Apotheker, Tier- und Zahnärzte sollen auch impfen - ist das realistisch?

Apotheker, Tier- und Zahnärzte sollen auch impfen - ist das realistisch?

Die heftige vierte Corona-Welle soll gebrochen werden: mit 30 Millionen Impfungen bis Weihnachten. Dafür sollen auch Apotheker, Zahn- und Tierärzte eingesetzt werden. Ist das realistisch?

Das Ziel ist klar: Bis Weihnachten sollen 30 Millionen Menschen in Deutschland ein Angebot für eine Erst-, Zweit- oder Auffrischimpfung erhalten. Das streben Bund und Länder an. Der designierte Bundeskanzler Olaf Scholz sagte am vergangenen Donnerstag nach einer Telefonschalte: "Wenn irgendwie erreichbar, sollte man dies tun."

Die Ampel-Parteien planen deshalb, dass Impfungen künftig auch von Zahnärzten oder Apothekern durchgeführt werden können. Auch Tierärzte sollen mit dabei sein. Der Bundestag berät am Dienstag unter anderem auch über diese Maßnahme, die im neuen Infektionsschutzgesetz aufgeführt werden soll. Dabei stellen sich verschiedene Fragen zur Umsetzung der Idee:

Sind Tier- und Zahnärzte gut zum Impfen aufgestellt?

Offenbar nicht ausreichend. Die Veterinäre beklagen zum Beispiel eine unzureichende Vorbereitung. Der Präsident des Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte, Siegfried Moder, sagte der "Rheinischen Post", bislang sei niemand auf ihn und seine Kollegen und Kolleginnen zugekommen.

Es müssten noch zahlreiche Fragen geklärt werden - wie etwa Haftung, Bestellung, räumliche Voraussetzungen, Vergütung. Am schnellsten könnten Tierärzte bei mobilen Teams oder in Impfzentren mithelfen, so Moder.

Auch die Zahnärzte und -ärztinnen stehen grundsätzlich bereit. Die Zahnärztekammer Nordrhein bräuchte aber dafür eine Ausnahmegenehmigung. Denn: Impfungen sind im Zahnheilkundegesetz bisher ausgeschlossen.

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Können Apotheker Impfen?

Ja, sagt der Bornheimer Apotheker Markus Reiz, Vorsitzender des Apothekerverbandes Bonn-Rhein-Sieg. Er selbst - und viele andere auch - impfen bereits gegen Grippe. Auch in Siegen wurden Apotheker für ein Grippe-Modellprojekt bereits speziell geschult.

Zur Beruhigung der Impfwilligen: Wie Zahnärztinnen und Tierärzte dürften auch Apotheker Corona-Spritzen nur verabreichen, wenn sie zuvor eine entsprechende Schulung absolviert haben. Impfen dürfen sie dann alle Erwachsenen und Jugendlichen ab zwölf Jahren.

Einige Apotheker können bereits impfen

Mehr als 200 Apotheken in Westfalen-Lippe seien in der Lage, schnell an den Impfungen teilzunehmen, sagte der Vorsitzende des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe, Thomas Rochell. Auch im Rheinland gibt es nach Verbandsangaben 500 Apotheken, die bereits jetzt impfberechtigt sind.

Corona-Impfung beim Tierarzt - zwischen Hund, Katze und Wellensittich?!

Nein, aus hygienischen Gründen wird es wohl keine Corona-Impfung für Menschen in Tierarztpraxen geben. Aber: Viele Tieräztinnen und Tierärzte wollen die Teams in den Impfzentren gerne unterstützen.

Stand: 07.12.2021, 13:24