Corona in NRW: Bald wieder Maskenpflicht im Supermarkt?

Stand: 18.10.2022, 09:50 Uhr

Die Corona-Pandemie zieht wieder an. Die Forderungen nach einer Maskenpflicht in Innenräumen werden lauter - zum Beispiel in Supermärkten. Wie steht das Land NRW dazu? Was spricht dafür? Und was dagegen? Ein Überblick.

Von Jörn Seidel

Mit den steigenden Corona-Zahlen kocht auch die Diskussion über eine allgemeine Maskenpflicht wieder hoch. Nachdem der Ärzteverband Marburger Bund bereits eine FFP2-Maskenpflicht in allen Innenräumen gefordert hatte, sprechen sich auch die Amtsärzte dafür aus.

"Wir brauchen jetzt eine Maskenpflicht in Innenräumen wie Supermärkten, Geschäften und öffentlichen Gebäuden", sagte der Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD), Johannes Nießen, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Seiner Meinung nach sind nun die "Länder am Zug".

Doch was sagen die Gesundheitsminister? Und wie sinnvoll ist überhaupt eine Verschärfung der Maskenpflicht? Fragen und Antworten.

Wer will die Maskenpflicht ausweiten? Mit welchen Argumenten?

Johannes Nießen, Leiter des Kölner Gesundheitsamtes, mit Mund-Nasen-Schutz-Maske.

Johannes Nießen,

Am Dienstag schlug der BVÖGD Alarm: Wenn die Länder nicht sofort die Maskenpflicht wieder einführten, drohe "eine Überlastung des Gesundheitssystems und eine Überlastung der Bereiche mit patientennahem Kontakt wie Kliniken". Notfalls müsse diese Maßnahme auch noch ausgeweitet werdern, so der BVÖGD-Vorsitzende Nießen.

"Sobald die Inzidenz über 1.000 klettert, müssen wir auch eine Maskenpflicht für Bars, Gastronomie und Restaurants in Betracht ziehen. Dann haben wir nämlich in Wirklichkeit eine Inzidenz von 3.000." Johannes Nießen, Vorsitzender des BVÖGD
Susanne Johna

Susanne Johna, Marburger Bund

Ähnlich sieht das der Marburger Bund, Deutschlands größter Ärzteverband. Seine Vorsitzende, Susanne Johna, drängt die Bundesländer bei der Maskenpflicht jetzt zum Handeln:

"Überall dort, wo die Inzidenzen jetzt durch die Decke gehen, müssen die Länder mit einer FFP2-Maskenpflicht im ÖPNV und in öffentlich zugänglichen Innenräumen reagieren." Susanne Johna, Vorsitzende Marburger Bund

Das sagte sie den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Eine weniger weitgehende Forderung sprach der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb aus: "Die Empfehlung oder die Pflicht zum Tragen von Masken werden wir in wenigen Wochen wieder brauchen", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Beide verweisen auf die steigenden Corona-Zahlen. Es gehe darum, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten.

Die Wirksamkeit von Masken zum Schutz vor einer Corona-Infektion wurde schon in zahlreichen Studien belegt. Eindrückliche Ergebnisse lieferte zum Beispiel ein Team von Forscherinnen und Forschern des Göttinger Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation. Mehr dazu unter diesem Link:

Auch Bundesgesundheitsminister Karl-Lauterbach (SPD) wies am Donnerstag im ARD-"Morgenmagazin" darauf hin, dass es bei der Maskenpflicht und anderen Corona-Regeln darum gehe, eine Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden. Außerdem nannte er Routineuntersuchungen, die wegen Corona-Patienten verschoben werden müssten.

"Diese Welle, die sich aufbaut, wird nicht von alleine enden. Da muss man reagieren", so Lauterbach. "Wir können als Bund die Länder dazu nicht zwingen", so der Minister. "Wir wollen keine Panik schüren. Wir wollen die Länder auch nicht gängeln." Aber: "Irgendwann müssen sich die Ländern überlegen: Wär's nicht doch besser, die Maskenpflicht einzuführen?"

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Eine bundesweite FFP2-Maskenpflicht gibt es lediglich in Fernzügen und Fernbussen. Auch in NRW gilt mancherorts eine Maskenpflicht. Mehr dazu unter diesem Link:

Welche Argumente gibt es gegen eine erweiterte Maskenpflicht?

Gegenargumente zu einer Verschärfung der Maskenpflicht liefern unter anderem Professor Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe an der Uni Hamburg, und Klaus Stöhr, promovierter Tiermediziner, lange als Virologe und Epidemiologe tätig und heute freier Berater.

"Eine allgemeine Maskenpflicht in Innenräumen ist nicht sinnvoll. Das haben die Hotspot-Regelungen im Frühjahr gezeigt. Der Effekt dieser Maßnahme auf das Infektionsgeschehen ist sehr gering." Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe
Virologe Prof. Dr. Dr. Jonas Schmidt-Chanasit

Professor Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe

Als die Landesregierungen in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern in diesem Frühjahr von der Hotspot-Regelung des Infektionsschutzgesetzes Gebrauch machten und für einige Wochen eine allgemeine Maskenpflicht in Innenräumen erließen, habe das auf die Corona-Inzidenzen im Vergleich mit anderen Bundesländern keine relevanten Auswirkungen gehabt, sagte Schmidt-Chanasit am Donnerstag dem WDR. Vor allem habe es auf den Intensivstationen praktisch keine Unterschiede gegeben, so Stöhr zum WDR.

"Sehr gering" sei zum Beispiel der Einfluss von Masken im Supermarkt, so Schmidt-Chanasit. Laut Robert Koch-Institut verbreite sich das Coronavirus vor allem im Privaten. Das finde zu großen Teilen aber in privaten Räumen statt - und darauf habe eine Maskenpflicht keinen Einfluss.

Der Virologe stellt also nicht den generellen Nutzen von Masken infrage - und auch nicht, dass sie in Innenräumen Schutz bieten können. In der Praxis habe eine Maskenpflicht in öffentlichen Innenräumen aber nicht den erhofften Nutzen erzielt - das sei mit den Hotspot-Regelungen deutlich geworden, so Schmidt-Chanasit.

Klaus Stöhr vor Regalen eines Buchladens (2022)

Klaus Stöhr, freier Berater

Klaus Stöhr stört sich vor allem daran, dass es keine Zahlen gebe, an denen man die Dringlichkeit und den Erfolg einer Maskenpflicht messen kann. "Bei welchen Parametern ist das Gesundheitssystem überlastet? Und bei welchen nicht mehr?" Seiner Ansicht nach sei das Gesundheitssystem in der Vergangenheit nie flächendeckend überlastet gewesen - nur punktuell.

"Prinzipiell stimmt es: Mit einer Maskenpflicht in Innenräumen gäbe es wohl weniger Infizierte. Die Frage ist nur: Mit welchem Ziel?" Klaus Stöhr, freier Berater

Der medizinische Nutzen von Masken sei unbestritten, sagen Stöhr und Schmidt-Chanasit. Man müsse aber mit dem Coronavirus leben, so Stöhr. "Die Realität ist, dass das Virus nicht mehr weggeht."

Wird die Maskenpflicht in NRW bald verschärft?

Bislang plant NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) keine Verschärfung der landesweiten Maskenpflicht. Auf WDR-Anfrage teilte sein Ministerium mit: "Aus Sicht den Ministeriums ist die aktuelle Lage zwar angespannt, aber beherrschbar. Vor dem Hintergrund sieht das Ministerium aktuell noch keine Notwendigkeit für zusätzliche Schutzmaßnahmen."

In Berlin hingegen könnte es schon in Kürze soweit sein. Dort hat Gesundheitssenatorin Ulrike Gote (Grüne) jetzt vorgeschlagen, die Maskenpflicht in Innenräumen bald wieder einzuführen.

Über dieses Thema berichtet am 13.10.2022 auch die "Aktuelle Stunde" im WDR Fernsehen.

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