Wann werden Kinder gegen Corona geimpft?

Eine Hand hält den Arm eines Kindes fest, die andere Hand hält eine Spritze.

Wann werden Kinder gegen Corona geimpft?

Kinderärzte machen schon länger Druck: Auch Kinder und Teenager sollten geimpft werden, damit sie in die Schule oder Kita gehen können. Wann ist es so weit?

Kinder und Jugendliche hatten und haben es in der Pandemie schwer, die monatelangen Schließungen von Schulen und Kitas wegen der Ansteckungsgefahr hat sie hart getroffen.

Nun soll allen Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren bis zum Ende des Sommers ein Impfangebot gemacht werden, wenn die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) den Impfstoff von Biontech/Pfizer für diese Altersgruppe zulässt. Das erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 27. Mai nach Beratungen von Bund und Ländern. Ein sicherer Schulbetrieb sei aber zukünftig nicht abhängig davon, wie viele Schülerinnen und Schüler sich impfen lassen. Eine Impfpflicht werde es nicht geben.

Warnung vor zu hohen Erwartungen

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) warnte vor zu hohen Erwartungen an die geplanten Corona-Impfungen für Kinder. Nach Aufhebung der Impf-Priorisierung am 7. Juni werde es keine eigene Impfkampagne für Kinder und Jugendliche ab zwölf geben. Vielmehr solle ihnen, solle den Familien ein Angebot in Impfzentren oder Arztpraxen im Rahmen der verfügbaren Impfstoffmengen gemacht werden. Auch sie können sich dann um einen Termin bemühen.

Laufen auch Studien an Kindern?

Eine Person hält mit Handschuhen eine Ampulle des Impfstoffes zwischen den Fingern.

Die Dosis muss stimmen

Der Impfstoff von Biontech wird schon seit längerem an Jugendlichen zwischen 12 und 15 Jahren getestet. Offenbar zeigt sich dabei auch eine sehr gute Wirksamkeit: In einer Studie in den USA ist keine der geimpften Testpersonen an Covid-19 erkrankt. Die Studie hatte allerdings noch relativ wenige Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Auch andere Hersteller machen Fortschritte: Moderna etwa führt aktuell eine Studie mit Kindern zwischen sechs Monaten und zwölf Jahren durch.

Warum sollten Kinder überhaupt geimpft werden?

Schwere Verläufe einer Infektion bei Kindern und Jugendlichen seien zwar selten, sagte Virologin Jennifer Neubert von der Uniklinik Düsseldorf dem WDR. Aber auch bei Kindern seien Komplikationen möglich, zum Beispiel bei der Herzfunktion. Auch Kinder mit bestimmten Vorerkrankungen könnten durch eine Corona-Infektion gefährdet sein.

Insgesamt sei der Nutzen einer Impfung bei Kindern weit höher als das Risiko von Nebenwirkungen, meint die Ärztin. Das ist auch die Auffassung der Biontech-Entwickler. Laut einer aktuellen Studie mit über 1.000 Probanden in der Altersgruppe ab 12 Jahren sei der Impfstoff zu 100 Prozent wirksam und gut verträglich.

Bisher hätten alle Studien zum Thema gezeigt, dass die Wirkung und Verträglichkeit der Impfstoffe für Jugendliche "exzellent" sei, sagt auch Dominik Schneider, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Dortmund. Die Geschichte habe gezeigt, dass eine Impfung für Kinder stets weniger Risiko bedeute als die entsprechende Erkrankung.

Wieso gab es bislang noch keine Impfung für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren?

Für welche Altersgruppe ein Impfstoff zugelassen wird, hängt vor allem von den Studien ab, die vorher gemacht werden. Meist werden die erst nur in bestimmten Bevölkerungsgruppen durchgeführt, deswegen liegen nicht für alle Altersschichten direkt Daten z.B. zur Wirksamkeit vor. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Impfstoff bei Älteren oder Jüngeren schlechter oder weniger sicher wirkt - man weiß es nur einfach nicht genau.

Zulassungsstudien werden zunächst bei gesunden Erwachsenen durchgeführt. Kinder kommen auch aus ethischen Gründen erst später an die Reihe. Trotzdem ist es unerlässlich, Studien auch an Kindern durchzuführen, bevor ein Impfstoff für sie zugelassen wird. Ein junger Körper kann anders auf ein Arzneimittel reagieren als ein älterer.

(Zurück) zur Übersicht:

Stand: 27.05.2021, 20:04