Treibt der Lockdown Friseurinnen und Friseure in die Schwarzarbeit?

Treibt der Lockdown Friseurinnen und Friseure in die Schwarzarbeit?

Von Susanne Schnabel

Wer mit einer zotteligen Frisur herumläuft, gilt derzeit als solidarisch. Der trifft sich nicht heimlich mit seinem Friseur oder seiner Friseurin. Manchmal geht es aber nicht anders, sagt eine Schwarzarbeiterin.

Aushang, in dem jemand einen Haarschnitt anbietet

Keine gute Idee!

Haare fallen auf den Küchenboden, zwei Frauen plaudern fröhlich. Die eine sitzt auf einem Stuhl, die andere schneidet ihr die Haare. Diese beiden Frauen gehen ein hohes Risiko ein, denn das ist Schwarzarbeit und verstößt gegen die Coronaregeln. "Ich muss dieses Risiko eingehen. Mir bleibt nichts anderes übrig, leider", sagt Isabell (*Name von der Red. geändert). Die selbständige Friseurin sieht keine andere Chance, irgendwie über die Runden zu kommen. "Ich bekomme keinen Cent. Der Staat macht es uns nicht gerade leicht", sagt Isabell.

Erspartes und die Altersvorsorge sind aufgebraucht, Salonmiete und private Miete laufen weiter, und von den 9.000 Euro Soforthilfe muss sie mehr als die Hälfte wieder zurückzahlen. Isabell besucht Stammkunden in deren Wohnungen und vertraut darauf, dass die sie nicht verraten. "Wir tragen Masken, desinfizieren die Hände, haben die Fenster geöffnet und es sind nicht zu viele Personen im Zimmer", erzählt die Friseurin.

Bußgelder für Kundschaft und Fachkräfte

Auch wenn Isabell aufpasst, sie verstoße gegen die Corona-Schutzverordnung in NRW, sagt Anwalt Arndt Kempgens aus Gelsenkirchen, denn Handwerksleistungen, bei denen ein Mindestabstand von 1,5 Metern zum Kunden nicht eingehalten werden kann, sind untersagt. Der Friseurin oder dem Friseur droht ein Bußgeld in Höhe von 1.000 Euro. "Also ganz schön teuer. Das kriegt man mit dem Schnitt sicherlich nicht wieder rein. Und wer sich die Haare schneiden lässt, zahlt zwischen 50 und 250 Euro", sagt Kempgens.

Erwischt und entlassen

Junger Mann schneidet sich im Lockdown die Haare selber. Er nutzt dazu einen Staubsauger mit Abstandhalter.

Selber frisieren: Not macht erfinderisch

Friseurmeister Andreas Wolf aus Marsberg im Sauerland hatte den Verdacht, dass seine Mitarbeiterin schwarzarbeitet. Sie leugnete zunächst. "Dann habe ich den nächsten Kunden gesehen mit frisch gemachten Haaren und hab sie wieder drauf angesprochen. Und irgendwann hat sie mir dann gesagt: Ja, das war sie", erzählt der Friseur. Er entlässt seine Mitarbeiterin fristlos. Schwarzarbeit kann teuer werden: Dem Betrieb drohen 25.000 Euro im Wiederholungsfall.

Harald Esser, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks (ZV)

Harald Esser sorgt sich um seine Branche

Harald Esser, Präsident des Zentralverbands des deutschen Friseurhandwerks, weiß, wie brisant die Lage seiner Kolleginnen und Kollegen ist: "Viele Friseurbetriebe stehen vor dem Aus. Ich befürchte eine Insolvenzwelle in unserem Handwerk in den nächsten Monaten, wenn den Betrieben nicht sofort geholfen wird". Für Schwarzarbeiter hat er dennoch kein Verständnis, vor allem in Hinblick auf die Ansteckungsgefahr. "Nur in professionellen Salons sind Friseurdienstleistungen heutzutage sicher", sagt Esser.

Stand: 24.01.2021, 19:43