Aktuelle Lyrik

"Stillhalten" und "Fluss" aus "Liliputherz" von Sylvie Schenk

Liebeslyrik kommt von der in Frankreich aufgewachsenen und in Deutschland lebenden Autorin Sylvie Schenk. Ihre Gedichte werden musikalisch begleitet von Heribert Leuchter, gesungen und gesprochen von Sara Decker und Annette Schmidt.

Sylvie Schenk ist nach dem Studium 1966 von Frankreich nach Deutschland gezogen – der Liebe wegen. Bekannt geworden ist sie bei uns durch ihre Romane, Gedichte und Kurzgeschichten, die sie seit 1992 auf Deutsch verfasst. Auch in Frankreich hat sie drei Gedichtbände veröffentlicht.

Nun wurde ein Teil ihrer Gedichte aus dem Band "Der Gesang des Kobolds" auf der CD "Liliputherz" zusammengestellt. Sylvie Schenk nähert sich dem Thema "Liebe" mit fein gezeichneten Bildern und Metaphern, die mal verletzlich, mal nachdenklich, fast schwermütig und dann wieder erfrischend leichtfüßig daherkommen. Da stürzen Mauern ein, mäandern Flüsse, bis die Liebe das graue Leben (wieder) erfrischt, neu erzählt und glänzen lässt.

Sara Decker und Annette Schmidt singen und sprechen über Liebesleid und Liebeslust und treffen genau den richtigen Ton zwischen zarter Melancholie und ängstlicher Erwartung bis hin zu überschäumender Freude über beglückende sinnliche Begegnung. Herzerwärmende Hörzeit, die anregt, sich an eigene Liebes- und Glücksmomente zu erinnern.

Richtig zur Geltung gebracht werden die Liebes- und Lebenstexte durch die feine, niemals aufdringliche Instrumentierung des Musikers und Komponisten Heribert Leuchter. Seine "befreite Musik", wie es im Untertitel der CD heißt, begleitet, kontrastiert, interpretiert und ergänzt die poetische Liebes- und Lebenslust perfekt und lässt auch zwischen den Gedichten Raum für eigenes Träumen und Erinnern.

"Liliputherz" bietet Gedichte, in denen die Autorin Lebens- und Liebesbilanz zieht. Da gibt es trübe Tage, wenn Erinnerungen an verlorene Liebe sind wie "Blätter, die nach Worten weinen, die verblichen" sind. Und dann gibt es die hellen Tage, überstrahlt von schönen Bildern wie funkelnde Glassplitter und an denen die Liebenden sich von all den Fragen nach der - vielleicht schmerzhaften - Wahrheit einfach fallen lassen und weit wegträumen.

Liliputherz folgt dem Rhythmus der Wellen, im Auf und Ab von Nähe und Distanz und bietet ungereimte Verse voller Wehmut und Zuversicht.

Eine Rezension von Renate Naber

Literaturangaben:
Sylvie Schenk: Liliputherz - Befreite Musik von Heribert Leuchter
LUXaries records, 1 CD, 61 Min., 16 Euro