Was man jetzt über den digitalen Impfpass wissen muss

Wie läuft's mit dem digitalen Impfpass? Lokalzeit Münsterland 14.06.2021 02:36 Min. Verfügbar bis 14.06.2022 WDR Von Rolf Heutmann

Was man jetzt über den digitalen Impfpass wissen muss

Der digitale Impfpass ist gestartet. Die ersten Impfzertifikate werden von Apotheken ausgestellt. Was muss man dazu wissen? Hier die Antworten.

Der digitale Impfpass ist in Deutschland in der zweiten Juni-Woche eingeführt worden. Inzwischen vergeben die Apotheken erste Impfzertifikate, die im Impfpass hinterlegt werden können. Bis Ende Juni soll man darauf auch Negativtest-Ergebnisse und Genesenen-Zertifikate hinterlegen lassen können. Was muss man jetzt zum digitalen Impfpass wissen? Fragen und Antworten:

Wozu ist der elektronische Impfpass gut - und für wen?

Der digitale Impfpass soll vollständig geimpften Menschen erlauben, ihre Immunität per Handy nachzuweisen. Man muss also nicht immer das gelbe Impfbuch dabei haben. Der digitalisierte Impfpass soll ab 1. Juli das grenzüberschreitende Reisen in Europa erleichtern.

Darüber lassen sich demnächst auch Negativtest-Ergebnisse und Genesenen-Zertifikate auf dem digitalen Impfpass hinterlegen - er ist also nicht nur für Geimpfte nützlich. Diese nächsten Entwicklungsstufe soll bis Ende Juni abgeschlossen sein, so das Bundesgesundheitsministerium.

Für Nutzer des digitalen Impfpasses können Testpflichten entfallen - für Genesene und Geimpfte auch Quarantänepflichten. Allerdings bestimmen die EU-Staaten weiterhin selbst über Reise-Erleichterungen und Restriktionen.

Nützlich ist der elektronische Impfpass natürlich auch zum Beispiel bei Restaurant-Besuchen oder Kulturveranstaltungen, falls dort ein Impfnachweis verlangt wird.

Wie funktioniert der neue Impfpass?

Das Zertifikat ist zwar in erster Linie als digitales Dokument auf dem Smartphone gedacht, es soll die Bescheinigung mit personalisiertem QR-Code aber auch auf Papier geben. Zudem enthält der Ausweis eine digitale Signatur enthalten, um den Nachweis fälschungssicher zu machen.

Symbolbild eines möglichen Digitalen Impfpass auf einem Mobiltelefon und eines Deutschen Reisepass der Europäischen Union.

EU-Impfpass - digital oder aus Papier

"Bei der Überprüfung von digitalen Impfnachweisen ist - wie in der analogen Welt auch - ggf. ergänzend ein Lichtbildausweis vorzulegen. Der digitale Impfnachweis ist kryptographisch vor Veränderungen geschützt", informiert das Bundesgesundheitsministerium.

Welche Apps gibt es für den digitalen Impfpass?

Es gibt zwei Möglichkeiten: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) stellte am 10. Juni eine neue App vor. Die Anwendung heißt "CovPass" und ist eine freiwillige Ergänzung des weiter gültigen gelben Impfheftes aus Papier.

Übrigens: Die "CovPass"-App darf nicht verwechselt werden mit der englisch sprachigen "Covidpass"-App, die nichts mit dem digitalen Impfpass zu tun hat.

Die zweite Möglichkeit, den digitalen Impfnachweis anzuzeigen, bietet die offizielle Corona-Warn-App des Bundes. Der Unterschied: Die "CovPass"-App hat anders als die Corona-Warn-App keine Kontaktverfolgungsfunktion.

Wie kommt der digitale Impfpass auf mein Smartphone?

Die Corona-Warn-App, in die der Impfpass integriert wird, ist bereits aktualisiert worden und zum Download bereit. Nutzer können sich auch die neue App "CovPass" aus den gängigen App-Stores auf das Handy installieren.

Seit dem 14. Juni werden die nötigen QR-Codes ausgegeben. In den Apotheken bekommt jeder, der in Arztpraxen, bei der Arbeit im Krankenhaus oder durch mobile Teams vollständig geimpft worden ist, einen solchen Code. Der Apothekerverband bietet im Internet ein Suchportal an, über das die beteiligten Apotheken gefunden werden können. Die Apotheken registrieren sich dafür in dem Portal "Mein Apothekenmanager".

Wer bereits im Impfzentrum geimpft wurde, muss nicht in die Apotheke. Die Geimpften bekommen den QR-Code laut NRW-Gesundheitsministerium bis Ende Juni per Post zugeschickt. Die Codes können mit dem Smartphone fotografiert und in der CovPass-App oder der Corona-Warn-App hinterlegt werden. Für alle neu durchgeführten Impfungen in den Impfzentren werden die Codes künftig in den Impfzentren selbst ausgegeben.

Laut der Apothekerverbände Nordrhein und Westfalen-Lippe können Patienten aus den Impfzentren ihren QR-Code aber auch in der Apotheke bekommen. Apotheken wird das Ausstellen des Zertifikats mit 18 Euro vergütet, ab 1. Juli nur noch mir sechs Euro.

Die Arztpraxen sollen bis Mitte Juli nach und nach an das System angebunden werden und auch QR-Codes ausstellen können.

Was kostet der digitale Impfpass?

Er ist für die Nutzerinnen und Nutzer kostenfrei - das gilt sowohl für die Apps als auch für die QR-Codes in den Apotheken.

Welche Probleme birgt der digitale Impfpass?

Anders als etwa in Schweden gibt es in Deutschland kein zentrales digitales Impfregister. Die Daten von bereits vollständig Geimpften müssen also mühsam nachträglich digital erfasst werden. Zudem sind nur Impfungen mit in der EU zugelassenen Impfstoffen gültig.

Das wirft zum Beispiel die Frage auf, was mit der Einreise von Menschen aus Ungarn ist, die mit dem russischen Impfstoff Sputnik V immunisiert wurden. Zumindest in Deutschland werden solche Personen bei der Einreise nicht als Voll-Geimpfte angesehen und müssen Negativ-Tests nachweisen. Deshalb müsste im QR-Code auch sichtbar sein, welcher Impfstoff verabreicht wurde.

Sind Hausärzte, Impfzentren und Apotheken auf die nachträgliche digitale Erfassung vorbereitet?

Im Moment können die Hausärzte sowie die Impfzentren noch keine elektronischen Impfzertifikate ausstellen, teilte die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe mit.

Der Hausärzteverband Nordrhein hat große Sorge, dass der Mehraufwand nicht zu stemmen ist. Es sei fraglich, wie sich das alles in die Praxissoftware einbinden lasse.

Der Deutsche Apothekerverband gibt zu bedenken, dass nicht alle Apotheken über die nötigen Ressourcen verfügten, um sich an der Digitalisierung der Impfnachweise zu beteiligen. Der Apothekerverband Nordrhein schätzt den Bedarf für den digitalen Impfpass auf etwa 1.000 Nachweise pro Apotheke. Nur jede vierte Apotheke im Rheinland werde diesen Service anbieten können.

Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, sagte dazu: "Wir sind Hausärzte und nicht das Passamt." Ein Hausarzt aus Witten sagte dem WDR, er rechne erst zum 1. Juli mit der Vergabe von Zertifikaten in seiner Praxis. Das NRW-Gesundheitsministerium hat angekündigt, dass die Praxen nach und nach bis Mitte Juli QR-Codes ausstellen können sollen.

Gilt der gelbe Impfpass aus Papier weiterhin?

Ja, der digitale Impfnachweis ist lediglich ein freiwilliges und ergänzendes Angebot. Wenn Geimpfte kein Smartphone besitzen oder dieses verloren haben, ist der Impfnachweis über das bekannte gelbe Heft weiterhin möglich und gültig.

Allerdings ist der gelbe Ausweis nicht fälschungssicher. Gerade angesichts der Lockerungen für Geimpfte und Genesene sorgen sich Sicherheitsbehörden um gefälschte Impfpässe. Die werden bereits im Internet angeboten oder finden sich bei Polizeikontrollen.

In welchen Ländern gilt der Impfpass?

Ab dem 1. Juli müssen innerhalb der EU die Impfzertifikate überall anerkannt werden - entweder digital oder in Papierform mitsamt QR-Code.

Ebenfalls gültig ist der digitale Impfpass darüber hinaus in Island, Norwegen, Liechtenstein und der Schweiz.

Gilt man auch nach einer Kreuzimpfung als vollständig geimpft?

Ja, auch wenn man eine Kreuzimpfung erhalten hat, also unterschiedliche Corona-Impfstoffe für die Erst- und die Zweitimpfung, gilt man mit dem digitalen Impfpass vom 1. Juli an in der gesamten EU als vollständig geimpft. Das hat die Europäische Kommission auf WDR-Anfrage bestätigt. Für Menschen, die zunächst mit Astrazeneca und danach mit Biontech/Pfizer oder Moderna geimpft wurden, gibt es also keine Nachteile.

Wo werden die Daten beim digitalen Impfpass gespeichert?

Dauerhaft gespeichert werden die Daten nur dezentral auf den Smartphones der Nutzer. Vorübergehend werden die Daten auch zur technischen Übertragung gespeichert, anschließend aber gelöscht.

Wer setzt den digitalen Impfpass in Deutschland um?

Das Bundesministerium für Gesundheit hat vier Firmen mit der Entwicklung beauftragt: Unter der Führung des amerikanischen Technologiekonzerns IBM sind auch das Kölner Start-up Ubirch, der schwäbische IT-Dienstleister Bechtle und Govdigital, ein genossenschaftlicher Zusammenschluss von zehn IT-Dienstleistern der öffentlichen Hand, beteiligt.

Der Start des digitalen Impfpasses mit Jens Spahn, Lothar Wieler und Ronald Fritz WDR 10.06.2021 01:25:03 Std. Verfügbar bis 10.06.2022 WDR

Stand: 16.06.2021, 11:09

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