Bald noch ein Corona-Impfstoff made in NRW

Ein Mann pipettiert in einem Labor des biopharmazeutischen Unternehmens Curevac eine blaue Flüssigkeit

Bald noch ein Corona-Impfstoff made in NRW

Von Nina Magoley

Mit dem Vakzin der Firma Curevac kommt ein weiterer Corona-Impfstoff in Sichtweite. Die NRW-Landesregierung will alles daran setzen, dass NRW der weltweit größte Produktionsstandort dafür wird.

Ein neuer Player soll bei der ins Stocken geratenen Impfkampagne gegen Corona offenbar Hoffnung machen: Der mRNA-Impfstoff des Tübinger Unternehmens Curevac ist in der letzten Phase seiner Erprobung und könnte in der zweiten Jahreshälfte zugelassen werden. Bis Ende des Jahres sollen rund 300 Millionen Dosen des Vakzins zur Verfügung stehen. Das kündigten Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Montagmorgen bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bayer und Curevac an.

NRW als "Standort für die Impfstoff-Produktion weltweit"

Die gute Nachricht für NRW: Ein beträchtlicher Teil des Curevac- Impfstoffs soll demnächst in Wuppertal hergestellt werden. Curevac ist eine Kooperation mit dem Pharmariesen Bayer eingegangen. NRW wolle "der Standort" für die Impfstoffproduktion weltweit werden, schwärmte Ministerpräsident Laschet am Montag bereits: "Wir haben das Ziel, zu einem Standort zu werden in der Welt, der in der Pharma- und Biotechnologie international mithalten kann."

Damit das alles möglichst schnell Realität wird, soll das von der Landesregierung aufgesetzte "Entfesselungspaket Drei" wirksam werden: "Schneller als in normalen Genehmigungsverfahren", so will es Laschet, soll das Bayer-Werk in Wuppertal mit der Produktion starten können.

Zulassung noch nicht da

Gebäude und Eingang des Unternehmens Curevac in Tübingen

Curevac-Firmensitz in Tübingen

Allerdings: Noch ist der Curevac-Impfstoff in der klinischen Prüfung und nicht zugelassen. Eine weltweite Studie mit rund 36.000 Probanden laufe noch, sagte Curevac-Chef Franz-Werner Haas, man befinde sich derzeit in der dritten Testphase. Dennoch rechnet das Biotech-Unternehmen wohl mit einer Zulassung in den kommenden Monaten.

Curevac habe bereits ein "Produktionsnetzwerk" geknüpft, über das bis Jahresende rund 300 Millionen Dosen hergestellt werden könnten, sagte Haas. Durch die Zusammenarbeit mit Bayer könne diese Menge noch gesteigert werden.

Spahn: Unabhängigert werden

Die bisherigen Probleme bei der Versorgung mit den bereits zugelassenen Impfstoffen zeige, dass Deutschland und die EU auf diesem Gebiet unabhängiger werden müssten, sagte Bundesgesundheitsminister Spahn. In den vergangenen Tagen hatte es viel Unmut gegeben, nachdem Lieferengpässe der Hersteller Astrazeneca und Moderna bekannt wurden. Die Firma Astrazeneca will nun wohl doch mehr Impfstoff an die Europäische Union liefern, liegt damit aber immer noch weit hinter den angekündigten Mengen.

Auch Spahn sieht Deutschland bereits als führenden Standort für die mRNA-Technologie, die nicht nur als Impfstoff, sondern auch in der Krebstherapie als große Hoffnung gilt. Für die Corona-Impfung werden keine Krankheitserreger benötigt wie bei herkömmlichen Impfstoffen. Vielmehr bekommen einige wenige Körperzellen mit dem Impfstoff Teile der Erbinformation des Virus als RNA, quasi den Bauplan für einzelne Virusproteine, die auch als Antigene bezeichnet werden. Das Präparat muss zweimal gespritzt werden.

Bayer: Willkommene Ablenkung vom Monsanto-Ärger

Für Bayer ist die Herstellung von Impfstoff Neuland. Eingehende Prüfungen hätten aber ergeben, "dass wir über die erforderlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten verfügen", das Curevac-Produkt herstellen zu können, sagte Bayer-Vorstand Stefan Oelrich. 160 Millionen Dosen sollen es schon 2022 sein, im folgenden Jahr dann bis zu einer Milliarde.

Dem Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern dürfte diese Entwicklung sehr Recht kommen - nicht nur wegen der Größe des Geschäfts. Zuletzt war Bayer in der Öffentlichkeit hauptsächlich durch die Übernahme des US-amerikanischen Saatgutherstellers Monsanto wahrgenommen worden. Monsanto produziert das Herbizid Glyphosat, derentwegen Bayer in den USA Schadenersatzforderungen in Millardenhöhe leisten musste.

Hohe Rückstellungen für die Beilegung dieser Klagen hatten den Chemie- und Pharmakonzern im zweiten Quartal 2020 empfindliche Verluste zugefügt.

Bundesregierung Anteilseigner bei Curevac

Die Bundesregierung hatte sich im vergangenen Sommer für 300 Millionen Euro bei Curevac eingekauft, nachdem die USA bereits Angebote geäußert hatten, den Hersteller zu finanzieren. Der staatliche Anteil an Curevac liegt damit bei 23 Prozent. Die EU-Kommission hat bei Curevac 220 Millionen Dosen vorbestellt, von denen laut Bundesgesundheitsministerium 53 Millionen auf Deutschland entfielen.

Stand: 01.02.2021, 12:54