Mehr Schnelltests für Seniorenheime - ein schwer umsetzbarer Plan

Mehr Schnelltests für Seniorenheime - ein schwer umsetzbarer Plan

Bund und Länder wollen Bewohner von Seniorenheimen besser schützen. Deshalb sollen die Einrichtungen bald 30 Corona-Schnelltests pro Bewohner und Monat bekommen. Dort fehlt allerdings das Personal.

Grundsätzlich begrüßt Martin Kaiser die Idee, Seniorenheimen mehr Corona-Schnelltests zur Verfügung zu stellen. Kaiser ist Geschäftsführer der städtischen Seniorenheime in Dortmund: "Die Tests geben uns die Möglichkeit, das Risiko für unsere Bewohner abzuschätzen, sich mit Corona anzustecken."

Zu wenig Personal für Tests

Die Logistik der Tests stellt ihn allerdings vor ein Problem: "Unsere Seniorenheime haben etwa 1.000 Bewohner, das heißt wir müssten pro Monat 30.000 Schnelltests durchführen, dafür fehlt mir das Personal."

Gut geplant lasse sich so ein Test von geschultem Fachpersonal in etwa fünf Minuten durchführen sagt Kaiser, wenn er das hoch rechne, bräuchte er insgesamt zehn neue Mitarbeiter, "und zwar geschultes Fachpersonal und das kriegen sie im Moment auf dem Markt nicht."

Personal muss erst geschult werden

Und auch die Schulung des vorhandenen Personals kostet Arbeitszeit, die ohnehin schon knapp sei, sagt Andre Löckelt, der ein Pflegeheim in Witten leitet: "Wenn ich 20 Mitarbeiter eine halbe Stunde schule, sind das zehn Arbeitsstunden für mich, die fehlen in der normalen Versorgung."

Dieses Problem haben alle Pflegeheime, sagt Roland Weigel von der Ruhrgebietskonferenz Pflege. Weil Fachpersonal fehlt, kann er sich vorstellen, Pfleger von einfachen Aufgaben zu entlasten: "Wir brauchen in der Pflege Menschen, die mit anpacken. Das können Menschen sein, die in der Pflege beschäftigt waren, aber auch Rettungssanitäter oder Bundeswehrsoldaten."

Bund zahlt 16 Euro für Tests

Kleinere Einrichtungen haben neben dem Personal noch ein zweites Problem. Für sie könnte das Geld, das der Bund für die Schnelltests zur Verfügung stellt, nicht ausreichen. Aktuell vorgesehen sind sieben Euro für den Test und neun Euro für das Personal.

Seniorenheimen und Pflegeeinrichtungen bleibt im Moment nur, Prioritäten zu setzen. "Je näher am Bewohner und am Körper ein Altenpfleger eingesetzt wird, umso wichtiger ist es zu testen", sagt zum Beispiel Tobias Berghoff von der Caritas Dortmund.

Testzentrum für Seniorenheim-Besucher?

Grundsätzlich sollen in den Caritas-Pflegeheimen Beschäftigte einmal pro Woche getestet werden, ebenso die Bewohner, sofern sie dies wollen. Besucher hingegen können im Moment nur bei Bedarf getestet werden.

Damit die Bewohner trotzdem weiter Besuch bekommen können, diskutieren die Träger der Dortmunder Pflegeheime im Moment die Idee eines gemeinsamen Testzentrums für Besucher. Die könnten sich dort testen lassen, um danach ihre Angehörigen im Heim zu besuchen.

Stand: 27.11.2020, 14:55