2. Dezember 1993 - Drogenkönig Pablo Escobar wird erschossen

Fahndungsfoto des Drogenbosses Pablo Escobar

Stichtag

2. Dezember 1993 - Drogenkönig Pablo Escobar wird erschossen

Zwanzig Jahre nach seinem gewaltsamen Ende ist Pablo Escobar in Medellin unvergessen. Viele Arme verehren ihn noch immer als Wohltäter, der ihnen Wohnungen, Schulen und Krankenhäuser schenkte. Es ist derselbe Mann, der für mehrere tausend Morde, oft bestialisch ausgeführt, verantwortlich ist. Der auf dem Gipfel seiner Karriere als Drogenboss 80 Prozent des Kokain-Marktes beherrschte und zu einem der zehn reichsten Männer der Erde wurde.

"Er sagte, nach dem Papst sei er der wichtigste Mensch auf der Erde", erinnert sich Jaime Escobar an seinen 1949 geborenen Bruder Pablo. Gewalt gehört schon in dessen Kindheit zum Alltag, denn in Kolumbien herrscht ein bis heute dauernder brutaler Bürgerkrieg zwischen Kleinbauern und Großgrundbesitzern. Als die Familie Escobar Anfang der 60er Jahre an den Rand von Medellin zieht, beginnt für den jungen Pablo der Abstieg in den kriminellen Sumpf von Kolumbiens zweitgrößter Metropole.

Drogenkrieg gegen Staat und Volk

Bereits als Nachwuchsgangster beweist Pablo Escobar völlige Skrupellosigkeit. Nach Anfängen als Dieb und Hehler entdeckt er Entführungen als Geldquelle. Oft ermordet er seine reichen Opfer trotz Lösegeldzahlung, nur um seine Macht zu beweisen. Mitte der 70er Jahre erkennt Escobar das immense Gewinnpotenzial, das die neue Modedroge Kokain verspricht. Binnen kurzer Zeit baut er eine schlagkräftige Produktions- und Schmuggelorganisation auf, die ihm tagtäglich Millionen US-Dollar einbringt. Tonnenweise schafft Escobar das "weiße Gold" in die Vereinigten Staaten - per Schiff, in U-Booten oder mit einer eigenen Flugzeugstaffel.

Der Kopf des Medellin-Kartells leistet sich jeden erdenklichen Luxus und mordet mit sadistischer Lust. Publicityträchtig betreibt Escobar seinen gesellschaftlichen Aufstieg, scheitert aber dabei, in Kolumbiens Politik Fuß zu fassen. Seine Macht, unterstützt durch den Terror einer Privat-Miliz, reicht dennoch so weit, dass er lange Zeit unangreifbar ist. Als führende Kräfte in Politik und Justiz seine Auslieferung an die USA planen, erklärt der Kokain-König ihnen den Krieg. Im November 1985 stürmen Guerilleros das Verfassungsgericht in Bogota und ermorden 17 der obersten Richter des Landes. Alle Prozessakten gegen Pablo Escobar werden verbrannt.

Mord im eigenen Luxusknast

Von nun an lebt jeder gefährlich, der sich kritisch über Escobar und seinen Clan äußert. Nahezu jeden Tag sterben Journalisten, Richter, Polizisten und Zivilisten durch Bomben oder im Kugelhagel von Killerkommandos. Escobars Terror kennt keine Grenzen: Präsidentschaftskandidat Luis Carlos Galán wird ebenso ermordet wie Justizminister Lara Bonilla. Als Escobar im November 1989 ein Passagierflugzeug mit 100 Menschen in die Luft jagt, weil er irrtümlich den neuen Präsidentschaftsbewerber Cesar Gaviria an Bord vermutet, ist das Maß voll. Der Staat macht Druck auf den Drogenboss und schließt einen dubiosen Pakt:

Escobar muss sich stellen - und wird dafür nicht ausgeliefert. Sein Gefängnis darf er sich mit allem Luxus selbst bauen. Dort betreibt er weiter seine Geschäfte - und der Staat schaut weg. Als Escobar aber in dem pompösen Knast eigenhändig zwei Vertraute hinrichtet, droht ihm die Verlegung in ein Staatsgefängnis. Der selbst ernannte Herrscher über Leben und Tod flieht und wird selbst zum Gejagten. Neben kolumbianischen und US-Sondereinheiten sind ihm nun auch Abtrünnige seines eigenen Kartells auf den Fersen. Von seiner einst 3.000 Mann starken Miliz bleiben ihm schließlich nur noch zwei Leibwächter treu. Am 2. Dezember 1993 lokalisiert ein Militärkommando Escobars Versteck. Von drei Kugeln getroffen, stirbt einer der schlimmsten Massenmörder des 20. Jahrhunderts auf einem Hausdach in Medellin.

Stand: 02.12.2013

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