Zwei Wochen "Lockdown light": Kaum Hoffnung auf Lockerungen

Zwei Wochen "Lockdown light": Kaum Hoffnung auf Lockerungen

Seit zwei Wochen läuft das öffentliche Leben wegen der Corona-Einschränkungen auf Sparflamme. Wirklich verbessert hat sich die Infektionslage im "Lockdown light" nicht. Kein gutes Zeichen für die Bund-Länder-Gespräche heute.

Restaurants, Kneipen, Sportplätze und andere Orte - so schnell dürften die wohl nicht wieder Teil unseres Lebens werden. Vor den am Montag geplanten Gesprächen von Bund und Ländern zur Corona-Lage sinkt die Hoffnung auf eine schnelle Aufhebung der Beschränkungen.

Sogar ganz im Gegenteil: Eine Verlängerung des "Lockdown light" in den Dezember gilt als sicher, selbst noch schärfere Maßnahmen sind möglich. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) stimmte die Deutschen in der "Bild am Sonntag" bereits auf lange Einschränkungen ein: "Trotz aller Anstrengungen ist eine Wende zum Besseren noch nicht erreicht."

Beschränkungen noch bis April?

Die Zwischenbilanz nach zwei Wochen Teil-"Lockdown" falle eindeutig aus, sagte der enge Vertraute von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Es gebe "wenig Spielraum" für die Wiedereröffnung von Gastronomie, Kultur- und Sportstätten.

"Wir werden zumindest in den nächsten vier bis fünf Monaten mit erheblichen Vorsichtsmaßnahmen und Einschränkungen leben müssen", erklärte Altmaier. Auch die Kanzlerin, Bayerns Ministerpräsident Söder und Bundesgesundheitsminister Spahn hatten sich am Wochenende ähnlich geäußert.

Virologin sieht Deutschland gut aufgestellt

Anders als im Nachbarland Österreich, das seinen Bürgern am Samstag einen harten "Lockdown" verordnen musste, könnte dies den Deutschen aber vorerst noch erspart bleiben. Denn die Beschränkungen seien hierzulande früher gekommen, bei einer insgesamt besseren Infektionslage, meinte Isabella Eckerle, Virologin an der Uniklinik Genf, in der "Aktuellen Stunde" am Samstagabend.

Allerdings werde es diesmal länger dauern als im Frühjahr, bis die Zahl der Neuinfektionen spürbar zurückgehen, meinte Eckerle. Weniger Menschen als beim ersten Teil-"Lockdown" hielten sich an die Empfehlung, zuhause zu bleiben. "Die Leute sind mobiler."

Hohe Dunkelziffer

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Sonntag haben deutsche Gesundheitsämter 16.947 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Realistischer dürften die Zahlen vom Samstag mit 22.461 gemeldeten Fällen sein, weil am Wochenende weniger getestet wird. Die Dunkelziffer liegt wohl erheblich höher.

Die reinen Infektionszahlen sind ohnehin nur ein Aspekt unter vielen, die am Montag bei den Bund-Länder-Gesprächen auf dem Tisch liegen werden. Die Auslastung der Kliniken ist ein weiterer Punkt, neben vielen anderen Zahlen und Prognosen. Was letztlich den Ausschlag für Entscheidungen gibt, muss sich noch zeigen.

Stand: 15.11.2020, 20:41