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Carl Schurz: Vom 1848er-Revolutionör zum Lincoln-Vertrauten

Carl Schurz: Vom 1848er-Revolutionör zum Lincoln-Vertrauten WDR Zeitzeichen 02.03.2024 14:38 Min. Verfügbar bis 03.03.2099 WDR 5

Carl Schurz (geboren am 2.3.1829) Leben war abenteuerlich und einzigartig. Als Revolutionär von 1848 gelang ihm nach seiner Flucht aus Deutschland eine einmalige Karriere in den USA.

Demokratie statt Monarchie: Dafür kämpft der Rheinländer Carl Schurz 1848. Als die deutsche Revolution scheitert, wandert er in die USA aus und engagiert sich politisch. An der Seite von Abraham Lincoln kämpft Schurz im Bürgerkrieg für die Abschaffung der Sklaverei und die Freiheit aller Menschen. Er steigt zum Senator und Innenminister auf. Erst in jüngster Vergangenheit sehen Historiker sein Wirken kritischer und sein Image als "guter Deutscher" hat einige Kratzer bekommen. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Uwe Timm, Schriftsteller *** Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Michael Reinartz, Redaktion: Matti Hesse


Carl Schurz, Lehrersohn als dem rheinischen Erftstadt, findet schon als junger Student Gefallen am Freiheitsgedanken. Zusammen mit seinem Bonner Professor Gottfried Kinkel beteiligt er sich 1848 und 1849 an der Revolution – und scheitert mit ihr. Einer drohenden Hinrichtung kann er durch eine spektakuläre Flucht entgehen. Später gelingt es ihm sogar, Kinkel aus dem Gefängnis zu befreien.

Zugleich wird Carl Schurz klar: Europa ist noch nicht reif für die Demokratie. So zieht es ihn auf die andere Seite des Atlantiks, wo weder Kaiser noch Könige regieren. Dort unterstützt er Abraham Lincoln und kämpft im Bürgerkrieg mit einer deutschstämmigen Truppe für die Befreiung der Sklaven. Danach nimmt seine politische Karriere so richtig Fahrt auf, erst als Senator, dann als Innenminister.

Carl Schurz stirbt 1906 in den USA als hoch verehrter Politiker. Ein Jahrhundert später sehen Historiker sein Wirken kritischer, vor allem im Hinblick auf seinen Umgang mit den indigenen Bewohnern und Zugeständnissen an die rassistische weiße Elite. Aufgrund dieser Debatte hat Bundespräsident Steinmeier im Mai 2022 eine Ehrung für Carl Schurz im Schloss Bellevue abgesagt.

In diesem Zeitzeichen erzählt Michael Reinartz:
  • wie Carl Schurz nach der gescheiterten Revolution durch einen Abwasserkanal flieht,
  • warum er Karl Marx nach einem persönlichen Treffen kritisch sieht,
  • vom Treffen mit Abraham Lincoln bei einer Zugfahrt,
  • wieso sich die historische Bewertung von Carl Schurz geändert hat.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Alex Burchard, Vorsitzender des Carl Schurz-Kreises in Erftstadt-Liblar
  • Uwe Timm, Schriftsteller
  • Julius Wilm, Historiker an der Universität Leipzig
  • Rudolf Geiger: Der deutsche Amerikaner. Carl Schurz: Vom deutschen Revolutionär zum amerikanischen Staatsmann. Gernsbach 2007
  • Daniel Göske (Hg.): Lebenserinnerungen. Mit einem Essay von Uwe Timm. Göttingen 2015
  • Dirk Kurbjuweit: Kein Held ist perfekt. War ein Deutscher daran schuld, dass indigene Stämme in den USA Schreckliches erleiden mussten? Der Bundespräsident hat ein Problem mit dieser Frage. In: "Der Spiegel" Nr. 20, 14.5.2022
  • Julius Wilm: Jenseits der Legende vom guten Deutschen: Carl Schurz in den USA. In Geschichte der Gegenwart. April 2022
  • Julius Wilm: Ein deutscher Revolutionär im Amt: Carl Schurz und der Niedergang der Minderheitenrechte in den USA der 1870er Jahre. Erscheint im Juli 2024.

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Michael Reinartz
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Thomas Bleul

Wie die Sixtinische Madonna nach Dresden kam: ein Kunst-Abenteuer

Wie die Sixtinische Madonna nach Dresden kam: ein Kunst-Abenteuer WDR Zeitzeichen 01.03.2024 12:59 Min. Verfügbar bis 02.03.2099 WDR 5

Friedrich August III., Kurfürst von Sachsen, will unbedingt einen echten Raffael haben. Am 1.3.1754 schaffen seine Kunst-Agenten ein berühmtes Werk über die Alpen.

Der Dresdener Hof soll Mitte des 18. Jahrhunderts den Glanz aller anderen Höfe in Europa überstrahlen, so die Idee von Kurfürst Friedrich August III. Der Sohn von August dem Starken hat schon einige Statussymbole beisammen – nur ein Raffael-Gemälde fehlt dem Verehrer italienischer Kunst noch. Der Kurfürst sendet einen Unterhändler nach Italien, um für ihn ein zwei Jahrhunderte altes Madonnen-Bild zu erwerben, das in einem Kloster hängt. Kein leichtes Unterfangen, denn die Mönche wollen sich das Raffael-Bild gut bezahlen lassen – und dann muss auch der Papst in Rom zustimmen... *** Das ist unsere wichtigste Quelle: Andreas Hennig (Hg.): Die Sixtinische Madonna – Raffaels Kultbild wird 500. München 2012 *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Monika Buschey, Redaktion: David Rother


Der italienische Maler Raffael ist noch keine 30 Jahre alt, als ihm Papst Julius II. im Sommer 1512 einen Auftrag erteilt: Ein großes Gemälde, ein Geschenk für den Hochaltar der Klosterkirche San Sistro in Piacenza. Der Ort in der Lombardei ist gerade von den französischen Eroberern befreit worden und wieder an den Kirchenstaat zurückgefallen – dieser Anlass soll in prächtiger Kunst verewigt werden.

Auf dem Bild trägt die Sixtinische Madonna das Jesuskind zur Erde. An ihre Seite sind der heilige Sixtus und die heilige Barbara zu sehen. Die beiden müssen mit aufs Bild, weil das Kloster ihre Reliquien besitzt. Am vorderen Rand lümmeln zwei Putten, pummelige Engelchen mit bunten Flügeln und aufgestütztem Kinn.

Heute sind es wohl die berühmtesten Engel der Welt, millionenfach gedruckt und fotografiert. Raffaels Sixtina verbindet das vermeintlich Unvereinbare: feierliche Erhabenheit und Humor.

Mehr als 200 Jahre nach der Entstehung des Bildes will Kurfürst Friedrich August III., ein Sohn August des Starken, seinen Hof in Dresden mit einem Raffael schmücken. Dafür schickt er eigens einen Kunstkenner nach Italien, um zu verhandeln. Es wird teuer und langwierig. Doch schließlich gibt es eine Ausfuhrgenehmigung.

Fünf Wochen dauert die winterliche Reise über die Alpen. Doch als das Gemälde endlich in Dresden ankommt, ist die Freude darüber verhalten. Es sei ja gar kein richtiges Weihnachtsbild, es fehlten darauf Krippe, Esel und Hirten. Erst Jahrzehnte später rückt das Werk ins Zentrum der Aufmerksamkeit: Aus Kunst wird Kult.

In diesem Zeitzeichen erzählt Monika Buschey:
  • warum die Verhandlungen um den Verkauf des Bildes so lange dauern,
  • wie das Gemälde verpackt und transportiert wird,
  • wer sich alles eine Kopie des Werkes in die Wohnstube hängt,
  • was Wieland, Kleist und Herder über die Madonna sagen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen:
  • Andreas Hennig (Hg.): Die Sixtinische Madonna – Raffaels Kultbild wird 500. München 2012
  • Hanno Rauterberg: Ich seh ihr Bild. Sie war’s – Deutschlands berühmtestes Gemälde, Raffaels Sixtinische Madonna in Dresden. Die Zeit 22.12.2011

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Autorin: Monika Buschey
Redaktion: David Rother
Technik: Nicolas Dohle

Nina Simones "Mississippi Goddam" uraufgeführt (im Februar 1964)

Nina Simones "Mississippi Goddam" uraufgeführt (im Februar 1964) WDR Zeitzeichen 29.02.2024 14:41 Min. Verfügbar bis 01.03.2099 WDR 5

Jetzt reicht's! Nina Simone erträgt den alltäglichen und tödlichen Rassismus nicht mehr – und komponiert in 20 Minuten einen Protestsong, der niemanden kaltlässt...

Ihr größter Wunsch ist es, die "erste schwarze Konzert-Pianistin" der USA zu werden. Doch der klassische Konzertbetrieb wird von weißen Männern dominiert, die Nina Simone fehlendes Talent bescheinigen. Nina Simone lässt sich nicht stoppen. Sie wird zur "Hohepriesterin des Soul". In ihrer Musik verschmelzen Jazz, Blues, Gospel, R&B und Pop. Und ihre Stimme erhebt sie in den 1960er Jahren gegen Rassismus und Unterdrückung der Schwarzen in den USA. Besonders eindringlich in ihrem Song "Mississippi Goddam", den sie unter dem Eindruck rassistischer Morde in nur einer Stunde komponiert. *** Das ist unsere wichtigsten Quelle: Nina Simone: Meine schwarze Seele. Erinnerungen. Deutsch von Brigitte Jakobeit. Hamburg 1993. *** Die Macher und Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Ulrich Biermann, Autorin: Veronika Bock, Redaktion: David Rother


"Ich hoffe, dass der Tag kommt, an dem ich mehr Liebeslieder singen kann, wenn das Bedürfnis, Protestlieder zu singen, nicht mehr ganz so zwingend ist", sagt Nina Simone einmal. Sie hofft vergeblich. Geboren 1933 als Eunice Kathleen Waymon, erkennt die schwarze Community in North Carolina früh ihr Ausnahmetalent und fördert das Mädchen aus einfachen Verhältnissen.

Doch auch die Musik kann das Mädchen nicht vor rassistischen Erfahrungen schützen. Bei einem ihrer Konzerte werden ihre Eltern wegen ihrer Hautfarbe in die hinterste Reihe geschickt. Da sie gerade einmal zwölf Jahre alt.

Als Nina Simone im April 1963 ihr erstes Konzert in der Carnegie Hall gibt, sind die Zeiten noch ungemütlicher für Schwarze: Es gibt Massenverhaftungen und immer wieder von der Polizei niedergeknüppelte Proteste. Dann ermordet ein weißer Rassist den schwarzen Bürgerrechtler Medgar Evers. Wenige Wochen später werden bei einem Bombenattentat des Ku-Klux-Klans auf einen Gottesdienst vier afroamerikanische Mädchen getötet.

Es reicht, findet die nunmehr 30-jährige Nina Simone und komponiert wütend "Mississippi Goddam". Ihre Botschaft: "Wir haben zu lange gelitten. Das ganze Land geht zugrunde." Im Februar 1964 singt sie das Lied zum ersten Mal live in einem Club in New York. "Mississippi Goddam" wird sofort stürmisch gefeiert und avanciert zum Protestsong der Bürgerrechtsbewegung.

In diesem Zeitzeichen erzählen Ulrich Biermann und Veronika Bock:
  • wie Rassismus das Leben von Nina Simone geprägt hat,
  • warum das Wort "Goddam" auf dem Platten-Cover durch Sonderzeichen ersetzt wird,
  • über die Starallüren der Sängerin,
  • warum Nina Simone die USA verlässt und nach Frankreich zieht.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Wolfram Knauer, Musikwissenschaftler und Gründungsdirektor Jazzinstitut Darmstadt
  • Nina Simone: Meine schwarze Seele. Erinnerungen. Deutsch von Brigitte Jakobeit. Hamburg 1993.

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Autor: Ulrich Biermann
Autorin: Veronika Bock
Redaktion: David Rother

Er rettet "Vom Winde verweht": Der Drehbuchautor Ben Hecht

Er rettet "Vom Winde verweht": Der Drehbuchautor Ben Hecht WDR Zeitzeichen 28.02.2024 14:43 Min. Verfügbar bis 28.02.2099 WDR 5

Er gilt als "Shakespeare von Hollywood": Ben Hecht (geboren am 28.2.1894) ist der wohl berühmteste Drehbuchautor der Traumfabrik. Dabei sieht er die Arbeit kritisch.

Die Dreharbeiten für "Vom Winde verweht" laufen im Februar 1939 bereits drei Wochen, als klar wird: Ein neues Drehbuch muss her. Der Einzige, der dafür infrage kommt, ist Ben Hecht. Er gilt in Hollywood als Starautor, weil er schneller und anschaulicher schreibt als jeder andere. *** Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Claus Tieber (Filmwissenschaftler, Universität Wien); Ben Hecht: Von Chicago nach Hollywood. Berlin 2009; Ben Hecht: Revolution im Wasserglas. Berlin 2006 *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Christine Kopka, Redaktion: Matti Hesse


Ben Hecht gilt in den 1930er-Jahren in Hollywood als Superstar unter den Drehbuch-Autoren. Er ist ein Meister darin, verworrene Handlungsfäden aufzudröseln, einen ausufernden Plot zu straffen und lebendige Dialoge zu verfassen. Außerdem schreibt er schneller als alle anderen.
Darum ist Hecht genau der Richtige, um das Drehbuch von "Vom Winde verweht" zu überarbeiten. Denn die Dreharbeiten laufen im Februar 1939 bereits drei Wochen, als klar ist: Ein neues Skript muss her! So wird Hecht zum Retter des bis dahin aufwendigsten und spektakulärsten Films der Traumfabrik.
Insgesamt liefert er zu rund 60 Filmen die Ideen, Plots und Dialoge. Weitere 50 Drehbücher verbessert er als "script doctor". "Scarface", "Design for Living", "Notorious" und "Extrablatt" sind nur die berühmtesten Filme, die nach Vorlagen von ihm entstehen.
Sechsmal wird Hecht für den Oscar nominiert, zweimal gewinnt er ihn. Der effektivste - und teuerste - Autor Hollywoods hat allerdings immer ein gespaltenes Verhältnis zur US-Filmfabrik. Er sieht sich als ernsthafter Autor von Kurzgeschichten, Romanen und Theaterstücken. Der Arbeit für den Film misst er keine große Bedeutung bei.
Vom schnell verdienten Geld aus der Traumfabrik finanziert er seine weit weniger ertragreiche literarische Produktion. 1964, mit 70 Jahren, stirbt Ben Hecht in New York an Herzversagen - mitten in der Arbeit am Skript für die James-Bond-Verfilmung "Casino Royale".

In diesem Zeitzeichen erzählt Christine Kopka:
  • woher Ben Hechts Familie in die USA eingewandert ist,
  • was er als Reporter 1918 in Deutschland beobachtet,
  • welchen Inhalt das Telegramm hat, das ihn nach Hollywood lockt,
  • wie er 1939 auf die ersten Massaker der Nazis an Juden reagiert,
  • warum seine Filme in Großbritannien boykottiert werden,
  • wie Ben Hechts Regel für den perfekten Plot lautet.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Claus Tieber (Filmwissenschaftler, Universität Wien)
  • Ben Hecht: Von Chicago nach Hollywood. Berlin 2009
  • Ben Hecht: Revolution im Wasserglas. Berlin 2006
  • Ben Hecht: Ein Kind des Jahrhunderts. Siegen 1985
  • Claus Tieber: Schreiben für Hollywood. Wien 2008
  • Adina Hoffman: Ben Hecht. Fighting words, moving pictures. New Haven 2019
  • Julien Gorbach: The notorious Ben Hecht, Iconoclastic writer and militant Zionist. Indiana 2019

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Autorin: Christine Kopka
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Theo Kramer

Der 13-jährige Beethoven flieht vor der Eisflut (am 27.2.1784)

Der 13-jährige Beethoven flieht vor der Eisflut (am 27.2.1784) WDR Zeitzeichen 27.02.2024 14:40 Min. Verfügbar bis 27.02.2099 WDR 5

Wie kommt es zur "Sündflut", die als Jahrtausend-Hochwasser in die Geschichte eingeht und vor dem sich auch der junge Beethoven in Bonn aus dem Fenster retten muss?

Erst Schnee und Eis, dann die "Sündflut": Ludwig van Beethoven, damals 13 Jahre alt, ist bereits bekannt als Konzertpianist. In welcher Gefahr er geschwebt hat, erfährt die Öffentlichkeit erst später. *** Das ist unser Interviewpartner: Hans-Rudolf Bork (Geograph und Geoarchäologe) *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Almut Finck, Redaktion: Matti Hesse


Im Sommer 1783 kommt es auf Island zu einem der größten und längsten, vor allem aber folgenreichsten Vulkanausbrüchen der jüngeren Erdgeschichte - mit Auswirkungen auch auf Deutschland. Neben Lava und Aschen treten fluor- und schwefelhaltige Gase aus, die in weiten Teilen der Welt nicht nur die Luft verpesten, sondern auch die Sonneneinstrahlung reduzieren.
In der Folge kommt es im Herbst 1783 in Mitteleuropa zu einer merklichen Abkühlung. Der folgende Winter wird eisig: In Heidelberg werden minus 30 Grad gemessen, Rhein und Neckar frieren zu. Und die Kälte nimmt kein Ende, selbst in Köln soll die Schneedecke eineinhalb Meter hoch sein. Viele Menschen frieren und hungern, denn ihnen gehen die Vorräte aus.
Im Februar kommt die Wärme zurück - allerdings viel zu schnell. Aschermittwoch 1784 kommt es zur "Sündflut": Schmelzwasser und Eisschollen bewegen sich erst langsam, dann immer schneller flussabwärts. Das Eis bildet immer größere Barrieren, Täler laufen voll Wasser, Häuser versinken in den Fluten.
Auch in Bonn sind die Schäden dramatisch. In der Bonner Altstadt liegt die Scheitelwelle bei 14,73 Metern. Sie erreicht schließlich in der Rheingasse 7 auch die im 2. Stock gelegene Wohnung der Familie van Beethoven. Über eine Leiter aus einem Fenster in den Hinterhof können sich die Eltern und ihre zwei Söhne gerade noch retten.
Ludwig van Beethoven, damals 13 Jahre alt, ist bereits bekannt als Konzertpianist. In welcher Gefahr er geschwebt hat, erfährt die Öffentlichkeit erst nach seinem Tod aus den 1838 veröffentlichten Aufzeichnungen des Vermieters der Familie.

In diesem Zeitzeichen erzählt Almut Finck:
  • wie es 1783 zu einer der größten Naturkatastrophen kam,
  • dass in Island über 9.000 Menschen starben,
  • warum Schnee und Eis eine verheerende Flut verursachten,
  • wie sich die Familie van Beethoven gerade noch vor der "Sündflut" retten konnte.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Hans-Rudolf Bork, Geograph und Geoarchäologe
  • Hans-Rudolf Bork: Umweltgeschichte Deutschlands. Heidelberg 2020
  • Manfred Spata: Das Jahrtausend-Hochwasser von 1784 in Bonn und Beuel. Bonn 2017

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Autorin: Almut Finck
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Annette Skrzydlo

Die Nazis von Beginn an richtig eingeschätzt: Carl von Ossietzky

Die Nazis von Beginn an richtig eingeschätzt: Carl von Ossietzky WDR Zeitzeichen 26.02.2024 14:30 Min. Verfügbar bis 26.02.2099 WDR 5

In NS-Gefangenschaft erhält er den Friedensnobelpreis: Der Autor Carl von Ossietzky kommt im Februar 1934 ins KZ Esterwegen, die Folter dort zerstört ihn.

Mehrfach wird er verhaftet und verurteilt, schließlich stecken die Nazis ihn auch ins KZ. Carl von Ossietzky setzt sich sein Leben lang für Frieden und Demokratie ein. Kurz vor seinem Tod wird ihm der Friedensnobelpreis verliehen. *** Das sind unsere Interviewpartner: Hermann Vinke und Robert Matthees (Ossietzky-Biographen) *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Manfred Bonson, Redaktion: Gesa Rünker


Carl von Ossietzky wird am 3. Oktober 1889 in Hamburg geboren. Schon vor dem Ersten Weltkrieg ist er Pazifist. Für ihn gehören Pazifismus und Humanismus zusammen. In den 1920er Jahren schreibt er in vielen Artikeln in Zeitungen und Zeitschriften gegen den Militarismus, gegen den Nationalismus, gegen die Feinde der Demokratie, die die Weimarer Republik bedrohten.
Er wird Herausgeber der berühmtesten kritischen Zeitschrift der Weimarer Zeit, der "Weltbühne". Der bekannteste Autor neben ihm ist Kurt Tucholsky. Nach der Machtergreifung Hitlers wird Ossietzky von der Gestapo verhaftet. Im Februar 1934 kommt er ins KZ Esterwegen im Emsland - und wird dort, wie in anderen Lagern, misshandelt und gefoltert.
Ossietzky ist nicht nur der prominenteste Häftling des Lagers, sondern der bekannteste Gefangene des nationalsozialistischen Regimes überhaupt. Im Ausland startet eine Solidaritätskampagne von Regimegegnern, unter ihnen Willy Brandt, Albert Einstein, Thomas Mann, Heinrich Mann, Lion Feuchtwanger, Bertrand Russell, Virginia Wolf, Aldous Huxley und viele andere.
1936 wird Ossietzky der Friedensnobelpreis verliehen, erstmals überhaupt in Abwesenheit des Preisträgers. Denn Ossietzky wird zu dem Zeitpunkt immer noch in Deutschland festgehalten. Ossietzky wird in der Folge "entlassen", als er in verschiedene Krankenhäuser verlegt wird - doch er bleibt unter strenger Bewachung. Er ist mittlerweile todkrank. Durch die Torturen seiner Gefangenschaft leidet er an Lungentuberkulose. Er stirbt am 4. Mai 1938.

In diesem Zeitzeichen erzählt Manfred Bonson:
  • wie Carl von Ossietzky zum Verteidiger der Demokratie wurde,
  • dass und warum er mehrfach verhaftet wurde,
  • wie er schließlich ins KZ Esterwegen kam,
  • in welch erschütterndem Zustand ihn ein Vertreter des Roten Kreuzes dort vorfand,
  • wie er ein Jahr später den Friedensnobelpreis erhielt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Hermann Vinke (Journalist und Ossietzky-Biograph)
  • Robert Matthees (Ossietzky-Biograph)
  • Hermann Vinke: Carl von Ossietzky. Ravensburg 1987
  • Willy Perk: Die Hölle im Moor. Frankfurt 1970
  • Carl von Ossietzky: Der Anmarsch der neuen Reformation. 1919

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Autor: Manfred Bonson
Redaktion: Gesa Rünker

Pionier des Nachrichtenwesens: Paul Julius Reuter

Pionier des Nachrichtenwesens: Paul Julius Reuter WDR Zeitzeichen 25.02.2024 14:10 Min. Verfügbar bis 25.02.2099 WDR 5

Am 25.2.1899 stirbt der Agenturgründer Paul Julius Reuter in Nizza. Sein Einfluss auf die Informationsflüsse der Welt ist bis heute spürbar.

Um die Telegrafen-Lücke zwischen Aachen und Brüssel zu überbrücken, mietet er bei einem Aachener Tauben-Züchter über 40 geflügelte Kuriere an. Später investiert Paul Julius von Reuter in ein eigenes Unterseekabel zwischen Irland und England – und macht seine Nachrichtenagentur weltweit erfolgreich. *** Das sind unsere Interviewpartner: Sabine Wollrab, Co-Chefredakteurin von Reuters Germany und Bernd-Peter Arnold, Professor für Publizistik an der Universität Mainz *** Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christoph Vormweg, Redaktion: Christoph Tiegel / David Rother


Paul Julius von Reuter wird 1816 als Sohn eines Rabbiners in Kassel geboren. Seine erste Investition in ein Verlagshaus geht nach hinten los: Während der Revolution von 1848/49 setzt Reuter auf die Publikation liberaler, prodemokratischer Pamphlete. Nach dem Scheitern flüchtet er nach Paris. Dort arbeitet er zunächst bei Havas, der ersten Nachrichtenagentur der Welt, eher er mit einem kleinen Pressedienst den Sprung in die Selbständigkeit wagt.

Reuter hat früh verstanden, dass es einen wirtschaftlichen Wert hat, wenn man eine Nachricht zuerst hat – und dass man daraus ein Geschäft machen kann, wenn man schneller ist als die Konkurrenz. Bei einem Aachener Tauben-Züchter mietet er etwa über 40 geflügelte Kuriere an, um die Telegrafenlücke zwischen Brüssel und Aachen zu überbrücken. Später wagt er den Sprung über den Ärmelkanal nach London. Dort baut er das Geschäft weiter aus, investiert etwa in ein eigenes Unterwasserkabel zwischen Irland und England.

Reuter ist schon zu seinen Lebzeiten ein Markenname. Und natürlich wird auch die Meldung seines Todes über die eigene Nachrichtenagentur verbreitet: "Baron von Reuter, der Gründer der Reuter-Agentur, ist heute Morgen in Nizza im 83. Lebensjahr verstorben. – Reuter."

In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vormweg:
  • warum Paul Julius von Reuter seinen Namen änderte,
  • wie er mit seinem Pressedienst und 40 Tauben so erfolgreich wurde,
  • warum er auf die Trennung von Information und Meinung setzte,
  • wie sich das Nachrichten-Imperium nach seinem Tod weiterentwickelte.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Sabine Wollrab, Co-Chefredakteurin von Reuters Germany, verantwortlich für Deutschland, Österreich und die Schweiz (2024)
  • Bernd-Peter Arnold: Die uninformierte Gesellschaft. Göttingen 2021
  • Gerd Kulle / Jörg Huber: Paul Julius von Reuter. Pionier des weltweiten Nachrichtenwesens. Stuttgart 1978
  • Stefanie Schuschmel: Von Aachen in die Welt: Paul Julius Reuter (1816–1899). In: Thomes, Paul; Quadflieg, Peter M. (Hrsg.): Unternehmer in der Region Aachen – zwischen Maas und Rhein. Münster 2015
  • Dietz Schwiesau: Nachrichten – klassisch und multimedial. Berlin 2016

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Autor: Christoph Vormweg
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Hinrichtung des Deutschen Karl LaGrand in den USA am 24.2.1999

Hinrichtung des Deutschen Karl LaGrand in den USA am 24.2.1999 WDR Zeitzeichen 24.02.2024 14:43 Min. Verfügbar bis 24.02.2099 WDR 5

Die Frage ist nicht, ob Karl LaGrand und sein Bruder die Tat begangen haben. Die Frage ist, ob sie dafür sterben müssen - und das nach all diesen Jahren.

1982 überfallen die beiden Halbbrüder Karl und Walter LaGrand in den USA eine Bank. Dabei wird der Filialleiter erstochen und eine Bankangestellte schwer verletzt. Der Prozess gegen die beiden gebürtigen Deutschen endet mit dem Todesurteil. Die Hinrichtung findet allerdings erst 17 Jahre später statt. *** Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Claudia Roth (1999 Vorsitzende des Ausschusses für Menschenrechte des Deutschen Bundestags); Horst Kläuser (1999 ARD-Korrespondent in den USA) *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Irene Andrea Kath, Redaktion: Matti Hesse


Marana, Arizona, 7. Januar 1982: Karl und Walter LaGrand wollen eine Bank überfallen . In der Aktentasche der Halbbrüder sind eine Spielzeugpistole, schwarzes Isolierband und Halstücher.

Als die Bankangestellte Dawn Lopez gegen acht Uhr zur Arbeit kommt, sieht sie Filialleiter Kenneth Hartsock mit einem Mann am Tresor stehen. Der 63-Jährige ist nicht in der Lage, ihn zu öffnen. Er kennt nur die Hälfte der Zahlenkombination. Hartsock und Lopez werden gefesselt und geknebelt.

Dann gerät die Situation außer Kontrolle. Der Filialleiter Hartsock wird mit einem Brieföffner tödlich verletzt. Auch auf die Bankangestellte Lopez wird eingestochen. Welcher der Brüder die Tat begeht, ist bis zum Schluss umstritten. Die deutsche Botschaft wird nie informiert. Dabei sind die beiden gar keine amerikanischen Staatsbürger, sondern besitzen den deutschen Pass. Beide werden wegen Mordes ersten Grades, versuchten Mordes, wegen bewaffnetem Banküberfall und Entführung zum Tode und gleichzeitig zu mehrfachen lebenslangen Haftstrafen verurteilt.

Erst 17 Jahre später sollen die Halbbrüder hingerichtet werden. Gegen die Hinrichtung der beiden Brüder gibt es weltweite Proteste - gegen die Todesstrafe, gegen die Vollstreckung nach all der Zeit und gegen die Missachtung des internationalen Konsularrechtsabkommen im Fall LaGrand. Doch die Proteste sind vergebens. Zuerst wird Karl LaGrand hingerichtet, wenige Tage später folgt sein jüngerer Bruder Walter.

In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Kath:
  • wie die Brüder Karl und Walter LeGrand in die USA gelangt sind,
  • weshalb sich die deutsche Botschaft erst nach Jahren für die Brüder einsetzt,
  • warum die Bundesrepublik vor dem Internationalen Gerichtshof gegen die USA klagt,
  • woraus die Henkersmahlzeit von Karl LaGrand besteht.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Claudia Roth (1999 Vorsitzende des Ausschusses für Menschenrechte des Deutschen Bundestags)
  • Horst Kläuser (1999 ARD-Korrespondent in den USA)
  • Michael Radelet (Kriminologe und Soziologe und einer der bekanntesten Gegner der Todesstrafe in den USA)
  • Andreas Paulus (Völkerrechtler Universität Göttingen und ehemaliger Verfassungsrichter)

Weiterführende Links:

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Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Andrea Kath
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Christina Gabriel

Religiöses Gewaltregime in Münster: Das Täuferreich

Religiöses Gewaltregime in Münster: Das Täuferreich WDR Zeitzeichen 23.02.2024 15:33 Min. Verfügbar bis 23.02.2099 WDR 5

Ihre Herrschaft in Münster ist kurz und brutal, sie beginnt am 23.2.1534: Die Täufer, so genannt wegen der Erwachsenentaufe, sind christliche Fundamentalisten.

Die Täuferbewegung in Münster ist stark von prophetischen Einflüssen aus Holland beeinflusst und sogar initiiert worden. Hier treten zu Beginn zwei Bewegungen in Kontakt: die münstersche Stadtreformation, und die bereits existierende niederländische Täuferbewegung. // Das ist unsere wichtigste Quelle: Ralf Klötzer: Die Täuferherrschaft von Münster. Münster 1992 // Autor: Heiner Wember, Redaktion: Gesa Rünker.


Immer wieder findet das Thema der Wiedertäufer Eingang in die Arbeit von Schriftstellern, Komponisten und Künstlern: Die Täuferherrschaft liest sich wie Fiktion. Dennoch ist sie eine brutale Realität während der Reformationszeit im 16. Jahrhundert. Radikale Täufer übernehmen die Kontrolle über die Stadt Münster, ihre führenden Persönlichkeiten: Jan van Leiden, Jan Matthys und Bernd Knipperdolling.

Inspiriert von apokalyptischen Ideen predigen sie extreme soziale Veränderungen, die zu Spannungen mit anderen religiösen Gruppen und der Gesellschaft führen. Sie wollen nichts weniger als die eine, reine Stadt Gottes errichten und setzen dafür eine rigide moralische Ordnung durch.

Das Ende der Täuferherrschaft wird von harten Strafen begleitet. Die Anführer werden hingerichtet und in eisernen Käfigen zur Abschreckung aufgehängt. Noch heute sind die Käfige an der Münsteraner Lambertikirche zu sehen.

In diesem Zeitzeichen erzählt Heiner Wember:
  • wie Zeiten der Krise schnell zu einer Untergangs-Stimmung führen kann,
  • warum Luther in den Täufern eine große Gefahr sah,
  • warum Bernd Rothmann radikaler wurde, je mehr er die Bibel erforschte,
  • weshalb Kirchturm-Dächer mit Kanonen bestückt wurden,
  • wieso der Anführer der münsterschen Täufer doch nicht so unverwundbar war, wie er dachte.

Das sind unsere wichtigsten Quellen:
  • Ralf Klötzer: Die Täuferherrschaft von Münster. Stadtreformation und Welterneuerung. Münster 1992.
  • Hubertus Lutterbach: Der Weg in das Täuferreich von Münster. Ein Ringen um die Heilige Stadt. Münster 2006

Das sind unsere Interviewpartner:
  • Ralf Klötzer (Historiker, Münster)
  • Professor Hubertus Lutterbach (Theologe, Münster, Professor für Christentum und Kulturgeschichte Universität Essen)

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Münster- Dier Täuferstadt

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Redaktion: Gesa Rünker
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"El Chapo" - der zum Volksheld verklärte Drogenboss

"El Chapo" - der zum Volksheld verklärte Drogenboss WDR Zeitzeichen 22.02.2024 14:22 Min. Verfügbar bis 22.02.2099 WDR 5

Am 22.2.2014 wird Joaquín Guzmán, auch bekannt als El Chapo, festgenommen, was zunächst als bedeutender Erfolg der Maßnahmen gegen das organisierte Verbrechen in Mexiko gilt...

Etwa 25 Minuten soll der Ausbruch von Joaquín Guzmán alias "El Chapo" am im Juli 2015 gedauert haben. Nur etwas mehr als ein Jahr nach seiner Verhaftung am 22. Februar 2014 verschwindet der mexikanische Drogenboss in einem kilometerlangen Tunnel unter der Gefängnisdusche. Es ist schon sein zweiter spektakulärer Ausburch. // Das ist unsere wichtigste Quelle: Jeanette Erazo Heufelder: Drogenkorridor Mexiko. Eine Reportage. Berlin 2011. // Autor: Herwig Katzer, Redaktion: Christoph Tiegel und David Rother.


El Chapo, mit bügrerlichem Namen Joaquín Guzmán, schafft einen rapiden Aufstieg zum mächtigsten und gefährlichsten Mann Mexikos. Als Boss des Sinaloa-Drogenkartells, ist er nicht nur verantwortlich für Tausende von Toten, sondern inszeniert sich auch als Wohltäter, der in soziale Projekte investiert. Sein Image als rebellischer und vielbesungener Volksheld wird durch geschickte Propaganda geformt. Seine spektakulären Gefängnisausbrüche machen ihn zur Legende.

In der Geschichte von El Chapo verschmelzen die Rollen des Wohltäters, Rebellen, Drogenbosses, Mörders und Propagandisten zu einem komplexen Bild mit vielen Graubereichen. Sie ist aber auch eine Geschichte von Korruption und Macht, Armut und Reichtum. Guzmáns kriminelle Aktivitäten offenbaren eine düstere Realität Mexikos: schmutzige Allianzen mit Regierungsbeamten, Ausnutzen sozialer Ungerechtigkeiten. Gleichzeitig verdeutlicht El Chapos Aufstieg die tief verwurzelte Armut, die Menschen in den illegalen Drogenhandel treibt. Sein Leben zeigt, wie die Grenzen zwischen Recht und Unrecht, Gut und Böse, in einer Welt, in der Macht und Geld regieren, verschwimmen können.

In diesem Zeitzeichen erzählt Herwig Katzer:
  • warum die Festnahme Guzmans kein Triumph für Präsident Peña Nieto ist,
  • wie die Figur El Chapo zu einem Mythos wird, und was Robin Hood damit zutun hat,
  • wie der Drogenboss trotz Gefängnishaft seine Geschäfte fortführt,
  • warum die Polizei selbst Teil des Problems ist,
  • wer den Drogenkartellen in Mexiko heute die Stirn bietet.

Das sind unsere wichtigsten Quellen:
  • Jeanette Erazo Heufelder: Drogenkorridor Mexiko. Eine Reportage. Berlin 2011.

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Autor: Herwig Katzer
Redaktion: Christoph Tiegel, David Rother

Robert Mugabe: erst gefeierter Held, dann gefürchteter Diktator

Robert Mugabe: erst gefeierter Held, dann gefürchteter Diktator WDR Zeitzeichen 21.02.2024 16:01 Min. Verfügbar bis 21.02.2034 WDR 5

Zunächst gilt er als Befreier von der britischen Kolonialmacht, dann wird Robert Mugabe, geboren am 21.2.1924, zum gefürchteten Gewaltherrscher in Simbabwe.

Was für eine Verwandlung! Zunächst verspricht Robert Mugabe, in seinem Land dürfe es nie wieder Unterdrückung und Rassismus geben. Das sagt er nach der Befreiung Rhodesiens aus britischer Kolonialherrschaft und der Umbenennung des Landes in Simbabwe. Doch dann hält er sich als Premier 38 Jahre lang an der Macht - mithilfe von Folter, Wahlfälschung und Tötungen. *** Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Muriel Horrell: Days of Crisis in Rhodesia. Fact paper No. 16-1965. Johannesburg 1965; Geoff Hill: The Battle for Zimbabwe: The Final Countdown. Johannesburg 2005 *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Wolfgang Meyer, Redaktion: Gesa Rünker


Es kostet viel Blut, die britische Kolonialmacht in Rhodesien loszuwerden. Sieben Jahre lang dauert der Krieg bis zu Befreiung, 25.000 Menschen sterben. Aus Nordrhodesien wird Sambia, aus Südrhodesien Simbabwe. Dort leistet Robert Mugabe im April 1980 seinen Amtseid.
Er sorgt für ein neues Schulsystem, baut das Gesundheitssystem aus und verbessert die wirtschaftliche Lage der Kleinbauern. Mugabe wird international gefeiert. Doch der Schein trügt: Innenpolitisch setzt Robert Mugabe bald alles daran, jede Art von Opposition zu bekämpfen. Mehrere Tausend Menschen werden getötet.
Obwohl die Unmut gegen ihn wächst, gewinnt der Premier jede Wahl – auch durch Wahlfälschung und durch politische Tricksereien. Mugabe regiert fast 38 Jahre lang. Doch dann überspannt er den Bogen.

In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer:
  • wie Robert Mugabe erzogen wird,
  • welche Stationen zu seiner Bildungskarriere gehören,
  • wie er unter der britischen Kolonialherrschaft leidet,
  • was eine Rede mit seinem politischen Aufstieg zu tun hat,
  • warum es in Simbabwe, der Kornkammer Afrikas, unter Mugabes Regierung Hunger gibt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen:
  • Muriel Horrell: Days of Crisis in Rhodesia. Fact paper No. 16-1965. Johannesburg 1965
  • Geoff Hill: The Battle for Zimbabwe: The Final Countdown. Johannesburg 2005

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Autor: Wolfgang Meyer
Redaktion: Gesa Rünker

Schauspieler mit großem Schalk im Nacken: Heinz Erhardt

Schauspieler mit großem Schalk im Nacken: Heinz Erhardt WDR Zeitzeichen 20.02.2024 14:37 Min. Verfügbar bis 20.02.2034 WDR 5

Mit Heinz-Erhardt-Programmen lassen sich bis heute Säle füllen. Geboren wurde der populäre Humorist am 20.2.1909 in Riga als Kind baltisch-deutscher Eltern.

Heinz Erhardts Humor gehört zum Inventar der frühen Bundesrepublik, seine Witze und Gedichte sind der komische Soundtrack des Wirtschaftswunders. Später ist der Kabarettist auch als Autor tätig: Er veröffentlicht zahlreiche humorvolle Gedichte sowie Bücher in denen seine zeitlose Komik weiterlebt. // Das ist unsere wichtigste Quelle: Rainer Berg: Heinz Erhardt. Die Biographie. Oldenburg 2009 // Autor: Christoph Tiemann, Redaktion: David Rother.


Heinz Erhardt, deutscher Komiker, Musiker, Schauspieler und Lyriker, wurde durch seinen unverwechselbaren Humor berühmt. Wortwitz und pointierte Verse begeistern das Publikum in zahlreichen Bühnenprogrammen, Filmen und Fernsehauftritten.

Sein schelmischer Witz, die verschmitzte Schüchternheit und das Äußere des gemütlichen Spießers täuschen darüber hinweg: der Perfektionist Heinz Erhardt feilte stets mit Akribie an seinen Texten und seiner absichtlich unabsichtlich wirkenden Performance. Dabei ist sein Humor bisweilen durchaus hintergründig - wenn auch selten so politisch wie in diesem Gedicht aus der Nachkriegszeit:

Wascht nur in Unschuld eure Hände / Und greift, Kraft eigenen Ermessens / zum güt’gen Handtuch des Vergessens … / doch hilft das Waschen nicht und Reiben: / die Flecke bleiben.

Auch wenn Heinz Erhardt heute als Symbolfigur des harmlosen, einfach-nur-lustigen Wirtschaftswunderland-Humors gilt: Seine unverwechselbare Mimik und sein charmanter Vortrag machen ihn bis heute zu einem der beliebtesten Komiker im deutschsprachigen Raum.

In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Tiemann:
  • warum Heinz Erhardt mit Fritz Kreisler, Artur Rubinstein, Ignaz Friedmann und Enrico Caruso aufwuchs,
  • welche Rolle beim Kennenlernen seiner Frau ein Aufzug spielte,
  • wie der Kabarettist seine Bühnenfigur durch Zufall fand,
  • was er als Nichtschwimmer bei der Kriegsmarine macht,
  • warum die lustigsten Menschen auch manchmal die einsamsten sind.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Rainer Berg: Heinz Erhardt. Die Biographie. Oldenburg 2009.
  • Heinz Erhardt - Mein Leben. Hrsg. von Verena Haacker, Marita Malicke. Oldenburg 2022.

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Autor: Christoph Tiemann
Redaktion: David Rother
Technik: Jonas Tenbrink

Legendärer Modemacher: Karl Lagerfeld

Legendärer Modemacher: Karl Lagerfeld WDR Zeitzeichen 19.02.2024 14:05 Min. Verfügbar bis 19.02.2099 WDR 5

Den Satz über Jogginghosen hat er nur sinngemäß gesagt: Karl Lagerfeld, gestorben am 19.2.2019, ist für manchen schrägen Spruch bekannt. Seine Mode ist weltberühmt.

Er entwirft zwölf bis 15 Kollektionen pro Jahr: Karl Lagerfeld arbeitet nicht nur für eine Marke. Am berühmtesten wurde er als Chefdesigner von Chanel. Der deutsche Modemacher ist in Paris enorm erfolgreich - und sehr selbstbewusst: "Meine Devise im Leben ist: Es fängt mit mir an und es hört mit mir auf." *** Das sind unsere wichtigsten Quellen: Alfons Kaiser: Ein Deutscher in Paris. München 2020; Karl Lagerfeld im WDR-Gespräch mit Alfred Biolek, 2001 *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Anke Rebbert, Redaktion: Gesa Rünker


Lagerfelds Karriere nimmt Fahrt auf, als er 1954 - da ist er erst 21 Jahre alt - einen renommierten Preis für Modedesign bekommt. Für die Skizze eines Damen-Mantels aus Merino-Wolle: zitronengelb, mit Dreiviertelärmeln und einer raffinierte Schnalle am Kragen. In der Jury sitzt Pierre Balmain, der den Deutschen gleich einstellt. Lagerfeld lernt das Schneiderhandwerk und sammelt Berufserfahrung in der Modewelt.
1963 wird Lagerfeld künstlerischer Direktor bei Chloé, parallel arbeitet er für Fendi in Rom. In den 1960er- und 1970er-Jahren gehört der Modedesigner zum internationalen Jet Set. Seine Kundinnen heißen: Brigitte Bardot, Mia Farrow, Maria Callas.
1983 bekommt Karl Lagerfeld ein Angebot von Chanel - den ultimativen Schub für seine Karriere. Er macht aus einem angestaubten Unternehmen eine Weltmarke mit Milliardengewinn. Das ist sein großes Talent: eine bestehende Marke dem Zeitgeist anpassen.

In diesem Zeitzeichen erzählt Anke Rebbert:
  • in welchem privilegierten Umfeld der 1933 geborene Karl Lagerfeld aufwächst,
  • mit wie vielen Jahren er nach Paris geht,
  • zu welcher Tageszeit der Modemacher vorzugsweise seine Einfälle mit Stift und Papier festhält,
  • wie teuer seine Mode-Shows im Pariser Grand Palais sind,
  • mit welchen Sprüchen Karl Lagerfeld für Empörung sorgt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen:
  • Alfons Kaiser: Ein Deutscher in Paris. München 2020
  • Vogue Special (Hrsg.): Karl Lagerfeld. Modemethode. München 2015
  • Christiane Arp, Karl Lagerfeld: Parallele Gegensätze - Fotografie, Mode, Buchkunst. Göttingen 2014

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Autorin: Anke Rebbert
Redaktion: Gesa Rünker
Technik: Nicolas Dohle

Kublai Khan: Mongolischer Großkhan und chinesischer Herrscher

Kublai Khan: Mongolischer Großkhan und chinesischer Herrscher WDR Zeitzeichen 18.02.2024 14:42 Min. Verfügbar bis 18.02.2099 WDR 5

Dschingis Khans Enkel steht weit hinten in der Erbfolge. Trotzdem herrscht Kublai (gestorben am 18.2.1294) über eines der größten Imperien der Menschheitsgeschichte.

Erobern, unterwerfen oder vernichten - Kublai Khan weiß, wie man an ein Weltreich gelangt. Er ist nicht nur Großkhan der Monoglen, sondern auch Kaiser von China. Kublai weiß aber auch, wie man die Macht behält: durch Pragmatismus und Weltoffenheit. *** Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Veronika Veit (Professorin und Expertin für Mongolistik und Tibetstudien), Wilhelm von Rubruk, "Reisen zum Großkhan der Mongolen", 1984 *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Murat Kayı, Redaktion: Matti Hesse


Mit knapp 50 Jahren wird Kublai Khan 1260 Herrscher des größten Weltreichs seiner Zeit. Es reicht vom Mittelmeer bis zum Pazifik. Doch das reicht ihm nicht. Er erobert das letzte verbliebene chinesische Königreich. Dadurch ist Kublai nun Großkhan der Mongolen und Kaiser von China.
Kublai ist seiner Zeit weit voraus. Er refomiert den chinesischen Staatsdienst. Er verbietet zum Beispiel, dass chinesische Mädchen in die Sklaverei oder die Prostitution verkauft werden. Und er lässt den veralteten Kaiserkanal - die längste von Menschenhand geschaffene Wasserstraße der Welt - modernisieren.

In diesem Zeitzeichen erzählt Murat Kayı:
  • wen Dschingis Khan für die Kindererziehung von Kublai bestimmt,
  • von wem Kublai das Regieren lernt,
  • wie er seinen Bruder Arik Bökhe in einem Krieg besiegt,
  • welche Rolle seine Gemahlin Chabi bei politischen Entscheidungen spielt,
  • weshalb der Herrscher zu trinken beginnt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Veronika Veit (Professorin und Expertin für Mongolistik und Tibetstudien)
  • Klaus Mühlhahn (Professor für chinesische Geschichte und Kultur)
  • Marco Walther (Experte für Tibetische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig)
  • Wilhelm von Rubruk: Reisen zum Großkhan der Mongolen. 1984
  • Karénina Kollmar-Paulenz: Die Mongolen – von Dschingis Khan bis heute. 2011
  • Otto Emersleben: Marco Polo. 2002

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Autor: Murat Kayı
Redaktion: Matti Hesse
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Friedrich Alfred Krupp: Gründet das Stahlwerk in Rheinhausen

Friedrich Alfred Krupp: Gründet das Stahlwerk in Rheinhausen WDR Zeitzeichen 17.02.2024 14:25 Min. Verfügbar bis 17.02.2099 WDR 5

Friedrich Alfred Krupp, geboren am 17.2.1854, macht das Unternehmen international erfolgreich. Die Umstände seines Todes sind nicht zweifelsfrei geklärt.

Friedrich Alfred steht für die dritte Generation der Dynastie Krupp. Viel zugetraut wird dem kränklichen Fritz nicht, doch in seinem nur 48 Jahre dauernden Leben zeigt er es seinen Kritikern: Unter seiner Leitung verdoppelt sich die Zahl der Krupp-Angestellten, außerdem macht er aus dem Bauern-Dörfchen Rheinhausen eine Stadt, über die ganz Deutschland spricht. Am Ende jedoch wird Friedrich Alfred Krupp wahrscheinlich ein frühes Opfer der Boulevardpresse. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Prof. Dr. Hans-Werner Wehling, Universität Duisburg/Essen *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Kay Bandermann, Redaktion: Gesa Rünker


Am 17. Februar 1854 wird Friedrich Alfred, genannt: Fritz Krupp in Essen geboren. Er kränkelt oft, ist zurückhaltend und interessiert sich mehr für Kunst und Wissenschaft als für das Familienunternehmen. Als der Vater stirbt, wird Friedrich Alfred mit 34 Jahren Firmenchef - zur Überraschung vieler mit großem Erfolg. Er erweitert das Stahl-Unternehmen um Werften und Hüttenanlagen und schafft auf dem dünn besiedelten Landstrich in Duisburg-Rheinhausen einen der größten und modernsten Industriekomplexe seiner Zeit.

Als Kanonenproduzent, Freund und Förderer der kaiserlichen Flottenpläne und erklärter Deutschnationaler gerät Krupp ins Visier der Linken. Für sie ist der Firmenchef der Inbegriff des verhassten Kapitalisten und Ausbeuters. Immer öfter zieht sich Krupp auf die Insel Capri zurück, Ruhe findet er allerdings auch dort nicht.

Es kommen Gerüchte auf, Fritz Krupp pflege homoerotische Beziehungen zu jungen italienischen Männern. Der sozialdemokratische "Vorwärts" greift die Geschichte auf - eine Woche später wird Krupp tot in seinem Arbeitszimmer aufgefunden. Die offizielle Todesursache lautet "Gehirnschlag". Doch die Spekulation, der 48-Jährige habe Suizid begangen, hält sich bis heute.

In diesem Zeitzeichen erzählt Kay Bandermann:
  • In was für große Fußstapfen Friedrich Alfred Krupp tritt,
  • von Krupps besonderer Verbindung zu Kaiser Wilhelm II. und warum dieser beim Trauerzug in Essen von "Mord" spricht,
  • wie Rheinhausen den "Stadt-Gründer" Friedrich Alfred Krupp ehrt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Prof. Dr. Hans-Werner Wehling, Universität Duisburg/Essen
  • Prof. Dr. Rolf Stremmel, Historisches Archiv Krupp, Essen
  • Desirée Tobiasch, AWO-Zentrum Rheinhausen
  • Michael Epkenhaus und Ralf Stremmel: "Friedrich Alfred Krupp: Ein Unternehmer im Kaiserreich" (2010)
  • Leon Fischer: "Krupp - Eine deutsche Familie" (2009)

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Autor: Kay Bandermann
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Im Film "Der Untergang" spielt er Adolf Hitler: Bruno Ganz

Im Film "Der Untergang" spielt er Adolf Hitler: Bruno Ganz WDR Zeitzeichen 16.02.2024 14:24 Min. Verfügbar bis 16.02.2099 WDR 5

Er zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schauspielern: Bruno Ganz, gestorben am 16.2.2019. Er glänzt in ganz unterschiedlichen Rollen - auch in einem Kinderfilm.

Bruno Ganz ist ein Glücksfall für die Unterhaltung. Er macht über 100 Filme und erhält zahlreiche Auszeichnungen. Er ist Mitbegründer der Berliner Schaubühne und gibt in den 70ern dem Neuen Deutschen Film ein Gesicht. Am 16. Februar 2019 stirbt der Schweizer Schauspieler im Alter von 77 Jahren. *** Das ist unsere wichtigste Quelle: "Behind me - Drei Jahre mit Bruno Ganz" (Film, 2002) *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Andrea Klasen, Redaktion: Gesa Rünker


Bruno Ganz ist ein Meister seines Fachs. Seine Bühnenpräsenz und seine suggestive Art zu sprechen machen Aufführungen zu einem unvergesslichen Erlebnis. Der Schauspieler begeistert als Hamlet ebenso wie als Engel Damian in Wim Wenders' "Himmel über Berlin", als Adolf Hitler in "Der Untergang" oder als Almöhi in der Verfilmung des Schweizer Nationalepos "Heidi".
Geboren 1941 in Zürich, gilt seine erste Liebe dem Theater. Er bricht die Schule ab und nimmt Schauspielunterricht. 1962 geht er nach Deutschland, wo er mit Regisseuren wie Kurt Hübner, Peter Zadek und Peter Stein arbeitet. Der Film kommt vermehrt erst ab Mitte der 1970er Jahre dazu. Am Ende stehen über einhundert Produktionen - auch mit Hollywoodgrößen.
Seit 1996 ist Ganz Träger des Iffland-Rings und gilt damit als "würdigster Schauspieler deutscher Sprache". Am 16. Februar 2019 stirbt Bruno Ganz mit 77 Jahren an Krebs - bleiben werden seine Filme, seine Figuren und seine Stimme.

In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Klasen:
  • Was Bruno Ganz mit Schauspielkollegin Romy Schneider verbindet,
  • warum er mit der Rolle des Faust nicht warm wird,
  • wie Bernd Eichinger Ganz dazu bringt, Adolf Hitler zu spielen,
  • warum das Verkörpern des Almöhis für ihn eine Herzensangelegenheit ist.

Das sind unsere wichtigsten Quellen:

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Autorin: Andrea Klasen
Redaktion: Gesa Rünker

Ethel Merman, Stimmwunder und frühe Broadway-Ikone

Ethel Merman, Stimmwunder und frühe Broadway-Ikone WDR Zeitzeichen 15.02.2024 14:42 Min. Verfügbar bis 15.02.2099 WDR 5

Die Karrieren von Adele oder Céline Dion, die Gänsehautmomente im Musical: Undenkbar ohne das Vorbild von Ethel Merman (gestorben am 15.2.1984) und ihre bahnbrechende Gesangstechnik...

Ethel Merman zählt zu den größten Stars des Broadway. Viele musikalische Komödien werden durch sie zu Kassenschlagern, die legendären Komponisten Irving Berlin und Cole Porter schreiben zahlreiche Songs speziell für sie. Merman verfügt nicht nur über ein großes Stimmvolumen, sondern beherrscht auch eine besondere Gesangstechnik - ohne diese wäre so manche Popmusik-Karriere von Céline Dion bis zu Adele nicht denkbar. *** Das ist unsere wichtigste Interviewpartnerin: Stefanie Rummel, Gesangscoach und Stimmforscherin *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Jana Fischer, Redaktion: David Rother


"There’s no business like show business" - Ethel Merman hat diesen Song nicht nur jahrzehntelang gesungen, sie hat ihn auch gelebt. Sie ist eine der frühen Ikonen des Broadway-Musicals, die mit ihrer durchdringenden Stimme unzählige Bühnen-Hits prägt.

Die Frau, die ein ganzes Genre beeinflusst, wird 1908 als Ethel Zimmermann im New Yorker Stadtteil Queens geboren. Ihre Familie ist bodenständig, aber kulturbegeistert. Die Zimmermanns nehmen Ethel gerne mit zu Varieté-Shows, aber auch selbst Musik zu machen gehört zu ihrem Alltag. Schon mit fünf Jahren beginnt Ethel zu singen, ihr Vater begleitet am Klavier - gerne auch vor Publikum.

Sind es anfangs noch Amateur-Wettbewerbe oder Benefiz-Veranstaltungen, wechselt Merman schon bald in die großen Theater am Broadway. Hier landet die Musical-Queen eine erfolgreiche Hauptrolle nach der nächsten - lautstark und selbstbewusst. Mit ihren Männern hat Merman dagegen weniger Glück. Viermal ist sie verheiratet, alle Ehen zerbrechen. Ethel Merman stirbt am 15. Februar 1984 im Alter von 76 Jahren - von ihrem Mut zur Lautstärke können Frauen aber bis heute etwas lernen.

In diesem Zeitzeichen erzählt Jana Fischer:
  • wie George Gershwin der Sängerin den Weg zum Broadway ebnet,
  • mit welcher Technik Merman die noch junge Kunstform des Musicals prägt,
  • warum sie mit Filmen und Hollywood nie wirklich warm wird.

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Redaktion: David Rother

Josephine Baker erhält Auftrittsverbot in München (am 14.2.1929)

Josephine Baker erhält Auftrittsverbot in München (am 14.2.1929) WDR Zeitzeichen 14.02.2024 14:39 Min. Verfügbar bis 14.02.2099 WDR 5

Ein internationaler Star: Tänzerin, dazu Sängerin, erste Schwarze Hauptdarstellerin im Tonfilm. Und Josephine Baker kämpft gegen Rassismus, leistet Widerstand gegen die Nazis.

Josephine Baker ist der erste weibliche Superstar mit afroamerikanischen Wurzeln. Als "schwarze Venus" begeistert die Amerikanerin zunächst das Publikum in Paris, später in ganz Europa und den USA. Und sie setzt sich zeitlebens für Menschenrechte ein: Im Zweiten Weltkrieg unterstützt Josephine Baker die französische Résistance, später kämpft sie an der Seite von Martin Luther King gegen Rassismus. *** Das ist unsere wichtigste Gesprächspartnerin: Mono Horncastle, Kunsthistorikerin und Biografin von Josephine Baker *** Das sind die Macher und Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen: Autorin Veronika Bock, Autor: Ulrich Biermann, Redaktion: Matti Hesse


Mit der "Revue Nègre" wird Josephine Baker 1925 fast über Nacht zum gefeierten Star in Paris. Wie die amerikanische Tänzerin ihren kaum bekleideten Körper kühn verrenkt und schwingt, haben die Franzosen so noch nicht gesehen. Die Pariser Avantgarde ist begeistert, Josephine Baker verkörpert für sie die Moderne im Varieté. Die französische Sittenpolizei bemängelt indes, dass schwarze Haut kein Kostüm sei. Der erste schwarze Superstar ruft Bewunderung und Abscheu hervor.
So hält die Kirche in Wien Gottesdienste ab, um vor Josephine Bakers Tournee zu warnen. Die moralische Alarmierung nützt nichts, nun kaufen sich die Menschen erst recht Tickets für die Show. Das will man in München verhindern und strebt vorsichtshalber direkt ein Auftrittsverbot an. Als Gründe werden genannt: die Erfahrungen aus Wien, die Fastenzeit, und dass Josephine Baker nach den bisherigen Mitteilungen der Presse eine unberechenbare Person sei.
Das Auftrittsverbot in München ist für Josephine Baker eine weitere ihrer unzähligen rassistischen Erfahrungen, ihren Ruhm stoppt es allerdings nicht. Sie tanzt nicht nur auf den Bühnen der Welt, sondern tritt als Sängerin und Schauspielerin im Film auf und gilt bald als reichste "reichste Afroamerikanerin der Welt"

In diesem Zeitzeichen erzählen Ulrich Biermann und Veronika Bock :
  • wie Josephine Baker im Zweiten Weltkrieg die französische "Résistance" unterstützt hat,
  • warum ihr das Tanzen "schon in die Wiege" gelegt wurde,
  • über den Rassismus, mit dem Josephine Baker zeitlebens konfrontiert ist,
  • wie die Tänzerin gegen die Ausgrenzung von Menschen kämpft,
  • über ihre "Regenbogenfamilie" mit zwölf Adoptivkindern.

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Autor: Ulrich Biermann
Autorin: Veronika Bock
Redaktion: Matti Hesse

Wilhelm Voigt, der "Hauptmann von Köpenick" (geb. am 13.2.1849)

Wilhelm Voigt, der "Hauptmann von Köpenick" (geb. am 13.2.1849) WDR Zeitzeichen 13.02.2024 14:52 Min. Verfügbar bis 13.02.2099 WDR 5

Er wird durch seine "Köpenickiade" berühmt: Wilhelm Voigt verkleidet sich als Hauptmann und raubt 1906 mit gutgläubigen Soldaten im Köpenicker Rathaus die Stadtkasse.

Ein ehemaliger Zuchthäusler führt den preußischen Staat vor: Am 16. Oktober 1906 fängt Wilhelm Voigt, bekleidet mit einer Hauptmannsuniform, ein Trupp ahnungloser Soldaten nach dem Toilettengang ab. Er befiehlt ihnen, ihn nach Köpenick zu begleiten. Dort beschlagnahmt er im Rathaus die Stadtkasse - und taucht unter. *** Das ist unser Interviewpartner: Ruprecht Frieling (Sachbuchautor, Verleger und Produzent) *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Heiner Wember, Redaktion: Christoph Tiegel und David Rother


Am 16. Oktober 1906 fängt ein Hauptmann in grauer Uniform, der gerade von der Toilette kommt, einen kleinen Trupp ahnungsloser Soldaten in blauen Röcken ab. Er gibt den Männern den Befehl, mit ihm nach Köpenick zu fahren. Der Hauptmann ist nicht echt, sondern ein Ex-Zuchthäusler namens Wilhelm Voigt.
Im dortigen Rathaus beschlagnahmt Wilhelm Voigt gegen Quittung kurzerhand die Gemeindekasse - 3.557, 45 Pfennige. Nach heutigem Wert etwa 26.000 Euro. Er unterschreibt mit dem Namen seines letzten Gefängnisdirektors: von Malzahn.
Bürgermeister Langerhans und der Stadtkämmerer Rosenkranz werden vom Hauptmann verhaftet. Später lässt Voigt sie unter Bewachung mit Droschken nach Berlin zur Neuen Wache transportieren, wo man natürlich nichts weiß und sie frei lässt.
Zehn Tage lang kann Voigt untertauchen, bevor er geschnappt wird. Das Urteil: milde vier Jahre. Zu peinlich ist es für das preußische Staatsverständnis, dass ein ehemaliger Zuchthäusler solch ein Ding durchziehen kann.
Nach zwei Jahren begnadigt Kaiser Wilhelm II. den falschen Hauptmann. Mit 59 Jahren beginnt für Wilhelm Voigt die schönste Zeit seines Lebens.

In diesem Zeitzeichen erzählt Heiner Wember:
  • Wie der Schusterjunge Wilhelm Voigt schon mit 14 Jahren auf die schiefe Bahn gerät,
  • wie der preußische Staat Straftäter auch nach verbüßter Haftstrafe weiter jagt,
  • wie Wilhelm Voigt seine "Köpenickiade" später erfolgreich vermarkten kann,
  • wie der Erste Weltkrieg schließlich zu Wilhelm Voigts Verarmung führt,
  • was Rudolf Platte, Heinz Rühmann und Harald Juhnke gemeinsam haben.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Ruprecht Frieling (Sachbuchautor, Verleger und Produzent)
  • Ruprecht Frieling: Der Hauptmann von Köpenick. Die wahre Geschichte des Wilhelm Voigt, Berlin 2011

Weiterführende Links:

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Autor: Heiner Wember
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Abraham Lincoln: Kampf um die Vereinigten Staaten von Amerika

Abraham Lincoln: Kampf um die Vereinigten Staaten von Amerika WDR Zeitzeichen 12.02.2024 14:43 Min. Verfügbar bis 12.02.2034 WDR 5

Das Attentat trug zur Bildung des Mythos bei: Vor allem aber machen Lincolns (geb. 12.2.1809) Persönlichkeit und Verdienste ihn zu einem der größten US-Präsidenten aller Zeiten.

Abraham Lincolns Präsidentschaft gilt als eine der bedeutendsten in der Geschichte der Vereinigten Staaten: Lincoln führt die Nordstaaten Sezessionskrieg gegen die Südstaaten, setzt die Wiederherstellung der Union durch und betreibt erfolgreich die Abschaffung der Sklaverei in den USA. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Dr. Ronald Gerste, Historiker und Lincoln-Biograf *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Irene Dänzer-Vanotti, Redaktion: Matti Hesse


Abraham Lincoln gewinnt zwei Mal die Wahl zum Präsidenten der USA. Er wird als Mensch voller Empathie, voller Sympathie für Schwache, für die Zurückgebliebenen in der Gesellschaft, natürlich gerade für Sklaven und Schwarze in den USA beschrieben. Andererseits ist da der feste Wille Mitte der 1860er-Jahre den grausigen amerikanischen Bürgerkrieg durchzuziehen mit all den vielen Opfern.
Vier Jahre lang dauern die Kämpfe. Etwa 620.000 Menschen sterben. Zunächst scheinen die Südstaaten siegreich, mit einem neuen Heerführer gewinnt der Norden, Lincolns Union, aber manche Schlacht. Der Präsident sieht es als seine Pflicht an, sich der Opfer würdig zu erweisen.
Sie hätten eigentlich den Bestand der jetzt tatsächlich Vereinigten Staaten von Amerika geschaffen, die Demokratie erhalten. Ihr Werk wolle er vollenden. Das sagt Lincoln im Angesicht von Särgen und Pferdekadavern auf dem Schlachtfeld der kleinen Gettysburg in Pennsylvania.
Die Gettysburg-Rede gilt als Lincolns wichtigste Rede und eine der bedeutendsten in der Geschichte der USA.

In diesem Zeitzeichen erzählt Irene Dänzer-Vanotti:
  • Mit welchen Worten US-Präsident Barack Obama seinen frühen Amtsvorgänger Abraham Lincoln würdigt,
  • welche Berührungspunkte es in den Lebensgeschichten Obamas und Lincolns gibt,
  • warum Lincoln für die Abschaffung und doch kein glühender Gegner der Sklaverei ist,
  • wie man im 19. Jahrhundert in den USA ohne Studium Anwalt wird

Das ist unser wichtigster Interviewpartner:
  • Dr. Ronald Gerste, Historiker und Lincoln-Biograf

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Lebensgefahr unter Tage: Die Staublunge

Lebensgefahr unter Tage: Die Staublunge WDR Zeitzeichen 11.02.2024 14:31 Min. Verfügbar bis 11.02.2099 WDR 5

Das Leiden ist seit dem Altertum bekannt: Die Staublunge. Seit dem 11.2.1929 gilt Silikose als Berufskrankheit, erkrankte Bergleute erhalten Geld aus der Versicherung.

20.000 Liter Luft fließen täglich durch unsere Lunge. Das macht sie sensibel für Staub. Während größere Partikel von den Bronchien mit dem Schleim abgesondert und ausgehustet werden können, dringen kleinste Partikel in die Lunge und lagern sich dort ab. Unter Tage staubt es im Bergbau mächtig. Zigtausende Bergleute erkranken an einer "Staublunge", die 1929 als Berufskrankheit anerkannt wird. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Dr. Daniel Trabalski, Historiker Promotion an Ruhr-Universität Bochum *** Die Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Steffi Tenhaven, Redaktion: Gesa Rünker.


Ab den 1920er-Jahren setzt eine sehr starke Mechanisierung des Steinkohlebergbaus ein. Wichtigste Werkzeuge sind der Presslufthammer und Sprengstoff, wobei sehr viel Staub entsteht.
Erschwerend kommt hinzu, dass der Bergbau auf der Suche nach Kohle oder auch anderen Erzen immer tiefer in den Berg hinein gräbt. Das macht die Belüftung der Bergwerke immer schwieriger.
Schlechtere Belüftung plus sehr viel Staub bilden eine gefährliche Kombination im Hinblick auf die Silikose - oder auch Staublunge genannt.
Das Sozialversicherungssystem, wie wir es heute kennen, gibt es erst seit den 1880er-Jahren. Berufskrankheiten sind zunächst noch nicht versichert. Die erste Berufskrankheiten- Verordnung wird 1925 in der Weimarer Republik eingeführt.
Mit der zweiten Verordnung 1929 wird auch die Staublunge als Berufskrankheit anerkannt. Der 11. Februar 1929 wird zum Stichtag für die "schwere Staublunge".
Umgehend melden mehr als 14.000 Menschen ihre Beschwerden an. Doch nur wer buchstäblich bereits aus dem letzten Loch pfeift, darf auf Entschädigung hoffen. Mehr als 90 Prozent gehen damals leer aus.

In diesem Zeitzeichen erzählt Steffi Tenhaven:
  • Woher die Redewendung "weg vom Fenster" stammt,
  • mit welchen Hausmitteln Bergleute versuchten, der Staublunge vorzubeugen,
  • warum starke Raucher besonders schlechte Karten haben,
  • wie der Kampf um die Rente am Selbstbewusstsein der Bergleute nagt,
  • was ein "Ertränker" im Bergbau macht.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Dr. med. Kurt G. Hering, Ärztlicher Direktor/Chefarzt der Klinik für Radiologie a.D./Klinikum Westfalen
  • Horst Rudnik, Reviersteiger im Ruhestand - heute Gästeführer Zeche Zollverein Essen
  • Dr. Daniel Trabalski, Historiker Promotion an Ruhr-Universität Bochum
  • Dr. Daniel Trabalski, Weg vom Fenster - Die Staublunge der Ruhrbergleute zwischen wissenschaftlicher Entdeckung, betrieblicher Regulierung und gesellschaftlichem Vergessen in der Bundesrepublik, Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte – Beihefte, Band 258
  • Ralf Piorr (Hrsg.), Die Männer von Luise - Erzählungen eines unbekannten Bergmanns, Essen 2017

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Autorin: Steffi Tenhaven
Redaktion: Gesa Rünker
Technik: Sascha Schiemann
Onlineproducerin: Vera Kettenbach

Scham, Angst und Hoffnung: Tagebuch des Petter Moen

Scham, Angst und Hoffnung: Tagebuch des Petter Moen WDR Zeitzeichen 10.02.2024 14:45 Min. Verfügbar bis 10.02.2034 WDR 5

Am 10.2.1944 schreibt Petter Moen im Osloer Gestapo-Gefängnis seinen ersten Tagebucheintrag. Heimlich entsteht mühsam ein wichtiges Dokument, das niemanden kaltlässt.

Anfang Februar 1944 wird Petter Moen von den Nazis verhaftet und in der Gestapo-Hauptzentrale in Oslo inhaftiert. Er ist einer der Hauptakteure im norwegischen Widerstand. Schon wenige Tage später beginnt Moen mit seinen Aufzeichnungen. Sein Tagesbuch dokumentiert bewegend seine körperlichen und seelischen Qualen in der Haft. *** Das sind die Macher und Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Irene Greuer, Redaktion: Matti Hesse *** Das ist unsere wichtigster Gesprächspartner: Michael Custodis, Musikwissenschaftler, Uni Münster; Walter Möbius, Mediziner und Buchautor


Als die Nazis Norwegen überfallen, geht Petter Moen in den Untergrund. Der Mathematiker informiert in einer illegalen Zeitung über die Machenschaften der Deutschen und den Kriegsverlauf. Die Berichte hören er und seine Mitstreiter bei der BBC ab. Doch die Gestapo kommt ihnen auf die Schliche und Petter Moen wandert ins Gefängnis. "Bin zweimal verhört worden. Wurde gepeitscht". Das sind die ersten Einträge in dem ungewöhnlichen Tagebuch aus Toilettenpapier.

Mit einem Draht pickt Moen jeden Buchstaben sorgsam auf die einzelnen Blätter, die er im Lüftungsschacht unter seiner Pritsche versteckt. Nach Kriegsende werden die kleinen Rollen zu einem Zeugnis der Nazi-Gewaltherrschaft. Sie beschreiben beispielhaft die Ängste und Schmerzen von Nazi-Opfern; die Misshandlungen, die sie erfahren mussten. Petter Moen schreibt auch über seine Scham, weil er Weggefährten unter Folter verraten hat.

In diesem Zeitzeichen erzählt Irene Geuer:
  • Wie Petter Moen als Ungläubiger aus Verzweiflung zu beten beginnt,
  • über seinen Tod auf dem Weg nach Deutschland,
  • dass sein Tagebuch nur durch einen Zufall gefunden wird,
  • warum Norwegen nach Kriegsende die Widerstands-Aktivisten wenig beachtet.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Prof. Michael Custodis, Musikwissenschaftler und Soziologe, Uni Münster
  • Walter Möbius, Mediziner und Buchautor
  • Petter Moens Tagebuch. Herausgegeben von Edzard Schaper. Frankfurt. 1959.

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Irene Geuer
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Christina Reinartz

Tomi Ungerer, Bilderbuchautor, Schriftsteller und Freigeist

Tomi Ungerer, Bilderbuchautor, Schriftsteller und Freigeist WDR Zeitzeichen 09.02.2024 13:58 Min. Verfügbar bis 09.02.2099 WDR 5

"Die drei Räuber" - ein Kinderbuch als Westbestseller. Geschrieben und gezeichnet von Tomi Ungerer (gestorben am 9.2.2019). Seine Kunst, auch die für Kinder, war schonungslos und satirisch.

Tomi Ungerer ist ein Wanderer zwischen den Welten. Ein Leben lang ist er auf Reisen, wechselt Berufe und Wohnorte, bis er im Zeichnen seine Bestimmung findet. Aber auch hier bleibt er den Extremen treu: Auf der einen Seite illustriert er Märchen und Liedersammlungen, auf der anderen Seite zieren kopulierende Frösche und nackte Frauen seine Bücher. *** Das ist unsere wichtigste Interviewpartnerin: Agata Hofrichter, Kommunikationsexpertin und Autorin *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christoph Vormweg, Redaktion: David Rother


Mit 60 Dollar in der Tasche und einem Koffer voller Zeichnungen und Manuskripte, zieht Jean-Thomas Ungerer, genannt Tomi, im Jahr 1956 nach New York. Hier steigt er schnell zu einem der weltweit erfolgreichsten Kinderbuchautoren, Illustratoren, Zeichner und Werbegrafiker auf.

Ungerer eckt oft an, pfeift auf political correctness - nicht nur in seinen Werken. In den 60er Jahren sorgt der Elsässer mit Plakaten für Aufsehen, die den Rassismus, die Rolle der USA im Vietnam-Krieg und die Doppelmoral der amerikanischen Gesellschaft anklagen. Als er mit erotischen Zeichnungen die Prüderie anprangert, setzen die Behörden seine Kinderbücher auf die Schwarze Liste sämtlicher US-Bibliotheken.

Ungerers Werk umfasst mehr als 160 Bücher und 40.000 Zeichnungen. Trotz der Flut an Ehrungen bleibt er bis zu seinem Tod am 9. Februar 2019 ein Identitätssucher, ein chronischer Zweifler, ein engagierter Pessimist.

In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vormweg:
  • Warum Ungerer den Spitznamen "Picasso der Karikatur" trägt,
  • wie seine elsässischen Wurzeln dem Karikaturisten das Leben schwer machen,
  • warum Ungerer zwischenzeitlich vom FBI beschattet wird.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Agata Hofrichter, Kommunikationsexpertin und Autorin
  • Tomi Ungerer: Die Gedanken sind frei. Meine Kindheit im Elsass. (1993)
  • Tomi Ungerer: Die Hölle ist das Paradies des Teufels. (2009)
  • Agata Hofrichter: Fluchtpunkt Europa. Der politische Tomi Ungerer. Baden-Baden 2021.

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Christoph Vormweg
Redaktion: David Rother
Technik: Annett Bastian

Die Sortierung des Kosmos: Mendelejews Periodensystem

Die Sortierung des Kosmos: Mendelejews Periodensystem WDR Zeitzeichen 08.02.2024 14:46 Min. Verfügbar bis 08.02.2099 WDR 5

Der russische Chemiker Dmitri Mendelejew (geboren am 8.2.1834) ordnet mit seinem Periodensystem die chemischen Elemente mit einem Clou: er lässt Lücken für Unentdecktes.

Das Periodensystem der Elemente, welches auf den als exzentrisch geltenden Professor Dmitri Mendelejew zurückgeht, erfreut sich weltweiter Bekanntheit. Mendelejews Leistungen aber gehen weit über die Chemie hinaus - dabei ist der Russe mit dem Zottelbart nicht immer unumstritten. *** Das ist unsere wichtigste Quelle: Michael Gordin: A Well-Ordered Thing. Dmitrii Mendeleev and the Shadow of the Periodic Table (2004) *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Wolfgang Burgmer, Redaktion: Matti Hesse


Ordnung ist das halbe Leben - diese Phrase gilt auch in der Chemie. Daher präsentiert der Russe Dmitri Mendelejew 1869 ein Ordnungssystem, in das er sämtliche damals bekannten chemischen Elemente nach zunehmender Atommasse sortiert. Das Besondere: Sein System weist Lücken auf - für Elemente, die bis dahin noch gar nicht entdeckt sind.

Sein Periodensystem wird schnell zum weltweit anerkannten Standard. Mit diesem Triumph hat Mendelejew den Gipfel seiner Forscherkarriere erreicht - und überschritten. In den 1870er Jahren vergeudet er Zeit und Geld mit der Suche nach dem fiktiven Äther-Element, hat auch als Ballonfahrt-Pionier und Eismeer-Erkunder kaum Erfolg. Und selbst manche seiner chemischen Glaubenssätze überholt irgendwann die Realität.

Dennoch erhält er für sein System viele Ehrungen und Titel. Die vielleicht größte Auszeichnung erlebt Mendelejew allerdings nicht mehr: Zu seinen Ehren bekommt 1955 das künstlich hergestellte Element 101 den Namen "Mendelevium". Der Chemiker mit dem markanten Zottelbart stirbt 72-jährig in Sankt Petersnurg.

In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Burgmer:
  • Warum Mendelejew bei der Wahl in die Akademie der Wissenschaften durchfällt,
  • wie die Physiker sein Periodensystem neu deuten,
  • warum er privat als Macho mit Widersprüchen gilt,
  • wie ihm Darwin und Newton als Vorbild dienen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen:
  • Michael Gordin: A Well-Ordered Thing. Dmitrii Mendeleev and the Shadow of the Periodic Table (2004)
  • Paul Strathern: Mendeleyev's Dream. The Quest for the Elements (2001)
  • Michael Pilz: Tanz der Elemente. Über die Schönheit des Periodensystems (2019)
  • Primo Levi: Das periodische System (1975)

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Wolfgang Burgmer
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Sarah Fitzek

"Indiana Jones der Bibelwissenschaft": Konstantin v. Tischendorf

"Indiana Jones der Bibelwissenschaft": Konstantin v. Tischendorf WDR Zeitzeichen 07.02.2024 15:52 Min. Verfügbar bis 07.02.2034 WDR 5

Am 7.2.1859 entdeckt der Bibelforscher Konstantin von Tischendorf die wohl älteste Bibelhandschrift, den "Codex Sinaiticus", nach einer abenteuerlichen Reise...

Konstantin von Tischendorf - seine abenteuerlichen Orientreisen und sensationellen Entdeckungen alter Bibelhandschriften machen ihn zu einem der berühmtesten Gelehrten seiner Zeit. Höhepunkt: Die Entdeckung und Publikation des Codex Sinaiticus. Der Fund stellt eine Sensation dar, die in der gelehrten Welt sofort mit größter Aufmerksamkeit wahrgenommen wird. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Holger Strutwolf, Direktor des Instituts für neutestamentliche Textforschung *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Wolfgang Meyer, Redaktion: David Rother


Konstantin von Tischendorf gilt als der "Indiana Jones" des 19. Jahrhunderts. Denn am 7. Februar 1859 findet der Leipziger Theologieprofessor tatsächlich den verlorenen Schatz - den heiligen Gral der Bibelforschung: Den Codex Sinaiticus. Es ist die bis heute älteste Bibelhandschrift der Welt; im 4. Jahrhundert auf feinstem Pergament in Griechisch geschrieben. Darin zu lesen ist das vollständige Neue Testament sowie große Teile des Alten Testaments. Das macht den Codex Sinaiticus zu einem unschätzbar wertvollen Schriftstück christlicher Geschichte.

Gefunden hat Tischendorf die Blätter im Katharinenkloster am Berg Sinai. Vorausgegangen sind zahlreiche abenteuerliche Orientreisen des Professors - ganz Indiana Jones-like eben. Für seine Erforschung und Herausgabe dieser Bibel wird Tischendorf vom russischen Zaren in den Adelsstand erhoben.

In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer:
  • Was das Problem an Schriftstücken aus Papyrus oder Pergament ist,
  • warum sich selbst komplett erhaltene Texte zuweilen voneinander unterscheiden,
  • warum Tischendorf drei Reisen und geschickte Diplomatie braucht, um an die Blätter des "Codex Sinaiticus" zu gelangen,
  • für was die Bezeichnung "Codex Sinaiticus" steht.

Das sind unse wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Ulrich Johannes Schneider (Hrsg.): Codex Sinaiticus. Geschichte und Erschliessung der "Sinai-Bibel", Leipzig 2007
  • Holger Strutwolf, Direktor des Instituts für neutestamentliche Textforschung an der Universität Münster

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Autor: Wolfgang Meyer
Redaktion: David Rother

Rudi Assauer, Schalkes Erfolgsmanager (gestorben am 6.2.2019)

Rudi Assauer, Schalkes Erfolgsmanager (gestorben am 6.2.2019) WDR Zeitzeichen 06.02.2024 14:38 Min. Verfügbar bis 06.02.2099 WDR 5

Er spielt für den BVB und für Werder Bremen. Als Manager bringt er Schalke in die Erfolgsspur zurück. Dann spricht der "Fußball-Macho" Rudi Assauer über seine Krankheit.

Rudi Assauer ist als aktiver Fußballer und Fußballmanager eine prägende Figur der Bundesliga. Er pflegt seinen eigenen Stil: Der Macher und Malocher raucht teure Zigarren und kleidet sich elegant. *** Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Werner Hansch (Sportreporter), Rudi Assauer und Patrick Strasser: Wie ausgewechselt. Verblassende Erinnerungen an mein Leben. München 2012 *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Detlef Wulke, Redaktion: Gesa Rünker


Als aktiver Fußballer und Fußballmanager ist Rudolf Assauer eine prägende Figur der Bundesliga. Er hat seinen eigenen Stil: Der Macher und Malocher raucht 27 Euro teure Zigarren und kleidet sich elegant. Er kann selbstgerecht sein, launisch und unverschämt.
Assauer gilt nicht als rhetorisch geschliffener Redner, aber als ein Virtuose im Umgang mit der bildreichen Sprache der Straße. Seine Ehefrauen und Freundinnen - wie Simone Thomalla - nennt er "Lebensabschnitt-Teilzeit-Gefährtinnen". Im Haushalt kennt er sich nicht aus.

In diesem Zeitzeichen erzählt Detlef Wulke:
  • bei wem Rudi Assauer als Schüler seine Hausaufgaben abschreibt,
  • weshalb er die DFB-Regeln bei einem Torpfosten-Bruch während eines Spiels kennt,
  • warum Assauer einmal DFB-Präsident Egidius Braun auf die Toilette folgt,
  • wie Assauers Vergesslichkeit zunächst falsch interpretiert wird,
  • womit der Manager seine Krankheit bekämpfen will.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Werner Hansch (Sportreporter)
  • Rudi Assauer und Patrick Strasser: Wie ausgewechselt. Verblassende Erinnerungen an mein Leben. München 2012

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Autor: Detlef Wulke
Redaktion: Gesa Rünker
Technik: Nico Söllner

Griechenland den Griechen: Der Politiker Andreas Papandreou

Griechenland den Griechen: Der Politiker Andreas Papandreou WDR Zeitzeichen 05.02.2024 14:49 Min. Verfügbar bis 05.02.2099 WDR 5

Andreas Papandreou (geboren am 5.2.1919) war der erste sozialistische Premierminister Griechenlands: ein unberechenbarer Modernisierer - ein bewegtes, spannendes Leben.

Er gibt sich volksnah, anti-amerikanisch und national: Andreas Papandreou wird 1981 der erste sozialistische Ministerpräsident in der jüngeren Geschichte Griechenlands. Der Gründer der PASOK modernisiert Griechenland, stürzt den Staat aber auch in eine tiefe Krise. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Ioannis Zelepos (Professor für Neuere Geschichte an der Universität Ioannina, Westgriechenland) *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Claudia Friedrich, Redaktion: Matti Hesse


Man nennt ihn auch den griechischen Kennedy: Andreas Papandreou wird 1981 der erste sozialistische Ministerpräsident in der jüngeren Geschichte Griechenlands. Er ist ein Hoffnungsträger mit Charisma; und die von ihm gegründete PASOK erlebt einen rasanten Aufstieg als moderne Massenpartei.
Andreas Papandreou ist ein widersprüchlicher Mann. Er ist Europäer und - wenn es der eigenen Sache dient - Nationalist. Er modernisiert Griechenland, stürzt den Staat aber auch in eine tiefe Krise. Er ist weltgewandt und populistisch, ist Sozialist und Patriarch, eine Ikone mit tiefen Rissen.

In diesem Zeitzeichen erzählt Claudia Friedrich:
  • an welchem außergewöhnlichen Ort die Geburt von Andreas Papandreou stattfindet,
  • warum er als Student in die USA emigriert,
  • welche Rolle sein Vater Georgios in seinem politischen Leben spielt,
  • wie die anti-amerikanische Haltung von Andreas Papandreou zu erklären ist,
  • welche Politikentscheidungen er als Premierminister der 30 Jahre jüngeren Stewardess Mimi Liani überlässt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Ioannis Zelepos (Professor für Neuere Geschichte an der Universität Ioannina, Westgriechenland)
  • Nick Papandreou: Und Vater tanzte. Erfundene Erinnerungen. München 1998
  • Thanos Veremis: Andreas Papandreou. Große Erwartungen. Athen 2017
  • Ioannis Zelepos: Kleine Geschichte Griechenlands. Von der Staatsgründung bis heute. München 2014

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Autorin: Claudia Friedrich
Redaktion: Matti Hesse

Der Schriftsteller Alfred Andersch: Demokratie braucht Schutz

Der Schriftsteller Alfred Andersch: Demokratie braucht Schutz WDR Zeitzeichen 04.02.2024 14:46 Min. Verfügbar bis 04.02.2099 WDR 5

Alfred Andersch, geboren am 4.2.1914, gilt als engagierter deutscher Autor. Nach seinem Tod zeigt sich: Sein Selbstbild stimmt nicht mit historischen Fakten überein.

Kommunist in der Nazi-Diktatur, Häftling im KZ Dachau, Deserteur im Zweiten Weltkrieg: In seinem Buch "Die Kirschen der Freiheit" liefert Alfred Andersch 1952 einen autobiografischen Bericht ab - und wird zu einer zentralen Figur des Literaturbetriebs und moralischen Instanz in der jungen BRD. Erst Jahre nach seinem Tod kommt heraus, was er nicht erzählt hat. *** Das ist unser Interviewpartner: Erhard Schütz (Literaturwissenschaftler) *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Christian Kosfeld, Redaktion: Gesa Rünker


Mit seinem Buch "Die Kirschen der Freiheit" macht sich Alfred Andersch 1952 Freunde und Feinde: In dem autobiografischen Bericht schildert er seine Kindheit, seine Jugend als Kommunist in der Nazi-Diktatur, erzählt von einer Haft im KZ Dachau und seine Desertion im Zweiten Weltkrieg.

Andersch wird zu einer zentralen Figur des Literaturbetriebs und moralischen Instanz in der jungen BRD. Erst Jahre nach seinem Tod kommt heraus, was er nicht erzählt hat.

In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Kosfeld:
  • wie Alfred Andersch als Neunjähriger 1923 den Hitlerputsch erlebt,
  • welche Ungereimtheiten es in seiner Autobiografie - etwa zur Inhaftierung im KZ Dachau und zu seiner Fahnenflucht - gibt,
  • was ein Kirschbaum in Italien mit dem Buchtitel von 1952 zu tun hat,
  • wie Anderschs Karriere nach Kriegsende Fahrt aufnimmt,
  • mit welchem Gedicht der 60-Jährige ein junges, linkes Publikum auf sich aufmerksam macht.

Das ist unser Interviewpartner:
  • Erhard Schütz (Literaturwissenschaftler)

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Christian Kosfeld
Redaktion: Gesa Rünker

Simone Weil, widerspenstige Philosophin

Simone Weil, widerspenstige Philosophin WDR Zeitzeichen 03.02.2024 14:43 Min. Verfügbar bis 03.02.2099 WDR 5

Eins ihrer Lebensthemen: Sensibilität für das Leiden anderer. Für viele gehört Simone Weil (geboren am 3.2.1909) zu den wichtigsten Philosophinnen des Abendlands.

Simone Weil engagierte sich aktiv in politischen Bewegungen, darunter während des Spanischen Bürgerkriegs und im Widerstand gegen die nationalsozialistische Besetzung Frankreichs. Trotz ihrer zarten Gesundheit und persönlicher Gefahr praktizierte sie bewusst Mangelernährung als Akt der Solidarität mit den Opfern des Krieges. Diese radikale Form des Widerstands zeugt von ihrem tiefen Engagement für die Prinzipien der Freiheit und Gerechtigkeit. // Wolfram Eilenberger: Feuer der Freiheit: Die Rettung der Philosophie in finsteren Zeiten 1933-1943. Stuttgart 2020.// Autorin: Doris Arp // Redakteure: Christoph Tiegel und David Rother


Am 3. Februar in Paris geboren, studiert Simone Weil später an der École normale supérieure Philosophie, Mathematik und Politikwissenschaft und hat einen breiten intellektuellen Hintergrund. Sie entwickelt eine kritische Perspektive auf soziale Ungerechtigkeiten und politische Systeme, insbesondere im Kontext der Arbeiterbewegung und des Marxismus.

Zentral ist ihre Betonung auf Achtsamkeit, ein Konzept, das sie als "Aufmerksamkeit als Gebet" bezeichnet. Hier verbindet sie ihre spirituellen Überlegungen mit ihrem Streben nach sozialer Gerechtigkeit.

Simone Weil stirbt 1943 mit nur 34 Jahren an den Folgen von Mangelernährung und Erschöpfung, sie hungert bewusst als Akt der Solidarität mit Kriegsopfern.

In diesem Zeitzeichen erzählt Doris Arp:
  • warum Simone Weil statt in der Schule lieber rauchend und diskutierend in Cafés sitzt,
  • was ihr Familienmerkmal ist,
  • wie sie gelernt hat, Denken und Handeln miteinander zu verknüpfen,
  • warum ihr Tod als bewusste Solidaritätsbekundung gelesen werden kann.

Das sind unsere wichtigsten Quellen:
  • Wolfram Eilenberger: Feuer der Freiheit. Die Rettung der Philosophie in finsteren Zeiten 1933-1943. Stuttgart 2020.
  • Simone Weil: Schwerkraft und Gnade. Berlin 2021.
  • Simone Weil: Fabriktagebuch und andere Schriften zum Industriesystem.
  • Simone Weil: Krieg und Gewalt. Essays und Aufzeichnungen. Zürich 2011.
  • Simone Weil: Die Einwurzelung. Kösel 1956.

Und das unsere Interviewpartner:
  • Wolfram Eilenberger (Autor und Philosoph, Berlin)

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Autorin: Doris Arp
Redaktion: Christoph Tiegel und David Rother
Technik: Christine Reinartz

Sie beherbergt Brecht im finnischen Exil: Hella Woulijoki

Sie beherbergt Brecht im finnischen Exil: Hella Woulijoki WDR Zeitzeichen 02.02.2024 14:40 Min. Verfügbar bis 02.02.2099 WDR 5

Finnische Unternehmerin und Kommunistin, Rundfunkintendantin und Autorin: Hella Wuolijoki, gestorben am 2.2.1954, hat auch mit Bertolt Brecht ein Drama verfasst.

Sie hat zwar zusammen mit Bertolt Brecht das Theaterstück "Herr Puntila und sein Knecht Matti" geschrieben, Hella Wuolijoki ist aber zu Lebzeiten mehr als eine Schriftstellerin: Sie ist Unternehmerin, Millionärin, überzeugte Kommunistin und Intendantin des nationalen finnischen öffentlich-rechtlichen Radios Yle. *** Das sind unsere Interviewpartner: Erkki Tuomioja, Professor Hannu Riikonen und Outi Valle *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autoren: Petra Schirrmann und Hans Giessen, Redaktion: Gesa Rünker


Geboren wird Hella Wuolijoki 1886 in der Provinz in Estland, für ihr Studium zieht sie aber später nach Finnland. Dort wird die überzeugte Kommunistin in einer sozialistischen Studentenbewegung aktiv und heiratet den kommunistischen finnischen Parlamentsabgeordneten Sulo Vuolijoki, einen Freund des Gründers der Sowjetunion Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin.

In Finnland lernt Wuolijoki auch Bertolt Brecht kennen, der auf seiner Flucht vor den Nazis 13 Monate im hohen Norden verbringt. Zusammen schreiben sie das Theaterstück "Herr Puntila und sein Knecht Matti", das weltweit ein Erfolg wird, beim finnischen Theaterwettbewerb, für das es eigentlich geschrieben wird, aber leer ausgeht.
In der Endphase des Krieges kommt sie ins Gefängnis, weil sie einer sowjetischen Agentin Unterschlupf gewährt haben soll. Nach dem Krieg wird sie nicht nur freigelassen, sondern sogar zur Rundfunk-Intendantin befördert - der letzte große Gegensatz in ihrem Leben.

In diesem Zeitzeichen erzählen Petra Schirrmann und Hans Giessen:
  • wie die überzeugte Kommunistin zur Millionärin wurde,
  • warum sie von Bertolt Brecht begeistert war,
  • dass Hella Wuolijoki neben Lenin womöglich auch Stalin traf,
  • was sie mit Olof Palme verbindet,
  • warum sie erst verhaftet, dann Rundfunk-Intendantin wurde.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Erkki Tuomioja (Enkel von Hella Wuolijoki sowie ehemaliger finnischer Industrie- und Handelsminister und Außenminister)
  • Hannu Riikonen (Professor für vergleichende Kulturwissenschaft an der Universität Helsinki)
  • Outi Valle (frühere Hörspiel-Redakteurin beim nationalen finnischen öffentlich-rechtlichen Radiosender Yle)

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Autoren: Petra Schirrmann und Hans Giessen
Redaktion: Gesa Rünker

Der Zen-Meister Ikkyu Sojun: Wegbereiter des japanischen Teewegs

Der Zen-Meister Ikkyu Sojun: Wegbereiter des japanischen Teewegs WDR Zeitzeichen 01.02.2024 14:45 Min. Verfügbar bis 01.02.2034 WDR 5

Am 1.2.1394 wurde er als Sohn des Kaisers von Japan geboren - ohne Ansprüche, seine Mutter war Konkubine. Ein Mönch, der in Freudenhäusern verkehrt und Gedichte schreibt.

Er wird zum Helden von Volkserzählungen und Legenden, zur Hauptperson in zahllosen Anekdoten und Geschichten: Der japanische Mönch Ikkyu Sojun hat nicht nur die japanische Kunst der Teezubereitung geprägt. Er ist auch heute noch in vielen Filmen und auch der Popmusik präsent. *** Das ist unsere Interviewpartnerin: Anna Gorke (Schülerin der Teemeisterin Etsuko Mukai) *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Claudia Belemann, Redaktion: Matti Hesse


Den japanischen Mönch Ikkyu Sojun kennt in Japan jedes Kind. Er ist eine der schillerndsten Figuren Japans im 15. Jahrhundert: Ein schlagfertiger, unangepasster, lebenslustiger Priester, aber auch ein wichtiger Zen-Meister und Würdenträger und nicht zuletzt jemand, der die Künste massiv beeinflusst hat, unter anderem die japanische Kunst der Teezubereitung: den Teeweg.

Ikkyu ist zwar ein Sohn des Kaisers von Japan, aber ohne Legitimation und Ansprüche. Ab seinem 12. Lebensjahr soll er täglich ein Gedicht verfasst haben. Über 1.000 sind von ihm überliefert, alle in chinesischer Sprache. Nach seiner Zeit im Kloster predigt er in Kneipen, Marktbuden und Freudenhäusern den Zen-Buddhismus. Erst mit Mitte 70 trifft er in der die blinden Sängerin Shin die Liebe seines Lebens.

In diesem Zeitzeichen erzählt Claudia Belemann:
  • Wie Ikkyu Sojun zum Helden von Volkserzählungen und Legenden wurde,
  • warum eine Trennung sein Leben veränderte,
  • wie er den Teeweg beeinflusste,
  • wie er eine der berühmtesten Tempelanlagen Japans aufbaute,
  • warum Ikkyu Sojun, der sein Leben lang Würdenträger beschimpft hat, selbst zum Würdenträger wird.
Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartnerin:
  • Anna Gorke (Schülerin der Teemeisterin Etsuko Mukai)
  • Evgeny S. Steiner. Aus dem Russischen übersetzt von Peter Raff: Ikkyu Sojun. Der Zen-Mönch "Verrückte Wolke" und seine Zeit (2018)
  • Ikkyu Sojun: Im Garten der schönen Shin (2017)
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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Claudia Belemann
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Nico Söllner

Theodor Heuss, erster deutscher Bundespräsident

Theodor Heuss, erster deutscher Bundespräsident WDR Zeitzeichen 31.01.2024 14:45 Min. Verfügbar bis 31.01.2099 WDR 5

Er spricht von Kollektivscham und erinnert an NS-Verbrechen: Theodor Heuss, geboren am 31.1.1884, hat selbst historische Fehlentscheidungen zu verantworten.

Wegen seiner gemütlichen Art wurde er auch "Papa Heuss" genannt: Theodor Heuss hat das Amt des Bundespräsidenten als Erster geprägt und zu einer moralischen Instanz gemacht, die sich aus dem täglichen Politgeschäft heraushält - aber auch das Wort ergreift, wenn es darauf ankommt. *** Das ist unser Interviewpartner: Thomas Hertfelder (Geschäftsführer der Heuss-Stiftung in Stuttgart) *** Die Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Irene Geuer, Redaktion: Gesa Rünker


"Wir haben von den Dingen gewusst." In den ersten Jahren der noch jungen Bundesrepublik Deutschland ist das ein mutiger Satz. Und es ist der Kernsatz des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss. Nach dem Zweiten Weltkrieg will er dafür sorgen, dass die Gräueltaten der Nazis nicht dem Vergessen anheimgegeben werden. Er will für Aussöhnung mit den Opfern sorgen und gleichzeitig einer Bevölkerung auf die Füße helfen, die selber in diesem Krieg gelitten hat. Dabei prägt er den Begriff der "Kollektivscham".

Er selber nimmt sich dabei nicht aus. Heuss ist ein Bundespräsident, der selbst ein Leben lang mit seinen Gefühlen ringt. Denn 1933 macht auch er als Abgeordneter der deutschen Demokratischen Partei den Weg frei für Hitler.

In diesem Zeitzeichen erzählt Irene Geuer:
  • Warum Theodor Heuss von vielen auch "Papa Heuss" genannt wurde,
  • welchen großen persönlichen Fehler er noch auf dem Totenbett bereut hat,
  • warum seine Rolle bei der Begnadigung von Kriegsverbrechern bis heute diskutiert wird,
  • warum ihm der Föderalismus so wichtig war.

Das ist unser Interviewpartner:
  • Thomas Hertfelder, Geschäftsführer der Heuss-Stiftung in Stuttgart

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Autorin: Irene Geuer
Redaktion: Gesa Rünker
Technik: Petra Laubach

Was für eine Grenzüberschreitung: Die Hinrichtung von Karl I.

Was für eine Grenzüberschreitung: Die Hinrichtung von Karl I. WDR Zeitzeichen 30.01.2024 14:12 Min. Verfügbar bis 30.01.2099 WDR 5

Am 30.1.1649 wird Englands König geköpft - verurteilt vom Parlament. Wie ist es soweit gekommen und warum ist die Englische Revolution heute vergleichsweise unbekannt?

Das englische Parlament verurteilt König Karl I. 1649 zum Tod durch das Schwert. Monty Python behauptet, die Tatsache, dass Karl I. zu Beginn seiner Regierung 20 Zentimeter größer gewesen sei als an deren Ende, sei das Interessanteste, was man über ihn sagen könne. Witzig, aber falsch. Denn Karl I. markiert eine der spannendsten Episoden englischer Geschichte. *** Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Professor Ronald G. Asch (Historiker, Experte für die Geschichte Englands im 17. Jahrhundert) *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Maren Gottschalk, Redaktion: Matti Hesse


Das englische Parlament verurteilt König Karl I. 1649 zum Tod durch das Schwert. Monty Python behauptet, die Tatsache, dass Karl der I. zu Beginn seiner Regierung 20 Zentimeter größer gewesen sei als an deren Ende, sei das Interessanteste, was man über ihn sagen könne. Witzig, aber falsch. Denn Karl I. markiert eine der spannendsten Episoden englischer Geschichte.

Nach dem Tod der letzten Tudorkönigin Elisabeth I. regieren die Stuarts zum ersten Mal England, Schottland und Irland in Personalunion. Auf diese Weise hat Karl protestantische und katholische Untertanen und sitzt auch privat zwischen den Stühlen. Seine Frau Henrietta Maria, eine französische Königstochter, ist katholisch; sein Schwager Friedrich V. von der Pfalz ist Protestant.

King Charles will die religiösen Gegensätze miteinander versöhnen, doch in einer Zeit, in der ganz Europa von einem verheerenden Glaubenskrieg verwüstet wird, kann das nicht gelingen. Außerdem fordert das englische Parlament politisches und religiöses Mitspracherecht.

In diesem Zeitzeichen erzählt Maren Gottschalk:
  • welche persönlichen Eigenschaften König Karl I. kennzeichnen,
  • von welchem Maler sich der Herrscher vorteilhaft porträtieren lässt,
  • welche Rolle der Parlamentarier Oliver Cromwell in seinem Leben spielt,
  • wie viele Parlamentarier König Karls Todesurteil unterzeichnet,
  • weshalb die Englische Revolution heute weniger bekannt ist als die Französische.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Professor Ronald G. Asch (Historiker, Experte für die Geschichte Englands im 17. Jahrhundert)
  • Peter Wende: Geschichte Englands. Stuttgart 1985
  • Dieter Berg: Oliver Cromwell, England und Europa im 17. Jahrhundert. Stuttgart, 2019
  • Ronald G. Asch: Der Hof Karls I. von England. Köln, 1993

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Autorin: Maren Gottschalk
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Sascha Schiemann

Oprah Winfrey, US-Talkshowmoderatorin (geboren am 29.1.1954)

Oprah Winfrey, US-Talkshowmoderatorin (geboren am 29.1.1954) WDR Zeitzeichen 29.01.2024 14:44 Min. Verfügbar bis 29.01.2099 WDR 5

Mit ihrer Gabe, sich in Menschen hineinzuversetzen und sie vor der Kamera zum Erzählen zu bewegen, wird Oprah Winfrey zur amerikanischen Ikone - und zur Milliardärin.

Bereits als Kind hat sie das Talent, Menschen zu Zuhörern zu machen. Die US-Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey hat ein großes Einfühlungsvermögen und den Mut, auch die eigenen Schwächen und Probleme in ihre Interviews mit einzubringen. Das macht sie für viele unwiderstehlich. *** Das ist unser Interviewpartner: Günter Leypoldt (Universität Heidelberg, Center for American Studies) *** Die Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Andrea Klasen, Redaktion: Gesa Rünker


Die Markenzeichen von US-Moderatorin Oprah Winfrey sind ihr Einfühlungsvermögen und ihr Mut, auch die eigenen Schwächen und Probleme in ihre Interviews mit einzubringen. Das hat mit ihren Erfahrungen zu tun. Als uneheliche Tochter minderjähriger Eltern kommt sie am 29. Januar 1954 im US-Bundesstaat Mississippi zur Welt.

Oprah wächst auf der Schweinefarm ihrer Großmutter auf, die so arm ist, dass Oprah Kleider aus Kartoffelsäcken trägt. Mit acht Jahren muss sie wieder zurück zu ihrer Mutter, wo chaotische Verhältnisse herrschen und Oprah Grausames erlebt: Sie wird von Familienmitgliedern vergewaltigt. Nach einer heimlichen Schwangerschaft stirbt das Kind nach einer Frühgeburt.

Doch Oprah ist eine Kämpferin. Sie nimmt ihr Leben in die Hand und besinnt sich auf ihre Stärken: Sie liebt es, auf Bühnen zu stehen, der Mittelpunkt zu sein, in Gottesdiensten als Solistin zu singen. Bereits als Kind hat sie das Talent, Menschen zu Zuhörern zu machen.

In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Klasen:
  • wer Oprah Winfrey in ihrer schweren Kindheit Halt gibt,
  • mit welchen Mitteln die Talkmasterin Nähe zu ihren Talkgästen herstellt,
  • was lebenslanges Lernen für sie bedeutet,
  • welche Prominenten von Oprah Winfrey schon interviewt worden sind,
  • wie geschäftstüchtig die Frau ist.

Das ist unser Interviewpartner:
  • Günter Leypoldt (Universität Heidelberg, Center for American Studies)

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Autorin: Andrea Klasen
Redaktion: Gesa Rünker
Technik: Nico Söllner

Premiere des Films "Die Feuerzangenbowle" (am 28.1.1944)

Premiere des Films "Die Feuerzangenbowle" (am 28.1.1944) WDR Zeitzeichen 28.01.2024 14:42 Min. Verfügbar bis 28.01.2099 WDR 5

Kauzige Lehrer, lustige Schüler, mittendrin Hans Pfeiffer, gespielt von Heinz Rühmann: Der Film "Die Feuerzangenbowle" wird bis heute gezeigt - und zitiert.

Die Kulissen der idyllische Kleinstadt Babenberg, in der der Film spielt, wurde in den UFA-Studios in Potsdam-Babelsberg aufgebaut. So sollte das Kino-Publikum Deutschland sehen - während es vom Nazi-Regime bereits in den Untergang geführt wurde. Dennoch: Die humorvolle Qualität des Films wird bis heute geschätzt. // Das ist unsere wichtigste Quelle: Oliver Ohmann: Heinz Rühmann und die Feuerzangenbowle: Die Geschichte eines Filmklassikers // Autor: Wolfgang Meyer, Redaktion: Gesa Rünker


Die deutsche Filmkomödie "Die Feuerzangenbowle" von 1944, unter der Regie von Helmut Weiss, basiert auf Heinrich Spoerls gleichnamigem Roman. Der Film erzählt die Geschichte von Hans Pfeiffer, gespielt von Heinz Rühmann, einem erfolgreichen Theaterautoren, der das Schulleben noch einmal erleben möchte. Getarnt als Schüler mischt sich Pfeiffer "mit drei 'f" in eine Oberschulklasse ein, bringt Schwung in den Alltag und wird zum Idol der Schüler sowie zum Schrecken seiner Professoren.

Babenberg, der Schauplatz des Films, bietet eine sonnenbeschienene Kleinstadtidylle und unschuldige Schülerstreiche. Doch die Realität sieht zu der Zeit in Nazi-Deutschland längst anders aus: Als die Uraufführung am 28. Januar 1944 in Berlin stattfindet, haben in der Nacht zuvor englische Flieger Berlin bombardiert. Währenddessen schöpfen die Kinobesucher Hoffnung in der heilen Kinotraumwelt - mit einem (fast) unpolitischen Durchhaltefilm.

Heinz Rühmanns humorvolle Darstellung und die amüsanten Verwicklungen während seiner vermeintlichen Schülerzeit machen "Die Feuerzangenbowle" auch nach dem Krieg zu einem der beliebtesten deutschen Kultfilme.

In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer:
  • warum der Film bis heute zu den größten Erfolgen Heinz Rühmanns zählt,
  • wie der die Kinobesucher bei der Premiere die Realität vergessen konnten,
  • warum Rühmann mit der Filmrolle unterm Arm im Nachtzug quer durch Deutschland fuhr,
  • weshalb Heinz Rühmann die Dreharbeiten in die Länge gezogen haben soll,
  • warum der beliebte Schauspieler auch kritisch zu sehen ist.

Das sind unsere wichtigsten Quellen:
  • Heinrich Spoerl: Die Feuerzangenbowle.
  • Gregor Ball u.a.: Heinz Rühmann und seine Filme. München 1985
  • Torsten Körner: Ein guter Freund – Heinz-Rühmann-Biographie. Berlin 2003
  • Oliver Ohmann: Heinz Rühmann und die Feuerzangenbowle: Die Geschichte eines Filmklassikers. Leipzig 2010

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Autor: Wolfgang Meyer
Redaktion: Gesa Rünker

Wilhelm II., letzter Kaiser Deutschlands, geboren am 27.1.1859

Wilhelm II., letzter Kaiser Deutschlands, geboren am 27.1.1859 WDR Zeitzeichen 27.01.2024 14:45 Min. Verfügbar bis 27.01.2099 WDR 5

Wilhelm II. ist politisch reaktionär und kulturell rückwärtsgewandt - er trägt Mitverantwortung für den Ersten Weltkrieg; doch moderne Technik fasziniert ihn sehr.

Durch sein oft großspurig empfundenes Auftreten verursacht Wilhelm II. als letzter deutscher Kaiser mehrfach innen- und außenpolitische Krisen. Mit seinem profunden Technikwissen kann er aber durchaus beeindrucken. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Wolfgang König, emeritierter Professor für Technikgeschichte *** Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Martin Herzog; Redaktion: Gesa Rünker


Die Regierungszeit von Wilhelm II. ist eine Zeit großer Erfindungen auf zahlreichen Gebieten. Die Eisenbahn, der Verbrennungsmotor, Flugzeug, Hubschrauber, Maschinengewehr oder der Reißverschluss sind nur einige davon.

Diese Welt im Umbruch dringt schon in Wilhelms Kinderstube, zunächst in Form von Kriegsspielzeug. Technik in jeder Form fasziniert ihn, auch die Glasbläsereien und Kohlebergwerke, in die ihn sein Erzieher Georg Ernst Hinzpeter mitnimmt.

Das Praktische, Handfeste ist sein Ding. Wenig anfangen kann er dagegen mit allem Musischen, Theoretischen, klagt Erzieher Hinzpeter: Wilhelm fehle "jede philosophische, höhere, ins Innere gehende Begabung [...]. Er hätte Maschinenbauer werden sollen!"

Kulturell ist Wilhelms Geisteswelt geprägt von Traditionalismus und reaktionären Ideen. Moderne Literatur verachtet er, moderne Kunst ist ihm ein Graus - wie übrigens der Mehrheit der Deutschen. Von den gesellschaftlichen Umwälzungen und Verwerfungen der Moderne will er nichts wissen. Auch wenn die oft genau durch jenen rasanten technischen Wandel hervorgerufen werden, den er so sehr feiert und fördert.

In diesem Zeitzeichen erzählt Martin Herzog:
  • wie Reichskanzler Bernhard von Bülow den Kaiser bei dessen Eitelkeit packen kann,
  • womit Wilhelm II. die Aussteller der Weltausstellung in Brüssel 1910 verblüfft,
  • was Erzieher Georg Ernst Hinzpeter jeden Mittwoch und Samstag mit dem jungen Wilhelm und dessen Bruder Heinrich unternimmt,
  • wer sich als Wilhelms wandelndes Wikipedia verdient macht.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Wolfgang König, emeritierter Professor für Technikgeschichte, Berlin
  • Fridl Brunckhorst, Karl Weber (Hgg.): Kaiser Wilhelm II. und seine Zeit. Regensburg 2016.
  • Wolfgang König: Wilhelm II. und die Moderne. Der Kaiser und die technisch-Industrielle Welt. Paderborn 2007

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Martin Herzog
Redaktion: Gesa Rünker
Onlineproducerin: Vera Kettenbach

"Home and Soul of Black Music": Das Apollo Theater

"Home and Soul of Black Music": Das Apollo Theater WDR Zeitzeichen 26.01.2024 14:45 Min. Verfügbar bis 26.01.2099 WDR 5

Das Apollo Theater in Harlem/New York, wird am 26.1.1934 für Schwarzes Publikum neu eröffnet. Nicht nur für Ella Fitzgerald und James Brown war das Apollo die wohl wichtigste Bühne.

Kein Zutritt für schwarze Gäste - in den 1920er-Jahren gilt diese rassistische Eintrittbeschränkung in New York in fast alle großen Theater und Nachtklubs. Es dauert Jahre, bis diese Regelung erstmals gekippt wird. Am 26. Januar 1934 ist es endlich so weit. Das Apollo-Theater an der 125. Straße im Stadtteil Harlem öffnet seine Tore auch für schwarze Menschen. *** Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Thomas Mau, Redaktion: David Rother


In den 1920er-Jahren präsentieren in New York fast alle großen Theater und Nachtklubs zwar schwarze Künstler auf der Bühne. Einem schwarzen Publikum bleibt der Zutritt jedoch verwehrt.

Bis diese rassistische Eintrittbeschränkung erstmals fällt, dauert es Jahre. Am 26. Januar 1934, einem Freitag, ist es endlich so weit. Das Apollo-Theater an der 125. Straße im Stadtteil Harlem öffnet seine Tore auch für schwarze Gäste.

Im Apollo beginnt die Karriere vieler afroamerikanische Künstler. Dazu gehören unter anderem Ella Fitzgerald, Sarah Vaughan, Billie Holiday, Sammy Davis Jr. und James Brown.

In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Mau:
  • was für 15 Cents alles geboten wird,
  • wie eine "Amateur Night" abläuft,
  • welcher Sänger 1962 das Millionenseller-Album "Live at the Apollo" aufnimmt,
  • wie viele Zuschauer das Apollo-Theater fasst.
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Autor: Thomas Mau
Redaktion: David Rother

Arzt, Spion, Schriftsteller: William Somerset Maugham

Arzt, Spion, Schriftsteller: William Somerset Maugham WDR Zeitzeichen 25.01.2024 14:44 Min. Verfügbar bis 25.01.2099 WDR 5

William Somerset Maugham, geboren am 25.01.1874 in Paris, führt ein vielschichtiges Leben. Sein Roman "Des Menschen Hörigkeit" macht ihn weltberühmt.

Die fremden Welten in seinen Erzählungen, sein schnörkelloser Stil und seine unkonventionelle Lebensweise machen ihn populär und reich. Richtig glücklich ist William Somerset Maugham Zeit seines Lebens aber nie. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Christoph Ehland (Professor für englische Literatur- und Kulturwissenschaft, Universität Paderborn) *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Melahat Simsek, Redaktion: David Rother/Christoph Tiegel


Es sind die fremden Welten in seinen Erzählungen, sein klarer, schnörkelloser Stil und seine unkonventionelle Lebensweise, die ihn so populär - und auch reich - machen. Uneingeschränkt glücklich ist William Somerset Maugham Zeit seines Lebens aber nie.

Geboren wird er am 25. Januar 1874 in der britischen Botschaft in Paris - und ist damit englischer Staatsbürger. Sein Verhältnis zum Vaterland bleibt aber stets gespalten. Somerset Maugham wird früh zum Vollwaisen, beginnt mit zehn Jahren zu stottern. Ein Handicap, das dem als scheu geltenden William schwer zu schaffen macht.

Ungeachtet dessen führt Somerset Maugham ein schillerndes, rastloses Leben: Er studiert Medizin, lebt seine Bisexualität aus und wird sogar Geheimagent. Doch am wichtigsten für Somerset Maugham sind das Schreiben und Lesen. Insgesamt widmet der Brite 65 Jahre seines Lebens der Schriftstellerei - mit Erfolg. Sein Roman "Des Menschen Hörigkeit" ist bis heute eines der meistgelesenen Bücher überhaupt.

Neben dem Schreiben, zu dem er sich nach eigener Aussage hingezogen fühlt "wie eine Ente zum Wasser", sind ausgedehnte Reisen Maughams andere große Leidenschaft. Sie führen ihn bis nach Ostasien und auf die Südseeinseln. Hier erfährt er Freiheit, hier findet er Geschichten. Doch trotz des Ruhms stirbt William Somerset Maugham 1965 nach einem Sturz im Alter von 91 Jahren einsam und verbittert in Südfrankreich.

In diesem Zeitzeichen erzählt Melahat Simsek:
  • Was Somerset Maugham nach Heidelberg verschlägt und wie er da aufblüht,
  • warum er mit seiner großen Liebe eine Ehe zu dritt führt,
  • warum er sich mit England verbunden, dort aber nie richtig heimisch fühlt,
  • wie das Stottern sein Leben und seine Karriere beeinflusst.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Christoph Ehland (Professor für englische Literatur- und Kulturwissenschaft, Universität Paderborn)
  • Simone & Thomas Stölzel: W. Somerset Maugham - Leben und Werk (2010)

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Autorin: Melahat Simsek
Redaktion: David Rother/Christoph Tiegel
Onlineproducerin: Cora Lanzerath

Heimatfilme mit Realismus-Faktor: Der Regisseur Joseph Vilsmaier

Heimatfilme mit Realismus-Faktor: Der Regisseur Joseph Vilsmaier WDR Zeitzeichen 24.01.2024 14:43 Min. Verfügbar bis 24.01.2099 WDR 5

"Comedian Harmonists" oder "Schlafes Bruder": Der Regisseur Joseph Vilsmaier, geboren am 24.1.1939, hat mit Filmen viele Menschen erreicht; die Kritiker nicht immer.

Joseph Vilsmaier startet seine Karriere als Kameramann bei mehreren Tatorten, den Serien "Auf Achse" und "Rote Erde". Erst mit 49 Jahren führt er erstmals Regie. Der Film "Herbstmilch" wird unter anderem mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Rüdiger Suchsland, Filmkritiker *** Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Martina Meißner; Redaktion: Gesa Rünker


Joseph Vilsmaier kommt 1961 zur Bavaria Film - als Kaffeeholer und Materialassistent. Er wird Assistent an der dritten Kamera, Assistent an der zweiten, an der ersten. Nach elf Jahren macht er den ersten Film als Kameramann. Über 200 Fernsehfilme sollen es werden.

1985 hört Vilsmaier von der Bäuerin Anna Wimschneider, die ein Buch über ihr Leben geschrieben hat. Vilsmaier verschuldet sich und kauft für 100.000 Mark die Rechte an dem Buch mit dem Titel "Herbstmilch". Erstmals ist er nicht nur Kameramann, sondern auch Regisseur und Produzent. Der Film wird ein großer Erfolg und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Über zwei Millionen Zuschauer sehen ihn im Kino.

In seinen Filmen wirft Vilsmaier einen nostalgischen Blick auf sein eigenes Leben. Bei "Herbstmilch" ist es seine Kindheit. "Rama Dama" ist seine Erinnerung an den Krieg. Dann "Stalingrad" - wo drei seiner Brüder gefallen sind.

Vilsmaier ist selbst schon sterbenskrank, als er eine Komödie über den Tod dreht. "Der Boandlkramer und die ewige Liebe" mit Michael "Bully" Herbig in der Rolle des Todes. Die Premiere erlebt Joseph Vilsmaier nicht mehr. Im Februar 2020 wird er im Alter von 81 Jahren vom Boandlkramer abgeholt.

In diesem Zeitzeichen erzählt Martina Meißner:
  • Wie aus dem Bettwäschevertreter der Kameramann Vilsmaier wird,
  • dass seine Arbeit ihn auch mit seiner Frau Dana Vávrová zusammenbringt,
  • wie Vilsmaier sich für den Film "Schlafes Bruder" ein Kulissendorf "ausschnapst",
  • warum Vilsmaier sein Leben als "Fasching" bezeichnet.

Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner:
  • Rüdiger Suchsland, Filmkritiker
  • Ulrich Limmer, Drehbuchautor

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Autorin: Martina Meißner
Redaktion: Gesa Rünker
Onlineproducerin: Vera Kettenbach

"Herr der Haie": Der Unterwasser-Filmer Hans Hass

"Herr der Haie": Der Unterwasser-Filmer Hans Hass WDR Zeitzeichen 23.01.2024 14:45 Min. Verfügbar bis 23.01.2034 WDR 5

Hans Hass (geboren am 23.1.1919) war Zoologe, Tauchpionier, Meeresforscher und nicht zuletzt ein Geschichtenerzähler: "Tauchen war für mich zuerst Abenteuer."

Hans Hass soll eigentlich die Kanzlei seines Vaters übernehmen und Rechtsanwalt werden. Doch dann kommt alles anders. Der Österreicher schreibt Bücher und dreht Filme. Besonders haben es Hass die Haie angetan. Er taucht mit ihnen und filmt sie. Wenn ihm die Tiere zu nah kommen, weiß er, was zu tun ist: direkt auf sie zuschwimmen. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Joachim Jakobsen (Tierfilmer) *** Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Ralph Erdenberger, Redaktion: Matti Hesse


Der Österreicher Hans Hass soll eigentlich die Kanzlei seines Vaters übernehmen und Rechtsanwalt werden. Doch dann kommt alles ganz anders. Er schreibt zahlreiche Bücher und dreht Filme. Für die Dokumentation "Unternehmen Xarifa" bekommt er in den 1950er-Jahren sogar einen Oscar. Der Film entsteht während der ersten großen Expedition mit dem gleichnamigen Forschungsschiff.

Besonders haben es Hass die Haie angetan. Er taucht mit ihnen und filmt sie. Da es zu der Zeit noch keine entsprechenden Kameras gibt, baut er sich einfach selber welche. Und wenn ihm die Tiere einmal zu nah kommen, weiß er genau, was zu tun ist: direkt auf sie zuschwimmen.

Insgesamt dreht Hass rund 70 Unterwasserfilme, die Dokumentarisches mit Unterhaltungselementen verknüpfen. Hass stirbt im hohen Alter von 94 Jahren in Wien. Im Bewusstsein, dass es auch nach ihm in der Welt unter Wasser noch so viel zu entdecken gibt.

In diesem Zeitzeichen erzählt Ralph Erdenberger:
  • Warum eine Reise nach Paris Hass‘ Leben verändert,
  • wie seine Frau Lotte zum Erfolg der Filme beiträgt,
  • über seine Pionierarbeit und warum Hass dennoch die wissenschaftliche Anerkennung versagt bleibt
  • wie der Zoologe über die zunehmende Verschmutzung der Meere denkt.

Das ist unser wichtigster Interviewpartner:
  • Joachim Jakobsen (Tierfilmer)

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Autor: Ralph Erdenberger
Redaktion: Matti Hesse
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Wandelbar und widersprüchlich: Der Dramatiker August Strindberg

Wandelbar und widersprüchlich: Der Dramatiker August Strindberg WDR Zeitzeichen 22.01.2024 14:41 Min. Verfügbar bis 22.01.2099 WDR 5

War August Strindberg (geboren am 22.1.1849) Frauenhasser oder erster Feminist? Fest steht: Die Themen des schwedischen Nationaldichters sind auch heute interessant.

August Strindberg gilt als einer der wichtigsten schwedischen Autoren. Im ausgehenden 19. Jahrhundert dominiert er die Literaturszene in Schweden, ist umstritten und oft in persönliche Konflikte verwickelt. Seine Romane, Novellen und Dramen zählen zu den Klassikern schwedischer Literatur. ***Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Dr. Peter Schütze, August Strindberg-Biograf ***Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Jana Magdanz, Redaktion: Matti Hesse.


Das Widersprüchliche, Sprunghafte, Wandelbare und vor allem das tief Empfundene kennzeichnen Leben und Werk des schwedischen Nationaldichters August Strindberg. Auch heute noch gibt es international ein großes Interesse an seiner schillernden Person und seinem facettenreichen Schaffen.
Strindberg ist ein Egozentriker. Er will auch schon als junger Mann als Schriftsteller Aufsehen erregen. Und er legt sich auch gleich mit den Größten seiner Zeit an, mit dem norwegischen Dramatiker Henrik Ibsen zum Beispiel. Seine ersten Stücke sind eigentlich Antworten auf Ibsens Stücke.
August Strindberg hat den Anspruch, nicht nur moderne Themen in seine Stücke und in seine Prosa aufzunehmen. Er will die Gesellschaft verändern, indem er die Missstände und deren Lösungsansätze nicht nur inhaltlich, sondern auch formal neu fasst. Damit sieht er sich Ibsen überlegen.

In diesem Zeitzeichen erzählt Jana Magdanz:
  • warum Strindberg für viele ein Frauenhasser ist,
  • Strindbergs Pendeln zwischen Oberschicht und Dienstboten,
  • womit Strindberg sich eine Anzeige der katholischen Kirche einhandelt,
  • warum der vermeintliche Kampf der Geschlechter eher der Kampf der Gehirne ist.

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Autorin: Jana Magdanz
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Sarah Fitzek

Grigori Rasputin, russischer Wanderprediger (geb. am 21.1.1869)

Grigori Rasputin, russischer Wanderprediger (geb. am 21.1.1869) WDR Zeitzeichen 21.01.2024 14:39 Min. Verfügbar bis 21.01.2099 WDR 5

Viele Legenden ranken sich um Rasputin, den Prediger mit dem wilden Bart, mit den geheimnisumrankten Einfluss auf die Zarin, mit seiner angeblich großen sexuellen Energie.

Grigori Jefimowitsch Rasputin ist ein russischer Wanderprediger, dem Erfolge als Geistheiler nachgesagt werden. Er ist mit der Familie von Zar Nikolaus II., dem letzten russischen Monarchen, befreundet und gewinnt in den letzten Jahren des Zarenreichs großen Einfluss. ***Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Thomas Klug, Redaktion: David Rother


Ein Bauernsohn wird zur Projektionsfläche von Hoffnungen, Ängsten und Sehnsüchten: Über Grigori Rasputin gibt es viele Geschichten. Was stimmt, was ist erfunden? Klar ist: Er stammt aus Sibirien und war Vertrauter des letzten russischen Zaren.
Eine ungewöhnliche Verbindung: Rasputin kann kaum Lesen und Schreiben. Nach ein paar Jahren im Kloster zieht er als Wanderprediger durchs Land. Dabei soll es zu sexuellen Ausschweifungen mit seinen Jüngern und Jüngerinnen gekommen sein.

In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Klug:
  • wie Rasputin schon zu Lebzeiten zur Legende wird,
  • was Wodka mit Krieg zu tun hat,
  • wie Rasputin mit seinem "inbrünstigen Glauben" die Obrigkeit auf den Plan ruft
  • wie Rasputin zum Sündenbock und letztlich ermordet wird.

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Thomas Klug
Redaktion: David Rother
Technik: Holger Maerten

1749 im Schloss Versailles: Das Nashorn Clara wird präsentiert

1749 im Schloss Versailles: Das Nashorn Clara wird präsentiert WDR Zeitzeichen 20.01.2024 14:42 Min. Verfügbar bis 20.01.2099 WDR 5

Der französische König ist vom Nashorn Clara im Januar 1749 angetan. Wie ist es dorthin gelangt? Claras Odyssee erzählt viel über das Verhältnis von Mensch und Tier.

Ein Nashorn auf Europa-Tournee: Mitte des 18. Jahrhunderts ist das Tier aus Indien gezwungenermaßen in vielen Ländern zu Gast. Im deutschsprachigen wird sie "Jungfer Clara" genannt. Ihre Auftritte finden in Scheunen statt, manchmal aber auch in Palästen. Wie im Januar 1749 im französischen Versailles. *** Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner: Dieter Salzgeber (Kunsthistoriker), Gero Seelig (Museumskurator) *** Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Jürgen Werth, Redaktion: Matti Hesse.


Geboren wird Clara vermutlich im Jahr 1738. Sie ist drei Jahre alt, als sie vom Direktor der Niederländischen Ostindien-Kompanie in Kalkutta gekauft wird - als Spielgefährtin für dessen Kinder. Als das Tier dafür zu groß wird, übernimmt es ein Kapitän. So landet Clara in Europa, wo sie in vielen Ländern als Sensation präsentiert wird.
Sie tritt in Scheunen auf, aber auch in Palästen. Im Januar 1749 wird sie in Versailles vorgeführt. Der französische König will Clara für seinen Zoo kaufen. Aber der Besitzer verlangt einen Preis, der selbst Ludwig XV. zu hoch ist. Er lehnt dankend ab.

In diesem Zeitzeichen erzählt Jürgen Werth:
  • welche anderen Prominenten in Europa sich an Clara ergötzen,
  • mit welchen Worten Schausteller für das Nashorn werben,
  • was die Nähe zu Menschenmengen für Wildtiere bedeuten,
  • wann das erste Nashorn in Europa eintrifft,
  • wie alt Clara wird.

Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner:
  • Dieter Salzgeber (Kunsthistoriker)
  • Gero Seelig (Museumskurator)
  • Tobias Rahde (Zoo-Kurator, verstorben)
  • Stefan Ziegler (WWF)

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Jürgen Werth
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Holger Maerten

Theodosius wird Kaiser im Osten des Römisches Reiches

Theodosius wird Kaiser im Osten des Römisches Reiches WDR Zeitzeichen 19.01.2024 14:37 Min. Verfügbar bis 19.01.2099 WDR 5

Am 19.1.379 wird Theodosius Kaiser. Wie ihm das gelingt, darüber rätseln Forscherinnen und Forscher bis heute. Fest steht: Als Kaiser ist er modern und sehr erfolgreich.

Im Jahr 378 dringen gotische Kriegerverbände in das Römische Reich ein und töten Kaiser Valens, der für die östliche Reichshälfte zuständig ist. Da schlägt die Stunde von Theodosius. Er wird am 19. Januar 379 zum Nachfolger des verstorbenen Herrschers ernannt. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Professor Felix Maier (Althistoriker, Universität Zürich) *** Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Marfa Heimbach, Redaktion: Matti Hesse


Im Jahr 378 dringen gotische Kriegerverbände tief ins Römische Reich vor – über die Donau bis Adrianopel, dem heute türkischen Edirne. Die Römer erleben einen Schock: Das römische Heer unterliegt einem gotischen Kriegerverband. Dabei wird auch Kaiser Valens getötet, der für die östliche Reichshälfte zuständig ist.
Das ist die Stunde von Theodosius. Er wird am 19. Januar 379 zum Nachfolger ausgerufen. Wie es dazu kommt, ist bis heute unklar. In der Schlacht von Adrianopel ist er jedenfalls nicht dabei. Ernannt wird Theodosius von Kaiser Gratian, der für die westliche Hälfte des Römischen Reiches zuständig ist.
Kaiser Theodosius stößt mit seinen Methoden innenpolitisch auf Widerstand. Doch es gelingt ihm mit einer neuen Strategie, die Goten von Konstantinopel fernzuhalten: Er setzt auf Friedensverträge statt militärische Siege.

In diesem Zeitzeichen erzählt Marfa Heimbach:
  • wo Theodosius geboren wird,
  • welche Rolle sein Vater im Römischen Reich spielt,
  • wie er sich vom militärischen Erfolgsdruck löst,
  • wie er das römische Kaisertum neu definiert,
  • welches Machtwort Theodosius zugunsten der Katholiken spricht.
Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Professor Felix Maier (Althistoriker, Universität Zürich)
  • F. K. Maier: Palastrevolution. Der Weg zum hauptstädtischen Kaisertum im Römischen Reich des vierten Jahrhunderts, Leiden 2019
  • H. Leppin: Theodosius der Große, Darmstadt 2003
Weiterführender Link:
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Autorin: Marfa Heimbach
Redaktion: Matti Hesse
Technik: Sarah Fitzek

Toni Turek, Torwart und "Fußballgott von Bern"

Toni Turek, Torwart und "Fußballgott von Bern" WDR Zeitzeichen 18.01.2024 14:47 Min. Verfügbar bis 18.01.2099 WDR 5

Toni Turek, geboren am 18.1.1919, ist einer der Fußballhelden des "Wunders von Bern": Seine Paraden retteten Deutschland die Führung im Endspiel der Fußball-WM 1954 - dabei war die erste Halbzeit gar nicht gut für ihn gelaufen...

Als Anton "Toni" Turek am 18. Januar 1919 in Duisburg Wanheimerort zur Welt kommt, ist die Hoffnung auf eine goldene Zukunft in der kleinen Mietwohnung nicht mehr als ein Luftschloss. 35 Jahre später wächst Turek als Torhüter im WM-Finale Deutschland - Ungarn über sich hinaus. Er wird zum "Fußballgott" und einer der Helden von Bern.*** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Manuel Neukirchner, Direktor Deutsches Fußball-Museum *** Die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Burkhard Hupe; Redaktion: Christoph Tiegel und David Rother


Anton "Toni" Turek steht schon als kleiner Junge beim Straßenfußball in Duisburg Wanheimerort im Fußballtor.
Im Sommer 1954 wird Turek als Keeper der deutschen Nationalmannschaft einer der Helden von Bern. Kurz vor Schluss rettet er mit einer Glanztat den 3:2 Sieg der Deutschen.
In diesem Augenblick wird Turek durch den Radio-Reporter Herbert Zimmermann zur lebenden Legende erhoben. "Die Verteidiger der Ungarn müssen weit mit aufrücken. Jetzt heben sie den Ball in den Strafraum hinein…Schuss!...Abwehr von Turek! Turek du bist ein Teufelskerl. Turek, du bist ein Fußballgott!"
Das Glück von Bern hält für Turek ein ganzes Leben. Die Gesundheit verlässt den Fußballgott dagegen schon bald. Immer wieder hat Turek mit Lähmungserscheinungen zu kämpfen, vermutlich ausgelöst durch einen Granatsplitter in seinem Kopf, der ihn im Zweiten Weltkrieg schwer verwundet. Die WM-Helden von Bern richten ein Benefizspiel aus, es kommen aber nur 3.500 Zuschauer.
Toni Turek stirbt ein halbes Jahr nach einem Herzinfarkt und einem Hirnschlag am 11. Mai 1984 im Alter von 65 Jahren.

In diesem Zeitzeichen erzählt Burkhard Hupe:
  • wie Toni Turek den Weg ins Fußballtor findet,
  • womit Rot-Weiß Essen Sepp Herbergers Zorn weckt,
  • wie Wilhelmine Turek ihrem Mann Toni in amerikanischer Kriegsgefangenschaft das Überleben sichert,
  • vom kaum beachteten Karriereende Toni Tureks.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Manuel Neukirchner, Direktor Deutsches Fußball-Museum
  • O-Ton Hörfunkreportage Herbert Zimmermann
  • O-Ton Rudi Michel, Radio- und Fernsehreporter

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Autor: Burkhard Hupe
Redaktion: Christoph Tiegel und David Rother
Onlineproducerin: Vera Kettenbach

Smog: Gefährliche Konzentration von Schadstoffen in der Luft

Smog: Gefährliche Konzentration von Schadstoffen in der Luft WDR Zeitzeichen 17.01.2024 14:38 Min. Verfügbar bis 17.01.2099 WDR 5

Im Haus bleiben, Fenster geschlossen halten, Auto stehen lassen: So lauten am 17.1.1979 die Anweisungen beim bundesweit ersten Smog Alarm im Ruhrgebiet.

Als Reaktion auf den großen Smog in London 1952 und den Smog-Tagen 1962 im Ruhrgebiet hat die NRW-Landesregierung ein Warnsystem initiiert. Mit verschiedenen Maßnahmen soll im Ernstfall verhindert werden, dass durch eine hohe Luftverschmutzung Menschen sterben. Im Januar 1979 tritt der erste Ernstfall ein. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Frank Uekötter, Professor für Umweltgeschichte an der Ruhr-Universität Bochum *** Das sind die Macherinnen und Macher hinter dem Zeitzeichen: Autorin: Veronika Bock, Autor: Ulrich Biermann, Redaktion: Gesa Rünker


Das Jahr 1979 beginnt mit dicker Luft: Das westliche Ruhrgebiet ist umhüllt von einer Dunstglocke. Smog nennen die Engländer diese Mischung aus Nebel (fog) und Rauch (smoke), die den Bewohnern die Sicht versperrt und ihnen die Luft zum Atmen nimmt. Weil eine obere warme Luftschicht die untere kalte Luft am Boden hält, können Abgase nicht abziehen.

So schnellen Mitte Januar die Stickoxidwerte im Ruhrgebiet so in die Höhe, dass die Landesregierung Düsseldorf zum ersten Mal eine Smogwarnung der Stufe eins ausgibt. In der ersten Warnstufe werden Bürger und Industrie noch gebeten, alle Arten von Verbrennungen zu reduzieren, der Verzicht ist aber freiwillig. Zum Glück kommt bald schon Wind auf und der gefährliche Nebel lichtet sich wieder.

Sechs Jahre später ist die Lage ernster. Im Januar 1985 muss die NRW-Landesregierung Smogalarm der Stufe drei auslösen. Damit ist die Zeit des Bittens vorbei: Alle Unternehmen, die Luftverschmutzung verursachen, müssen ihren Betrieb einstellen. In einigen Teilen des Ruhrgebiets dürfen keine Autos mehr fahren, die Schulen bleiben geschlossen.

In diesem Zeitzeichen erzählen Veronika Bock und Ulrich Biermann:
  • warum sich im Januar 1979 viele an einen Film erinnern, den Wolfgang Menge sechs Jahre zuvor in Szene gesetzt hat,
  • wie noch in den 1960er Jahren die Smoggefahren für die Gesundheit beschwichtigt werden,
  • über den "Great Smog" in London mit Tausenden Toten im Jahr 1952,
  • warum es heute keinen Smogalarm mehr gibt.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autorin: Veronika Bock
Autor: Ulrich Biermann
Redaktion: Gesa Rünker

Thomas Fritsch, Schauspieler und Synchronsprecher

Thomas Fritsch, Schauspieler und Synchronsprecher WDR Zeitzeichen 16.01.2024 14:42 Min. Verfügbar bis 16.01.2099 WDR 5

Fans der "???"-Hörspiele lieben die Stimme von Thomas Fritsch (geboren am 16.1.1944). In den 1960er Jahren sollte niemand wissen, dass der Frauenschwarm des deutschen Films schwul war.

In jungen Jahren verkörpert Thomas Fritsch den singenden Sunnyboy neben Filmgrößen wie Lilli Palmer und Hildegard Knef. Später spielt er in "Derrick", "Rivalen der Rennbahn" oder "Drei sind einer zuviel" mit. Und er wird die deutsche Stimme von Russell Crowe und Scar aus "König der Löwen". *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Oliver Kalkofe, Schauspieler, Autor, Komiker *** Das sind die Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autor: Fritz Schaefer, Redaktion: David Rother


Geboren wird Thomas Fritsch als Sohn des Ufa-Schauspiel-Stars Willy Fritsch und der Tänzerin Dinah Grace. Die Eltern sind wenig überrascht, als sich der junge Thomas für die Schauspielerei entscheidet. Die Karriere beginnt für den gut aussehenden Fritsch erfolgreich, 1963 wird er als bester Nachwuchsschauspieler mit dem Bambi ausgezeichnet. Zu seinem Leidwesen wird Fritsch vor allem für romantische und leichte Rollen gebucht.

Nach einem Karriereknick gelingt Thomas Fritsch Ende der 70er-Jahre das Comeback mit der Serie "Drei sind einer zuviel", mit Jutta Speidel und Herbert Herrmann. Später steht er mit "Rivalen der Rennbahn" wieder im Fokus der Öffentlichkeit – und als Synchronsprecher. Seine Baritonstimme ist bei "Findet Nemo", "König der Löwen" und den "Drei Fragezeichen" dabei. In dem Kinofilm "Der WIXXer" hat Thomas Fritsch als Mopszüchter "Earl of Cockwood" seinen letzten großen Filmauftritt. Fritsch stirbt 2021 nach einer Demenzerkrankung.

In diesem Zeitzeichen erzählt Fritz Schaefer:
  • über die innige Beziehung von Thomas Fritsch zu seiner Mutter,
  • wie Gustaf Gründgens sein Schauspieltalent prüft,
  • warum er seine Homosexualität lange geheim hält,
  • über Fritschs Zufluchtsort Mykonos,
  • wie der Schauspieler einen Gehirntumor überwand.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • René Heinersdorff, Schauspieler, Regisseur, Theaterintendant
  • Heikedine Körting, Hörspielproduzentin "Die drei ???"
  • Oliver Kalkofe, Schauspieler, Autor, Komiker

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Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Fritz Schaefer
Redaktion: David Rother

Anarchist, Sozialist, Querdenker: Pierre-Joseph Proudhon

Anarchist, Sozialist, Querdenker: Pierre-Joseph Proudhon WDR Zeitzeichen 15.01.2024 13:29 Min. Verfügbar bis 15.01.2099 WDR 5

"Eigentum ist Diebstahl", schreibt Pierre-Joseph Proudhon, geboren am 15.1.1809. Doch der Kommunismus im Sinne von Karl Marx ist nicht sein Ziel.

Der Franzose Pierre-Joseph Proudhon gilt als einer der großen Denker des 19. Jahrhunderts, der die Rechte der einfachen Bevölkerung stärken und die der Mächtigen beschneiden will. Seine Schriften werden von Tolstoi, Marx und Bakunin gelesen – und heftig diskutiert. Seine Ideen bringen ihn ins Parlament und Gefängnis. *** Das sind unsere wichtigsten Interviewpartnerinnen und -partner: Anne-Sophie Chambost, Professorin für Rechtsgeschichte an der Universität Lyon und Edouard Jourdain, Biografie-Autor von Pierre-Joseph Proudhon *** Autorin: Sabine Mann, Redaktion: Gesa Rünker


Als armer Sohn eines Küfers und einer Köchin bekommt der begabte Pierre-Joseph Proudhon zwar ein Stipendium für die höhere Schule, kann sie aber aus Geldmangel nicht abschließen. Der Junge aus Besançon empfindet seine Armut als Erniedrigung, die daraus resultierende Wut wird zu seinem Antrieb für mehr Gerechtigkeit zu kämpfen. Der Autodidakt löst schon mit seinem ersten Essay über ein neues Rechts- und Regierungsprinzip eine hitzige Debatte aus, in dem er festhält: "Eigentum ist Diebstahl!"

Doch Pierre-Joseph Proudhon ist kein Revolutionär, der mit den Messer zwischen den Zähnen zum Kampf aufruft. Vielmehr versucht er als Abgeordneter das System von innen zu ändern: "Wir werden gleichzeitig konservativ und fortschrittlich sein; denn nur in dieser doppelten Eigenschaft sind wir Revolutionäre". Er scheitert und seine Gegner bringen ihn ins Gefängnis. Und er sieht die Gefahren, die der Sozialismus und Kommunismus mit sich bringen und mahnt schon zu Lebzeiten, dass man "sich vor politischen Erschütterungen in Acht nehmen müsse, weil sie oft von Diktaturen abgelöst würden."

In diesem Zeitzeichen erzählt Sabine Mann:
  • wie es Pierre-Joseph Proudhon fast ohne Schulbildung in die französische Elite geschafft hat,
  • über Antisemitismus in seinen Schriften,
  • warum man ihn zu einer Gefängnisstrafe verurteilt,
  • über sein diskriminierendes Frauenbild.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Anne-Sophie Chambost, Professorin für Rechtsgeschichte, Universität Lyon
  • Edouard Jourdain, Biografie-Autor von Pierre-Joseph Proudhon
  • Pierre-Joseph Proudhon, zitiert inThibault Isabel: Pierre-Joseph Proudhon. L’anarchie sans le désordre. Paris. 2017.
  • Pierre-Joseph Proudhon: "Qu’est-ce que la propriété ou recherches sur le principe du droit et du gouvernement". Paris. 1840.
  • Pierre-Joseph Proudhon: "Carnets", zitiert von Edouard Jourdain, France Culture. 1919.
  • Pierre-Joseph Proudhon: "Jetzt beklagen sich die Trottel. Unveröffentlichte Notizen aus dem Kerker". Auszüge in Le Monde diplomatique. 16. Januar 2009.

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Autorin: Sabine Mann
Redaktion: Gesa Rünker
Technik: Joseph Bader

Nicht Graham Bell: Wie Philipp Reis das Telefon erfand

Nicht Graham Bell: Wie Philipp Reis das Telefon erfand WDR Zeitzeichen 14.01.2024 14:16 Min. Verfügbar bis 14.01.2099 WDR 5

Philipp Reis (gestorben 14.1.1874): Ein hessischer Tüftler, der mit seinem "Telephon" die Welt verändert hat. Reich werden sollte er damit nicht.

Er ist wissbegierig, schlau, kommunikativ und handwerklich geschickt: Philipp Reis bringt alle Eigenschaften mit, die ein Erfinder benötigt. Nur an die Universität schafft er es nicht – und so nimmt die deutsche Physik- und Industriellen-Elite seine Erfindungen nicht ernst. Ein Fehler, wie sich später herausstellt. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Wolfram Weimer, Verleger und Publizist *** Das sind die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Martina Meißner, Redaktion: Matti Hesse


Geboren wird Philipp Reis 1834 in der hessischen Kleinstadt Gelnhausen in eine Bäckerfamilie hinein. Die Eltern sterben früh, Reis wird von seinem Vormund in eine Kaufmannslehre geschickt. Doch in seiner Freizeit begeistert sich der blitzgescheite und handwerklich versierte Reis für Naturwissenschaft und Technik. So gelingt es ihm als Nichtakademiker auch, eine Anstellung als Lehrer zu finden. Begeistert unterrichtet er seine Schüler und baut für ihr besseres Verständnis ein Modell von einem menschlichen Ohr.

"Seitdem hatte ich die Idee, ob man nicht einen Apparat bauen kann, mit dem man die menschliche Stimme auf weite Entfernungen hörbar machen kann", erinnert sich Philipp Reis später. Die ersten Prototypen bestehen aus einer Hasenblase, einer Stricknadel und einer Geige. Tatsächlich gelingt es ihm, Töne zu transportieren und Reis entwickelt seine Apparatur ständig fort. Er präsentiert seine Erfindung und die Weiterentwicklungen anderen Wissenschaftlern, Industriellen, Politikern – und sogar dem österreichischen Kaiser.

Nur das Potenzial erkennen weder Forscher noch Investoren. Die Eliten nehmen Philipp Reis, den Nichtakademiker aus der hessischen Provinz, nicht wirklich ernst. Anders der US-Amerikaner Graham Bell. Er lässt sich ein Reis-Telefon schicken, entwickelt es weiter und wird als Telefon-Pionier mehr als reich. Den Siegeszug des Telefons erlebt Philipp Reis nicht mehr. Er stirbt am 14.1.1874 an Tuberkulose.

In diesem Zeitzeichen erzählt Martina Meißner
  • welche kuriosen Dinge Philipp Reis noch erfunden hat,
  • warum der Tüftler für seine Beweise den Satz "Ein Pferd frisst keinen Gurkensalat" wählt,
  • warum sich der Industrielle Werner von Siemens noch lange über seine Begegnung mit Reis ärgert,
  • wie die US-Amerikaner Graham Bell und Elisha Gray beide die Erfindung des Telefons für sich in Anspruch nehmen.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Wolfram Weimer, Verleger und Publizist
  • Wolfram Weimer: Der vergessene Erfinder: Wie Philipp Reis das Telefon erfand. München. 2019.

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Seit fast 1.000 Jahren Venedigs erster Hingucker: Der Markusdom

Seit fast 1.000 Jahren Venedigs erster Hingucker: Der Markusdom WDR Zeitzeichen 13.01.2024 14:45 Min. Verfügbar bis 13.01.2099 WDR 5

Über den aus Alexandria überführten Gebeinen des Evangelisten Markus errichten die Venezianer dreimal eine Kirche, zuletzt die Basilika San Marco. Sie wird 1094 geweiht.

Mit seinem 98 Meter hohen Glockenturm und seinen sieben Kuppeln prägt der Markusdom wie kein anderes Bauwerk das Stadtbild von Venedig. Auch das Innere kann sich sehen lassen: Mit den Mosaiken und vielen Kunstwerken gilt der Dom als eine der schönsten und üppigsten Kirchen der Welt – deren Schutz vor Hochwasser und Unwettern den Venezianern viel abverlangt. *** Das ist unser wichtigster Interviewpartner: Architekt Mario Piana *** Das sind die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen: Autorin: Hildburg Heider, Redaktion: Christoph Tiegel und David Rother


Geweiht ist die Markuskirche dem Evangelisten und Märtyrer auf dem ägyptischen Alexandria. Im Jahr 828 bringen venezianische Kaufleute seine Gebeine mit einer kleinen List in die Lagunenstadt. Sie entwenden nachts die Reliquien und verstecken sie in einem Korb mit Schweinefleisch. Weil Juden und Muslime das Schweinefleisch als unrein ansehen, kann so die Zollkontrolle umgangen werden.

Die venezianische Stadtregierung erkennt die Bedeutung der Reliquie und errichtet ihr zu Ehren eine hölzerne Kirche neben dem noch bescheidenen Dogenpalast. Es ist die Geburtsstunde des Markuskults, der mit vielen Pilgern auch weiteres Geld in die Stadtkassen bringt. Später findet Markus als geflügelter Löwe mit einem Buch in den Tatzen einen Platz im Stadtwappen. Der heutige Dom ist die dritte Markuskirche. Sie wird am 13. Januar 1094 feierlich geweiht.

In diesem Zeitzeichen erzählt Hildburg Heider:
  • wie der Markusdom Rainer Maria Rilke und Mark Twain fasziniert,
  • wie ein Engel Markus seine letzte Ruhestätte offenbart,
  • wie problematisch die Lage an der Lagune für das Bauwerk ist.

Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
  • Mario Piana, Leitender Architekt der Restaurierung von San Marco.
  • Birgit Haustedt: Das schöne Gegengewicht der Welt – Mit Rilke durch Venedig. Insel Verlag 2016

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