Der Corona-Impfpass kommt: Fragen und Antworten zum EU-Impfausweis

Angeklickt: Digitaler Impfpass

Aktuelle Stunde 12.03.2021 03:56 Min. Verfügbar bis 12.03.2022 WDR Von Jörg Schieb


Download Podcast

Der Corona-Impfpass kommt: Fragen und Antworten zum EU-Impfausweis

Die EU will zum 1. Juni einen europaweit gültigen Impfpass einführen, um Urlaubsreisen zu ermöglichen. Hier gibt es alles, was bisher zum Corona-Impfausweis bekannt ist.

Der digitale europäische Impfausweis soll nach dem Willen der EU-Kommission bis zu den Sommerferien fertig sein. Das ist bisher bekannt:

Wann kommt der Corona-Impfpass?

Urlauberin mit Maske auf einer Bank am leeren Strand

Der neue Impfpass soll bis zum Sommer vorliegen.

Die geplanten Zertifikate sollen laut EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyenals Nachweis dienen, ob ein EU-Bürger geimpft oder getestet wurde oder von einer Covid-19-Erkrankung genesen ist. Alle 27 EU-Staaten sollten diese Bescheinigungen gegenseitig anerkennen. Einem Medienbericht zufolge soll der digitale europäische Impfausweis bis 1. Juni fertig sein.

Das Dokument soll in der jeweiligen Landessprache und auf Englisch ausgestellt werden. Jeder EU-Bürger soll das Dokument kostenlos erhalten können.

Hoffnungen in Urlaubsländern wie Griechenland auf Touristen mit Impfpass bereits in den Osterferien konnte der Gipfel nicht erfüllen. Länder wie Deutschland und Frankreich hatten schon in den vergangenen Wochen darauf verwiesen, dass sonst Privilegien für eine kleine Gruppe Geimpfter entstehen würden.

Wie soll der neue Impfausweis funktionieren?

Das Projekt läuft unter dem Namen "Digitaler Grüner Nachweis", angelehnt an den "Grünen Pass", den geimpfte Personen in Israel erhalten. In dem EU-Impfpass sollen neben Impfungen auch Ergebnisse von zugelassenen PCR- und Schnelltests sowie überstandene Corona-Infektionen erfasst werden.

Es wird ein digitaler Ausweis, also kein richtiger Pass, in dem Stempel für die Impfungen gesammelt werden, sondern zum Beispiel eine App für das Smartphone. Das Zertifikat ist zwar in erster Linie als digitales Dokument gedacht, es soll die Bescheinigung mit personalisiertem QR-Code aber auch auf Papier geben. Zudem soll er eine digitale Signatur enthalten, um den Nachweis fälschungssicher zu machen.

Symbolbild eines möglichen Digitalen Impfpass auf einem Mobiltelefon und eines Deutschen Reisepass der Europäischen Union.

Der Impfpass der EU wird personalisierte QR-Codes enthalten.

Ein gegenseitig anerkannter Impfausweis setzt neben einer Datenbank zur EU-weiten Registrierung der Impfungen auch einen personalisierten QR-Code für Geimpfte voraus. Die Kommission in Brüssel legt nun die Grunddaten fest, die ein EU-Impfpass enthalten muss.

Coronavirus: Die EU will einen digitalen Impfpass einführen

WDR 5 Morgenecho - Medienschau 26.02.2021 03:53 Min. Verfügbar bis 26.02.2022 WDR 5


Download

Darf ich ohne diesen Corona-Impfpass nicht mehr in der EU verreisen?

Gefordert hatte den Impfpass insbesondere auch Österreichs Kanzler Sebastian Kurz, der auch damit verbundene Lockerungen aufzeigte.

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Anders als die Urlaubsländer will Kanzlerin Angela Merkel aber offen lassen, welche konkreten Rechte mit dem Impfausweis verbunden sind. Merkel wies darauf hin, im Moment seien noch zu wenig Menschen geimpft, um die Frage der Reisefreiheit mit dem Impfausweis jetzt schon zu entscheiden. Zudem könnten Kinder derzeit gar nicht gegen Covid-19 geimpft werden, weil es für sie gar keine zugelassenen Impfstoffe gibt.

Die Bundeskanzlerin geht deshalb davon aus, dass der EU-Impfpass alleine nicht darüber entscheidet, wer wohin reisen darf, sondern dass es auch andere Möglichkeiten wie zum Beispiel Tests geben muss, um Reisen zu erlauben.

Können Geimpfte nicht trotzdem Überträger sein?

Neuen Schwung bekam die Impfpass-Debatte durch eine unveröffentlichte Studie aus Israel, wonach der Impfstoff von Biontech/Pfizer zu fast 90 Prozent die Virusübertragung auf andere verhindert. Sollte sich bestätigen, dass sich tatsächlich 90 Prozent der Geimpften nicht mehr anstecken und damit auch die Krankheit nicht weiter verbreiten können, sei das "ein Meilenstein", betonte der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach. Infektionsketten wären damit tatsächlich gestoppt.

Wie reagiert die Tourismus-Branche?

"Reisen in Europa wird im Sommer 2021 möglich sein - sicher und verantwortungsvoll": So optimistisch äußerte sich der Chef des mit deutschen Milliardenhilfen unterstützten Tourismuskonzerns Tui, Fritz Joussen. Insbesondere ein europaweiter Impfnachweis und Schnelltests könnten dabei helfen. "Mit einem EU-einheitlichen Nachweis kann die Politik jetzt eine wichtige Basis für das Reisen im Sommer schaffen", sagte Joussen. Die Schnelltests seien ein zweiter Baustein, solange nicht alle geimpft sind.

Auf Tests setzt offenbar auch die deutsche Flugbranche. Erste Projekte mit Massen-Schnelltests führten einige Airlines bereits durch. Lufthansa-Chef Carsten Spohr betonte in der "Welt am Sonntag", dass es bei Deutschlands größter Airline keine solche Regelung geben solle wie bei der australischen Fluggesellschaft Quantas. Die hatte bereits vor Monaten eine Impfpflicht für internationale Flüge angekündigt.

Der Düsseldorfer Reiseveranstalter Alltours will ab Ende Oktober in seinen eigenen Urlaubshotels nur noch Gäste mit einer Corona-Impfung beherbergen.

Stand: 18.03.2021, 07:22

Weitere Themen