FAQ zur Corona-Warn-App: Risikoüberprüfung jetzt mehrmals täglich

Corona-Warn-App: Was bedeutet niedriges Risiko?

FAQ zur Corona-Warn-App: Risikoüberprüfung jetzt mehrmals täglich

  • Corona-Apps in der EU tauschen Daten aus
  • Millionen haben die Corona-Warn-App installiert
  • Wie sicher ist die Tracing-App? Was bringt sie? Wie installiere ich sie?
  • Die wichtigsten Fragen und Antworten

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Corona-Warn-App zeigt Rot: Und jetzt?

Eine Risiko-Begegnung mit "erhöhtem Risiko" (Meldungsfeld ist rot unterlegt) bedeutet, dass man in den vergangenen 14 Tagen einer Person begegnet ist, die mittlerweile positiv getestet wurde. Der Kontakt war recht nah, er dauerte beispielsweise mindestens zehn Minuten bei einer Entfernung von unter 1,5 Metern.

Wer solch eine rote Warnmeldung angezeigt bekommt, sollte umgehend Kontakte mit anderen Menschen vermeiden und seinem Hausarzt, den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117 oder das Gesundheitsamt anrufen, um das weitere Vorgehen abzuklären.

Die Entscheidung über eine Krankschreibung oder die Anordnung einer Quarantäne trifft der behandelnde Arzt oder das zuständige Gesundheitsamt nach einer entsprechenden eigenen Einschätzung.

Was bedeutet eine grüne Warnmeldung?

Wer eine Risiko-Begegnung mit "niedrigem Risiko" angezeigt bekommt, hat in den vergangenen 14 Tagen entfernten Kontakt zu einer Person gehabt, die mittlerweile ein positives Testergebnis in die App eingetragen hat.

Die Ansteckungsgefahr wird vom Robert Koch-Institut (RKI) als Herausgeber der App aber als gering eingeschätzt. Dazu wendet das RKI einen komplizierten Berechnungsschlüssel an.

Begegnungen, die weniger als zehn Minuten gedauert haben, werden als unbedenklich eingestuft - egal, wie nahe sich die Smartphones dabei gekommen sind. Das gleiche gilt für Begegnungen, bei denen die Smartphones im Durchschnitt mehr als acht Meter voneinander entfernt waren - unabhängig davon, wie lange die Begegnung insgesamt dauerte.

Bei niedrigem Risiko gibt es laut Robert Koch-Institut "keinen akuten Handlungsbedarf".

Plötzlich werden viele Begegnungen angezeigt - was ist passiert?

Wenn von einem auf den anderen Tag viele Risiko-Begegnungen angezeigt werden, dann bezieht sich das höchstwahrscheinlich auf eine Person aus dem persönlichen Umfeld, der man in den vergangenen 14 Tagen mehrmals begegnet ist. Die App zeigt dann für jeden Tag, an dem die Person schon infiziert war, eine Risiko-Begegnung an.

Es ist sogar möglich, dass so Kontakte zu Nachbarn in einem Mehrfamilienhaus angezeigt werden, denen man tatsächlich gar nicht begegnet ist. Grund: Begegnungen werden durch Bluetooth-Signale bis zu einer Entfernung von maximal acht Metern registriert und angezeigt. Diese Signale gehen auch durch Wände und Glasscheiben.

Werden mehrere Begegnungen mit "erhöhtem Risiko" angezeigt, heißt das noch lange nicht, dass alle diese Begegnungen auch gefährlich waren. Es kann sein, dass nur eine einzige Begegnung die "rote Warnstufe" erreicht hat, alle anderen aber als ungefährlich (grüne Warnmeldung) eingestuft werden. Es ist jedoch ein Update geplant, welches "grüne" und "rote Begegnungen" getrennt aufführt.

Wann habe ich Anspruch auf einen Corona-Test?

In der Testverordnung, die seit Mitte Oktober gilt, ist festgeschrieben, dass alle Nutzer der Corona-Warn-App, die eine rote Warnmeldung erhalten haben, Anspruch auf einen kostenfreien Test haben. Allerdings räumte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ein, dass das Gesundheitssystem häufig überlastet ist und daher oft nur testet, wenn man auch Symptome einer Covid-19-Erkrankung hat.

Wer hingegen eine grüne Warnmeldung angezeigt bekommt (Risiko-Begegnungen mit "niedrigem Risiko"), hat keinen Anspruch auf einen kostenlosen Test.

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Update: Was bringt die neue Version der Corona-Warn-App?

Die offizielle Corona-Warn-App des Bundes steht in einer verbesserten Variante zum Herunterladen bereit. Die aktuelle Version 1.7 ist im Google-Play-Store und dem App-Store von Apple erschienen.

Mit dem Update kann die Risikoüberprüfung nun mehrmals täglich erfolgen. Bislang erfolgte die Aktualisierung nur einmal am Tag.

Außerdem erhalten positiv getestete Nutzer mit der aktuellen Version eine Erinnerung, wenn sie ihr Testergebnis noch nicht geteilt haben sollten.

Stand: 26.11.2020

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Wie funktioniert die Corona-Warn-App?

Nutzer laden die App auf ihr Handy und aktivieren Bluetooth. Dann verbindet sich das Handy automatisch mit Geräten in der Nähe. Experten sprechen auch von einem digitalen Handschlag.

Das Prinzip: Wenn die Handys feststellen, dass sie 1,50 Meter oder weniger voneinander entfernt sind und das mindestens 15 Minuten lang, dann tauschen die Geräte individuell erzeugte IDs aus. Diese IDs erlauben keinen direkten Rückschluss auf die Besitzer der Handys.

Wird jemand positiv auf Covid-19 getestet, kann er das in der App hinterlegen. Das Handy informiert dann Menschen, die ihm zuletzt für eben mehr als eine Viertelstunde nahe waren. Die App weist sie dann darauf hin, dass sie sich angesteckt haben könnten.

Die Tracing-App kontrolliert nicht, ob Quarantäne-Maßnahmen eingehalten werden. Sie kontrolliert auch nicht, ob Kontaktverbote eingehalten werden. Die Entwickler versprechen übrigens, dass sich der Akku durch die Nutzung nicht schneller entlädt.

Was ist das Ziel der App? Wie hilft Tracing den Gesundheitsämtern?

Die Nachverfolgung von Kontakten und Infektionsketten ist für Mitarbeiter von Gesundheitsämtern eine Detektivarbeit. Sie müssen zurückverfolgen, wer mit wem Kontakt hatte – und die betroffenen Leute dann informieren. Diesen Job müssen die Mitarbeiter der Gesundheitsämter auch machen, wenn es eine Warn-App gibt. Die App kann die den Mitarbeitern zur Verfügung stehenden Werkzeuge aber ergänzen – und ihre Arbeit erleichtern.

Die Corona-App warnt Menschen, die auf einen Infizierten getroffen sind – nachdem sich dieser über die App als infiziert gemeldet hat. Die App funktioniert also wie eine Art Sicherheitsnetz – und sie hilft, auch Menschen zu informieren, denen ein Infizierter vielleicht unbemerkt begegnet ist.

Um Missbrauch zu verhindern, kann nicht jeder eine Infektion melden. Nach einem positiven Corona-Test bekommen Nutzer beim Gesundheitsamt einen QR-Code oder eine TAN-Nummer. Damit kann man dann die Meldung in der App freischalten.

Was heißt Tracing?

Tracing ist englisch für Verfolgen einer Spur. Das heißt: Tracing-Apps erfassen Kontakte, aber nicht persönliche Daten oder Standort-Daten. Und das geschieht über den Kurzfunk-Dienst Bluetooth. Sogenannte Tracking-Apps funktionieren anders. Sie tracken beziehungsweise verfolgen die Bewegungsdaten des Nutzers über GPS. So eine App wird zum Beispiel in Korea eingesetzt.

In Deutschland wurden die Vor- und Nachteile von Tracking und Tracing intensiv diskutiert. Am Ende hat man sich für das Tracing entschieden, weil dabei weniger sensible Daten anfallen.

Es heißt, mit der App kann eine Infektionskette zügiger unterbrochen werden. Warum?

Infizierte sind schon ansteckend, bevor sie Symptome haben. Deshalb reicht es nicht, erst in Quarantäne zu gehen, wenn man schon hustet.

Deshalb warnen die Gesundheitsämter alle Kontaktpersonen von Infizierten. Genau das kann die App viel schneller erledigen. So können sich Infizierte in Isolation begeben, bevor sie andere anstecken.

Können wir, wenn viele die App herunterladen, auf andere Corona-Schutzmaßnahmen verzichten?

Nein. Die App verhindert keine Ansteckung sondern hilft nur dabei, Infektionsketten nachzuverfolgen und zu unterbrechen. Auf Händewaschen, Nies- und Hustenhygiene, Abstand und Alltagsmasken sollte deshalb nicht verzichtet werden.

Wie viele Menschen müssen die App nutzen, damit sie Corona stoppen kann?

Laut einer Studie der Universität Oxford kann die Ausbreitung von Corona eingedämmt werden, wenn mindestens 60 Prozent der Bevölkerung eine Corona-Warn-App nutzen. Obwohl diese Zahl immer noch häufig genannt wird - sie stimmt nicht ganz.

Die für die Studie verantwortlichen Wissenschaftler haben mittlerweile klargestellt, dass auch bei einer weit geringeren Verbreitung die App einen wichtigen Beitrag für die Eindämmung der Epidemie leisten kann.

Wie oft wurde die App schon runtergeladen?

Die deutsche Corona-Warn-App wurde laut Robert Koch-Institut seit Mitte Juni rund 22 Millionen Mal heruntergeladen - Stand 13. November.

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Funktioniert die App auch im Ausland?

Mittlerweile können mehrere europäische Corona-Warn-Apps grenzüberschreitend miteinander kommunizieren und Warnungen austauschen. Aktuell funktioniert die deutsche Corona-Warn-App auch in diesen sechs Ländern: Irland, Italien, Spanien, Lettland, Ungarn und Dänemark.

Am 23. November folgen Polen, Belgien, Slowenien und Litauen. Ab 30. November soll die App auch in den Niederlanden, Malta, Portugal, Finnland und Zypern funktionieren.

Diese Staaten setzen wie Deutschland auf das Konzept einer dezentralen Speicherung der anonymisierten Kontaktdaten auf den Smartphones selbst. Frankreich hingegen hat sich für eine zentrale Speicherung der Kontaktdaten entschieden und von dem technischen Konzept von Google und Apple abgegrenzt. Daher ist dort vorerst kein Kontaktaustausch möglich.

Wie viele Corona-Fälle wurden schon über die App gemeldet?

Bislang wurden in den ersten Wochen nach dem Start rund 300 Covid-19-Infektionen über die deutsche Corona-Warn-App gemeldet. Davon geht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn aus.

Er bezieht sich dabei auf "die Zahl der Verschlüsselungscodes", die von der zugehörigen Telefon-Hotline ausgegeben wurden. "Mehr wissen wir aus Datenschutzgründen nicht", sagte Spahn dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" am 3. Juli.

In welchen Sprachen gibt es die Corona-Warn-App?

Die Corona-Warn-App der Bundesregierung ist in Deutsch und Englisch gestartet. Inzwischen sind die Informationen zur App laut Bundesregierung in folgenden Sprachen verfügbar:

  • Albanisch
  • Arabisch
  • Bulgarisch
  • Chinesisch
  • Dari
  • Deutsch
  • Englisch
  • Farsi
  • Französisch
  • Griechisch
  • Italienisch
  • Kroatisch
  • Polnisch
  • Rumänisch
  • Russisch
  • Spanisch
  • Tigrinja
  • Tschechisch
  • Türkisch
  • Ungarisch
  • Vietnamesisch

Was hat die Entwicklung der App gekostet? Wie teuer ist ihr Betrieb?

20 Millionen Euro hat allein die Entwicklung der Tracing-App gekostet, wie der WDR aus Regierungskreisen erfuhr. Dazu kommen noch 2,5 bis 3,5 Millionen Euro monatlich für den Betrieb.

Der Hauptteil der Betriebskosten kommt durch zwei Hotlines zustande, die von der Deutschen Telekom betrieben werden und immer erreichbar sein sollen. Dort können sich die Anwender unter anderem bei der Installation der App helfen lassen.

Ist die App für Nutzer wirklich kostenlos?

Ja, ist sie. Der Download aus den App-Stores von Google und Apple kostet nichts. Laut Mitentwickler Deutsche Telekom belastet der Betrieb auch nicht das Datenvolumen des Nutzers. Alle in Deutschland aktiven Mobilfunkunternehmen haben demnach zugesichert, den nötigen Datenverkehr der App nicht zu berechnen.

Dieser Datenverkehr findet nur statt, wenn die App die aktuellen Listen mit den anonymen IDs von Infizierten herunterlädt oder der Nutzer selbst eine Erkrankung mit Covid-19 meldet.

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Die Corona-Warn-App meldet, die Region würde nicht unterstützt - was bedeutet das?

Irritierend ist eine Warnmeldungen, die häufig erscheint: "COVID-19-Kontaktmitteilungen werden von Corona-Warn in dieser Region möglicherweise nicht unterstützt." Diese Meldung gibt es ausschließlich auf Apple-Geräten.

Bei der Meldung handelt es sich um einen Fehler in Apples ExposureNotification-Framework. Die Warnung kann also ignoriert werden. Die Meldung geht auf die Funktionen in Apples Betriebssystem iOS zurück. Auch mit der neusten iOS-Version 13.6 war das Problem noch nicht auf allen Geräten behoben.

Eignet sich Bluetooth Low Energy wirklich für den Zweck?

Das ist noch umstritten. "Präzise Distanzeinschätzungen sind mit der Technologie nicht möglich", sagt zum Beispiel Nachrichtentechniker Jörg Schmalenströer, der an der Uni Paderborn zum Thema forscht.

Wenn das Smartphone zum Beispiel in der Hand oder in der Hosentasche getragen wird, ändere sich die Signalstärke erheblich. So könnten ungenaue Ergebnisse bei der Berechnung der Distanz zu anderen App-Nutzern auftreten.

Allerdings will Schmalenströer keine Fundamental-Kritik an der App üben: Mit der Technik, die aktuell zur Verfügung steht und unter Berücksichtigung des Datenschutzes hätten die Entwickler einen hervorragenden Job gemacht.

Wie installiert man die App? Und wie läuft die Einrichtung?

Die offizielle Corona-Warn-App

Der Download - hier für iPhones

Die App steht in den App-Stores von Apple und Android zum Download und zur Installation bereit. Es gibt eine große Zahl von Corona-Apps, deshalb sollte man genau hinschauen. Die "Corona-Warn-App" des Robert Koch Instituts ist die Richtige.

Die offizielle Corona-Warn-App

Risiko-Ermittlung aktivieren

Die Einrichtung ist relativ einfach. Die App erklärt zuerst in mehreren Schritten ihre Funktionsweise und informiert über Datenschutz-Aspekte. Im nächsten Schritt fordert die App dazu auf, die "Risiko-Ermittlung" zu aktivieren. Damit erlaubt man der App, mit Hilfe von Bluetooth zu ermitteln, ob man sich in der Nähe einer infizierten Person aufgehalten hat.

Damit ist die Einrichtung geschafft. Damit die Corona-Warn-App funktioniert, muss Bluetooth dauerhaft eingeschaltet sein. Das lässt sich in den allgemeinen Einstellungen des Smartphones aktivieren.

Die offizielle Corona-Warn-App

Interne Einstellungen

Es gibt in der App noch die internen Einstellungen. Dort kann man wählen, ob man automatisch über ein mögliches Infektionsrisiko informiert werden soll oder nicht. Außerdem kann man dort die Risiko-Ermittlung auch vorübergehend ganz ausschalten.

Die offizielle Corona-Warn-App

Meldung einer Infektion

Falls man selbst positiv auf Covid-19 getestet wird, erhält man vom Gesundheitsamt einen QR-Code oder eine TAN-Nummer. Diese scannt man oder gibt den Code händisch ein. Dann werden alle Kontaktpersonen automatisch informiert.

Muss die App geöffnet sein, damit sie funktioniert?

Die App muss nicht geöffnet sein, sie erledigt das Tracing im Hintergrund.

Warum berücksichtigt die App nur die Kontakte der letzten 14 Tage?

Alle Kontakte, die länger als 14 Tage zurückliegen, sind nach Informationen des Robert Koch-Instituts (RKI) nicht mehr für die Risiko-Ermittlung relevant. Daher werden die zwischen den Smartphones ausgetauschten anonymen IDs nach dieser Zeit auch wieder gelöscht.

Wer die App installiert, sein Bluetooth aktiviert und nicht mehr ausschaltet, bekommt daher ab dem 14 Tag immer die Information "14 von 14 Tagen aktiv" angezeigt.

Kann ich andere Bluetooth-Geräte benutzen, während die Corona Warn App arbeitet?

Das ist problemlos möglich. Generell können mehrere Geräte gleichzeitig per Bluetooth mit dem Smartphone in Verbindung stehen, etwa Smartwatch, drahtlose Kopfhörer und Fitness-Tracker, um nur einige Beispiele zu nennen. Daran ändert sich rein gar nichts, wenn die Corona-Warn-App installiert und im Einsatz ist.

Muss ich Bluetooth den ganzen Tag eingeschaltet lassen – auch in meiner Wohnung?

Der Funkstandard Bluetooth ist nötig, um andere Smartphones mit installierter Corona-Warn-App in unmittelbarer Nähe identifizieren zu können. Wer aber längere Zeit ohne Kontakte zu Hause oder an einem anderen Ort alleine bleibt und den Akku schonen möchte, kann Bluetooth in dieser Zeit ausschalten. Bei Bedarf auch das komplette Handy.

Die App quittiert das mit einem Hinweis, da dann aktuell kein Tracing erfolgen kann. Das Abschalten hat aber keinerlei Einfluss auf bereits erfolgtes Kontakt-Tracing. Bluetooth sollte aber wieder eingeschaltet werden, sobald Personen in den Raum kommen oder das Haus verlassen wird.

Ist die App überhaupt für jeden nutzbar?

Viele Menschen in Nordrhein-Westfalen können die App nicht nutzen - selbst, wenn sie es wollten: Rund 20 Prozent der Erwachsenen haben aktuell kein geeignetes Smartphone. Nach WDR-Recherchen sind das mehr als drei Millionen. Laut ARD-DeutschlandTrend vom Juni wollen 42 Prozent der Befragten eine Corona-Warn-App auf dem eigenen Smartphone nutzen – 39 Prozent dagegen nicht.

Laut Telekom laufen derzeit intensive Gespräche mit Apple und Google, um die App zumindest für das Iphone 6, 5s und vielleicht sogar 5 freizuschalten.

Erkennt die App auch, wenn zwischen mir und einem Infizierten z. B. ein Fenster oder eine Mauer war?

Die App kann nicht erkennen, ob zwischen zwei Handys eine Wand, ein Fenster oder etwas anderes ist. Sie misst nur die Signalstärke. Das Bluetooth-Signal wird aber durch Mauern abgeschwächt. Eine Wand kann also durchaus verhindern, dass zwei Personen als Kontakte registriert werden.

Muss man dauerhaft im Internet sein, damit die Corona-App funktioniert?

Nein. Das muss man nicht. Die Kontaktverfolgung, also das Tracing, funktioniert per Bluetooth.

Eine Internetverbindung ist aber nötig,

  • damit die Corona-App regelmäßig die Liste von Zahlencodes der als infiziert gemeldeten Menschen aus dem Netz laden kann.
  • um im Fall einer eigenen Infektion die Kontakte der vergangenen 14 Tage zu melden.

Technische Voraussetzungen: Was für ein Handy und welches Betriebssystem brauche ich?

Die App steht kostenlos in den App-Stores von Google und Apple zum Download bereit. Damit sie funktioniert, muss Folgendes erfüllt sein:

  • Android: Es ist nicht nötig, das aktuellste Betriebssystem "Android 10" zu nutzen. Es muss aber mindestens Betriebssystem 6 installiert sein. Diese Version wurde Ende 2015 veröffentlicht.
  • iPhone: Hier muss iOS 13.5 installiert sein, die neueste Version. Dieses Betriebssystem wird ab dem iPhone 6S unterstützt. Ältere Modelle, wie das iPhone 5 oder 6, sind nicht kompatibel. Damit die App funktioniert, muss noch die Bluetooth-Funktion aktiviert werden.

Warum gibt es die Corona-Warn-App nicht für andere Betriebssysteme?

Google und Apple kommen mit ihren Smartphone-Betriebssystemen Android und iOS auf einen Marktanteil von über 99 Prozent. Andere Betriebssysteme haben eine zum Teil treue Nutzerschaft, spielen aber auf dem Markt keine große Rolle. Voraussetzung dafür, dass die Corona-Warn-App funktioniert, ist außerdem die gemeinsame Bluetooth-Schnittstelle, die Google und Apple für ihre Betriebssysteme entwickelt haben.

Wie kann ich sichergehen, dass ich die richtige Corona-Warn-App lade?

Um sicherzugehen, dass man sich nicht aus Versehen eine Fälschung aufs Handy lädt, sollte man die App ausschließlich aus den offiziellen Stores von Apple bzw. Google herunterladen.

+ + + Datenschutz + + +

Was sagen die Datenschützer zur Warn-App?

Insgesamt gibt es viel Lob für die Warn-App, weil ...

  • der Programmcode öffentlich einsehbar ist – auf der Entwickler-Plattform GitHub. Dass alle Codes vollständig einsehbar sind, macht die App transparent und hilft, sie weiterzuentwickeln. In dem Open-Source-Projekt haben sich mittlerweile Zehntausende freiwillige Software-Experten die Quellcodes angesehen.
  • Daten nur dezentral gespeichert werden sollen, auch wenn eine zentrale Speicherung möglicherweise effektiver gewesen wäre.

Wenn ich Bluetooth für die App aktiviere, ist mein Smartphone dann angreifbar?

Leider gibt es vor allem auf Android-Geräten durchaus immer wieder relevante Sicherheitslücken, die Bluetooth betreffen – unabhängig von der Corona-Warn-App.

Deshalb ist es wichtig, Android regelmäßig auf den neuesten Stand zu bringen, um möglicher Sicherheitslecks auf diese Weise zu schließen. Solche Sicherheitslücken auszunutzen ist möglich, aber aufwändig, da sich Betrüger in Funkreichweite aufhalten und die Sicherheitslecks kennen müssen.

Wozu benötigt die Corona-Warn-App Zugriff auf meine Kamera?

Das mag erst mal verwirrend sein, hat aber einen ganz einfachen Grund: Wenn ein App-User eine Infektion melden möchte, übergibt das Gesundheitsamt oder Labor ihm einen QR-Code.

Der muss in der App gescannt werden – quasi als Bestätigung dafür, dass tatsächlich eine Infektion vorliegt. Auf diese Weise wird verhindert, dass "Spaßvögel" Fake-Meldungen einreichen. Um den QR-Code zu scannen, muss die App allerdings auf die Kamera zugreifen dürfen.

Gibt es das Testergebnis über die App bald direkt aufs Handy?

Das ist laut Telekom so geplant. Dafür arbeite man derzeit mit Hochdruck daran, alle Labore an das QR-System anzuschließen. Laut Telekom soll dieses Ziel in den "in den nächsten Wochen" erreicht werden.

Mit dem QR-Code kann man in der App den Status auf "infiziert" ändert. Bisher kommt der QR-Code vom Gesundheitsamt.

Wenn ich infiziert bin und das der App mitgeteilt habe, bekommt dann jeder eine Warnung?

Sinn und Zweck der Corona-Warn-App ist es, Personen zu informieren, die in den letzten 14 Tagen Kontakt mit einer infizierten Person hatten. Wenn eine Person sich als infiziert meldet und den Freischaltcode des Labors erhält, sorgt die Warn-App automatisch dafür, dass in der Vergangenheit erfolgte Kontakte informiert werden.

Es findet keine Live-Berichterstattung statt: Wenn eine bereits als infiziert gemeldete Person auf andere Personen trifft, werden diese nicht sofort informiert. Aufgrund der Quarantänevorschriften sollte es dazu aber ohnehin nicht kommen: 14 Tage ab Erkennen der Infektion besteht in der Regel Quarantäne, und die enthält ein komplettes Ausgeh- und Kontaktverbot.

Warum verlangt die App, dass ich meinen GPS aktiviere?

Die Corona-Warn-App ist eine Tracing-App, keine Tracking-App: Sie registriert und speichert keine Standortdaten. Das ist in den neuen Funktionen von iOS und Android zur Unterstützung der App so vorgesehen.

Die App fragt allerdings keine Standortdaten ab – und braucht sie auch gar nicht. Dennoch ist es auf Android-Geräten erforderlich, die Location-Funktion zu aktivieren, etwa per GPS, damit die App richtig funktioniert. Grund dafür ist, dass das Smartphone nur so anhand der Bluetooth-Signale anderer Smartphones in der Nähe suchen kann.

Sind meine Daten beim Tracing sicher? Was wird wo gespeichert?

Bei der deutschen Corona-Warn-App werden Nutzerdaten nur auf den Handys selbst gespeichert. Zunächst hatten die Entwickler geplant, Daten auch zentral zu speichern. Datenschützer hatten das kritisiert.

Die aktuelle App funktioniert wie ein Tagebuch und zeichnet auf, wann andere Handys mit der installierten App für eine bestimmte Zeit in der Nähe waren. Dafür tauschen die Smartphones Zahlencodes aus, die aber keinen direkten Rückschluss auf Personen zulassen.

Ist jemand infiziert und meldet das in der App, schickt diese Codes an einen Server. Die Daten liegen dort zwar zentral, aber als anonymisierte Listen. Alle anderen Handys, auf denen die App installiert ist, können diese Listen dann runterladen. Sie vergleichen, ob ihr Nutzer längeren Kontakt mit einem Infizierten hatte. Dieser Abgleich passiert ausschließlich lokal auf dem jeweiligen Handy.

Werde ich die App irgendwann auch wieder los?

Das ist bislang offenbar noch nicht genau geregelt. Die Bundestagsabgeordnete Anke Domscheit-Berg (Linke) forderte deshalb bereits ein Gesetz, das eine befristete Laufzeit der App festschreibt - nämlich bis zum erklärten Ende der Pandemie. Nur das schaffe Vertrauen und eine breite Nutzerschaft, sagte sie im Deutschlandfunk.

Auch der EU-Kommissar für Justiz und Verbraucherschutz, Didier Reynders, hatte bereits eine Beschränkung auf die Zeit der Coronakrise gefordert. Die App dürfe nur während dieser Phase verwendet werden, hatte Reynders im Europaparlament in Brüssel gesagt. Die Anwendungen müssten komplett deaktiviert werden, wenn die Pandemie vorbei sei.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dagegen verweist auf die Datenschutzgrundverordnung: Darin sei alles Notwendige geregelt.

Kann mich mein Chef zwingen, die App zu installieren?

Nein, die Nutzung ist freiwillig. Bei privaten Smartphones hat der Arbeitgeber ohnehin kein Recht, die Installation zu verlangen. Aber auch bei Diensthandys ist eine solche Anweisung nach Ansicht von Arbeitsrecht-Experten nicht zulässig, weil der persönliche Lebensbereich des Arbeitnehmers betroffen ist.

Wer aber die App nutzt und eine Warnmeldung über eine mögliche Infektionsgefahr erhält, ist laut Michael Fuhlrott, Professor für Arbeitsrecht an der Hochschule Fresenius in Hamburg, verpflichtet, den Arbeitgeber zu informieren. Dieser kann dann entscheiden, ob er den Arbeitnehmer zunächst nach Hause schickt oder für andere Mitarbeiter Schutzmaßnahmen trifft.

Kann die App für Ausgrenzung missbraucht werden?

Theoretisch ja. Restaurantbesitzer können den Eintritt für Gäste davon abhängig machen, ob die App auf dem Telefon installiert wurde. Supermärkte könnten ihre Kunden verpflichten, die App nachzuweisen, Arbeitgeber ihre Mitarbeiter unter Druck setzen, sie herunterzuladen.

Die Grünen im Bundestag haben am Dienstag (16.06.2020) einen Gesetzentwurf vorgelegt, der solchen Missbrauch verhindern soll. Niemand dürfe benachteiligt werden, "weil sie oder er keine Anwendung auf einem Mobilgerät installiert, die der Nachverfolgung von Infektionsrisiken durch den Nutzer dient", heißt es dort. Weder im Supermarkt noch im Restaurant - noch sonstwo. Eine Installationspflicht unterliege "nicht dem Direktionsrecht des Arbeitgebers und darf nicht Gegenstand von Betriebsvereinbarungen sein". Ein solches Benachteiligungsverbot müsse gesetzlich abgesichert werden, fordern die Grünen.

Antworten auf Fragen rund um Corona und die Themen Gesundheit, Alltag, Arbeit, Masken, Bildung und Reisen finden Sie in weiteren FAQ:

Stand: 26.11.2020, 09:54