Wunsch und Wirklichkeit: Elektroautos made in NRW Westpol 16.02.2020 UT DGS Verfügbar bis 16.02.2021 WDR

Ladehemmung bei Elektroautos

Rainer Striewski und Felix Mannheim

  • Ferdinand Dudenhöffer kritisiert E-Auto-Strategie der Landesregierung
  • Hersteller und Zulieferer investieren in Ostdeutschland
  • Landesregierung setzt auf Forschung

Der Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöffer hat scharfe Kritik an der E-Auto-Strategie der Landesregierung geübt. "Ich glaube, die Landesregierung hat fundamentale Fehler gemacht", so Dudenhöffer im Westpol-Interview.

Ministerpräsident Laschet und Wirtschaftsminister Pinkwart hätten sich zu sehr auf die die Start-Ups in und um Aachen konzentriert. "Und diese Start-Ups wie e.GO oder StreetScooter tun sich sehr, sehr schwer. Nach meiner Einschätzung werden sie es nie schaffen, einen vernünftigen Platz im Weltmarkt einzunehmen", so Dudenhöffer.

Aachener Start-Up mit Startproblemen

Günther Schuh | Bildquelle: WDR / action press/ Lars Heidrich

Tatsächlich sind die Absatzzahlen auf dem Weltmarkt noch kaum messbar: 600 Autos wollte e.GO-Chef Günther Schuh im vergangenen Jahr ausliefern. Es wurden 119. "Wir haben Schwierigkeiten gehabt", gibt Schuh zu. Die wären aber erwartbar gewesen. Für Start-Ups wäre das durchaus üblich und im normalen Rahmen. In diesem Jahr rechnet er bereits mit 5.100 Auslieferungen, im folgenden Jahr sogar mit 15.500 Elektroautos.

Laut Dudenhöffer hätte sich die Landesregierung aber eher auf die "Big Player" der Branche konzentrieren sollen. So baut Tesla-Chef Elon Musk seine Gigafactory mit Tausenden Arbeitsplätzen nicht in NRW, sondern in Brandenburg.

Elektroautos: Wie umweltfreundlich sind sie wirklich? die story 29.01.2020 43:45 Min. UT Verfügbar bis 29.01.2021 WDR Von Florian Schneider, Valentin Thurn

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In NRW fehlt's an freien Flächen

Und neben Tesla gingen zuletzt auch große Batterie-Fabriken in die neuen Bundesländer. Der Chemiekonzern BASF etwa gab am Mittwoch (12.02.2020) bekannt, seine neue Fabrik für Batteriematerialien im brandenburgischen Schwarzheide zu errichten. Auch Farasis und der chinesische Großkonzern CATL bauen ihre Werke lieber in Ostdeutschland.

Dabei war NRW durchaus mit CATL im Gespräch. Neben der besseren Förderung sprach aber noch ein anderer Umstand für den Osten: freie Flächen. Die passenden Standorte in NRW wären zu klein oder bereits besetzt gewesen, teilte der Konzern mit.

NRW an der Spitze oder nur Mittelmaß?

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) | Bildquelle: WDR

Die NRW-Erfolge liegen bisher eher im Forschungsbereich: Der Zuschlag für die Batterieforschungsfabrik in Münster bringt eine halbe Milliarde an Bundesmitteln. "Wenn es ein Land gibt, dass aus der E-Mobilität auch industrieseitig am meisten machen kann, dann ist das NRW", betont NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP).

In NRW werde Automobilität ein Stück weit neu erfunden, so Pinkwart weiter. "Wir sind nicht Mittelfeld, wir sind Spitze." Da sieht sich die Landesregierung auch beim Ausbau der Ladepunkte für E-Autos, ebenso bei der Zahl der neu zugelassenen Fahrzeuge.

Doch schaut man in die Statistik und berechnet die Zahl der Einwohner pro Ladepunkt, so landet NRW im Bundesländer-Vergleich nur auf dem 12. Platz. Auch bei den E-Autos liegt NRW mit Platz 9 nur im Mittelfeld.