Wie sinnvoll sind Corona-Tests für Geimpfte?

Von Sandra Wahle

In Deutschland infizieren sich auch viele Geimpfte mit Corona. Sollten sich Geimpfte des Öfteren testen lassen? Oder braucht es sogar eine Testpflicht für alle?

Bekannt ist inzwischen, dass sich auch Geimpfte anstecken und das Coronavirus weitertragen können. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat in Deutschland schon tausende Infektionen bei Geimpften registriert. Kommt es trotz vollständigem Impfschutz zur Infektion, ist von einer Durchbruchsinfektion oder auch von Impfdurchbruch die Rede. Sollten sich also auch Geimpfte testen lassen?

Wann ist ein Test für Geimpfte sinnvoll?

Immunologe Professor Carsten Watzl in der Aktuellen Stunde | Bildquelle: WDR

Bei Symptomen sollen sich auch Geimpfte auf jeden Fall testen lassen, sagt das RKI. Wenn aber gar keine Symptome auftreten, steigt die Gefahr, dass Infektionen unentdeckt bleiben. Carsten Watzl, Immunologe an der TU Dortmund, geht davon aus, dass die Durchbruchsinfektionen zunehmen werden. Und nach Informationen einer neuen Studie der Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE)wird deutlich, dass bei der Delta-Variante Menschen bei einer Durchbruchinfektion zumindest in den ersten Tagen hoch ansteckend sind.

Auch die Impfung schützt nicht vollständig vor einer Ansteckung | Bildquelle: Chromorange / newspixx vario images

Inzidenzen von 400 bis 500 im Herbst hält Watzl durchaus für realistisch und warnt deshalb: "Mit der Impfung haben wir schon sehr viele Menschenleben gerettet, aber es wäre selbst bei einer Impfquote von 60 Prozent blauäugig, zu glauben, dass wir uns so hohe Inzidenzen erlauben können."

Noch gebe es genug Menschen, die die Pandemie antreiben können und Gefahr laufen, schwer zu erkranken. "Die Frage wird jetzt sein, wie viel Inzidenz wir uns erlauben können, bis die Krankenhäuser wieder an ihre Belastungsgrenze kommen. Und da wäre es wünschenswert, wenn man da proaktiv handeln würde und nicht reaktiv."

Wie sinnvoll wäre eine Testpflicht für Geimpfte?

Droht eine Überlastung des Gesundheitssystems, könne laut Watzl auch die 2G-Regel Sinn ergeben. Das bedeutet, dass zum Beispiel die Teilnahme an einer Veranstaltung nur Genesenen und Geimpften erlaubt ist, aber nicht Getesteten. Ab einem bestimmten Grenzwert könne zusätzlich auch eine Testpflicht für Geimpfte und Genesene helfen, Infektionsketten zu durchbrechen - also 2G+G - zum Beispiel bei großen Veranstaltungen in Innenräumen.

Ruth Schulz aus der WDR-Quarks-Redaktion sagt dazu: "Es kann schon sinnvoll sein für bestimmte Situationen, wie zum Beispiel in der Medizin, in Pflegeheimen etc., auch Geimpfte routinemäßig zu testen." Und wer für sich mehr Sicherheit möchte, kann sich natürlich vor einem Familientreffen und mit gefährdeten Personen selbst testen.

Dass Schnelltest ab 11. Oktober in der Regel kostenpflichtig sein sollen, hält Professor Watzl nicht für sinnvoll: "Infektiologisch und epidemiologisch ist das eine Maßnahme, die überhaupt keinen Sinn macht, denn man möchte natürlich, dass sich möglichst viele Menschen testen lassen. Nur so kann ich möglichst viele Infektionen frühzeitig aufdecken."

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