Schulen: Viele offene Fragen vor geplantem Start der Testpflicht

Eine Schülerin führt einen Corona-Selbsttest mit Nasenabstrich durch.

Schulen: Viele offene Fragen vor geplantem Start der Testpflicht

Von Peter Hild

Vor dem Start der geplanten Testpflicht für Schülerinnen und Schüler verzögert sich die Lieferung der Tests an die Schulen. Viele haben noch offene Fragen, auch die Lehrerin einer Gesamtschule in Essen.

Julia Klewin ist nach eigener Aussage mittlerweile "zynisch-gelassen", was Entscheidungen und Informationen aus dem NRW-Schulministerium angeht. Angesichts der verpflichtenden Selbsttests für Schülerinnen und Schüler, die ab Montag starten sollen, ist für die Oberstudienrätin der Gustav-Heinemann-Gesamtschule in Essen noch vieles unklar: "Ich frage mich, wie das an unserer großen Schule mit 1300 Schülern funktionieren soll. Es würde eigentlich mehr Sinn machen, den Schülern die Tests mit nach Hause zu geben. Dort kann aber niemand kontrollieren, ob sie auch gemacht werden."

Die Testpflicht sei eine sehr gute Möglichkeit, mögliche Infektionsketten zu unterbrechen, betont Klewin, der Vorlauf für die Schulen aber wieder einmal sehr kurz. Außerdem gebe es bei ihren Kolleginnen und Kollegen großes Unverständnis, warum kaum an ausreichenden Schutz für Lehrer gedacht werde. Der Versanddienstleister habe die Lieferung des Tests immer wieder verschoben, jetzt sollen sie erst am Samstag bei der Essener Schule ankommen, was bei der Schulleitung für zusätzlichen Frust sorgt.

Selbsttests werden "die komplette erste Stunde" dauern

Auch andere Fragen sind ungeklärt: "Was passiert zum Beispiel mit dem ausgefallenen Unterricht? Denn für die morgendlichen Selbsttests wird sicher die komplette 1. Stunde benötigt. Und müssen Schüler, die erst zur 2. Stunde Unterricht haben, nachgetestet werden?"

Schüler*innen der Königin-Luise-Schule in Köln beim Pooltest

Schüler*innen der Königin-Luise-Schule in Köln beim Pooltest

Dazu kommt für Klewin die Frage, wer kontrollieren soll, dass die Tests richtig gemacht werden - zum Beispiel von den jüngsten Schülern in der 5. Klasse oder Schülern mit Förderbedarf. Das kritisiert auch der Lehrerverband VBE in NRW. Im Münsterland zweifeln viele Schulen überhaupt daran, dass sie genügend Tests bekommen. Das NRW-Schulministerium hatte jedoch am Mittwoch versichert, in dieser Woche 5,5 Millionen Selbsttests an die Schule zu liefern, was für die erste Schulwoche für zwei Tests pro Schüler reichen würde.

Warten auf das Ministerium

Viele Lehrer und Schulleiter erwarten sich noch Antworten von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP), zum Ablauf der Selbsttests und wie es nun mit dem Unterricht nach den Ferien weitergehen soll. "Die Kollegen sind eigentlich nur noch genervt von den oft sehr kurzfristigen Infos aus dem Ministerium", berichtet Julia Klewin in Essen. Ihre Schulleitung sei für das Wochenende schon in Rufbereitschaft, um die Abläufe auch kurzfristig noch organisieren zu können.

Stand: 08.04.2021, 14:27

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