Corona-Impfgipfel: Merkel hält an Impfangebot bis Ende Sommer fest

Corona-Impfgipfel: Merkel hält an Impfangebot bis Ende Sommer fest

Die Frust über den schleppenden Corona-Impfstart in Deutschland ist groß. Groß war auch die Erwartung an den Impfgipfel von Bund und Ländern mit Kanzlerin Merkel. Das sind die Ergebnisse.

Was ist bei dem Impfgipfel herausgekommen?

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält an der Zusage fest, bis Ende des Sommers könne jedem Bürger ein Impfangebot gemacht werden. Das seien 73 Millionen. Für Kinder gebe es allerdings noch keine zugelassenen Impfstoffe – das sei frühestens ab dem Sommer der Fall.

Diese Impfzusage gelte selbst dann, wenn die beiden Pharmahersteller Johnson & Johnson sowie Curevac anders als erwartet keine Zulassung für die von ihnen entwickelten Impfstoffe bekämen, sagte Merkel.

Es könne auch sein, dass noch viele Jahre geimpft werden müsse wegen der Mutanten. Das sei ähnlich wie bei der Grippe-Impfung.

Warum impft Deutschland so langsam?

Merkel begründete das langsamere Impf-Tempo in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern unter anderem damit, dass etwa in Europa die Produktionskapazitäten im Vergleich zu den USA begrenzt seien, dass die EU lange über Haftungsfragen verhandelt habe und sich zudem nicht für eine Notzulassung von Impfstoffen entschieden habe: "Aus guten Gründen: Es geht hier nämlich auch um Vertrauen."

Zudem habe man sich für die empfohlenen Abstände zwischen erster und zweiter Impfung entschieden und in anderen Ländern wie Israel gebe es einen anderen Umgang mit Daten.

Müller: "Es bleiben angespannte Wochen"

Der Vorsitzende der Ministerpräsidenten-Konferenz, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), sagte zum Thema Verfügbarkeit von Impfstoffen: "Man muss ehrlicherweise sagen, es wird im ersten Quartal knapp bleiben." Die Produktion könne nicht beliebig schnell und umfangreich gesteigert werden: "Es bleiben angespannte Wochen, die vor uns liegen, aber es werden entspanntere Wochen kommen."

Für Länder und Kommunen sei der nun vereinbarte nationale Impfplan gegen Corona sehr wichtig.

Söder: Punktgenaue Planung nicht möglich

Bayerns Ministerpäsident Markus Söder (CSU) sagte: "Es war wichtig, heute eine ehrliche Bestandsaufnahme zu machen." Eine punktgenaue Planung der Verfügbarkeit von Impfstoffen sei auch aus Sicht der Hersteller nicht möglich, dazu gebe es zu viele Variablen wie Mutationen.

Wichtig sei, die Kommunikation des Erwartungsmanagements anders zu lösen. Das werde für die Geduld der Menschen nochmal eine Herausforderung. Söder: "Wir werden den Rückstand gegenüber anderen vielleicht nicht aufholen, aber es wird besser werden."

Wann sind wie viele Impfstoff-Dosen verfügbar?

Nach einer aktuellen Schätzung des Bundesgesundheitsministeriums könnten nach 18,3 Millionen Impfdosen im laufenden ersten Quartal

  • im zweiten Quartal voraussichtlich 77,1 Millionen Dosen,
  • im dritten Quartal 126,6 Millionen Dosen,
  • im vierten Quartal weitere 100,2 Millionen Dosen verschiedener Hersteller folgen.

Die Schätzung bezieht sich auf Verträge und geplante Vereinbarungen sowie voraussichtliche Zulassungstermine einiger Impfstoffe. Zugleich hieß es, Termine und Liefermengen hingen von vielen Faktoren ab – etwa klinischen Prüfungen, Zulassungsverfahren und Produktionsprozessen.

Wer hat sich warum beim Impfgipfel getroffen?

An dem Treffen am Montag nahmen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), weitere Regierungsmitglieder wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sowie die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder teil. Auch dabei waren Vertreter der Impfstoff-Hersteller und der EU-Kommission.

Der Impfgipfel war als eine politische Reaktion auf den schleppenden Impfstart zu verstehen – und auf die teils hitzige Diskussion um die Menge der zur Verfügung stehenden Vakzine.

Stand: 01.02.2021, 21:30