Dritte Corona-Impfung: Senioren und Pflegebedürftige zuerst

Dritte Corona-Impfung: Senioren und Pflegebedürftige zuerst

In Deutschland kann man nun bundesweit eine dritte Corona-Impfung bekommen. NRW bietet diese Auffrisch-Impfung für ü-80-Jährige und Immungeschwächte an.

Die vierte Corona-Welle ist da, die Sorge um die Gesundheit der älteren Generation wächst. Deshalb ist es inzwischen bundesweit möglich, eine dritte Corona-Impfung zu bekommen, wenn die zweite Impfung mindestens ein halbes Jahr zurückliegt. In Nordrhein-Westfalen können Pflegebedürftige, Menschen mit Immunschwäche und alle über 80 einen Impftermin vereinbaren.

Wozu ist die dritte Impfung gut? Sollten sich bald auch Jüngere um eine Auffrischung bemühen? Fragen und Antworten.

Ist eine dritte Impfung wirklich nötig?

Diese Frage ist noch nicht eindeutig geklärt. Denn wie lange der Schutz vor einer Covid-19-Infektion oder -Erkrankung bei vollständig geimpften Personen genau anhält, ist laut Robert Koch-Institut (RKI) noch unsicher.

Eine Grafik zur Impfwirkung der Impfstoffe Johnson-Johnson, Biontech, Moderna und Astrazeneca.

Eine Vorab-Publikation aus der Zulassungsstudie für den Biontech-Impfstoff kommt aber zu dem Ergebnis, dass die Wirksamkeit des Vakzins nach der zweiten Impfung leicht aber kontinuierlich nachlässt. Das betrifft nach aller medizinischen Erfahrung vor allem Menschen mit einem schwächeren Immunsystem: also Ältere und Kranke.

Was sagt die Ständige Impfkommission (Stiko)?

Noch nichts. Stiko-Vorsitzender Thomas Mertens hatte dies zuletzt damit begründet, dass es bislang kaum wissenschaftliche Daten zu Nebenwirkungen von Drittimpfungen gebe - auch wenn es bisher keine Hinweise auf mögliche Probleme gebe. Die Stiko plant jedoch, "bald" eine Empfehlung auszusprechen.

Bisher hatte Mertens erklärt, er sehe beim Thema Auffrisch-Impfungen keinen Zeitdruck. "Da kommt es nicht auf eine oder zwei Wochen früher oder später an." Es sei ja nicht so, "dass irgendeine Gruppe von Geimpften von einem Tag auf den anderen den Schutz verliert". Vielmehr erfolge dies allenfalls "sehr langsam und schleichend".

Gibt es Risiken?

Erkenntnisse aus Israel weisen laut der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen Lippe darauf hin, dass die Drittimpfungen keine Probleme verursachen. Aus einem Seniorenheim in Oberhausen wurde am Dienstag (07.09.2021) allerdings bekanntgegeben, dass drei Bewohner wenige Tage nach ihrer dritten Impfung wiederbelebt werden mussten. Ob es da einen kausalen Zusammenhang mit der Impfung gibt, muss noch untersucht werden.

Was ist mit den Jüngeren?

Vorerst sind Drittimpfungen für Jüngere und Gesunde nicht geplant. Eine Ausnahme sind Menschen, die bisher nur mit Vektorimpfstoffen - vor allem mit Astrazeneca - immunisiert wurden. Sie sollen eine Auffrischimpfung mit einem mRNA-Präparat erhalten, zum Beispiel von Biontech oder Moderna.

Insbesondere betrifft das die rund 460.000 Menschen in NRW, die bis Ostern mit Astrazeneca geimpft wurden. Für sie wird die Drittimpfung zum Jahreswechsel empfohlen. Dafür sollen sie sich an ihren Hausarzt wenden.

Wird vor der Auffrischungsimpfung ein Antikörpertest durchgeführt?

Wer noch genug Antikörper gegen das Coronavirus hat, müsste sich nicht unbedingt impfen lassen. Es gibt jedoch keine Pläne, vor einer Auffrischungsimpfung einen Antikörpertest durchzuführen. Der Immunologe Luka Cicin-Sain vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung Braunschweig sieht das kritisch. "Die sinnvolle Lösung wäre, dass wir erst mal testen, welche Senioren eine besonders schlechte Immunantwort und wenige Antikörper haben", sagte er. Diese Menschen sollten dann gezielt mit einer dritten Dosis geschützt werden, so Cicin-Sain.

Wer sicherheitshalber vor einer Auffrischungsimpfung einen Antikörpertest machen lassen möchte, muss den Test selbst bezahlen. Da das RKI solche Tests bislang nur im Rahmen von epidemiologischen Studien empfiehlt, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten nicht, heißt es von den Kassenärztlichen Vereinigungen Nordrhein und Westfalen-Lippe.

Stand: 07.09.2021, 15:46