 wird er in den neu gegründeten "Council of Economic Advisers" des US-Präsidenten berufen.
Doch Colm zieht es zurück nach Deutschland. 13 Jahre nach seiner erzwungenen Emigration besucht er sein Heimatland, um als US-amerikanischer Staatsbürger beim wirtschaftlichen Wiederaufbau zu helfen. Es sind die Lehren aus den Versailler Verträgen und der Last der Reparationsvereinbarungen, die Colm dort zur Richtschnur macht. So entsteht etwa der Colm-Dodge-Goldsmith-Plan, die Grundlage der Währungsreform von 1948.
Colm stirbt am zweiten Weihnachtstag 1968 in einem Krankenhaus in der Nähe von Washington.

In diesem Zeitzeichen erzählt Kay Bandermann:
  • wie die Nazis Gerhard Colm aus Deutschland verjagen,
  • wie der Forscher in den USA gewürdigt wird - und dennoch nach Deutschland zurückkehrt,
  • was Gerhard Colm zu einem der Architekten des Wiederaufbaus macht,
  • welche unrühmliche Rolle das Kiel Institut für Weltwirtschaft in seinem Leben spielt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Dr. Gunnar Take (Universität Stuttgart)
  • Prof. Dr. Rolf J. Langhammer (IfW Kiel)
  • Hoppenstedt, Wolfram: Gerhard Colm - Leben und Werk (1997)
  • Take, Gunnar: Forschen für den Wirtschaftskrieg (2019)
  • Buchheim, Christoph: "Die Währungsreform 1948 in Westdeutschland", Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Jahrgang 36 (1988) Heft 2

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Autor: Kay Bandermann
Redaktion: Gesa Rünker
Technik: Michael Franke

An Weihnachten 1643 wird die "Weihnachtsinsel" entdeckt

An Weihnachten 1643 wird die "Weihnachtsinsel" entdeckt WDR Zeitzeichen 25.12.2023 14:45 Min. Verfügbar bis 25.12.2099 WDR 5

Am 25.12.1643 entdeckt der britische Kapitän William Mynors eine den Europäern unbekannte Insel im Indischen Ozean. Die Weihnachtsinsel ist berühmt für ihre Krabbenpopulation - aber auch für Dinge, die sich wneiger für den Reiseprospekt eignen...

Zuerst kamen die Krabben, dann die ersten Seefahrer, die Phosphatindustrie und schließlich die Touristen. Die paradiesische Weihnachtsinsel hat eine bewegte Geschichte - mit durchaus düsteren Seiten. *** Das sind unsere wichtigsten Quellen: Bundeszentrale für Politische Bildung sowie https://parksaustralia.gov.au/christmas/ *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Daniela Wakonigg, Redaktion: David Rother


Weihnachtsinseln gibt es mehrere, kreuz und quer über den Erdball verteilt. Die bekannteste jedoch liegt im Indischen Ozean. Entdeckt wird sie am 25. Dezember 1643 von William Mynors, Kapitän des Schiffs Royal Mary der Britischen Ostindien-Kompanie. An Land geht er allerdings nicht. Erst 1688 wird die Insel erstmals von Europäern betreten.
Wie bei europäischen Seefahrern damals üblich, findet die Erkundung der Naturwunder des neu entdeckten Orts primär über den Magen statt. Heute sind die verschiedenen Krabbenarten eine der größten Attraktionen der Insel. Die Weihnachtsinsel-Krabbe, auch Rote Landkrabbe genannt, kommt ausschließlich auf der Weihnachtsinsel und den benachbarten Kokosinseln vor. Ihre Wanderung findet zwischen Oktober und Dezember während der Regenzeit statt - und ist regelmäßig ein spektakuläres Ereignis, das Naturliebhaber, Fotografen und neugierige Reisende aus der ganzen Welt anlockt. Aber auch wegen eines ganz besonderen Bodenschatzes war die Insel lange Ziel vieler Reisen.

In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg:
  • warum es auf der Insel eine "Bucht der Fliegenden Fische" gibt,
  • wieso die Entdeckung von Phosphat für die Insel so bedeutsam war,
  • weshalb die Insel mehrmals den "Besitzer" wechselte,
  • warum auf der Insel heute Englisch, Chinesisch und Malaysisch gesprochen wird,
  • was es mit der düsteren Seite des vermeintlichen Paradieses auf sich hat.

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Autorin: Daniela Wakonigg
Redaktion: David Rother

Die ersten Weihnachtskarten werden in England verschickt

Die ersten Weihnachtskarten werden in England verschickt WDR Zeitzeichen 24.12.2023 14:44 Min. Verfügbar bis 24.12.2099 WDR 5

Ein feucht-fröhliches Motiv schmückt im Dezember 1843 die erste kommerzielle Weihnachtskarte, manche Zeitgenossen finden das unpassend: Auftraggeber ist Sir Henry Cole.

Damals sind sie ein schnelles Kommunikationsmittel, eine Art SMS auf Pappe. Um die Jahrhundertwende werden Postkarten in großen Städten mehrmals täglich ausgetragen. Heute sind noch einige der ersten Karten erhalten: wunderschön und ganz schön teuer. *** Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner: Dr. Anja Schöne (Leiterin "Museum Religio", Telgte) und Bernd Löckener (Sammler, Münster) *** Die Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Steffi Tenhaven, Redaktion: Gesa Rünker


Fröhlich bebildert beginnt vor 180 Jahren die Karriere der kommerziellen Weihnachtskarte. Genauer gesagt sogar feuchtfröhlich: Drei Generationen einer bürgerlichen Familie feiern an einem festlich geschmückten Tisch. Sie schwenken volle Weingläser und prosten dem Empfänger der Karte zu. Auftraggeber der Karte ist Sir Henry Cole, ein englischer Staatsbeamter im Dienste Ihrer Majestät.
Neue Drucktechniken, insbesondere der Einsatz von Farben, machen die Weihnachtskarte im 19. Jahrhundert zunehmend populär. Besonders Karten aus Deutschland sind ein Exportschlager. Gold- und Silberdruck lassen musizierende Weihnachtsengel strahlen, Stoffapplikationen aus Spitze und Samt machen aus Kartengrüßen kleine Kostbarkeiten. Und im Kaiserreich duften einige bereits nach Tannennadeln.

In diesem Zeitzeichen erzählt Steffi Tenhaven:
  • warum das Motiv der ersten Weihnachtskarte für Empörung sorgte,
  • dass für den Versand von Postkarten damals ein Tageslohn draufging,
  • warum die Postkarte im Ersten Weltkrieg ihre Hochzeit hatte,
  • welche Weihnachtsschätze das Münsteraner Museum Religio bereithält.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Dr. Anja Schöne (Leiterin "Museum Religio", Telgte)
  • Bernd Löckener (Sammler, Münster)
  • "Die Geschichte der Weihnachtskarte" von Otto May, Verlag Franzbecker

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Autorin: Steffi Tenhaven
Redaktion: Gesa Rünker
Technik: Michael Franke

Helmut Schmidt, ehemaliger Bundeskanzler (Geburtstag 23.12.1918)

Helmut Schmidt, ehemaliger Bundeskanzler (Geburtstag 23.12.1918) WDR Zeitzeichen 23.12.2023 15:53 Min. Verfügbar bis 23.12.2099 WDR 5

Im Amt wurde Helmut Schmidt von vielen geschätzt, als Kanzler a.D. von noch mehr Menschen beinah verehrt - als kluger Kopf mit der Mentholzigarette...

Helmut Schmidt galt als direkt, schroff und eitel. Verborgen blieben meist die Verletzungen des kleinen Helmut aus Hamburg, die Traumata des Oberleutnants im Zweiten Weltkrieg und die Verstrickungen eines Kanzlers im eskalierenden Krieg gegen den RAF-Terror. *** Das sind unsere wichtigsten Quellen: Günter Hofmann: Helmut Schmidt - Soldat, Kanzler, Ikone (2015), Hartmut Soell: Helmut Schmidt. Macht und Verantwortung - 1969 bis heute (2008) *** Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Uwe Schulz, Redaktion: David Rother


Viele kennen Helmut Schmidt als SPD-Politiker, als früheren Innensenator von Hamburg, als ehemaligen Bundeskanzler - und als chronischen Zigarettenraucher. Er gilt als direkt, schroff und eitel, macht sich als "Schmidt-Schnauze" einen Namen. Verborgen blieben meist die Verletzungen des kleinen Helmut aus Hamburg, die Traumata des Oberleutnants im Zweiten Weltkrieg und die Verstrickungen eines Kanzlers im eskalierenden Krieg gegen den RAF-Terror.
Doch nicht nur als Politiker, auch als Klavierspieler gilt Schmidt als brillant. Zudem interessiert er sich für Malerei und Buddhismus. Nach dem Ende seiner politischen Karriere wird er 1983 Herausgeber der Wochenzeitung "Die Zeit", schreibt Artikel und Bücher, hält Vorträge. Fast bis zum Schluss an seiner Seite: Seine Frau Loki, mit der er seit 1942 verheiratet ist und eine Tochter hat.

In diesem Zeitzeichen erzählt Uwe Schulz:
  • woran Schmidt glaubt und wofür er kämpft,
  • von Schmidts Rolle im Zweiten Weltkrieg und wie sehr dieser ihn prägt,
  • wie sehr Schmidts Gesundheit unter dem Leben als Politiker leidet,
  • von dem Geheimnis seiner Ehe und was er von seiner Frau Loki lernen kann.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Günter Hofmann: Helmut Schmidt - Soldat, Kanzler, Ikone (2015)
  • Hartmut Soell: Helmut Schmidt. Macht und Verantwortung - 1969 bis heute (2008)
  • Reiner Lehberger: Die Schmidts. Ein Jahrhundertpaar (2020)

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Autor: Uwe Schulz
Redaktion: David Rother

Vor 100 Jahren: Die Erfindung von Eis am Stiel

Vor 100 Jahren: Die Erfindung von Eis am Stiel WDR Zeitzeichen 22.12.2023 14:34 Min. Verfügbar bis 22.12.2099 WDR 5

Die wirklich großen (und auch viele kleine) Erfindungen der Menschheit beruhen oft auf Zufällen: So auch die Erfindung von Eis am Stiel, das 1923 patentiert wird.

Schon die alten Griechen lassen sich Schnee mit Honig und Früchten auf der Zunge schmelzen. Im 16. Jahrhundert gelingt es, Speiseeis in größeren Menegn zu produzieren. Aber erst die Erfindung von Eis am Stiel macht das Schlecken zum mobilen Vergnügen. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Ernst Kammerinke, Bundesverband der Deutschen Süßwaren-industrie *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Ralf Gödde, Redaktion: Matti Hesse


Der elfjährige Frank Epperson lässt aus Versehen ein Glas Limonade mit Löffel auf der Veranda stehen. Die Brause gefriert über Nacht und heraus kommt sein erstes Fruchteis am Stiel. Als Erwachsener erinnert sich der Amerikaner an sein frostiges Erlebnis und lässt sich 1923 seine Zufallserfindung unter dem Namen "Popsicle" patentieren.

Im gleichen Jahr setzt sein Landsmann Harry Burst noch einen drauf. Er garniert Vanilleeis mit einem Schokoladenüberzug und präsentiert das Ganze ebenfalls an einem Holzstäbchen. Fertig ist der erste so genannte Rahmeislutscher. Bereits 1924 findet das Stieleis seinen Weg nach Deutschland und setzt sich unter dem Namen "Steckerleis" schnell durch.

Heute versuchen die Firmen ihre Kunden mit immer neuen Sorten und Spezialitäten bei Laune zu halten. Darunter sind auch besonders außergewöhnliche Kreationen wie Weißwurst- oder Gin-Tonic-Gurke-Eis. Erlaubt ist eben, was schmeckt.

In diesem Zeitzeichen erzählt Ralf Gödde:
  • Wieviel Eis jeder Deutsche durchschnittlich pro Jahr verputzt
  • Warum der Eis-Transport im Römischen Reich ein Wettlauf gegen die Zeit ist
  • Welche unterschiedlichen Stiel-Eis-Esser es gibt

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  • Ernst Kammerinke, Bundesverband der Deutschen Süßwaren-industrie

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Autor: Ralf Gödde
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"Spiel mir das Lied vom Tod" hat Premiere (am 21.12.1968)

"Spiel mir das Lied vom Tod" hat Premiere (am 21.12.1968) WDR Zeitzeichen 21.12.2023 14:43 Min. Verfügbar bis 21.12.2099 WDR 5

Sergio Leone schafft einen Klassiker der Filmgeschichte: "C´era una volta di West" ist der Western schlechthin, Ennio Morricones Soundtrack legendär...

Mitten in der Wüste von Arizona kommt ein wortkarger Revolverheld an einem verlassenen Viehbahnhof an. Dort erwarten ihn drei Killer, die ihn erledigen wollen. Doch so einfach ist die Geschichte nicht... *** Das ist unsere wichtigste Quelle: Harald Steinwender: Sergio Leone - Es war einmal in Europa/Verlag Bertz und Fischer, 2012 *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Burkhard Hupe, Redaktion: David Rother


Es sind die vielleicht spannendsten 14 Minuten der Filmgeschichte, in denen eigentlich nichts passiert: Drei Revolverhelden kommen mit ihren Pferden an einem verlassenen Viehbahnhof an und warten auf jemanden. Ein quietschendes Windrad, knackende Fingerknöchel, eine Fliege, die über eine unrasierte Wange krabbelt. Am 21. Dezember 1968 fesselt in Rom eine ungewohnte Regungslosigkeit das Premierenpublikum des Westerns "Spiel mir das Lied vom Tod".

Schließlich trifft ein Mann mit dem Zug ein. Er ist ein einsamer Rächer mit schnellen Händen, der mit einem dunklen Geheimnis durch die Wüste Arizonas streift. Dabei hat er ein Ziel klar vor Augen.

In diesem Zeitzeichen erzählt Burkhard Hupe:
  • Wie die Fliege filmgerecht auf die unrasierte Wange gelockt wird.
  • Inwiefern "Spiel mir das Lied vom Tod" eine Western-Zitate-Kiste ist.
  • Welche Rolle Claudia Cardinale in dem Film spielt.
  • Welche geniale Komposition von Musik und Rückblenden für Spannung bis zum Schluss sorgt.
  • Warum die Uraufführung in Italien und nicht in den USA stattfindet.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Harald Steinwender: Sergio Leone - Es war einmal in Europa/Verlag Bertz und Fischer, 2012
  • Interview mit Sergio Leone von 1987 über den Film "Spiel mir das Lied vom Tod" (auf Italienisch)

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Autor: Burkhard Hupe
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Moment der Menschlichkeit im Krieg: Luftbegegnung Stigler/Brown

Moment der Menschlichkeit im Krieg: Luftbegegnung Stigler/Brown WDR Zeitzeichen 20.12.2023 16:04 Min. Verfügbar bis 20.12.2099 WDR 5

Mitleid im Zweiten Weltkrieg? Ein deutscher Jagdflieger trifft beim Luftkampf auf einen US-Bomber, der wehrlos ist. In dieser Situation steht viel auf dem Spiel.

Der deutsche Jagdflieger Franz Stigler muss noch einen feindlichen Bomber abschießen. Dann winkt ihm das NS-"Ritterkreuz" als Belohnung. Doch diese Auszeichnung wird er nie erhalten. Dafür eine andere, mit der er während des Zweiten Weltkrieges noch nicht rechnet. *** Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Adam Makos, Larry Alexander: A Higher Call. An Incredible True Story of Combat and Chivalry in the War-Torn Skies of World War II. Penguin, New York 2012 *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Wolfgang Meyer, Redaktion: David Rother


Noch ein "Luftsieg" über einen feindlichen Bomber, dann winkt dem deutschen Jagdflieger Franz Stigler das NS-"Ritterkreuz" als Belohnung. Er will diesen Abschuss auf jeden Fall schaffen. Doch als er die "Fliegende Festung" des US-Piloten Charles Brown vor sich sieht, ist plötzlich alles anders.
Fast der gesamte Bug der "B-17" ist weggerissen. In einer Tragfläche klafft ein Loch, Teile der Besatzung sind tot oder schwer verletzt. Der beschädigte Bomber verliert dramatisch an Höhe. Franz Stigler hat den Finger am Abzug, als ihm klar wird: Dieser Gegner ist völlig wehrlos. Und trifft eine für ihn lebensgefährliche Entscheidung.

In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer:
  • Wie viele feindliche Flugzeuge Franz Stigler schon abgeschossen hat.
  • Mit welchem Ziel die US-Kampfformation unterwegs ist, zu der auch Charles Brown gehört.
  • Wie der Showdown abläuft.
  • Warum Stigler nach dem Zweiten Weltkrieg ein Auszeichnung erhält - allerdings nicht in Deutschland.
  • Wie sich Franz Stigler und Charles Brown nach Jahrzehnten finden.
Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Adam Makos, Larry Alexander: A Higher Call. An Incredible True Story of Combat and Chivalry in the War-Torn Skies of World War II. Penguin, New York 2012
  • Martin Eich: Ein Gentleman in der Messerschmitt, FAZ vom 19. Dezember 2017
  • John Blake: Two enemies discover a 'higher call' in battle. CNN International, 9. März 2013
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Autor: Wolfgang Meyer
Redaktion: David Rother

Sie porträtiert kluge Köpfe: Die Fotografin Gisèle Freund

Sie porträtiert kluge Köpfe: Die Fotografin Gisèle Freund WDR Zeitzeichen 19.12.2023 14:26 Min. Verfügbar bis 19.12.2099 WDR 5

Virginia Wolf, James Joyce, Simone de Beauvoir: Berühmte Porträts dieser Persönlichkeiten stammen von Gisèle Freund, geboren am 19.12.1908. Ihre Kunst: Sie fängt mit der Kamera die Essenz der Menschen ein.

Die Fotografin Gisèle Freund ist weniger bekannt als ihre Bilder: Ihre Porträts von Berühmtheiten wie Frida Kahlo und James Joyce haben unser Bild des 20. Jahrhunderts geprägt. Doch auch das Leben der Gisèle Freund, geboren als Gisela, ist nicht weniger beeindruckend: Sie bringt sich selbst das Fotografieren bei und erkundet mutig und neugierig die Welt. *** Das ist unsere wichtigste Interviewpartnerin: Jessica Backhaus, Fotografin und Freundin von Gisèle Freund ***Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Anke Rebbert; Redaktion: Gesa Rünker.


Gisèle Freund wächst wohlbehütet und großbürgerlich in Berlin auf. Der Physiker Albert Einstein wohnt gegenüber. Der Maler Max Liebermann ist ein Freund der Familie. Ihr Vater ist ein jüdischer Textilfabrikant und schenkt ihr früh eine Kamera – damit sie sich "ausdrücken" kann.
Entgegen gesellschaftlicher Normen bestimmt Gisèle Freund ihren eigenen Lebensweg. Statt auf die Hauswirtschaftsschule zu gehen, setzt sie ein Soziologie-Studium bei den Eltern durch und flüchtet nach Paris, als Hitler die Macht übernimmt.
In Paris findet sie dank ihrer guten Bildung schnell Zugang zu Künstlern und Schriftstellern, die sie auch fotografiert. Ihr Geheimnis: "Im Laufe der Unterhaltung vergisst der Mensch den Apparat. Und dann kommt der Moment, den ich abpassen muss, um ihn dann zu fotografieren, dann erscheint er mir das, was er ist." So prägt Gisèle Freund die Kunst der Porträtfotografie entscheidend.
"Gisèle Freund war umwerfend. Von einer Lebendigkeit, die uns Jüngere fast überrollt hat", sagt Klaus Honnef, der Freunds Bilder als erster in Deutschland ausgestellt hat. Gisèle Freund hat immer betont, dass das Glücklichsein und das Glücklichmachen von Menschen das Wesentliche im Leben sind. Eine Lebenseinstellung, die man ihren Bildern ansieht.

In diesem Zeitzeichen erzählt Anke Rebbert:
  • Über Gisèle Freunds Kindheit in Berlin.
  • Wie die Fotografin ins Pariser Künsterleben eintaucht.
  • Warum Gisèle Freund und Frida Kahlo sich anfreunden.
  • Wie sie es schafft, die Schuhe und den Diamant-Schmuck von Evita Peron zu fotografieren.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Jessica Backhaus, Fotografin und Freundin von Gisèle Freund
  • Klaus Honnef, ehemaliger Direktor des Rheinischen Landesmuseum in Bonn

Weiterführende Links:

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Autorin: Anke Rebbert
Redaktion: Gesa Rünker
Technik: Nico Söllner

Die Eiszeitkünstler: Als der Homo Sapiens kreativ wurde

Die Eiszeitkünstler: Als der Homo Sapiens kreativ wurde WDR Zeitzeichen 18.12.2023 14:43 Min. Verfügbar bis 18.12.2099 WDR 5

Die ältesten Kunstwerke der Menschheit liegen in einer schwäbischen Höhle - das berichtet "Nature" am 18.12.2003. Ein neuer Blick auf die frühe Menschheitsgeschichte...

Wissenschaftler finden bei Ausgrabungen auf der Schwäbischen Alb drei kleine Skulpturen aus Mammutelfenbein. Sie sind ein neuer Beleg dafür, dass das Gebiet an der oberen Donau ein wichtiges Zentrum der kulturellen Entwicklung des anatomisch modernen Menschen ist. *** Das ist unser wichtister Interviewpartner: Nicholas John Conard (Archäologe) *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Marko Rösseler, Redaktion: David Rother


Die Zeitung "Nature" berichtet am 18. Dezember 2003 zuerst über den spektakulären Fund: ein Wasservogel, ein Löwenmensch und ein Pferdekopf. Letzterer wird sich Jahre später als Bär herausstellen. Alle Figuren sind nur wenige Zentimeter groß, aber belegen die künstlerischen Begabungen der Steinzeitmenschen in der Schwäbischen Alb.

Bis dahin haben Wissenschaftler Steinzeitkunst vor allem in Frankreich vermutet, etwa in den aufwändig ausgemalten Höhlen von Lascaux, während in Deutschland die eher grobschlächtigen Neandertaler verortet sind. Nun zeigt sich: Der moderne Homo Sapiens ist auch diesseits der Alpen den schönen Dingen zugeneigt: Er schnitzt nicht nur, sondern er musiziert auch. Das beweisen die ebenfalls in Höhlen der Schwäbischen Alb gefundenen Knochenflöten. Und wo musiziert wird, da wird wohl auch gesungen und getanzt.

Bei folgenden Ausgrabungen kommen weitere Schnitzereien und Flöten zutage. 2017 werden die sechs Höhlen auf der Schwäbischen Alb "als einzigartiges Zeugnis menschlichen Kunst- und Kulturschaffens" in die Welterbe-Liste der UNESCO aufgenommen.

In diesem Zeitzeichen erzählt Marko Rösseler:
  • Dass die Höhlen keine Dauerwohnungen sind.
  • Von den jahrelangen Ausgrabungen auf der Schwäbischen Alb.
  • Wie aus einem Pferd ein Bär wurde.
  • Warum dicke Frauen zu den beliebtesten Motiven der Steinzeit gehören.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Nicholas John Conard, Archäologe
  • Conard, J. Nicholas: Palaeolithic ivory sculptures from southwestern Germany and the origins of figurative art. In: Nature. 18. Dez. 2003

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Autor: Marko Rösseler
Redaktion: David Rother

Verschwörungstheorie mit Nachwirkung: Die Dolchstoßlegende

Verschwörungstheorie mit Nachwirkung: Die Dolchstoßlegende WDR Zeitzeichen 17.12.2023 15:05 Min. Verfügbar bis 17.12.2099 WDR 5

Die deutsche Kriegsniederlage als Werk der Gegner im eigenen Land: Die Dolchstoßlegende ist am 17.12.1918 in der Neuen Zürcher Zeitung zu lesen. Sie verbreitet sich.

Die Neue Zürcher Zeitung zitiert den britischen General Sir Frederick Maurice mit den Worten: „Was die deutsche Armee betrifft, so kann die allgemeine Ansicht in das Wort zusammengefasst werden: Sie wurde von der Zivilbevölkerung von hinten erdolcht.“ Zwar hat Maurice stets abgeschritten, das jemals gesagt zu haben. Aber die Dolchstoßlegende ist geboren – und wird bis heute von Machthabern wie Putin und Trump für die Entschuldigung eigener Niederlagen herangezogen. ***Autorin: Almut Finck; Redaktion: Gesa Rünker


Die Mär von der im Feld siegreichen Armee, deren Erfolge auf dem Schlachtfeld in der Heimat untergraben werden, kommt vielen gelegen. Die hohen Militärs nutzen die Dolchstoßlegende, um jegliche Verantwortung an der Niederlage des Ersten Weltkriegs von sich zu weisen.

Rechtskonservative, Deutschnationale und schließlich die Nationalsozialisten halten den Mythos aufrecht, um die verhasste Weimarer Republik zu diskreditieren. Schließlich sitzen dort jene Politiker an der Macht, die den Soldaten den Todesstoß durch ihre Friedensinitiativen und der Unterzeichnung des Friedensvertrages versetzt haben.

Die Strategie geht auf: Adolf Hitler kommt 1933 auch wegen seiner Hetze gegen den Versailler Vertrag an die Macht und führt Deutschland erneut in den Krieg. Der endet mit der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen. Auch, weil die Alliierten diesmal eine Verraterzählung, die durch einen Friedensvertrag genährt werden könnte, verhindern wollen.

In diesem Zeitzeichen erzählt Almut Finck:
  • Was die Nibelungentreue mit der Dolchstoßlegende zu tun hat.
  • Wie viel Antisemitismus in der Dolchstoßlegende steckt.
  • Warum das Narrativ vom "Verrat im eigenen Land" vielen Deutschen gefällt.
  • Wie Wladimir Putin ein Jahrhundert später wieder die Dolchstoßlegende aufgreift.

Das ist unser Interviewpartner:
  • Jörn Leonhard, Historiker an der Universität Freiburg

Weiterführende Links:
  • 29. März 1909: Bühlow prägt den Begriff der Nibelungentreue
  • 8. November 1918: Ende des Ersten Weltkriegs
  • Von der Falschmeldung zur Dolchstoßlüge

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Almut Finck
Redaktion: Gesa Rünker
Technik: Antonia Herzog

Oliver Cromwell wird Lordprotektor des britischen Commonwealth

Oliver Cromwell wird Lordprotektor des britischen Commonwealth WDR Zeitzeichen 16.12.2023 14:58 Min. Verfügbar bis 16.12.2099 WDR 5

Am 16. 12.1653 wird Oliver Cromwell als Lordprotektor vereidigt. Wie wurde aus dem engagierten Parlamentarier ein de facto diktatorischer Alleinherrscher?

Zunächst ist er ein leidenschaftlicher Parlamentarier und erarbeitet eine Verfassung mit einem bis heute geltenden Prinzip: der Gewaltenteilung. Dann entwickelt sich Oliver Cromwell zum butalen Alleinherrscher - ähnlich dem König, den er vorher bekämpft hat. Doch seine Regierungszeit währt nur kurz. *** Das ist unser wichtister Interviewpartner: Stuart Orme (Leiter des Cromwell Museums in Huntington) *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Irene Dänzer-Vanotti, Redaktion: Matti Hesse


Oliver Cromwell ist eine der umstrittensten Persönlichkeiten der britischen Geschichte. Einerseits stärkt er das Parlament, erarbeitet eine Verfassung mit einem bis heute geltenden Prinzip: der Gewaltenteilung. Andererseits aber ist er ein brutaler Kriegsherr, dem nicht nur gegnerische Soldaten, sondern auch zahlreiche Zivilisten zum Opfer fallen.
Auf Cromwells Veranlassung enthaupten die Engländer 1649 ihren König Charles I. Mit dem Land verändert sich in der Folge auch Oliver Cromwell. Nachdem er am 16. Dezember 1653 als Lordprotektor vereidigt wird, entwickelt sich der leidenschaftliche Parlamentarier zum Alleinherrscher, ähnlich dem König, den er vorher bekämpft hat. Der Lordprotektor hat eine Rolle, die irgendwo zwischen der eines Königs und eines Präsidenten liegt.
Cromwells Regierungszeit währt nur kurz: Nach fünf Jahren stirbt er am 3. September 1658 mit 59 Jahren an Malaria, mit der er sich in Irland infiziert. Zu seinem Nachfolger bestimmt er seinen Sohn Richard. Der erweist sich aber für Regierungsgeschäfte ungeeignet, frönt stattdessen dem schönen Leben, ist verschuldet und setzt sich nach Frankreich ab. Das ist das Ende bürgerlicher Staatsoberhäupter in Großbritannien.

In diesem Zeitzeichen erzählt Irene Dänzer-Vanotti:
  • Wie selbst ein enthaupteter König vor groben Scherzen der britischen Komiker-Gruppe Monty Python nicht sicher ist.
  • Auf welches Alleinstellungsmerkmal in der britischen Geschichte König Charles I. lieber verzichtet hätte.
  • Wie der Commonwealth seinen Ursprung in einem blutigen Bürgerkrieg findet.
  • Warum die Weisheit "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben" sich schon 1653 als zutreffend herausstellt.

Das ist unser wichtigster Interviewpartner:
  • Stuart Orme (Leiter des Cromwell Museums in Huntington)

Weiterführende Links:

Unser Hörtipp: WDR 5 "Das Philosophische Radio" mit Jürgen Wiebicke

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Autorin: Irene Dänzer-Vanotti
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Christina Gabriel

Das Ende des Vandalenreichs mit der Schlacht von Tricamarum

Das Ende des Vandalenreichs mit der Schlacht von Tricamarum WDR Zeitzeichen 15.12.2023 14:41 Min. Verfügbar bis 15.12.2099 WDR 5

Im Jahr 533 verschwinden die Vandalen aus der Weltgeschichte. Vermutlich ahnen sie damals nicht, dass der Name ihres Stammes bis heute als Synonym für ungezügelte Zerstörung gilt.

Am 15. Dezember 533 unterliegt Vandalen-König Gelimer mit seinen Truppen in der Schlacht von Tricamarum den Soldaten Ostroms. Damit verschwinden die Vandalen aus der Weltgeschichte, in der sie 130 Jahre lang eine wichtige Rolle spielen. *** Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Professor Konrad Vössing, Professor für Alte Geschichte an der Universität Bonn; Professor Roland Steinacher, Professor für Alte Geschichte an der Universität Innsbruck; Konrad Vössing: Die Vandalen, 2018; Roland Steinacher: Die Vandalen: Aufstieg und Fall eines Barbarenreichs, 2016. *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Heiner Wember; Redaktion: Matti Hesse


Am 15. Dezember 533 unterliegt Vandalen-König Gelimer mit seinen Truppen in der Schlacht von Tricamarum den Soldaten Ostroms. Damit verschwinden die Vandalen aus der Weltgeschichte, in der sie 130 Jahre lang eine wichtige Rolle gespielt haben. Schriftliches bleibt nicht von ihnen. Aber bis heute wird blindwütige Zerstörung als "Vandalismus" bezeichnet. Der Begriff ist aber wohl erst Jahrhunderte später während der französischen Revolution entstanden.

Als der Mob in Paris wütet, Kirchen zerstört und Heiligengräber schändet, sucht ein Pfarrer nach einem Bild für die Verwüstungen. Schließlich redet er im Konvent "Über den Vandalismus und die Möglichkeiten seiner Unterdrückung".

Bei den Original-Vandalen handelt es sich um einen eher kleinen Stammesverband, der jahrhundertelang zunächst in der Gegend des heutigen Schlesien lebt. Um das Jahr 400 ziehen die meisten Vandalen zusammen mit den verbündeten Alanen Richtung Westen.

Am Rhein ist wegen der dort stationierten Hilfstruppen der Römer fast Endstation. Die Franken werden dafür bezahlt, die Ostgrenze des Römischen Reiches zu verteidigen. Bei der Schlacht im Dezember 406 sollen bis zu 20.000 Vandalen gefallen sein. Der Rest schafft es über den Rhein und macht sich auf den Weg nach Gallien. Jahrelang ziehen die Vandalen mordend und beutesüchtig durch das reiche Gallien und über Spanien bis nach Nordafrika.

Erst mit der Niederlage in der Schlacht von Tricamarum findet ihr Weg der Zerstörung sein Ende.

In diesem Zeitzeichen erzählt Heiner Wember:
  • Welch perfiden Pläne die Römer mit den germanischen Stämmen haben.
  • Wie die Vandalen in Cartagena unverhofft in Besitz einer eigenen Marine gelangen.
  • Welcher römisch-katholische Kirchenvater die Propaganda- Schlachten gegen die Vandalen anführt.
  • Dass Vandalen schon lange vor Eröffnung des Ballermanns auf Mallorca hausen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Professor Konrad Vössing, Professor für Alte Geschichte an der Universität Bonn
  • Professor Roland Steinacher, Professor für Alte Geschichte an der Universität Innsbruck
  • Konrad Vössing: Die Vandalen, 2018
  • Roland Steinacher: Die Vandalen: Aufstieg und Fall eines Barbarenreichs, 2016

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Heiner Wember
Redaktion: Matti Hesse
Onineproducerin: Vera Kettenbach

Kirche für Gerechtigkeit: Der Theologe Leonardo Boff

Kirche für Gerechtigkeit: Der Theologe Leonardo Boff WDR Zeitzeichen 14.12.2023 15:38 Min. Verfügbar bis 14.12.2099 WDR 5

Der brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff, geboren am 14.12.1938, setzt sich für Menschenrechte ein und geht in den Konflikt mit der katholischen Amtskirche.

Leonardo Boff - katholischer Theologe, Autor von mehr als 60 Büchern, engagierter Naturschützer und Philosoph - hat viele Facetten. Als geistlicher Hirte will er den Menschen Gutes bescheren, vor allem den Armen und Unterdrückten. Als gesellschaftspolitischer Revolutionär ist er bereit, dafür bedingungslos zu kämpfen. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Professor Gerhard Kruip, Professor für Christliche Anthropologie und Sozialethik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. *** Die Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Susanne Rabsahl, Redaktion: Gesa Rünker


Für den brasilianischen Befreiungstheologen Leonardo Boff muss die Kirche eine Kirche der Armen sein. Er kritisiert die Kirche dafür, dass sie nach seinem Empfinden ihre Dogmen über die Menschen stellt. Damit rüttelt Boff in den 1970er- und 80er-Jahren schwer an den Grundfesten der katholischen Kirche und landet schließlich auf der Anklagebank des Vatikan. Sein Gegenspieler - ein einstiger Unterstützer: Joseph Kardinal Ratzinger, oberster Glaubenshüter, der spätere Papst Benedikt XVI.

Während seiner religiösen Ausbildung verehrt Boff den brillanten Denker Joseph Ratzinger. Der wird Zweitgutachter seiner Dissertation. Und ein Förderer. Mit einer erheblichen finanziellen Unterstützung ermöglicht er die Veröffentlichung der Doktorarbeit von Leonardo Boff. Eine Freundschaft entsteht, die mit Ratzingers Aufstieg im Vatikan auf eine harte Probe gestellt wird.

In diesem Zeitzeichen erzählt Susanne Rabsahl:
  • Dass der Befreiungstheologe Leonardo Boff auch schon mal mit dem Weihnachtsmann oder Karl Marx verglichen wird.
  • Wie der intellektuelle Vater und die im Glauben unerschütterliche Mutter ihrem Leonardo und dessen zehn Geschwistern Gerechtigkeit, Gemeinschaftlichkeit aber auch ein Freiheitsstreben gewissermaßen in die Wiege legen.
  • Wie Joseph Ratzinger immer weniger Verständnis für eine progressive Erneuerung der katholischen Kirche zeigt.
  • Warum sich Leonardo Boff vor vor der Glaubenskongregation des Vatikan ins Mittelalter zurückversetzt fühlt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Professor Gerhard Kruip, Professor für Christliche Anthropologie und Sozialethik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

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Autorin: Susanne Rabsahl
Redaktion: Gesa Rünker
Technikerin: Annette Skrzydlo
Onlineproducerin: Vera Kettenbach

Holocaust-Überlebender und Computer-Revolutionär: Jack Tramiel

Holocaust-Überlebender und Computer-Revolutionär: Jack Tramiel WDR Zeitzeichen 13.12.2023 15:01 Min. Verfügbar bis 13.12.2099 WDR 5

Der Mann, der den legendären "Commodore 64" auf den Markt bringt, ist nur vier Jahre zur Schule gegangen. Dies ist die beeindruckende Lebensgeschichte von Jack Tramiel, offiziell geboren am 13.12.1928...

Im Jahr 1989 präsentiert Jack Tramiel auf der Consumer Electronics Show seinen Homecomputer "Commodore 64" vor. Der Commodore-Rechner lässt sich später über 30 Millionen Mal verkaufen und gehört bis heute zu den beliebtesten PCs aller Zeiten. *** Unser Interviewpartner: Jochen Viehoff (Geschäftsführer Nixdorf-Computermuseum) *** Autorin: Jana Magdanz, Redaktion: David Rother


Der "Commodore 64" steht als erster Computer in den Regalen der Kaufhäuser, nicht mehr im Fachhandel. Ein Jahr nach der Markteinführung im August 1982 kostet er nur noch 300 Dollar.

Die Commodore -Werbung stichelt gegen die damaligen Konkurrenten IBM, Apple und Atari, sie müssten sich warm anziehen. Die Revolution der Computerindustrie beginnt. Und hinter ihr steckt Jack Tramiel.

Jack Tramiel kommt als Idek Trzmiel im polnischen Lodz als Kind jüdischer Eltern zur Welt. Die Nazis deportieren die Familie 1944 aus dem jüdischen Ghetto nach Auschwitz-Birkenau. Idek überlebt den Holocaust - seine gesamte Verwandtschaft kommt darin ums Leben..

Idek Trzmiel gelangt nach dem Krieg in die USA. Dort macht er unter seinem neuen Namen Jack Tramiel Karriere mit dem Handel und der Reparatur von Büromaschinen. Als Ziehvater des "Commodore 64" und später bei Atari revolutioniert Tramiel den Computermarkt. "Homecomputer" werden für die Verbraucher erschwinglich und halten Einzug in die private Nutzung.

Bevor Jack Tramiel 2012 stirbt, hält er dankbar Rückschau auf sein wechselvolles Leben: "Ich bin ein sehr glücklicher Mensch. 1945 wurde ich wiedergeboren. Aber ich schaue nicht zurück. Und ich habe keinerlei Hass in mir. Ich habe ein Unternehmen aufgebaut, ich habe eine Familie gegründet [...] und wir sind alle sehr froh darüber, was wir erreicht haben."

In diesem Zeitzeichen erzählt Jana Magdanz:
  • Wie Idek Trzmiel durch Fässer mit eingelegten Gurken lernt, erfolgreicher Unternehmer zu werden.
  • Warum Idek bei seiner Einreise in die USA mit seinem Geburtsdatum schwindelt.
  • Auf welcher goldenen Regel sein beispielloser Erfolg fußt.
  • Wie der "Commodore 64" zu seinem militärischen Namen kommt.

Das ist unser wichtigster Interviewpartner:
  • Jochen Viehoff (Geschäftsführer Nixdorf-Computermuseum)

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Autorin: Jana Magdanz
Redaktion: David Rother
Technik: Sascha Schiemann

Kunstraub: Die gestohlene Mona Lisa wird sichergestellt

Kunstraub: Die gestohlene Mona Lisa wird sichergestellt WDR Zeitzeichen 12.12.2023 14:45 Min. Verfügbar bis 12.12.2099 WDR 5

An vier Haken hängt vor über 100 Jahren da Vincis Mona Lisa im Pariser Louvre, und es ist ganz leicht, sie zu stehlen. Am 12.12.1913 wird sie in Florenz sichergestellt.

Darüber, wer hinter dem Diebstahl der "Mona Lisa" steckt, gibt es verschiedene Theorien. Sicher ist: Zwei Jahre nach der Tat meldet sich ein ehemaliger Louvre-Mitarbeiter bei einem Kunsthändler in Florenz. Er habe das Gemälde aus patriotischen Gründen gestohlen. Daraufhin wird er festgenommen und das Kunstwerk sichergestellt. *** Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner: Michael Koldehoff (Journalist, Buchautor), Arthur Brand (Kunstberater, Detektiv) *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Irene Geuer, Redaktion: Gesa Rünker


Zwei Jahre nach dem Diebstahl der Mona Lisa nimmt ein ehemaliger Mitarbeiter des Louvre Kontakt mit einem Kunsthändler in Florenz auf. Der Handwerker Vincenzo Perugia erklärt, er habe das Bild aus patriotischen Gründen gestohlen. Es solle in seine italienische Heimat zurückkehren. Am 12. Dezember 1913 wird er festgenommen und das Kunstwerk sichergestellt.
Doch damit ist die Geschichte nicht zu Ende: Hinter alldem soll jemand mit einem größeren Plan gesteckt haben. Eduardo de Valfierno, gebürtiger Argentinier, Kunstsammler und kriminell. Er soll der Auftraggeber gewesen sein, mit einer sehr listigen Strategie.

In diesem Zeitzeichen erzählt Irene Geuer:
  • Welche Sicherheitsmaßnahmen es damals im Louvre gibt.
  • Wie der Diebstahl vermutlich abläuft.
  • Mit welchem Trick de Valfierno nach dem Diebstahl Geld gemacht haben soll.
  • Welche anderen Diebstahl-Theorien ebenfalls kursieren.
  • Wie das Gemälde heute geschützt wird.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Michael Koldehoff (Journalist, Buchautor)
  • Arthur Brand (Kunstberater, Detektiv)
  • Reitz, Manfred: Die geraubte Mona Lisa, Insel Verlag
  • Koldehoff, Stefan; Timm, Tobias: Kunst und Verbrechen, Galiani Berlin
  • Scotti, Rita: Der Raub der Mona Lisa, Fackelträger Verlag

Weiterführende Links:

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Autorin: Irene Geuer
Redaktion: Gesa Rünker

Beim Vesuv-Ausbruch verschüttet: Das antike Herculaneum

Beim Vesuv-Ausbruch verschüttet: Das antike Herculaneum WDR Zeitzeichen 11.12.2023 14:09 Min. Verfügbar bis 11.12.2099 WDR 5

Nicht so bekannt wie Pompeji: Auch das benachbarte Herculaneum wird vom Vesuv verschüttet. Am 11.12.1738 wird die Stadt entdeckt - der Beginn der modernen Archäologie.

Die römische Stadt Herculaneum wird im Jahr 79 nach Christus beim Ausbruch des Vulkans Vesuv unter der Lava begraben - und erst Jahrhunderte später wiederentdeckt, noch vor Pompeji. Am 11. Dezember 1738 werden Steine des Theaters von Herculaneum gefunden. *** Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Professor Dr. Rüdiger Splitter (Kunsthistoriker, Archäologe, Leiter Antikensammlung Kassel) *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Edda Dammmüller, Redaktion: Matti Hesse


Zwei Schwestern am Golf von Neapel: Die römischen Städte Pompeji und Herculaneum werden im Jahr 79 nach Christus beim Ausbruch des Vulkans Vesuv unter Asche, Schlamm und Lava begraben. Erst Jahrhunderte später werden sie wiederentdeckt. Am 11. Dezember 1738 werden Steine des Theaters von Herculaneum gefunden.
Dieser Tag gilt als Beginn der systematischen Ausgrabung der antiken römischen Stadt. Und auch als Startschuss für die moderne Archäologie, die große Antikenbegeisterung in ganz Europa entfacht.
Der nächste Sensationsfund, das nicht weit entfernte Pompeji, lässt die Arbeiten in Herculaneum in den Hintergrund rücken. Denn in Pompeji ist die Ausgrabung deutlich einfacher, weil der steinharte Lava-Überzug viel dünner ist. In Herculaneum kommen die Grabungen erst im 19. Jahrhundert wieder richtig in Gang.

In diesem Zeitzeichen erzählt Edda Dammmüller:
  • Wie ein Zeitgenosse den Ausbruch des Vesuvs schildert.
  • Wer das verschüttete Herculaneum entdeckt.
  • Was dort 1980 am antiken Strand gefunden wird.
  • Welche Rückschlüsse heute auf die Bevölkerung von Herculaneum gezogen werden können.
  • Wo die meisten Kunstwerke aus der antiken Stadt heute zu sehen sind.
Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Professor Dr. Rüdiger Splitter (Kunsthistoriker, Archäologe, Leiter Antikensammlung Kassel)
Weiterführende Links:
Unser Hörtipp:
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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Edda Dammmüller
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Christina Gabriel

Der seltsamste Mensch der Quantenmechanik: Paul Dirac

Der seltsamste Mensch der Quantenmechanik: Paul Dirac WDR Zeitzeichen 10.12.2023 15:10 Min. Verfügbar bis 10.12.2099 WDR 5

Am 10.12.1933 erhält der Physiker Paul Dirac den Nobelpreis. Seine Dirac-Gleichung schreibt Geschichte. Trotzdem gilt das britische Ausnahmetalent als Außenseiter.

Seine entsetzliche Kindheit prägt ihn: Paul Dirac wird von seinem Vater drangsaliert und isoliert. Dadurch agiert der britische Physiker sein Leben lang zurückgezogen und schweigsam. Trotzdem hat er Erfolg: Für seine Erkenntnisse in der Quantentheorie erhält er den Nobelpreis. *** Das ist unsere wichtigste Quelle: Graham Farmelo: Paul Dirac and the religion of mathematical beauty. The Royal Society of History of Science, (RSHS) London, 04.03.2011 *** Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Wolfgang Burgmer, Redaktion: David Rother


Zurückgezogen, schweigsam, scheinbar ohne Empathie: Der britische Physiker Paul Dirac gilt als der seltsamste Mensch der Quantenmechanik. Seine entsetzliche Kindheit hat ihn geprägt: Sein Vater drangsaliert und isoliert ihn. Als Folge kapselt sich Paul ab.
Seine Rettung ist die Mathematik, die ihm den Weg in die Physik und die Quantentheorie eröffnet. Aus seiner Dirac-Gleichung folgt die Erkenntnis, dass ein bisher unbekanntes Elementarteilchen, das Positron, existiert. Dafür erhält Dirac im Dezember 1933 den Physiknobelpreis.

In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Burgmer:
  • Mit welchen Methoden Paul von seinem Vater gequält wird.
  • Was mit der Maßeinheit "ein Dirac" gemeint ist.
  • Welche Bedeutung Werner Heisenberg für den Physiker hat.
  • Wo Dirac seine Frau Manci kennen lernt.
  • Was er unter "Mathematischer Schönheit" versteht.

Das sind unsere wichtigsten Quellen:
  • Graham Farmelo: Paul Dirac and the religion of mathematical beauty. The Royal Society of History of Science, (RSHS) London, 04.03.2011
  • BBC 4: Melvyn Bragg: "In Our Tim": vom 5.3.2020 über Paul Dirac (mit u.a. Graham Farmelo)
  • Paul Dirac (1976) : Basic Beliefs and Prejudices in Physics.

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Autor: Wolfgang Burgmer
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Dada ist Punk: Kunst gegen die Spießer

Dada ist Punk: Kunst gegen die Spießer WDR Zeitzeichen 09.12.2023 14:29 Min. Verfügbar bis 09.12.2099 WDR 5

Das "Dada-Manifest 1918", das der Dichter Tristan Tzara im Dezember des Jahres veröffentlicht, trägt Dada aus Zürich in die Welt: Kunst gegen Krieg und Spießbürgertum.

An Manifesten mangelt es nicht während der Dada-Zeit. Alle Dadaisten, so scheint es, schreiben mindestens eins. Von Tristan Tzara gibt es allein sieben. Sein bekanntestes veröffentlicht er am 9. Dezember 1918. *** Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Martin Mittelmeier, Kulturwissenschaftler ("Dada. Eine Jahrhundertgeschichte", 2016) *** Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Claudia Belemann, Redaktion: Gesa Rünker


Tristan Tzara gründet 1916 gemeinsam mit Hugo Ball, Emmy Hennings, Marcel Janco, Richard Huelsenbeck und Hans Arp die Zürcher Gruppe des Dadaismus. Lange hält die Künstler-Clique nicht - doch den Dada tragen alle weiter hinaus in die Welt.

Tzara zieht es nach Paris. Sein Entrée ist die Zeitschrift Dada 3 und sein Manifest 1918, das er am 9. Dezember des gleichen Jahres endlich in den Händen hält. Sein Manifest, das kein Manifest sein will, besteht vor allem aus widersprüchlichen, sich wechselseitig aufhebenden Aussagen. Doch eben das ist Dada - und von Tzara genauso gewünscht: "Was wir brauchen, sind starke, gerade, genaue und für immer unverstandene Werke. Die Logik ist eine Komplikation. Die Logik ist immer falsch."

Obwohl die Dadaismus-Bewegung längst wieder Geschichte ist, lassen sich bis heute Künstlerinnen und Künstler immer wieder von Dada inspirieren.

In diesem Zeitzeichen erzählt Claudia Belemann:
  • Was genau man unter Dadaismus versteht und woher der Name kommt
  • Von Dada in Zürich und dem "Cabaret Voltaire"
  • Was Dada mit unserem heutigen Leben zu tun hat

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Martin Mittelmeier, Kulturwissenschaftler ("Dada. Eine Jahrhundertgeschichte", 2016)

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Autorin: Claudia Belemann
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Die Flick-Affäre, das "Bonner Watergate"

Die Flick-Affäre, das "Bonner Watergate" WDR Zeitzeichen 08.12.2023 16:36 Min. Verfügbar bis 08.12.2033 WDR 5

Am 8.12.1983 wird Otto Graf Lambsdorff angeklagt - ein amtierender Wirtschaftsminister mitten in einer Affäre um Spenden, schwarze Kassen und den damals mächtigen Flick-Konzern...

Die Flick-Affäre ist in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ein in den 1980er Jahren aufgedeckter politischer Skandal um verdeckte Parteispenden des Flick-Konzerns. Laut Flick-Manager Eberhard von Brauchitsch dienten diese Praktiken der "Pflege der politischen Landschaft". *** Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Affäre Flick, Die Zeit, 28. Oktober 1983, Alle reicher. Der Spiegel. Nr. 2, 1982, DLF, Geschichte aktuell: Die "Pflege der Bonner Landschaft". *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Wolfgang Meyer, Redaktion: David Rother


1981 stößt der Steuerfahnder Klaus Förster bei Ermittlungen auf ein ausgeklügeltes System zur Verschleierung von Spenden und schwarzen Kassen. Darin verwickelt sind der damals mächtige Flick-Konzern, katholische Missionare und hochrangige Politiker von CDU, CSU, SPD und FDP.

"Wie bestechlich ist die Republik?" fragen damals die Medien. Der Flick-Manager Eberhard von Brauchitsch nennt seine teils verdeckten Spenden "Pflege der politischen Landschaft".

Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff und sein Vorgänger Hans Friedrichs müssen vor Gericht. Der Manager von Brauchitsch muss sich wegen angeblicher Bestechung von Amtsträgern verantworten.

Vor Gericht geht es auch um einen möglichen Zusammenhang zwischen der Annahme der Flickspenden und der Steuerbefreiung bei einem Industriedeal des Konzerns, der aber nicht bewiesen wird. Lambsdorff und Friedrichs werden aber wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Flickmanager von Brauchitsch wird zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung und zu einer Geldstrafe von 550.000 Mark verurteilt.

In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer:
  • Wie schwarzes Geld aus einer schwarzen Kasse Dinge finanzierbar macht, die im Verborgenen bleiben sollen.
  • Wie schon Konzerngründer Friedrich Flick mit fragwürdigen Zuwendungen und Praktiken sein Imperium festigt.
  • Warum Konzernerbe Friedrich Karl Flick die Unternehmensleitung in die Hände Eberhard von Brauchitschs legt.
  • Warum dem Steuerfahnder Klaus Förster das Bundesverdienstkreuz verwehrt bleibt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Affäre Flick, Die Zeit, 28. Oktober 1983
  • Alle reicher. Der Spiegel. Nr. 2, 1982
  • DLF, Geschichte aktuell: Die "Pflege der Bonner Landschaft".

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Autor: Wolfgang Meyer
Redaktion: Matti Hesse
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Edwin Hubble beweist Galaxien außerhalb der Milchstraße

Edwin Hubble beweist Galaxien außerhalb der Milchstraße WDR Zeitzeichen 07.12.2023 14:40 Min. Verfügbar bis 07.12.2099 WDR 5

Vor hundert Jahren glaubten die Menschen, dass die Milchstraße das ganze Universum sei. Dann, am 7.12.1923, führte Edwin Hubble einen bahnbrechenden Beweis...

Edwin Hubble gehört zu den ersten, die ihre riesigen Teleskope in den Kosmos richten, um durch die Messung von Entfernungen und Geschwindigkeiten etwas Ordnung in die dunkle Unendlichkeit zu bringen. Und was er dabei findet, hat unser Bild des Universums enorm erweitert. *** Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Jörg Küfner, Mitglied des Physikalischen Vereins; Edwin Hubble - Biografie auf der offiziellen NASA-Seite *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Ralph Erdenberger, Redaktion: David Rother


Edwin Hubble steht das damals größte Teleskop der Welt auf dem Mount Wilson in Kalifornien zu Verfügung. 1923 entdeckt er in wochenlangen Beobachtungen von Spiralnebeln außergewöhnliche Sterne, sogenannte Cepheiden, deren Leuchtkraft regelmäßig zu- und abnimmt.
Aus den Helligkeitsschwankungen errechnet der 33 Jahre junge Astronom die Entfernung der Nebel - rund 900.000 Lichtjahre. Nach heutigen Berechnungen ist das nicht ganz richtig, aber nah dran. Auf jeden Fall folgt daraus, dass der von Hubble entdeckte Spiralnebel Andromeda weit außerhalb der Milchstraße liegt.
Damals ist das ein ganz revolutionärer Gedanke, denn Hubbles Vorgänger sind lange überzeugt, dass die Milchstraße mit ihren 100.000 Lichtjahren Durchmesser die einzige Galaxie des Universums ist. Hubbles Pionierarbeit macht somit das Weltall auf einen Schlag um vieles größer, als die Experten je erwartet hätten.

In diesem Zeitzeichen erzählt Ralph Erdenberger:
  • Von weiteren revolutionären Entdeckungen durch Kopernikus, Keppler oder Galilei
  • Wie es Hubble gelingt, die Geschwindigkeiten von fernen Galaxien genau zu bestimmen
  • Was das Hubble-Teleskop so besonders macht
  • Von der gigantischen Zahl an Sternen, Sonnen und Galaxien

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
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Autor: Ralph Erdenberger
Redaktion: David Rother

Spanien nach Franco: Diese Demokratie entsteht im Kompromiss

Spanien nach Franco: Diese Demokratie entsteht im Kompromiss WDR Zeitzeichen 06.12.2023 15:21 Min. Verfügbar bis 06.12.2099 WDR 5

Spaniens Verfassung feiert Geburtstag: Am 6.12.1978 hat die Bevölkerung sie angenommen. Doch die junge Demokratie kämpft zunächst gegen Widerstände.

Nach dem Tod Francisco Francos bleibt in Spanien anfangs noch vieles beim Alten. Die Eliten, die Franco unterstützt haben, bleiben in ihren Ämtern. Die Verbrechen während der Franco-Diktatur werden erst einmal nicht aufgearbeitet. Einen wichtigen Schritt macht die junge Demokratie mit der Annahme einer neuen Verfassung am 6. Dezember 1978. *** Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Paul Preston, Prof. em. London School of Economics für spanische Geschichte, Biograf von Juan Carlos und Francisco Franco, Alejandro Saiz-Arnaiz, Professor für Verfassungsrecht Universität Pompeo Fabra, Barcelona, Walther Bernecker, Prof. em. Universität Erlangen-Nürnberg für spanische Geschichte, Birgit Aschmann und Christian Waldhoff: Die Spanische Verfassung von 1978. Entstehung – Praxis - Krise? (2020), Walther Bernecker: Geschichte Spaniens im 20. Jahrhundert. (2010), Paul Preston: Juan Carlos. Steering Spain from Dictatorship to Democracy. (2010), Alejandro Saiz-Arnaiz: La Ley para la Reforma Política: de la legalidad fundamental del franquismo a al Constitución democrática. In: Aschmann/Waldhoff, Die Spanische Verfassung von 1978, Seite 31-42. *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Andrea Kath, Redaktion: Gesa Rünker.


Die breite Zustimmung für die neue Verfassung ist ein Meilenstein für die junge spanische Demokratie. Es ist gerade einmal drei Jahre her, dass Diktator Francisco Franco im November 1975 gestorben ist und Spanien von der Diktatur zur Demokratie wird.

Diese "Transición" verläuft weitgehend ohne Blutvergießen. Konsens heißt damals die Maxime, nach der die Politiker handeln. Es gelingt ein parteiübergreifender Kompromiss, der den Weg frei macht zu den ersten freien Wahlen 1977 und der demokratischen Verfassung von 1978.

Eine Schlüsselrolle spielt dabei König Juan Carlos, den Diktator Franco zu seinem Nachfolger aufgebaut hat. Juan Carlos wird zum Motor des Demokratisierungsprozesses. Und als 1981 Teile des Militärs die junge Demokratie zu stürzen versuchen, ruft der König die Putschisten in die Kasernen zurück. Er wird für viele damit zum Retter der jungen spanischen Demokratie.

In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Kath:

  • Warum König Juan Carlos sich nicht ganz uneigennützig der Demokratie verschreibt.
  • Warum mit Francisco Francos Tod im November 1975 der Franquismus noch nicht beerdigt wird.
  • Wie Antonio Tejero, Oberstleutnant der Nationalgarde, zweifelhaften Ruhm erlangt.
  • Warum ihre Gründerväter die demokratische Verfassung Spaniens besonders streng formulieren.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:

  • Paul Preston, Prof. em. London School of Economics für spanische Geschichte, Biograf von Juan Carlos und Francisco Franco.
  • Alejandro Saiz-Arnaiz, Professor für Verfassungsrecht Universität Pompeo Fabra, Barcelona.
  • Walther Bernecker, Prof. em. Universität Erlangen-Nürnberg für spanische Geschichte.
  • Birgit Aschmann und Christian Waldhoff: Die Spanische Verfassung von 1978. Entstehung – Praxis - Krise? (2020)
  • Walther Bernecker: Geschichte Spaniens im 20. Jahrhundert. (2010)
  • Paul Preston: Juan Carlos. Steering Spain from Dictatorship to Democracy. (2010)
  • Alejandro Saiz-Arnaiz: La Ley para la Reforma Política: de la legalidad fundamental del franquismo a al Constitución democrática. In: Aschmann/Waldhoff, Die Spanische Verfassung von 1978, Seite 31-42.

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Autorin: Andrea Kath
Redaktion: Gesa Rünker
Technik: Sascha Schiemann
Onlineproducerin: Vera Kettenbach

Bergmann und Schriftsteller Max von der Grün fristlos entlassen

Bergmann und Schriftsteller Max von der Grün fristlos entlassen WDR Zeitzeichen 05.12.2023 14:36 Min. Verfügbar bis 05.12.2099 WDR 5

Am 5.12.1963 wird Max von der Grün auf seiner Zeche entlassen. In seinem Roman "Irrlicht und Feuer" hat er zuvor die miesen Arbeitsbedingungen unter Tage geschildert.

Mit seinen Texten, die von Arbeitern und ihrer Arbeit gilt Max von der Grün als prominenter Vertreter der Arbeiterliteratur. Er selbst kann mit derlei Etiketten wenig anfangen und sagt, Arbeiterliteratur sei "Quatsch mit Soße." *** Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Henning Podulski (wiss. Mitarbeiter an der FU Berlin), Arnold Maxwill (wiss. Mitarbeiter am Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt), Antonia Villinger (Postdoc an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Heide Soltau, Redaktion: Matti Hesse, Technik: Sarah Fitzek.


Bergmann wird Max von der Grün erst auf Umwegen. Geboren 1926 in Bayreuth kämpft er im Zweiten Weltkrieg als Soldat in Frankreich und gerät 1944 in amerikanische Kriegsgefangenschaft, die er als Holzfäller, Baumwollpflücker und Bergarbeiter unter anderem in Louisiana verbringt.
Zurück in Deutschland lernt er Maurer und lässt sich 1951 ins Ruhrgebiet anwerben. Er beginnt als Bergmann auf der Zeche Königsborn in Unna.
Nach einem schweren Arbeitsunfall als Hauer bilden ihn die Klöckner-Werke 1954 zum Grubenlokführer aus. Knapp zehn Jahre später rückt Max von der Grün als Schriftsteller ins Rampenlicht. Sein Roman "Irrlicht und Feuer" löst einen Skandal aus.
In der Geschichte über den Bergmann Jürgen Fohrmann gibt es Szenen, die schonungslos und drastisch von den katastrophalen Arbeitsbedingungen unter Tage erzählen: Mangelhafter Arbeitsschutz, gewissenloser Einsatz technisch unausgereifter Maschinen und ein tödlicher Betriebsunfall werden beschrieben.
Die Zeche verlangt Textänderungen und die Streichung etlicher Passagen. Aber Max von der Grün lehnt das ab. Man sieht sich "gezwungen", ihn fristlos zu entlassen. Das Betreten des Werkgeländes wird ihm verboten.

In diesem Zeitzeichen erzählt Heide Soltau:
  • Wie Max von der Grün sich mit einem gewonnenen Rechtsstreit die beruflichen Chancen im Ruhrgebiet verbaut.
  • Wie die "Dortmunder Gruppe 61" der Literatur der Arbeitswelt öffentliches Interesse schafft.
  • Warum der Roman "Irrlicht und Feuer" heute etwas angestaubt wirkt.
  • Mit welchem Kinderbuch Max von der Grün 1976 einen letzten großen Erfolg feiert, bevor es ruhig um ihn wird.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Henning Podulski (wiss. Mitarbeiter an der FU Berlin, Sonderforschungsbereich Intervenierende Künste)
  • Arnold Maxwill (wiss. Mitarbeiter am Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt)
  • Antonia Villinger (Postdoc an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)

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Autorin: Heide Soltau
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Sarah Fitzek

Das Konzil von Trient: Antwort auf die Reformation

Das Konzil von Trient: Antwort auf die Reformation WDR Zeitzeichen 04.12.2023 14:45 Min. Verfügbar bis 04.12.2099 WDR 5

Das Konzil von Trient endet am 4.12.1563. Die gespaltene Christenheit ist nicht geeinigt, im Gegenteil. Doch was ist Mythos und was ist wirklich beschlossen worden?

Martin Luther ärgert die Katholische Kirche massiv mit seinen protestantischen Thesen. Auf dem Konzil von Trient beraten die Kirchenvertreter, wie sie mit Luthers Ideen verfahren wollen. Die Antwort ist schließlich ein Kompromiss. So sagen Verteidiger des Konzils, Reformen hätten zu einer Neuerung der katholischen Kirche beigetragen, sie besiegeln aber auch die Glaubensspaltung zwischen katholischen und evangelischen Christen. *** Das ist unser Interviewpartner: Hubert Wolf (Theologe, Kirchenhistoriker, Münster) *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Almut Finck, Redaktion: Matti Hesse


Der Auftakt ist bescheiden: Gerade mal 30 klerikale Würdenträger ziehen an einem Donnerstagmorgen im Dezember 1545 in die Kathedrale San Vigilio ein, um in Trient das lang ersehnte Konzil zu eröffnen. Fast 30 Jahre zuvor hat Martin Luther seine Thesen in Wittenberg veröffentlicht und die katholische Kirche nachhaltig erschüttert.
Für den Vatikan sind Luthers Ansichten protestantische Irrlehren. Zum Beispiel die Vorstellung, jeder Christenmensch könne einfach selbst entscheiden, was die Bibel ihm sage. Das ist nur einer von vielen strittigen Punkten. Entsprechend lang sind die Beratungen.
Schließlich wird nach 18 Jahren ein Kompromiss geschlossen: Reformen tragen zu einer Neuerung der katholischen Kirche bei, so sehen es Verteidiger des Konzils, sie besiegeln aber auch die Glaubensspaltung zwischen katholischen und evangelischen Christen.

In diesem Zeitzeichen erzählt Almut Finck:
  • Warum es so lange gedauert hat, bis das Konzil einberufen worden ist.
  • Weshalb das Konzil in Trient stattfindet.
  • Was der Unterschied zwischen dem historischen Konzil und dem Mythos Tridentinum ist.
  • Ob das Konzil etwas zur vorrangigen Stellung des Papstes gegenüber den Bischöfen beschlossen hat

Das ist unser Interviewpartner:
  • Hubert Wolf (Theologe, Kirchenhistoriker, Münster)
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Autorin: Almut Finck
Redaktion: Matti Hesse

"Vielgeliebt" oder "wahnsinnig"? Der französische König Karl VI.

"Vielgeliebt" oder "wahnsinnig"? Der französische König Karl VI. WDR Zeitzeichen 03.12.2023 14:55 Min. Verfügbar bis 03.12.2099 WDR 5

Die Franzosen nennen König Karl VI. (geboren am 3.12.1368) den "Vielgeliebten" - bis wahrscheinlich eine Entzündung sein Leben verändert und er als "der Wahnsinnige" in die Geschichte eingeht...

Nero, der Kaiser und Brandstifter, Johanna von Kastilien und Märchenkönig Ludwig II. - sie alle haben etwas gemeinsam: Ihre Zeitgenossen halten sie für wahnsinnig, für verrückt oder geisteskrank. Dieses Schicksal wird auch Karl VI. zuteil. Der König von Frankreich gilt zunächst als gutwillig und bemüht. Doch als er im April 1392 erkrankt, beginnt das Drama seines Lebens. *** Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Professorin Ellen Widder (Universität Tübingen) *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Maren Gottschalk, Redaktion: David Rother


Geboren wird der spätere französische König am 3. Dezember 1368 in Paris. Sein Vater ist ein beliebter Herrscher und kerngesund. Seine Mutter hingegen kränkelt und erleidet häufig Nervenzusammenbrüche. Karl VI. scheint zunächst mehr nach seinem Vater zu geraten. Der junge Karl genießt das Leben, liebt die Jagd mit Hunden und Falken, reitet wie der Teufel und glänzt auf Turnieren.
Als Karl gerade einmal zwölf Jahre alt ist, stirbt sein Vater überraschend. Er wird daraufhin zwar formell zum König gekrönt, die Regierungsverantwortung aber tragen zunächst seine drei Onkel - allerdings mehr schlecht als recht. Als Karl VI. 1388 endlich die Herrschaft selbst übernimmt, ist die Staatskasse leer, aber die Freude bei seinen Untertanen groß. Der junge König regiert engagiert und, dank erfahrener Berater, erfolgreich. Er setzt sich gegen Korruption und für eine bessere Bürokratie ein.
Doch mit 24 Jahren befällt ihn eine mysteriöse Krankheit - möglicherweise Typhus oder eine Gehirnentzündung. Danach beginnen psychotische Episoden, die ihn bis zu seinem Tod im Jahr 1422 heimsuchen. Nach einem Unglück während eines Fests, bei dem vier seiner engsten Freunde verbrennen, verfällt er endgültig dem Wahnsinn und ist nur noch selten bei klarem Verstand. Aus Karl "dem Vielgeliebten" wird Karl "der Wahnsinnige".
Eines aber bleibt festzuhalten: In seinen klaren Momenten tut der König das Richtige für sein Land. Das kann man nicht von allen Machthabern behaupten, deren Geisteskraft heute in Frage gestellt wird.

In diesem Zeitzeichen erzählt Maren Gottschalk:
  • Warum die Bezeichnung "wahnsinnig" rückblickend als unseriös gilt, aber doch heute noch aktuell ist
  • Dass Karl VI. manchmal glaubt, aus Glas zu sein und zu zerbrechen
  • Warum Frankreich zur Zeit Karl VI. ohnehin politisch schwer gebeutelt ist
  • Was alles versucht wird, um die Krankheit des Königs zu heilen
  • Wie das französische Volk auf den "wahnsinnigen" Herrscher reagiert

Das ist unsere wichtigste Interviewpartnerin:
  • Professorin Ellen Widder (Universität Tübingen)
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Unser Hörtipp:

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Maria Callas, Opern-Diva: Geboren am 2.12.1923

Maria Callas, Opern-Diva: Geboren am 2.12.1923 WDR Zeitzeichen 02.12.2023 14:42 Min. Verfügbar bis 02.12.2099 WDR 5

Maria Callas zählt zu den berühmtesten Sopranistinnen weltweit: Ihr Gesang berührt Menschen, ihre Stimme ruft bei einigen sogar körperliche Reaktionen hervor.

Maria Callas ist einzigartig in der Verbindung von Bühnen-Präsenz, virtuoser Gesangstechnik und musikdramatischem Instinkt. So erregt sie das Publikum bis zum Fanatismus - obwohl ihre Stimme stets polarisiert. *** Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Jürgen Kesting, freier Musikpublizist *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Hildburg Heider, Redaktion: Gesa Rünker


Sie ist die Inkarnation der Primadonna und Meisterin aller vokalen Klassen: Maria Callas. "Die Göttliche" kommt am 2. Dezember 1923 als zweite Tochter griechischer Einwanderer in New York zur Welt. Früh lernt das kleine, dicke Mädchen, dass sie um Liebe kämpfen muss.
Schon mit acht erhält Maria den ersten Klavier- und Gesangsunterricht, mit 13 geht sie mit ihrer Mutter zurück nach Athen. Am dortigen Konservatorium wird Callas in die Gesangsklasse der berühmten Koloratursopranistin Elvira de Hidalgo aufgenommen. Mit eisernem Willen ausgestattet, feiert sie 1938 als 15-Jährige in Athen ihr Bühnendebüt.
Den Durchbruch erlebt Maria Callas 1947 als "Gioconda" in der Arena von Verona. Ihre tiefe Bruststimme, die sie dramatisch perfekt einzusetzen versteht, reißt das Publikum von den Sitzen. Es ist der Beginn einer kurzen, fulminanten Karriere. In den folgenden Jahren gelingt es Callas immer wieder, mit schier unerschöpflichen Kraftreserven ihr Auditorium zur Raserei zu treiben. Ab Mitte der 1950er Jahre ist ihrer Stimme der Verschleiß dann aber deutlich anzuhören.
Mit "Tosca" erlebt Maria Callas 1965 in London ihren letzten unumstrittenen Triumph. Bei ihrer Abschiedstournee mit Giuseppe di Stefano 1973 zollt man der Primadonna noch tiefen Respekt, aber die einsame Größe ihrer Stimme ist Vergangenheit. Nach Jahren der selbst gewählten Einsamkeit stirbt Maria mit nur 53 Jahren in Paris an Herzversagen. Ihre Asche wird in der Ägäis verstreut.

In diesem Zeitzeichen erzählt Hildburg Heider:
  • Was die Stimme von Maria Callas so einzigartig macht
  • Wen die Opernsängerin in ihrer Karriere am häufigsten verkörpert
  • Warum Kennedy-Witwe Jacqueline ihr privates Liebesglück zerstört

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Jürgen Kesting, freier Musikpublizist
  • Maria Callas im Interview mit Edward Downes, Dezember 1967 (Warner Music)

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Autorin: Hildburg Heider
Redaktion: Gesa Rünker
Technik: Thomas Bleul
Onlineproducerin: Cora Lanzerath

"Der großen Eisenbahnraub": Startschuss des Wild-West-Kinos

"Der großen Eisenbahnraub": Startschuss des Wild-West-Kinos WDR Zeitzeichen 01.12.2023 13:49 Min. Verfügbar bis 01.12.2099 WDR 5

Gerade einmal 12 Minuten lang - und doch erzählt der Stummfilm von 1903 eine richtige Geschichte mit verschiedenen Handlungen. Normal? Damals war das revolutionär!

Der Film, eine der ersten Western, besteht aus 14 Szenen und ist zwölf Minuten lang. Er setzt für die Handlungserzählung schon Dinge wie Parallelmontage ein. Schon die ersten Bilder versprechen Spannung: Ein Mann sitzt im Telegraphenbüro eines Bahnhofs an einem Schreibtisch und liest Telegramme. Die Tür wird geöffnet und zwei schwarz gekleidete Männer mit Hüten und gezogenen Revolvern treten ein. *** Das sind unsere Interviewpartner: Stephan Brössel (Filmforscher, Germanistisches Institut der Universität Münster), Jakob Reinhardt (Musiker, Schwerpunkt Improvisation) *** Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christoph Tiemann, Redaktion: Matti Hesse


Edwin S. Porter aus Pennsylvania gehört zu den Filmpionieren in den Vereinigten Staaten. Im Jahr 1900 erhält er eine Anstellung bei Thomas Edison, der auch Filmkameras und Projektoren herstellte. Für die "Edison Company" drehte Porter eigene Filme. Dazu gehört auch "Der große Eisenbahnraub".
Der Film ist einer der ersten Western und sticht vor allem mit seiner Handlung heraus: so arbeitet er schon mit Parallelmontage und Jump Cuts. Der Film besteht aus 14 Szenen und ist mit zwölf Minuten für die Zeit der Anfänge des Films recht lang. Schon die ersten Bilder versprechen Spannung: Ein Mann sitzt im Telegrafenbüro eines Bahnhofs an einem Schreibtisch und liest Telegramme. Die Tür wird geöffnet und zwei schwarz gekleidete Männer mit Hüten und gezogenen Revolvern treten ein.

In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Thiemann:
  • Wie der Western weitergeht.
  • Wer den ersten Kinematografen konstruiert hat.
  • Weshalb die Vorführungen von Stummfilmen mit Musik begleitet werden
  • Wie das Mittel der Montage neue Erzählformen ermöglicht.
  • Mit welchem Überraschungsmoment "Der große Eisenbahnraub" endet.
Das sind unsere Interviewpartner:
  • Stephan Brössel (Filmforscher, Germanistisches Institut der Universität Münster)
  • Jakob Reinhardt (Musiker, Schwerpunkt Improvisation)
Weiterführender Link:
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Autor: Christoph Tiemann
Redaktion: Matti Hesse

Der "Kluge Hans": Rechnendes Wunderpferd des Wilhelm von Osten

Der "Kluge Hans": Rechnendes Wunderpferd des Wilhelm von Osten WDR Zeitzeichen 30.11.2023 14:39 Min. Verfügbar bis 30.11.2099 WDR 5

Berlin 1890: Wissenschaftler, Zirkusdirektoren und Schaulustige staunen über ein angebliches Wunderpferd. Sein Tier könne rechnen und lesen, sagt der Lehrer Wilhelm von Osten (geboren am 30.11.1838)...

Kann ein Pferd zählen, lesen und rechnen? Sein Hengst Hans kann's, glaubt Wilhelm von Osten. Und eine Expertenkommission gibt ihm sogar recht. Eine andere hingegen nicht. Doch unbestritten ist: Der "Kluge Hans" war ganz schön clever. *** Das ist unsere wichtigste Interviewpartnerin: Konstanze Krüger, Professorin für Pferdehaltung (Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen Geißlingen) *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autoren: Veronika Bock und Ulrich Biermann, Redaktion: David Rother


Schon Wilhelm von Ostens erster Hengst konnte angeblich bis fünf zählen. So berichten es zumindest Zeitzeugen. Doch in die Geschichte eingehen sollte nach dessen Tod Hans II. - der "Kluge Hans". Dieses Pferd kann angeblich zählen, lesen und rechnen. Per Zeitungsanzeige lädt Wilhelm von Osten jeden dazu ein, den Versuchen zur Feststellung der geistigen Fähigkeiten seines Pferdes beizuwohnen. Vorführungen gibt's jeden Tag um 11 Uhr. Auch eine zwölfköpfige Wissenschaftlergruppe stellt Hans auf die Probe - und urteilt: Hier sind keine Tricks im Spiel.

Nun zweifeln viele an der Expertenkommission. Dresseure versprechen mit jedem Pferd nach kurzer Zeit bessere Ergebnisse erzielen zu können. Ein regelrechter Wettbewerb um intelligente Vierbeiner beginnt: Als Schaubudenattraktion wird in Leipzig der Schimmel Hans vorgeführt, in Berlin macht ihm die kluge Rosa Konkurrenz. Eine zweite wissenschaftliche Kommission stellt schließlich nach sieben Wochen fest: Der clevere Hans kann nicht zählen, lesen und rechnen. Das Pferd liest nicht die Schultafel, sondern seinen Lehrer, seine Mimik und Körperhaltung. Doch das ist ja auch ziemlich clever.

Wilhelm von Osten allerdings glaubt unbeirrt an die Fähigkeiten seines Pferdes - und unterstellt dem Tier gar Böswilligkeit. Angeblich hat er Hans noch auf dem Totenbett verflucht.

In diesem Zeitzeichen erzählen Veronika Bock und Ulrich Biermann:
  • Welche Rolle Pferde im 19. Jahrhundert spielten - und wie sich ihr Bild wandelte.
  • Dass Pferde tatsächlich Zahlen auseinanderhalten können.
  • Dass der "Kluge Hans" clever war, obwohl er nicht rechnen konnte.
  • Warum Wilhelm von Osten verbittert starb.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Konstanze Krüger, Professorin für Pferdehaltung (Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen Geißlingen)

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autoren: Veronika Bock und Ulrich Biermann
Redaktion: David Rother

Entstanden aus der Selbsthilfe: Der Arbeiter-Samariter-Bund

Entstanden aus der Selbsthilfe: Der Arbeiter-Samariter-Bund WDR Zeitzeichen 29.11.2023 14:45 Min. Verfügbar bis 29.11.2099 WDR 5

Zimmerpolier Gustav Dietrich und fünf Kollegen laden am 29.11.1888 in Berlin zum Erste-Hilfe-Kurs für Arbeiter ein: Die Veranstaltung wird Folgen haben.

Am Anfang ist es nur eine Selbsthilfegruppe, die zudem gegen den Willen des Staates entsteht. Heute unterhält der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) hochmoderne Rettungsflotten, ist im Katastrophenschutz tätig und betreibt viele Einrichtungen wie etwa Altenheime. *** Das ist unsere wichtigsten Interviewpartner: Mareike Hollmann (Leiterin des ASB-Archivs), Wilhelm Müller (ASB-Vizepräsident und Chronist des ASB) und Prof. Annette Zimmer (Institut für Politikwissenschaft, Universität Münster) *** Die Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Claudia Friedrich, Redaktion: Gesa Rünker


Im 19. Jahrhundert sind tödliche Arbeitsunfälle in Fabriken und Bergwerken oder auf Baustellen an der Tagesordnung. Dem gegenüber sind Arbeitsschutzmaßnahmen ebenso Mangelware wie geeignete Vorkehrungen für den Ernstfall. Da beschließen die Arbeiter in Berlin, sich bei Unfällen selbst um die Versorgung von Verletzten zu kümmern. Am 29. November 1888 treffen sich über 100 Zimmerleute, Maurer und Bauarbeiter zu ihrem ersten selbstorganisierten Erste-Hilfe-Kurs. Weitere Kurse folgen - bald auch in anderen Städten Deutschlands.
Der Obrigkeit sind diese Treffen ein Dorn im Auge. Eine Zeit lang wird den Arbeitern verboten, sich in Gaststätten zu versammeln. Zudem sind die meisten Ärzte nicht bereit, die interessierten Laien zu unterrichten. Vor allem jüdische Mediziner erteilen Nachhilfe. 1909 schließen sich die Selbsthilfeorganisationen deutschlandweit zum Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) zusammen. Dieser veranstaltet fortan nicht nur Erste-Hilfe-Kurse, sondern konzipiert auch Vorschriften zum Arbeits- und Unfallschutz und entwickelt Ideen zur Verbesserung der Hygiene in Krankenhäusern.

In diesem Zeitzeichen erzählt Claudia Friedrich:
  • Wie aus einer Selbsthilfegruppe der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) wurde.
  • Woher der ASB seinen Namen hat.
  • Warum Frauen lange außen vor blieben.
  • Was die Nazis gegen den ASB hatten - und ihn deswegen auflösten.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Mareike Hollmann (Leiterin des ASB Archivs)
  • Wilhelm Müller (ASB-Vizepräsident und Chronist des ASB)
  • Prof. Annette Zimmer (Seniorprofessorin am Institut für Politikwissenschaft, Universität Münster)

Weiterführende Links:

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Autorin: Claudia Friedrich
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Eine spektakuläre Oper wird uraufgeführt (am 28.11.1983)

Eine spektakuläre Oper wird uraufgeführt (am 28.11.1983) WDR Zeitzeichen 28.11.2023 14:34 Min. Verfügbar bis 28.11.2099 WDR 5

In seiner einzigen Oper, "Saint François d’Assise", bringt Olivier Messiaen den heiligen Franziskus auf die Bühne: Eine besondere Rolle spielen dabei Vögel.

Olivier Messiaen zählt zu den wichtigsten französischen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Erst mit 60 Jahren plant er seine erste und einzige Oper. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Stefan Keym, Musikwissenschaftler (Leipzig) *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christoph Vratz, Redaktion: Gesa Rünker


Das Thema für seine erste und einzige Oper findet Olivier Messiaen schnell: Franziskus soll es sein, weil er Christus ähnelt. Aber auch wegen seiner Beziehung zu den Vögeln. Denn Vögel sind für den passionierten Ornithologen Messiaen ein zentrales Thema in seinem gesamten Schaffen. So basiert auch bei seiner Oper etwa ein Drittel des gesamten Materials auf Vogelgesang-Imitationen.
Acht Jahre braucht Messiaen, um seine Oper abzuschließen. Sie schildert nur einzelne Episoden aus dem Leben des Heiligen Franziskus. Allenfalls sporadisch gibt es eine Handlung im engeren Sinne. Am 28. November 1983 erfolgt die Uraufführung im Palais Garnier der Pariser Oper. Das Echo ist gespalten, die ersten Aufführungen sind aber alle ausverkauft. Bei späteren Inszenierungen stellt sich dann heraus, dass die karge Handlung und die wenigen szenischen Vorgaben auch Chancen bieten.
Messiaen lässt in "Saint François d'Assise" das Verhältnis von katholischem Weltbild und individuellem Schöpfertum bewusst in der Schwebe. Insofern ist diese Oper vor allem eines: ein faszinierendes Dokument des Widerstandes gegen einen von Oberflächlichkeit geprägten Zeitgeist.

In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vratz:
  • Warum Messiaen zu den wichtigsten französischen Komponisten des 20. Jahrhunderts zählt.
  • Wie er auf das Thema für seine erste und einzige Oper kam.
  • Was Messiaen anders macht als andere Komponisten seiner Zeit.
  • Warum "Saint François d’Assise" keine traditionelle Oper ist.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Stefan Keym, Musikwissenschaftler (Leipzig)
  • Stefan Keym / Peter Jost (Hg.): Olivier Messiaen und die "Französische Tradition" (Köln 2013)
  • Peter Hill / Nigel Simeone: "Messiaen" Aus d. Engl. v. Birgit Irgang (Mainz 2007)
  • Thomas Daniel Kämper / Dietrich Schlee (Hg.): "Olivier Messiaen. La Cité céleste - Das himmlische Jerusalem. Über Leben und Werk des französischen Komponisten." (Köln 1998)
Weiterführender Link:
  • Geistliche Musik: Musik zu Fronleichnam von Charpentier, Messiaen und Fux

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Autor: Christoph Vratz
Redaktion: Gesa Rünker

Der "Kuchenkrieg" von 1838 zwischen Mexiko und Frankreich

Der "Kuchenkrieg" von 1838 zwischen Mexiko und Frankreich WDR Zeitzeichen 27.11.2023 14:44 Min. Verfügbar bis 27.11.2099 WDR 5

Eine zerstörte Bäckerei. Oder nur Mundraub mexikanischer Soldaten? Die Beschwerde eines nach Mexiko ausgewanderten französischen Bäckers löst einen echten Krieg aus, in dem die französische Flotte am 27.11.1838 ein Fort beschießt...

Guerra de los pasteles. Kuchenkrieg. Was so harmlos klingt, ist in Wahrheit ein echter Krieg mit hunderten Toten. Dabei geht es um vieles, was den Sehnsuchtsort Mexiko ausmacht: Um Macht, um Reichtum und Sonne - um Kuchen aber geht es zuallerletzt. *** Das ist unsere wichtigsten Interviewpartnerin: Dr. Josefina Sandoval, Kulturwissenschaftlerin *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Thomas Klug, Redaktion: David Rother


Mitte des 19. Jahrhunderts: Die mexikanische Republik ist erst wenige Jahre alt. Da reicht auch schonmal ein Kuchen, um einen Krieg auszulösen.

Ein nach Mexiko ausgewanderter französischer Bäcker jedenfalls behauptet, dass Offiziere der mexikanischen Armee in seinem Geschäft Schaden angerichtet hätten - ob es dabei um ein paar nicht bezahlte Stücke Kuchen oder eine verwüstete Bäckerei ging, ist unklar. Ebenso wie die Frage, ob es wirklich echte mexikanische Offiziere waren, die den Schaden angerichtet haben.

Der Bäcker, Monsieur Remontel sein Name, will eine Entschädigung vom mexikanischen Staat, die er nicht bekommt. Also bittet er den französischen König Louis-Philippe, seiner Forderung nach 60.000 Pesos Nachdruck zu verleihen. Der Monarch verzehnfacht kurzerhand den Betrag und schickt die Kriegsflotte als Geldeintreiber. Diese blockiert zunächst alle mexikanischen Häfen im Golf von Mexiko und greift am 27. November 1838 schließlich die Festung San Juan de Ulua an.

Obwohl Frankreich taktisch und waffentechnisch überlegen ist, zieht sich der Krieg über Monate. Schließlich aber lenken die Mexikaner ein und sagen die Zahlung der geforderten Pesos zu. Die Franzosen ziehen ab. Gezahlt wird die Summe letztlich aber nie.

In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Klug:
  • vom "Sehnsuchtsland" Mexiko - und seine Anregungen für Träume, Intrigen und Gewalt
  • Wie es nach dem "Kuchenkrieg" für Mexiko weitergeht
  • Warum ein österreichischer Erzherzog Kaiser von Mexiko wird

Das ist unsere wichtigste Interviewpartnerin:

Weiterführende Links:

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Autor: Thomas Klug
Redaktion: David Rother
Technik: Holger Maerten
Onlineproducerin: Cora Lanzerath

Das erste deutsche Leihhaus eröffnet 1603

Das erste deutsche Leihhaus eröffnet 1603 WDR Zeitzeichen 26.11.2023 14:45 Min. Verfügbar bis 26.11.2099 WDR 5

Um das Jahr 1600 entstehen viele Leih- und Pfandhäuser in Deutschland, denn die "kleine Eiszeit" macht viele Menschen arm. Die erste belegbare Eröffnung findet 1603 in Augsburg statt.

Die Art des Pfands hat sich gewandelt, doch das Prinzip ist noch immer das gleiche wie 1603 in Augsburg: Menschen bringen einen wertvollen Gegenstand in ein Pfandleihhaus und bekommen dafür schnelles Geld. Das Risiko trägt damals wie heute der Pfandleiher - der nimmt dafür aber auch hohe Gebühren. Auch ein Grund, warum es mittlerweile nur noch ein städtisches Leihamt in Deutschland gibt. *** Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Jürgen Rackwitz (Leiter des Leihamtes Mannheim), Barbara Rajkay (Stadtarchiv Augsburg) *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Marko Rösseler, Redaktion: David Rother


Die Idee der öffentlichen Leihhäuser stammt von Mönchen aus Italien, die sich gegen den Wucher privater Pfandleiher richtet. In Deutschland ist das 1603 gegründete Städtische Leihamt in Augsburg die erste Einrichtung dieser Art. Dabei dienen zunächst eine Kammer und der Dachboden des Almosenhauses als Verwahrort für die noch spärlichen Pfänder. Am Anfang sind das vor allem kleine Gegenstände wie silberne Löffel, Kleidung oder Stoff.

Die Schuldner können ihre Pfänder wieder auslösen - mit einem Aufschlag von fünf Prozent. Pfandstücke, die nicht binnen Jahresfrist ausgelöst werden, werden versteigert. Der Gewinn wird an den Schuldner weitergegeben. Weil dieses Modell in Augsburg so gut läuft, eröffnen in den nächsten drei Jahrhunderten immer mehr Städte Leihhäuser. 34 Leihämter existieren zeitweise in Deutschland.

Doch die Zeiten ändern sich. Nach 415 Jahren stellt die Stadt Augsburg den Betrieb ihrer Pfandleihe Ende 2018 ein - zu groß ist die private Konkurrenz, zu verlockend der Handel via Internet. Heute gibt es nur noch ein städtisches Leihamt in Deutschland und das gehört der Stadt Mannheim. Das aber schreibt weiterhin schwarze Zahlen.

In diesem Zeitzeichen erzählt Marko Rösseler:
  • Was die "kleine Eiszeit" für Auswirkungen auf die Ernährung und Gesundheit der Europäer hat
  • Warum jüdische Geschäftsleute Anfang des 17. Jahrhunderts zu den wichtigsten Finanzdienstleistern gehören
  • Warum Elektronik kein gern gesehener Pfandgegenstand ist

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Jürgen Rackwitz (Leiter des Leihamtes Mannheim)
  • Barbara Rajkay (Stadtarchiv Augsburg)
  • Albert Saulacher (Hg.): Die Geschichte über Gründung, Entwicklung und Verwaltung des Leihamtes der Stadt Augsburg von 1573 bis 1917. (vergriffen)
  • Carl-Jochen Müller: Der große Schrank von Mannheim. Aus der Chronik des Städtischen Leihamts. Mannheim 2009. (antiquarisch erhältlich)
  • Homepage von Deutschlands letztem öffentlichen Leihamt

Weiterführender Link:
  • Lokalzeit: Hoher Zulauf bei Pfandleihhäusern

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Autor: Marko Rösseler
Redaktion: David Rother

Rita Süssmuth wird Bundestagspräsidentin (am 25.11.1988)

Rita Süssmuth wird Bundestagspräsidentin (am 25.11.1988) WDR Zeitzeichen 25.11.2023 14:27 Min. Verfügbar bis 25.11.2099 WDR 5

Sie ist die zweite Frau in diesem Amt - und wäre doch gern Ministerin geblieben: Doch auch als Bundestagspräsidentin hat Rita Süssmuth einiges bewegt.

Mit fast zehn Jahren ist ihre Amtszeit als Bundespräsidentin die drittlängste in der Geschichte des Bundestags. Dabei ist Rita Süssmuth eine politische Quereinsteigerin. Erst 1985 - noch ziemlich unbekannt - übernimmt die Professorin für Erziehungswissenschaft überraschend das Ministerium für Jugend, Familie und Gesundheit. Schon drei Jahre später, am 25. November 1988, wird sie mit 380 von 473 gültigen Stimmen an die Spitze des Parlaments gewählt. *** Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Professorin Ilse Lenz, emeritierte Soziologie-Professorin und Buchautorin; Rita Süssmuth: Wer nicht kämpft hat schon verloren, Meine Erfahrungen in der Politik *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Anja Arp, Redaktion: Gesa Rünker


In Umfragen gehört Rita Süssmuth lange Zeit zu den beliebtesten Politikerinnen in Deutschland. Ihr Aufstieg von der Wissenschaft in die Politik ist steil: 1981 Eintritt in die CDU, 1985 Familien-und Gesundheitsministerin und 1988 die Wahl zur Bundestagspräsidentin.

Dabei würde Rita Süssmuth eigentlich lieber Familien- und Gesundheitsministerin bleiben. Doch Bundeskanzler Helmut Kohl ist in Not. Denn Süssmuths Vorgänger im Amt des Bundestagspräsidenten, Phillip Jenninger, hat eine höchst umstrittene Rede über die Judenverfolgung in der NS-Zeit gehalten und ist deshalb nicht mehr tragbar.

Mitte der 80er-Jahre sind Aids und die Angst davor ein Riesenthema: Die Diagnose Aids kommt damals einem Todesurteil gleich. Die Gesellschaft lernt in dieser Zeit, offen über Sexualität zu sprechen.

Daran wirkt auch die katholische CDU-Ministerin Rita Süssmuth - durchaus im Konflikt mit anderen Unions-Politikern - leidenschaftlich mit und macht 80 Millionen Mark für Aufklärungsarbeit und Prävention locker. Als erste Frauenministerin Deutschlands kämpft Rita Süssmuth außerdem für die Strafbarkeit der Vergewaltigung in der Ehe, für die Frauenquote, für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und für die Liberalisierung des §218.

  • In diesem Zeitzeichen erzählt Anja Arp:
  • Welchen Beruf Rita Süssmuth ursprünglich wählen will.
  • Welche Begegnungen in Paris bleibenden Eindruck bei der katholischen Lehrerstochter hinterlassen.
  • Was "Wahlfreiheit" für Rita Süssmuth bedeutet.
  • Was ABBA und die Bläck Fööss mit Gesundheitsaufklärung in Deutschland zu tun haben.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Professorin Ilse Lenz, emeritierte Soziologie-Professorin und Buchautorin.
  • Rita Süssmuth: Wer nicht kämpft hat schon verloren, Meine Erfahrungen in der Politik (vergriffen).
  • Heike Specht: Die ersten ihrer Art: Frauen verändern die Welt, München 2022.
  • Johanna Klatt: Rita Süssmuth. Politische Karriere einer Seiteneinsteigerin in der Ära Kohl
  • Ilse Lenz: Die neue Frauenbewegung in Deutschland. Abschied vom kleinen Unterschied

Weiterführende Links:

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Anja Arp
Redaktion: Gesa Rünker
Onlineproducerin: Vera Kettenbach

Remo Largo, Kinderarzt und Entwicklungsforscher

Remo Largo, Kinderarzt und Entwicklungsforscher WDR Zeitzeichen 24.11.2023 14:15 Min. Verfügbar bis 24.11.2033 WDR 5

Druck und Zwang haben in der Erziehung von Kindern nichts zu suchen, fand Remo Largo (geboren am 24.11.1943). Mit Büchern wie "Babyjahre" hat er Millionen Eltern die Idee einer menschenfreundlichen Entwicklung ihres Kindes nahegebracht.

Remo Largo wird am 24. November 1943 in Winterthur im Kanton Zürich geboren. Als Arzt und Psychologe widmet er sich besonders der kindlichen Entwicklung. Remo Largo erweitert das Verständnis für die Vielfältigkeit von Entwicklung und führt nicht nur Eltern vor Augen, dass wir uns an das Kind anpassen müssen und nicht das Kind an uns. *** Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Monika Czernin, österreichische Autorin und langjährige Freundin Remo Largos; Monika Czernin: Remo Largo. Ein Leben für die Kinder. 2023 *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Martina Meißner, Redaktion: David Rother,


Schon als Kind fällt Remo Largo durch seinen Wissensdurst auf. Und seine ungewöhnliche Lektüre: Er liest die komplette Bibel und den Brockhaus von A-Z.

Largo studiert Medizin, wird aber kurz nach Beendigung des Studiums krank. Er muss seine Berufspläne ändern und landet eher zufällig in der Abteilung eines Kinderkrankenhauses, die sich hauptsächlich mit der kindlichen Entwicklung beschäftigt. Später sagt Remo Largo, dies sei eigentlich eine glückliche Fügung gewesen.

Die wichtigste Erkenntnis in seinen Studien kindlicher Verhaltensweisen ist die der Individualität jedes einzelnen Kindes. Im Sinne Remo Largos gehört das Kind nicht den Eltern, sondern sich selbst. Es kommt nicht auf die Welt, um die Erwartungen seiner Eltern zu erfüllen, sondern um zu jenem Wesen zu werden, das in ihm angelegt ist. Die Verantwortung dafür, dass dies dem Kind gelingt, sieht Largo bei den Eltern.

In diesem Zeitzeichen erzählt Martina Meißner:
  • Warum Remo Largo schon als Kind "Krieg und Frieden" von Leo Tolstoi liest.
  • Warum es für Kinder durchaus Sinn macht, Löffel auf den Boden zu werfen.
  • Warum Geborgenheit eines der wichtigsten Grundbedürfnisse ist.
  • Womit Remo Largo in der Schweiz hitzige Diskussionen auslöst.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Monika Czernin, österreichische Autorin und langjährige Freundin Remo Largos.
  • Monika Czernin: Remo Largo. Ein Leben für die Kinder. 2023

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Autorin: Martina Meißner
Redaktion: David Rother
Technik: Alexander Buske
Onlineproducerin: Vera Kettenbach

Start der Fernsehserie "Doctor Who" (am 23.11.1963)

Start der Fernsehserie "Doctor Who" (am 23.11.1963) WDR Zeitzeichen 23.11.2023 14:40 Min. Verfügbar bis 23.11.2033 WDR 5

Die am längsten laufende TV-Science-Fiction-Serie der Welt ist "Doctor Who". Dazu beigetragen haben auch die wechselnden Doktoren und typisch britisch eine Telefonzelle.

Die am längsten laufende Science Fiction-Fernsehserie ist nicht etwa "Star Trek", sondern die BBC-Produktion "Doctor Who". Seit 1963 fesselt sie zunächst die britischen Kids und inzwischen Menschen weltweit an den Fernsehern. Sie ist gefühlt urbritisch und auch ein fester Bestandteil der britischen Popkultur. Mit seinen wechselnden Darstellern ist "Doctor Who" buchstäblich nicht totzukriegen und sehr wandelbar. *** Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Raphael N. Klein, Macher des deutschen Fanpodcasts "Whocast", Sheila Walsh, 70-jährige englische Anhängerin der Serie "Doctor Who", Emily Saunders, elfjährige Anhängerin der Serie. *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Daniela Wakonigg, Redaktion: Matti Hesse


Bei Science-Fiction-Fernsehserien denken die meisten vermutlich an die amerikanische Serie "Star Trek" - hierzulande besser bekannt als "Raumschiff Enterprise". Doch den Rekord der erfolgreichsten und am längsten laufenden TV-Science-Fiction-Serie der Welt hält die britische Produktion "Doctor Who".
Die Karriere des heute weltweit berühmten außerirdischen Doktors und Time Lords vom fernen Planeten Gallifrey beginnt Anfang der 1960er-Jahre als eine Art Pausenfüller. Die BBC ist auf der Suche nach einem kostengünstig zu produzierenden Stoff für einen 25-minütigen Sendeplatz.
Man entscheidet sich für das Science Fiction- und Zeitreisethema, in welchem man Technik mit Geschichte verbinden kann und das die ganze Familie vor den Fernseher lockt.
Die Serie gehört bald zum Samstagabendritual. Großbritanniens Kinder sitzen vor den Fernsehern und schauen Doctor Who.
Doch der damalige Chef der BBC, Michael Grade, ist kein Fan der Serie und will sie loswerden. Tatsächlich wird die Serie zunächst einmal eingestellt. Aber der Doktor hat nicht nur Feinde, sondern auch mächtige Freunde! Und zwar viele der Kinder, die einst fasziniert Doctor Who schauten und die nun selbst als Erwachsene in den Medien tätig sind. Sie sorgen dafür, dass der Doktor 2005 seine Wiederauferstehung im Fernsehen erlebt.

In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg:
  • Wie eine defekte Tarnvorrichtung einer knatschblauen Telefonzelle zu Weltruhm verhilft.
  • Welches tragische Ereigniss dazu führt, dass die erste Serienfolge direkt wiederholt wird.
  • Wie sich ein drehbuchtechnischer Notnagel zu einem Schlüssel des langfristigen Erfolgs der Serie entwickelt.
  • Welche lobenden Worte ein britischer Scheidungsanwalt für die Serie findet.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Raphael N. Klein, Macher des deutschen Fanpodcasts "Whocast".
  • Sheila Walsh, 70-jährige englische Anhängerin der Serie "Doctor Who".
  • Emily Saunders, elfjährige Anhängerin der Serie.

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Autorin: Daniela Wakonigg
Redaktion: Matti Hesse
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Gewinnerin des Tennis-"Battle of The Sexes": Billie Jean King

Gewinnerin des Tennis-"Battle of The Sexes": Billie Jean King WDR Zeitzeichen 22.11.2023 14:44 Min. Verfügbar bis 22.11.2099 WDR 5

Billie Jean King, geboren am 22.11.1943, verwandelt viele Matchbälle. Die US-Tennisspielerin kämpft um Preisgelder - und um die Gleichberechtigung von Frauen im Sport.

Billie Jean King ist bis heute eine Ikone des Damentennis. Die US-Amerikanerin, die am 22. November 1943 in Long Beach geboren wird, kämpft dafür, dass das Preisgeld der Damen an das der Herren angeglichen wird. Das ermöglicht Tennisspielerinnen, mit ihrem Sport Millionen zu verdienen und lukrative Werbeverträge abschließen zu können. *** Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Ansgar Molzberger und Philipp Born (beide Sportwissenschaftler der Deutschen Sporthochschule Köln) *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Andrea Klasen, Redaktion: Gesa Rünker


Billie Jean King wird am 22. November 1943 als Billie Jean Moffitt in Long Beach, Kalifornien, geboren. Als Kind probiert sie alle möglichen Ballsportarten aus: Volleyball, Baseball, Fußball, Basketball, Softball und entscheidet sich schließlich für Tennis. Sie wird eine Ikone ihres Sports und kämpft auch abseits des Platzes fürs Tennis, z.B. für gleiche Preisgelder für männliche und weibliche Tennisstars.

In den 1960er- und 1970er-Jahren führt Billie Jean King immer wieder die Weltrangliste an. Sie gewinnt im Laufe ihrer Karriere zwölf Grand Slam-Titel im Einzel, sechs davon in Wimbledon, 16 im Doppel und elf im Mixed. Einen berühmten Sieg erringt sie im berühmten "Battle of the Sexes", einem Tennismatch Frau gegen Mann, in dem sie gegen den ehemaligen Wimbledonsieger Bobby Riggs antritt.

Bis heute setzt sich Billie Jean King für den Frauensport ein: Die Kalifornierin ist Mitbesitzerin des Frauen-Fußballvereins "Angel City Football Club" und des Frauen-Basketballclubs "Sparks", beide ansässig in Los Angeles. Außerdem ist sie Miteigentümerin der nordamerikanischen Frauen-Eishockeyliga, die im nächsten Jahr ihren Spielbetrieb aufnimmt.

In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Klasen:
  • In welchem Alter Billie Jean King ihre erste Tennisstunde hat.
  • Welches Erlebnis sie dazu bringt, für Gleichberechtigung zu kämpfen.
  • Welche Kompromisse Billie Jean King eingeht, damit Turniere für Frauen veranstaltet werden.
  • In welchem Jahr Frauen erstmals die gleichen Siegesprämien wie Männer erhalten.
  • Wie Billie Jean King einen Tennis-Macho vor 90 Millionen Zuschauern alt aussehen lässt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Ansgar Molzberger (Dozent für Sportgeschichte an der Deutschen Sporthochschule Köln)
  • Philipp Born (Leiter des Lehr- und Forschungsgebietes "Tennis" und Tennis-Dozent an der Deutschen Sporthochschule Köln)
  • Billie Jean Kings Autobiografie "All in", Englische Ausgabe, 2021

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Redaktion: Gesa Rünker
Technik: Nico Söllner

Edmond Halley entdeckt 1718 die Eigenbewegung der Sterne

Edmond Halley entdeckt 1718 die Eigenbewegung der Sterne WDR Zeitzeichen 21.11.2023 14:41 Min. Verfügbar bis 21.11.2099 WDR 5

Astronom, Seemann, Diplomat, Abenteurer und Gentleman: Edmond Halley ist vielseitig - und immer in Bewegung. So wie die Fixsterne, deren Eigenbewegung er entdeckt.

Bei der Kartierung des Südhimmels stößt der Brite Edmond Halley 1677 auf eine Sensation: Die Fixsterne sind offenbar beweglich - und nicht fix, wie die alten Griechen gedacht haben. 40 Jahre lässt er diese Erkenntnis ruhen, weil er keinen Konflikt mit der Kirche riskieren will. 1718 stellt er schließlich fest: Es existiert tatsächlich eine sogenannte Eigenbewegung der Sterne. *** Das sind unsere wichtigsten Quellen: Julie Wakefield: Halley's Quest. A Selfless Genius And His Troubled Paramore. Washington D.C. 2005; Alan Cook: Edmond Halley. Charting the Heavens and the Seas. Oxford 1998 *** Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Wolfgang Burgmer, Redaktion: Matti Hesse


Im Jahr 1677 fertigt Edmond Halley im Auftrag des britischen Königs eine präzise Karte des Südhimmels. Denn die Krone hat ein vordringliches Ziel: Herrschaft über die Weltmeere - ein britisches Empire. Bei der Kartierung stößt Halley auf eine Sensation: Die Fixsterne sind offenbar beweglich - und nicht fix, wie die alten Griechen gedacht haben.

Doch der 22-Jährige geht der Frage nicht weiter nach. Denn damit stellt er die letzten Reste des alten Weltbildes infrage: die göttliche Himmelssphäre mit den angeblich unverrückbaren Fixsternen. Das könnte Ärger mit der Kirche bedeuten und seine Karriere gefährden.

Zuvor hatte Kopernikus schon die Erde aus der Mitte des Kosmos zwischen die Planeten verbannt und Kepler die perfekten Kreise der Planetenbahnen durch Ellipsen ersetzt. Deshalb beschäftigt sich Halley erst 40 Jahre später wieder mit seiner These und untersucht 1718, ob sich die hellsten Fixsterne bewegen. Das Resultat: Er beobachtet tatsächlich eine sogenannte Eigenbewegung der Sterne.

Damit eröffnet Halley einen komplett neuen Blick auf das Universum: Nicht nur die Planeten des Sonnensystems, sondern auch die Sonne und alle Fixsterne bewegen sich. Erst im 20. Jahrhundert können Astronomen die Geschwindigkeit der Sterne messen - und lernen: Das Universum dehnt sich aus.

In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Burgmer:
  • Wie Edmond Halley mit 19 Jahren den königlichen Astronomen John Flamsteed verblüfft.
  • Warum Halley als Astronom auf der Insel St. Helena arbeiten will.
  • Weshalb sich Halley mit der Bestimmung des Längengrads beschäftigt.
  • Welche Bitte er an Isaac Newton richtet.
  • Und welche Geräte der Seemann Halley für die Seenotrettung konzipiert und testet.

Das sind unsere wichtigsten Quellen:
  • Julie Wakefield: Halley's Quest. A Selfless Genius And His Troubled Paramore. Washington D.C. 2005.
  • Alan Cook: Edmond Halley. Charting the Heavens and the Seas. Oxford 1998
  • Sibylle Anderl: Dunkle Materie. das große Rätsel der Kosmologie. München 2023

Weiterführende Links:

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Autor: Wolfgang Burgmer
Redaktion: Matti Hesse

Der "Schinderhannes" wird zum Tod verurteilt (am 20.11.1803)

Der "Schinderhannes" wird zum Tod verurteilt (am 20.11.1803) WDR Zeitzeichen 20.11.2023 13:51 Min. Verfügbar bis 20.11.2099 WDR 5

Legenden, Theaterstücke und Filme gibt es über den "Schinderhannes": Vielen gilt Johannes Bückler als deutscher Robin Hood. In Wirklichkeit war er ein Dieb und Mörder.

Erpressung, Mord und Totschlag - nach 130 bewiesenen Straftaten wird der "Schinderhannes" 1803 verhaftet. Johannes Bückler, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, kommt in Mainz vor Gericht, das damals von Frankreich besetzt ist. Am 20. November wird der 24-Jährige zum Tod verurteilt. *** Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Mark Scheibe (Wissenschaftlicher Leiter der Stiftung "Historische Kommission für die Rheinlande 1789-1815 e. V.") *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christoph Vormweg, Redaktion: Gesa Rünker


Im 19. und 20. Jahrhundert gehen Biografen, Schriftsteller, Theater- und Filmemacher der Selbstdarstellung des "Schinderhannes" auf den Leim. Johannes Bückler, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, vertuscht seine Bereitschaft zu mörderischer Brutalität. Er wird vermutlich im Herbst 1779 im Taunus geboren. Mit 16 Jahren begeht "Schinderhannes" als Abdeckerlehrling erste Vieh- und Pferdediebstähle.
Im Jahr 1803 - nach 130 bewiesenen Straftaten, darunter Erpressung, Mord und Totschlag - wird Bückler im Rechtsrheinischen verhaftet und ins linksrheinische, französisch besetzte Mainz ausgeliefert. Denn dort hat er die meisten Straftaten begangen. Mit einem Gnadengesuch möchte der 24-Jährige seinen Kopf retten und bietet sich Napoleon Bonaparte erfolglos als Soldat an.
Nach vier Wochen fällt das Urteil: Am 20. November 1803 wird "Schinderhannes" zusammen mit 19 Mittätern zum Tod verurteilt. Beim Verlassen des Gerichts ruft er in die Menge: "Betrachtet mich nur recht, denn heute und morgen ist es zum letzten Mal."

In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vormweg:
  • Was der Ausdruck "Schinder" bedeutet.
  • Wie sich Johannes Bückler als Vater und Partner verhält.
  • Welche Rolle der Antisemitismus bei seinen Taten spielt.
  • Wie viele Menschen die Hinrichtung verfolgt haben.
  • Warum heute in Brasilien noch einige Menschen gut über den "Schinderhannes" Bescheid wissen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Mark Scheibe (Wissenschaftlicher Leiter der Stiftung "Historische Kommission für die Rheinlande 1789-1815 e. V.")
  • Mark Scheibe: Schinderhannes. Nichtsnutz, Pferdedieb, Räuberhauptmann? Historische Kommission für die Rheinlande 1789-1815 e. V., Kelkheim 2008.

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José Raúl Capablanca: Größtes Schachgenie aller Zeiten?

José Raúl Capablanca: Größtes Schachgenie aller Zeiten? WDR Zeitzeichen 19.11.2023 14:44 Min. Verfügbar bis 19.11.2099 WDR 5

Der kubanische Schachweltmeister wurde am 19.11.1888 geboren. "Er war vielleicht der größte Schachspieler aller Zeiten", so das US-Schachgenie Bobby Fischer.

José Raúl Capablanca hat vor allem eins: ein phänomenales Gedächtnis. Dadurch kann der junge Kubaner wohl während des Schachspiels unzählige Muster-Stellungen abrufen. Dabei überlegt Capablanca nie lange, seine Schachzüge kommen schnell und präzise und machen ihn zu einer der besten Schachspieler des 20. Jahrhunderts. *** Das ist unser wichtigster Gesprächspartner: André Schulz, Buchautor und Beauftragter des Deutschen Schachbundes für Schachkultur und Schachgeschichte *** Die Macher und Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Andrea Kath; Redaktion: Matti Hesse


Mit gerade einmal vier Jahren soll José Raúl Capablanca seine erste Schachpartie gespielt haben. Das kubanische Wunderkind fällt bald schon über die Grenzen Kubas auf. Die französische Zeitung "Le Figaro" schreibt über den Zwölfjährigen: "Während seine Gegner fünf oder zehn Minuten über einen Zug nachdenken, spielt Capablanca sofort." Er bekommt den Spitznamen "die Schachmaschine."
Der Erste Weltkrieg verzögert die von ihm anvisierte Weltmeisterschaft. Erst 1921 kommt es zum Duell mit dem amtierenden Weltmeister, dem Deutschen Emanuel Lasker. Capablanca gewinnt. Doch er verliert den Titel sechs Jahre später an den Russen Alexander Aljechin, wohl weil Capablanca den Gegner arroganterweise nicht ernstgenommen hat. Aljechin verwehrt ihm trotz seiner jahrelangen Bemühungen eine Revanche.

In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Kath:
  • Wie José Raúl Capablanca das Schachspielen gelernt hat.
  • Über den Szene-Schach-Treff "Manhattan Chess Club".
  • Warum Capablancas Überheblichkeit ihn den Weltmeistertitel kostet.
  • Wie man einen Schachweltmeister zum Wettkampf auffordert.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • André Schulz, Buchautor und Beauftragter des Deutschen Schachbundes für Schachkultur und Schachgeschichte

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Autorin: Andrea Kath
Redaktion: Matti Hesse

Von der Suche nach dem eigenen Weg: Hesses "Glasperlenspiel"

Von der Suche nach dem eigenen Weg: Hesses "Glasperlenspiel" WDR Zeitzeichen 18.11.2023 15:05 Min. Verfügbar bis 18.11.2099 WDR 5

Hermann Hesse, ein Lieblingsautor auch von Udo Lindenberg: Am 18.11.1943 erscheint sein Roman "Das Glasperlenspiel".

"Das Glasperlenspiel" ist Hermann Hesses geheimnisvollstes Buch. Die Geschichte spielt in einer zukünftigen Welt, in der die Hauptfigur zum Meister des abstrakten "Glasperlenspiels" aufsteigt. Geschrieben hat Hesse das Buch in der Schweiz, während die Nationalsozialisten um ihn herum vernichten und zerstören. Der NS-Ideologie für die Massen setzt Hesse die unbeirrte Suche des Einzelnen nach dem eigenen Weg entgegen. *** Unsere wichtigste Interviewpartnerin: Regina Bucher, ehem. Direktorin Hesse-Museum in Montagnola. ***Die Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Jutta Duhm-Heitzmann; Redaktion: Gesa Rünker


Nach seinen erfolgreichen Romanen "Steppenwolf", "Siddhartha" und "Narziss und Goldmund" sind die Erwartungen an Hermann Hesses neues Buch hoch. Doch das "Glasperlenspiel" macht es den Lesern nicht einfach. Eine abstrakte Geschichte in einem fiktiven Orden in einem zukünftigen Jahrhundert. Die Protagonisten widmen ihr Leben den Erkenntnissen des menschlichen Geistes und den schönen Künsten. Das Glasperlenpiel ist laut Hesse "ein Spiel mit sämtlichen Inhalten und Werten unserer Kultur".
Die Resonanz auf den Roman ist zunächst verhalten. Hesse ist ein wenig genervt: "Manche Leute zerbrechen sich den Kopf über mein Buch, statt ganz einfach es zu lesen und zu probieren, was es ihnen sagt." Elf Jahre hat Hermann Hesse am "Glasperlenspiel" geschrieben, eine Quintessenz aus seiner langen Suche nach der Bestimmung des Einzelnen. Zudem ist das Glasperlenspiel für Hesse "eine magische Zuflucht" vor "der hässlichen Zeit", dem Krieg, der Vertreibung und Vernichtung. Da die Nationalsozialisten seine Werke verbieten, erscheint das "Glasperlenspiel" 1943 in der Schweiz. Drei Jahre später wird er mit dem Literatur-Nobelpreis geehrt.

In diesem Zeitzeichen erzählt Jutta Duhm-Heitzmann:
  • Warum Hermann Hesse elf Jahre am "Glasperlenspiel" arbeitet.
  • Über den lebenslangen Versuch des Autors, mit sich selbst "ins Reine" zu kommen.
  • Warum Hesse als "Vaterlandsverräter" beschimpft wird.
  • Über seine Ehrung mit dem Nobelpreis 1946.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Regina Bucher, ehem. Direktorin Hesse-Museum in Montagnola
  • Hermann Hesse, Sein Leben in Bildern und Texten, hrsg. von Volker Michels, Insel TB 1987
  • Heimo Schwilk, Hermann Hesse. Das Leben des Glasperlenspielers, Piper Verlag 2013
  • Gunnar Decker, Hermann Hesse. DerWanderer und sein Schatten, Hanser Verlag 2012
  • Bernhard Zeller, Hermann Hesse, Rowohlt Monographie 2005

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Autorin: Jutta Duhm-Heitzmann
Redaktion: Gesa Rünker
Technik: Sarah Fitzek

Rettung des Pharaonentempels von Abu Simbel (ab dem 17.11.1963)

Rettung des Pharaonentempels von Abu Simbel (ab dem 17.11.1963) WDR Zeitzeichen 17.11.2023 14:44 Min. Verfügbar bis 17.11.2099 WDR 5

Gemeinsam mit einem Baukonzern aus NRW rettet die UNESCO den gigantischen Tempel von Ramses II., bevor der in den Fluten des Assuan-Stausees in Ägypten versinkt. Es ist der Beginn der Idee des Weltkulturerbes ...

Tausende Techniker und Arbeiter fliegen im Frühjahr 1964 ins Niltal ein. Bagger, Kräne und Planierraupen werden über tausende von Kilometern dorthin gebracht. Damit die beiden Felsentempel zersägt und 180 Meter weiter zusammengebaut werden können, ist moderne Technik genauso nötig wie menschlicher Schweiß. Es gelingt: Abu Simbel wird vor den Fluten gerettet und ist bis heute eine vielbesuchte Tempelanlage in Ägypten. ***Das sind unsere wichtigsten Gesprächspartner: Professorin Angelika Lohwasser, Institut für Ägyptologie Universität Münster, ARD-Korrespondent Georg Troller; ***Autorin: Martina Meißner; Redaktion: David Rother


Beinahe wäre Ramses II. in den 1960er Jahren in den Fluten des Nils untergegangen – nachdem der ägyptische Pharao rund 3200 Jahre in seiner pompösen Tempelanlage Abu Simbel verharrt hatte. Diese liegt mitten im geplanten Überflutungsgebiet des Assuan-Stausees. Die UNESCO läuft Sturm gegen die Pläne, einmal geflutet wären die Kulturgüter für ewig zerstört.

Die einzige bezahlbare Idee: Der Ramses-Tempel soll mit den vier gigantischen Skulpturen abgebaut und an sicherer Stelle wieder aufgebaut werden, ebenso der seiner Frau Nefertari gewidmete kleinere Tempel. Am 17. November 1963 wird ein internationales Firmenkonsortium mit der technischen Durchführung des Projekts beauftragt. Die Leitung übernimmt der Essener Baukonzern Hochtief.

Ein Mammutprojekt, bei dem die beiden Felsentempel in mehr als 1.036 Quader zerlegt und 180 Meter landeinwärts millimetergenau wieder aufgebaut und beinah unsichtbar neu verfugt werden. Das jahrtausendealte ägyptische Bauwunder avanciert zum Wunder moderner Ingenieure.

In diesem Zeitzeichen erzählt Martina Meißner:
  • Warum Ramses II. der wohl einzige Pharao der Geschichte mit einem modernen Reisepass ist.
  • Wie der Pharao einst den Felstentempel mit den thronenden Statuen erbauen ließ.
  • Warum die UNESCO sich für die Rettung der Tempel einsetzt.
  • Wie das berühmte "Sonnenphänomen", bei dem zweimal im Jahr die Sonne bis ins Heiligtum scheint, erhalten bleibt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Professorin Angelika Lohwasser, Institut für Ägyptologie Universität Münster
  • Berichte des ARD-Korrespondenten Georg Troller

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Technik: Moritz Raestrup

Zen-Lehrer der Hippie-Generation: Religionsphilosoph Alan Watts

Zen-Lehrer der Hippie-Generation: Religionsphilosoph Alan Watts WDR Zeitzeichen 16.11.2023 15:34 Min. Verfügbar bis 16.11.2033 WDR 5

"Philosophical Entertainer", so hat sich Alan Watts (Todestag 16.11.1973) mal beschrieben. Er trägt dazu bei, dass fernöstliche Weisheitslehren im Westen populär werden.

Mit seinen mehr als 25 Büchern, etlichen Artikeln zu Themen wie Identität, der Natur der Wirklichkeit und dem Streben nach Glück wird Alan Watts zum Zen-Lehrer der Hippie-Generation. ***Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Dr. Ursula Baatz, Religionsphilosophie und Zen-Lehrerin, Uni Wien ***Autorin: Melahat Simsek, Redaktion: Matti Hesse


"Dem Leben offen und furchtlos begegnen", so lautet das Credo von Alan Watts. Am meisten beeinflusst Alan Watts die Lehre des Zen-Buddhismus. Der Philosoph ist davon überzeugt, dass das alltägliche Streben nach Macht und Reichtum, auf Dauer unglücklich macht. Es soll ersetzt werden durch ein Loslassen und Sich-Einlassen auf den Fluss des Lebens. Mit seinen Worten trifft Alan Watts den Zeitgeist der 1960er Jahre und wird zum spiritueller Begleiter der Hippie-Bewegung.

Geboren wird Alan Watts 1915 im Südengland. Schon als Jugendlicher beginnt er mit dem Studium der asiatischen Religionen. Er bringt sich selbst Chinesisch bei, um die alten Schriften in der Originalsprache zu lesen. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verschlägt ihn in die USA. Dort studiert er in nur zwei Jahren die komplette christliche Theologie und arbeitet zwischenzeitlich als Priester.

In Büchern, Radiosendungen und Vorträgen lehrt der charismatische Alan Watts eine Mischung aus Buddhismus, Taoismus und Hinduismus. Seine Fangemeinde wächst stetig. Watts doziert an renommierten Universitäten, darunter die Harvard University, hält Vorträge auf der ganzen Welt. Ihm selbst fällt ein Leben nach seiner Lehre jedoch immer schwerer. Sein großes Arbeitspensum schafft er schließlich nur noch mit Alkohol. Er stirbt am 16. November 1973 mit 58 Jahren.

In diesem Zeitzeichen erzählt Melahat Simsek:
  • Über Prügel und Mobbing in Alan Watts Kindheit.
  • Warum Alan Watts das Priesteramt niederlegt.
  • Wie der Philosoph mit Drogen experimentiert.
  • Warum Watt es nicht schafft, nach seiner eigenen Philosophie zu leben.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Dr. Ursula Baatz, Religionsphilosophie und Zen-Lehrerin, Uni Wien
  • Inken Prohl, Professorin für Religionswissenschaft an der Universität Heidelberg

Unser Hörtipp:

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Redaktion: Matti Hesse

Als ein König den Kongo verkaufte: Leopold II. und Zentralafrika

Als ein König den Kongo verkaufte: Leopold II. und Zentralafrika WDR Zeitzeichen 15.11.2023 14:34 Min. Verfügbar bis 15.11.2099 WDR 5

Die weltweit einzige Kolonie in Privatbesitz wechselt am 15.11.1908 den Besitzer: Leopold II. verkauft "seinen" Kongo an den belgischen Staat - nach Jahrzehnten der Ausbeutung und brutaler Gewalt...

Von 1885 bis 1908 war die heutige Demokratische Republik Kongo das Privateigentum des belgischen Königs Leopold II. Der hatte nur ein Ziel: Prestige und Kapital aus dem Land zu ziehen. Die Einheimischen zwingt er zur Zwangsarbeit, wer nicht pariert, stirbt oder wird verstümmelt. ***Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Christoph Driessen, Historiker und Autor der "Geschichte Belgiens", Arthur Conan Doyle: The crime of the Congo ***Autor: Herwig Katzer, Redaktion: David Rother


Ende des 19. Jahrhunderts beauftragt der belgische König Leopold II. den Afrikaforscher Henry Morton Stanley, für ihn in den Kongo zu reisen. Offiziell soll er das Land erforschen und "humanitäre" Hilfe leisten.

Tatsächlich soll Stanley Land für den belgischen König sichern, der möchte sich – wie seinerzeit üblich – mit kolonialem Besitz schmücken. Stanley kann mit mehr als 400 indigenen Fürsten Verträge abschließen, die sich unter den "Schutz" von Leopold II. stellen. So wird der Kongo zur Privatkolonie des belgischen Königs.

Die Einheimischen bekommen von dem versprochenen "Schutz" indes wenig zu spüren. Stattdessen müssen sie schon bald Zwangsarbeit leisten. Leopolds Leute treiben die Schwarzen beispielsweise mit brutaler Gewalt zur Kautschuk-Ernte. Mord, Folter, Amputationen, Vergewaltigungen sind an der Tagesordnung.
Als Anfang des 20. Jahrhunderts Missionare ihr Schweigen brechen und europäische Schriftsteller und Journalisten über die Gewaltherrschaft berichten, kommt Leopold II. unter Druck. Am 15. November 1908 verkauft er die Kolonie Kongo an den belgischen Staat. Da der König sofort alle Unterlagen verbrennen lässt, ist bis heute unklar, wie viele Menschen seinem Regime zum Opfer gefallen sind.

In diesem Zeitzeichen erzählt Herwig Katzer:
  • Wie der belgischen König zu seiner Privatkolonie kommt.
  • Warum die Erfindung des Gummireifens für Schwarze im Kongo zum Martyrium wird.
  • Dass Leopolds Leute zwar Menschen, aber keine Tiere töten dürfen.
  • Wie Sherlock-Holmes-Erfinder Arthur Conan Doyle die Gräueltaten publik macht.
  • Über die schwierige Aufarbeitung dieser Kolonialzeit, die bis heute in Belgien zu vielen Kontroversen führt.
Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Christoph Driessen, Historiker und Autor der "Geschichte Belgiens."
  • Arthur Conan Doyle: The crime of the Kongo
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Autor: Herwig Katzer
Redaktion: David Rother

Krankheitsvertretung am Dirigentenpult: Bernsteins Durchbruch!

Krankheitsvertretung am Dirigentenpult: Bernsteins Durchbruch! WDR Zeitzeichen 14.11.2023 15:01 Min. Verfügbar bis 14.11.2099 WDR 5

Die West Side Story ist sein berühmtestes Musical: Die große Karriere des Dirigenten Leonard Bernstein beginnt am 14.11.1943, als er kurzfristig bei einem Konzert einspringt.

Das Symphonie-Konzert des New York Philharmonic Orchestra wird live aus der New Yorker Carnegie Hall übertragen – dirigiert von dem bis dahin unbekannten Leonard Bernstein. Schon bei Konzertende ist klar: Bernstein steht eine große Karriere bevor, sein Talent ist unverkennbar, ein musikalisches Genie. In den folgenden Jahrzehnt dirigiert Bernstein die großen Orchester, komponiert Sinfonien und Musicals und begeistert weltweit Menschen für Musik. ***Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: The Debut Concert – Beschreibung des Konzerts auf der Seite der Bernstein Familienstiftung; Bernstein, Leonard: Musik für junge Leute. Die Welt der Musik in neun Kapiteln. München (Goldmann) 1988 *** Autor: Holger Noltze; Redaktion: Gesa Rünker


Sein Debüt vor einem Millionenpublikum gibt Leonard Bernstein ohne Probe mit dem Orchester: Der große Dirigent Bruno Walter, der eigentlich an diesem Sonntagnachmittag die New Yorker Philharmoniker dirigieren soll, liegt mit einer heftigen Erkältung im Hotel. Da sich kein anderer Ersatz findet, soll Leonard Bernstein das Konzert in der Carnegie Hall übernehmen. Der 24-Jährige hat gerade als Assistent bei den New Yorker Philharmonikern angefangen und gilt als Musiktalent. Walter gibt dem jungen Bernstein lediglich ein paar Hinweise zu den schwierigsten Stellen der geplanten Stücke, dann lässt man ihn mit seiner Aufgabe allein.

Das Konzert wird live im Radio übertragen – und ein sensationeller Erfolg. "Das Orchester jubelte und stand mit offenem Mund auf der Bühne", erinnert sich ein Geiger später an "den Naseweis", den die renommierten Musiker zunächst skeptisch betrachtet hatten. "Dieser Mann dort war der außergewöhnlichste Musiker, dem ich in meinem ganzen Leben begegnet bin."

Der 14. November 1943 ist der Beginn zu Bernsteins Weltkarriere und einem neuen Typus von Dirigenten: lebendig, charismatisch, lebensfroh und nah am Publikum. Der US-Amerikaner ist das Gegenstück zu den bisherigen konservativen und steifen Dirigenten. Unter anderen adressiert Leonard Bernstein mit seinen "Young People`s Concerts" jungen Menschen und erschließt so neues Publikum.

In diesem Zeitzeichen erzählt Holger Noltze:
  • Wie der 24-Jährige mit einem Konzert berühmt wird und die klassische Musikszene umkrempelt.
  • Warum Leonard Bernstein in gebrauchten und zu großen Anzügen dirigiert.
  • Wieso er mit seinem größten Erfolg, dem Musical West Side Story, später hadert.
  • Über Bernsteins Urschrei beim Schleswig-Holstein-Musikfestival.
  • Wie der Komponist im Alter mit Depressionen, Alkohol, Tabletten und Zigaretten kämpft.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • The Debut Concert – Bernstein Familienstiftung
  • Bernstein, Leonard: Musik für junge Leute. Die Welt der Musik in neun Kapiteln. München (Goldmann) 1988
  • Bernstein, Leonard: Ausgewählte Texte. München (Goldmann) 1988
  • Müller, Sven Oliver: Leonard Bernstein. Der Charismatiker. Ditzingen (Reclam) 2018
  • Omnibus. The historic TV broadcasts (The Archive of American Television). UK-Import, 4 DVDs.

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Autor: Holger Noltze
Redaktion: Gesa Rünker

Laura Bassi, die erste Universitätsprofessorin Europas

Laura Bassi, die erste Universitätsprofessorin Europas WDR Zeitzeichen 13.11.2023 13:22 Min. Verfügbar bis 13.11.2099 WDR 5

Laura Bassi löst einen unglaublichen Hype als erste Universitätsprofessorin Europas. Doch gleichberechtigtes Mitglied der Bologneser Universität war sie damit nicht.

Wie soll die ideale Frau sein? - Im 18. Jahrhundert ist die Antwort auf diese Frage klar: Schön, gütig, fruchtbar. Und wie soll sie möglichst überhaupt nicht sein? - Hochgebildet, wissensdurstig, diskussionsfreudig. Sprich: nicht so wie Laura Bassi. ***Das ist unsere wichtigste Interviewpartnerin: Prof. Beate Ceranski, Universität Stuttgart, Bassi-Biographin *** Autorin: Maren Gottschalk, Redaktion: Matti Hesse


Als 20-jährige gilt sie in ihrer Heimatstadt Bologna als exotisches Wunderwesen. Was, bitteschön, soll man mit so einer blitzgescheiten und bildungshungrigen Frau anfangen? - Da denken sich die Stadtherren: Vielleicht lässt sich aus der Existenz dieser jungen Ausnahme-Bürgerin Kapital schlagen? Vielleicht könnte Laura Bassi Bolognas alten Ruhm als Hochburg der Gelehrsamkeit zurückbringen?
Es werden öffentliche Diskussionen veranstaltet, über naturwissenschaftliche und philosophische Thesen. Die junge Gelehrte beeindruckt in der geistigen Auseinandersetzung mit den klügsten Professoren Bolognas. Sie wird in die Bologneser Akademie aufgenommen. Sie erhält den Doktortitel und wird schließlich, im Fach Naturphilosophie, zur Universitätsprofessorin ernannt. Als erste Frau in Europa.
Echte Gleichberechtigung mit den männlichen Lehrenden bedeutet das aber noch nicht...

In diesem Zeitzeichen erzählt Maren Gottschalk:
  • Warum der große Wissensdurst der kleinen Laura zunächst geheim bleiben musste
  • dass aus ihrer Ehe acht Kinder und ein Blitzableiter hervorgingen
  • wie Laura Bassi sich mit anderen hochrangigen Gelehrten vernetzte

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Prof. Beate Ceranski, Biographin, Abt. für Geschichte der Naturwissenschaften u. Technik (GNT), Uni Stuttgart
  • In: C. Dziudzia und S. Klimek (Hrsg.), Gelehrte Frauen der Frühaufklärung. Springer Fachmedien 2022
  • Uta Fölsing: Geniale Beziehungen. Berühmte Paare in der Wissenschaft. Becksche Reihe München 1999
  • Jean-Pierre Jenny: Eine Gelehrte aus der gelehrten Stadt. Neue Zürcher Zeitung, 29. Oktober 2011

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Redaktion: Matti Hesse
Technik: Nico Söllner
Onlineproducer: Christoph Tiegel

Loriot: Der 100. Geburtstag

Loriot: Der 100. Geburtstag WDR Zeitzeichen 12.11.2023 15:52 Min. Verfügbar bis 12.11.2099 WDR 5

"Komik beginnt, wo Würde misslingt", hat Vicco von Bülow alias Loriot (geboren am 12.11.1923) gesagt. Er hat den Deutschen Humor geschenkt - und viele Wörter vom "Kosakenzipfel" bis zum "Jodeldiplom".

Loriot, das Universalgenie: Er war Zeichner, Komiker, Filmemacher – und ein genauer Beobachter der deutschen Gesellschaft mit all ihren Umständlichkeiten, Missverständnissen, Satz-Ungetümen und Verklemmtheiten. Lassen Sie uns zur Sitzgruppe gehen... *** Autor: Axel Naumer, Redaktion: David Rother


Auf die Frage, ob er im Zweiten Weltkrieg ein guter Soldat gewesen sei, antwortet er in seinem letzten großen Zeitungsinterview: "Nicht gut genug, sonst hätte ich am 20. Juli 1944 zum Widerstand gehört. Aber für den schauerlichen deutschen Beitrag zur Weltgeschichte werde ich mich schämen bis an mein Lebensende."
Nach dem Krieg machte Vicco von Bülow aus seinem Notabitur ein reguläres und studierte auf Anraten seines Vaters Malerei und Grafik. Danach arbeitete er zunächst als Werbegrafiker. Bald entwirft er das später für ihn so typische Knollennasenmännchen, wird 1950 Cartoonist und nennt sich fortan Loriot. Der Rest ist deutsche Humorgeschichte...

In diesem Zeitzeichen erzählt Axel Naumer:
  • wie Vicco von Bülow in Berlin und Stuttgart ohne Mutter aufwuchs
  • was er über seine "merkwürdigen Heldentaten" im Krieg dachte
  • wie er nach dem Krieg vom Baumfäller zum Grafiker wurde
  • welcher Zufall ihn zum Karikaturisten werden ließ
  • wie viel Ärger ihm seine erste Cartoon-Serie im "Stern" einbrachte

Unser Hörtipp: "Loriot 100 – Mehr Lametta mit Ariana Baborie"

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