Weihnachten feiern trotz hoher Corona-Risiken bei Kindern und Großeltern

Weihnachten feiern trotz hoher Corona-Risiken bei Kindern und Großeltern

Von Oliver Scheel

In der vierten Welle sind zwei Gruppen besonders schutzbedürftig: ungeimpfte Kinder mit hohen Infektionsraten und ältere Menschen mit hohen Sterberaten. Viele Familien fragen sich: Wie ist ein halbwegs normales Weihnachtsfest möglich?

Weihnachten - das Fest der Familie. Aber zum zweiten Mal in Folge kann das Coronavirus unbemerkt eine böse Bescherung sein, wenn Enkel auf Großeltern treffen. Momentan ist das Infektionsgeschehen bei Kindern durchschnittlich doppelt so hoch wie im letzten Jahr.

Bei den 5- bis 9-Jährigen in Nordrhein-Westfalen sind zu Beginn der Woche 828 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche festgestellt worden. Diese Sieben-Tage-Inzidenz lag bei den 10- bis 14-Jährigen sogar bei 920.

Viele Kommunen gehen voran mit neuen Maßnahmen

Kinder haben oft symptomfreie Verläufe, merken gar nichts von der Ansteckung. Wenn sie nun die Großeltern besuchen, stellt das eine erhöhte Gefahr für älterer Menschen dar. Für sie kann eine Covid-19-Erkrankung schnell lebensbedrohlich werden. Trotz Impfung sind die Sterberaten in der Generation der Großeltern am höchsten. Insbesondere bei Männern ab 65 Jahren steigt mit jedem Lebensjahr das Risiko.

Weil von der Politik derzeit kaum neue Maßnahmen zu erwarten sind, gehen viele Kommunen schon voran. So gibt es in den Krankenhäusern von Paderborn sehr restriktive Zugangsformalitäten. Patienten dürfen erst ab dem 6. Tag Besuch empfangen. In Bielefeld gilt in der Innenstadt wieder Maskenpflicht und in Solingen hat eine Grundschule die Maskenpflicht wieder eingeführt.

Doc Esser: "Einigermaßen sorgenfreies Weihnachten möglich"

Doc Esser im Portrait bei der WDR-Talkshow Kölner Treff.

Doc Esser: "Sorgenfreies Weihnachten möglich"

Und trotzdem kann es ein gemeinsames Weihnachtsfest mit der Familie in diesem Jahr geben, erklärt Heinz-Wilhelm "Doc" Esser: "Auch wenn die aktuellen Inzidenzwerte zum ersten Mal seit Wochen stagnieren, so steigt die Anzahl der Patienten, die stationär behandelt werden müssen. Aus diesem Grunde sehe ich die Notwendigkeit einer Kontaktbeschränkung und vor allen Dingen das vehemente Weiterimpfen, weiterboosten, auffrischen", sagte der Leiter der Pneumologie am Klinikum Remscheid dem WDR.

Wer jetzt schon Kontakte reduziert und sich eine dritte Auffrischimpfung holt, verringert die Risiken. "Das kann uns ein einigermaßen sorgenfreies Weihnachten garantieren und sogar dazu führen, dass wir mit einem recht guten Gewissen die Großeltern in einem kleinen Familienkreis besuchen dürfen. Zur Vervollständigung würde ich aber immer einen zusätzlichen Schnelltest empfehlen", sagte Doc Esser.

"Power hinter der Pandemie"

Viele Menschen sind ohnehin schon lange sehr vorsichtig. "Der tägliche Selbsttest ist nicht schlimm. Das ist schon wie Zähneputzen", sagte ein Hörer am Montag (29.11.2021) im WDR 5 Tagesgespräch. Weihnachtsmärkte und Innenstädte sind längst nicht so voll wie in den Zeiten vor Corona. Weihnachtsfeiern werden abgesagt. Dennoch sind die Infektionszahlen weiterhin sehr hoch und das erfordert viel Vorsicht - von jedem Einzelnen.

"Wir haben jetzt zum ersten Mal den Fall, dass Intensivpatienten innerhalb von Deutschland verlegt werden müssen. Das zeigt, was für eine Power hinter dieser Pandemie steckt", beschreibt Esser im "Tagesgespräch" die Situation.

Um aus der Corona-Falle wirklich herauszukommen, helfe eben nur Impfen. "Ich setze da weiterhin auf Aufklärung. Viele Ungeimpfte sind keine Impfgegner, sondern sie sind unsicher. Sie haben Fragen. Diese Fragen müssen beantwortet werden", so Esser.

Dass Impfungen Wirkung zeigen, verdeutlicht die Sieben-Tage-Inzidenz der 15- bis 19-Jährigen. In der dritten Welle war auch in dieser Gruppe die Inzidenz deutlich höher als im Durchschnitt. In der vierten Welle gibt es diese Auffälligkeit nicht mehr.

Stand: 30.11.2021, 13:43