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Das Ende des Streetscooters? NRW lehnt Bürgschaft ab

Stand: 18.04.2024, 18:43 Uhr

Die elektrischen Kleintransporter galten als große Innovation auf dem Liefermarkt, jetzt aber könnte ihr Ende bevorstehen: Das Land NRW hat eine millionenschwere Bürgschaft für den Streetscooter abgelehnt.

Von Christoph Ullrich

Das Vorhaben sei eine "volkswirtschaftliche Fragwürdigkeit", schreibt Finanzminister Marcus Optdendrenk (CDU) in einer vertraulichen Stellungnahme an den Landtag. Sie liegt dem WDR vor. Im Kern geht es um eine Bürgschaft über acht Millionen Euro für die e.Volution GmbH aus der Unternehmensgruppe des Aachener RWTH-Professors Günther Schuh.

Es geht um acht Millionen Euro

Er hatte den sogenannten Streetscooter zwischen 2010 und 2014 entwickelt. Der vollelektrische Kleintransporter sollte Paketlieferungen klimafreundlicher machen, bei der DHL fand das Modell einen gewissen Anklang. Das Unternehmen kaufte nicht nur die Fahrzeuge, sondern später auch das Unternehmen.

Nachdem hohe Verluste eintraten, wurde die Firma weitergereicht, bis sie Schuh selber wieder übernahm und Anfang des Jahres einen neuen Auftrag von der DHL erhielt. 760 Fahrzeuge sollte er bis Juli liefern, also bis zum Eintreten einer neuen Sicherheitsrichtlinie, welche von den aktuellen Modellen noch nicht erfüllt wird. Nach bisherigem Standard würden später produzierte Fahrzeuge dann keine Zulassung erhalten.

Um Geld für die Produktion zu erhalten, hatte Schuh eine Landesbürgschaft beantragt, um Kredite abzusichern. Dabei ging es um acht Millionen Euro, die Bürgschaft wurde sehr deutlich vom zuständigen Landesbürgschaftsausschuss abgelehnt.

Das Ende des Streetscooters?

WDR 5 Westblick - aktuell 18.04.2024 01:09 Min. Verfügbar bis 18.04.2025 WDR 5


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Auch Arbeitsplätze spielen keine Rolle

Es fehle eine "positive Fortführungsprognose über die Abarbeitung des DHL-Auftrages hinaus", heißt es zur Begründung. Zudem könne man nur eine geringe Rendite von dem aktuellen Auftrag erwarten. Die Sparkasse Düren - so heißt es auf den drei Seiten - hatte bereits einen Kreditantrag negativ bewertet.

Selbst strukturpolitische Erwägungen waren nicht mehr ausreichend für das Land. Zwar sei das Produktionsunternehmen der größte industrielle Arbeitgeber in Düren, "die Zahl der von der Fertigung der Streetscooter abhängigen Beschäftigten ist mit ca. 120 aber nicht sonderlich hoch." Außerdem habe diese Produktionsfirma noch andere Aufträge und es ist fraglich, inwiefern diese von der Produktion des Streetscooters abhänge.

Unternehmer weist Einschätzung des Landes zurück


Der Unternehmer und Wissenschaftler Günther Schuh sagte dem WDR, als guter Unternehmer habe er einen Plan B in der Tasche. Außerdem stimme die Darstellung des Landes nicht. Eine positive Prognose eines unabhängigen Wirtschaftsprüfers liege jetzt vor und es gebe frisches Geld von einem engen Partner. Aus eigenen Mitteln habe er etliche Millionen beigesteuert.

Der Streetscooter werde weiter produziert, parallel dazu werde ein neues Modell entwickelt. Die Perspektiven insgesamt seien also gut, meint Schuh, und die 120 Arbeitsplätze bei "Neapco" in Düren, wo der Streetscooter produziert wird, seien nicht in Gefahr, betonte er.