Biontech beantragt Impfstoff-Zulassung für Kinder ab 12

Biontech beantragt Impfstoff-Zulassung für Kinder ab 12

Um die Pandemie zu besiegen, müssen auch Jugendliche geimpft werden, sagen Forscher. Am Freitag hat Biontech die Zulassung seines Impfstoffs für alle ab 12 Jahren beantragt.

Der Impfstoffhersteller Biontech und sein US-Partner Pfizer haben bei der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) am Freitag die Zulassung ihres Corona-Impfstoffs für Jugendliche in der EU beantragt. Die Marktzulassung solle dementsprechend geändert werden, teilten die Unternehmen mit. Damit soll der Impfstoff auch für Jugendliche zwischen zwölf und 15 Jahren zugelassen werden - wenn möglich schon ab Juni dieses Jahres.

Der Schritt kommt deutlich schneller als geplant. Ursprünglich stand eine Genehmigung im Frühjahr 2022 im Raum - es drohte noch ein Winter ohne Schutz.

Die EMA hatte bei der ersten Prüfung der bedingten Zulassung für den Impfstoff im Dezember drei Wochen benötigt. Bislang ist der Impfstoff in der EU erst ab 16 Jahren zugelassen, in den USA ab 12 Jahren.

Impfung: "Wieder mehr soziale Teilhabe für Kinder"

WDR 5 Morgenecho - Interview 30.04.2021 06:00 Min. Verfügbar bis 30.04.2022 WDR 5


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Wann geht es los? Gibt es Risiken? Fragen und Antworten.

Warum sollten Kinder überhaupt geimpft werden?

Schwere Verläufe einer Infektion bei Kindern und Jugendlichen seien zwar selten, sagte Virologin Jennifer Neubert von der Uniklinik Düsseldorf dem WDR. Aber auch bei Kindern seien Komplikationen möglich, zum Beispiel bei der Herzfunktion. Auch Kinder mit bestimmten Vorerkrankungen könnten durch eine Corona-Infektion gefährdet sein.

Insgesamt sei der Nutzen einer Impfung bei Kindern weit höher als das Risiko von Nebenwirkungen, meint die Ärztin. Das ist auch die Auffassung der Biontech-Entwickler. Laut einer aktuellen Studie mit über 1.000 Probanden in der Altersgruppe ab 12 Jahren sei der Impfstoff zu 100 Prozent wirksam und gut verträglich.

Bisher hätten alle Studien zum Thema gezeigt, dass die Wirkung und Verträglichkeit der Impfstoffe für Jugendliche "exzellent" sei, sagte auch Dominik Schneider, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Dortmund, dem WDR. "Wir Kinderärzte sind große Impf-Anhänger." Die Geschichte habe gezeigt, dass eine Impfung für Kinder stets weniger Risiko bedeutet als die entsprechende Erkrankung.

Wann könnte die Impfkampagne für Jugendliche losgehen?

Das hängt ganz davon ab, wann die EMA den Impfstoff für Jugendliche freigibt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rechnet mit einer "zügigen Zulassung". Er würde es begrüßen, wenn die über Zwölfjährigen schon im Sommer zum Schulstart nach den Ferien geimpft werden könnten, sagte Spahn. Biontech rechnet mit einer Zulassung noch im Juni.

Was ist mit kleinen Kindern?

Auch für jüngere Kinder soll es mittelfristig ein Impfangebot geben - allerdings könnte das noch dauern. Derzeit laufen noch Studien zum Thema. "Im Juli könnten erste Ergebnisse für die Fünf- bis Zwölfjährigen, im September für die jüngeren Kinder vorliegen, die Auswertung dauert etwa vier bis sechs Wochen", sagte Biontech-Chef Ugur Sahin dem "Spiegel".

Derzeit rechnen Experten damit, dass die Entwicklung eines Impfstoffs für kleine Kinder nicht unmittelbar bevorsteht. Frühestens Ende des Jahres könne es aber Angebote für alle Alterstufen geben - sogar für Säuglinge ab sechs Monaten.

Die Entwicklung eines Impfstoffs für Kinder sei sehr aufwendig, erklärt Antje Sieb aus der WDR-Wissenschaftsredaktion. Denn für jede Altersstufe müssten besondere Untersuchungen durchgeführt werden. Insbesondere gehe es darum, die genau richtige Dosis für den kindlichen Organismus zu bestimmen.

Welchen Einfluss haben Kinder und Jugendliche auf die Infektionslage?

Lange hieß es, das Infektionsrisiko von Kindern sei relativ gering. Das hat sich mittlerweile geändert: Die Zahl der infizierten Kinder steigt und steigt. In der vergangenen Woche lag die Inzidenz bei den 10- bis 14-Jährigen bei 234 und damit weit über über dem Bundesschnitt von 173. Selbst die Unter-Fünf-Jährigen wiesen eine Wocheninzidenz von 141 auf.

"Kinder tragen auf jeden Fall zum Infektionsgeschehen bei", betont auch RKI-Chef Lothar Wieler. "Und das ist natürlich besonders so, wenn die Schulen und Kitas geöffnet sind."

Inzidenzen nach Altersgruppen (Quelle: RKI)
AltersgruppeInzidenz Stand 27. April 2021
90+103,52
85 - 8975,07
80 - 8460,83
75 - 7963,95
70 - 7491,21
65 - 6994,63
60 - 64136,27
55 - 59162,53
50 - 54172,35
45 - 49201,26
40 - 44219,47
35 - 39211,87
30 - 34214,39
25 - 29212,14
20 - 24243,21
15 - 19260,38
10 - 14233,71
5 - 9223,59
0 - 4140,61

Gibt es weitere Gründe für eine Impfung?

Kinder und Jugendliche leiden besonders unter den Einschränkungen durch die Pandemie. "Immer mehr Kinder leiden an Übergewicht, fehlender Motivation, Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen sowie einem Mangel an sozialen Kontakten", sagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, der "Rheinischen Post". Mit einer Impfung könnten Kinder einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Pandemie zu besiegen und - endlich - wieder zum normalen Leben zurückzukehren.

Kinder könnten mit einer Impfung dazu beitragen, die ganze Gesellschaft vor Covid-19 zu schützen, sagt auch Wissenschaftsjournalistin Antje Sieb. Am Ende würden aber auch sie profitieren, wenn die Zahl der Neuinfektionen sinke - auch wenn ihr individuelles Corona-Risiko recht überschaubar sei.

Stand: 30.04.2021, 18:17