Auftakt zum "heißen" Wahlkampf: Laschet und Union wollen aus dem Tief

CDU und CSU läuten in Berlin die Schlussphase ihres Bundestagswahlkampfs ein. Das Ziel: Raus aus dem Umfragetief - vor allem für Kanzlerkandidat Armin Laschet.

Die Umfragewerte sind miserabel, der Kanzlerkandidat ist angeschlagen und die innere Unruhe dementsprechend groß: Zum Auftakt für die Schlussphase ihres Bundestagswahlkampfs steht die Union enorm unter Druck. Gut fünf Wochen vor der Wahl will Kanzlerkandidat und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) bei der zentralen Veranstaltung an diesem Samstag im Berliner Tempodrom endlich aus der Defensive kommen.

Das könnte auch nötig sein, wenn man das Stimmungsbild auf der Straße in den Blick nimmt. Genau das hat WDR-Reporter Sebastian Auer am Samstag getan. Er war mit dem CDU-Direktkandidaten Thomas Jarzombek in Düsseldorf unterwegs.

Jarzombek ist von Laschets Wahlsieg überzeugt

Dort beschrieben viele der Befragten Laschet zwar als "netten Typen", auf die allermeisten wirke er aber laut deren Aussage wie "ein Fähnchen im Wind, das heute so und morgen so entscheidet", so Auer. CSU-Chef Markus Söder genieße bei vielen eine höhere Glaubwürdigkeit.

Nun sind Straßenumfragen nicht repräsentativ und spiegeln offenbar nicht wider, was Jarzombek an seinem Wahlkampstand erlebt: "Die Stimmung am Stand und im Team ist viel besser als die Umfragen", so der CDU-Politiker. Er ist davon überzeugt, dass Laschet die Wahl gewinnen wird und hält jede Diskussion über den Spitzenkandidaten für kontraproduktiv: "Jetzt muss auch der Letzte begriffen haben, dass wir alle geschlossen hinter Laschet stehen."

Merkel gibt Laschet Rückendeckung

Hinter Laschet steht man dann zumindest gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Von ihr hat der amtierende NRW-Ministerpräsident bei der Veranstaltung in Berlin bereits Rückenwind bekommen. In ihrer Rede bezeichnete sie ihn als "zukünftigen Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland".

Vorländer: Laschet zieht Union "womöglich" nach unten

Aus Sicht von Parteienforscher Hans Vorländer müsste insbesondere Laschet aber noch viel tun, damit er wirklich Kanzler wird. "Es sieht so aus, als wenn er immer stärker an Zustimmung verliert", sagte Vorländer im "Morgenecho" bei WDR5. "Und mit dem Verlust an Stimmung für ihn geht auch ein schlechtes Abschneiden der Union in den Umfragen einher. Insofern zieht er ja nicht die Union nach oben, sondern er scheint womöglich die Union nach unten zu treiben."

Parteienforscher Hans Vorländer | Bildquelle: picture alliance/ dpa/ Arno Burgi

Laschet habe "bisher noch nicht die Agenda des Wahlkampfs und der Themen bestimmen können", so der Politikwissenschaftler . "Er, der einen Führungsanspruch stellt, müsste eigentlich die Themen setzen, an denen die anderen sich abarbeiten."

Söder: "Es ist nichts verloren"

Dass der Wahlkampf für die Union besser laufen könnte, sieht auch CSU-Chef Markus Söder so. Bei der Veranstaltung in Berlin rief er die Union dazu auf, "endlich vernünftigen Wahlkampf" zu machen. Jeder müsse jetzt kapieren, dass es um alles gehe. "Es ist nichts verloren. Es gibt keinen Anlass zum Jammern."

Trotz seiner Kritik wollte Söder keinen Zweifel lassen: "Ich will, dass Armin Laschet Kanzler wird." Wie vermutlich alle in der Union hat Söder auch "keinen Bock auf Opposition".

Laschet will, dass Deutschland "sozialverträglich" Industrieland bleibt

Laschet zeigte sich in seiner Rede in Berlin kämpferisch und betonte: Die Union wolle regieren, "nicht weil wir Lust haben am Regieren, sondern weil wir regieren müssen, damit Deutschland einen guten Weg nimmt".

Man wolle "sozialverträglich" dafür sorgen, dass Deutschland Industrieland bleibt. Dies sei "das Gegenteil von dem, was SPD und Grüne machen", sagte Laschet. "Die haben die soziale Frage vergessen, sie haben die Arbeitsplätze vergessen, weil sie sich nur um ihre Ideologien kümmern."