Reisewarnung für Spanien: "Nicht der Urlaub, den wir uns vorstellen"

Reisewarnung für Spanien: "Nicht der Urlaub, den wir uns vorstellen"

Nach der Reisewarnung für Spanien reagieren Urlauber aus NRW sehr unterschiedlich. Die einen fliegen, andere sagen ihre Reise ab - zwischen Urlaubslust und Corona-Angst.

Für das spanische Festland und die Balearen gilt seit gestern Abend eine Reisewarnung. Trotzdem sind am Samstagmorgen viele Urlauber von NRW-Flughäfen dorthin abgeflogen.

"Wir wollen auf Mallorca unseren wohlverdienten Urlaub verbringen", sagt eine Reisende aus Kreuztal im Siegerland dem WDR, bevor sie am Samstagmorgen vom Airport Köln/Bonn nach Palma abfliegt. "Wir sind privat untergebracht, ganz im Norden, wir machen keine Party, wir freuen uns riesig."

"Sollte machbar sein"

"Ob wir jetzt zu Hause sitzen und müssen mit Mundschutz einkaufen oder auf Mallorca - da sehe ich keinen Unterschied", sagt eine Urlauberin aus Büdingen. "Wir haben eine Finca, wir sind unter uns." In ein Hotel würde sie allerdings nicht gehen.

"Die Reisewarnung hindert uns nicht, einzureisen", sagt ein weiterer Urlauber. "Wir haben eine eigene Hütte, sind relativ abgelegen von allem, sind unter uns - sollte machbar sein, wenn man sich an die Regeln hält."

"Quarantäne auch zu Hause möglich"

Auch die Reisende aus Kreuztal macht sich keine Sorgen: "Ich achte auf einfach auf den Abstand, den Mundschutz, die Händedesinfektion. Mehr kann ich nicht machen." Außerdem habe sie vorgesorgt: "Wir hatten eh schon einen Test-Termin bei unserem Arzt gemacht auf freiwilliger Basis."

Für die Reisende aus Büdingen ist der Corona-Test nach ihrer Rückkehr kein Problem: "Wenn das mit dem Test in 48-Stunden funktioniert, ist es nicht so dramatisch schlimm."

Falls das Ergebnis positiv sei, müsse sie halt in Quarantäne. "Aber das kann mir hier zu Hause auch passieren."

Urlaubsfreude ist getrübt

Touristen Lilly Johnson und Jill Schröter auf Mallorca

Lilly Johnson und Jill Schröter

Lilly Johnson kann sich nicht mehr entscheiden, ob sie nach Mallorca fliegt oder nicht - sie ist längst da. Vor der Abreise hatte sich die Kölnerin intensiv über die Situation auf der Insel informiert, sagt sie dem WDR am Samstag. Damals hieß es, die Insel sei sicher und die Infektionszahlen hielten sich in Grenzen. "Die Reisewarnung kam völlig überraschend."

Wirklich ungetrübt sei die Stimmung jetzt nicht mehr, sagt ihre Freundin Jill Schröter. "Wir bleiben lieber im Dorf und gehen nur zu den Stränden, die leerer sind." Am Dienstag wollen die beiden abreisen. "Ich hoffe nur, dass alle im Flugzeug die Maske aufbehalten", meint Lilly.

"Desaster für die Insel"

Auch Michael Welling aus Düsseldorf ist bereits auf Mallorca, weil er da ein Haus hat. "Ich bekomme hautnah mit, was die Reisewarnung für die Menschen hier bedeutet: ein Desaster."

Die meisten Einheimischen hätten keine Arbeit. "Die leben von der Hand in den Mund", sagt er am Samstag dem WDR.

Welling weiß von einer privaten Initiative, die ein Mal wöchentlich Carepakete an Bedürftige ausgibt. Die Zahl der verteilten Pakete sei acht Mal höher als im letzten Jahr.

"Mallorca sicherer als Düsseldorf"

Welling, der als Selbstständiger arbeitet, hatte eigentlich einen Rückflug für Donnerstag geplant. "Den habe ich abgesagt." Er wolle in Deutschland nicht in Quarantäne. Zudem befürchtet er, bei einer Verschärfung der Regelungen nicht mehr zurück nach Mallorca fliegen zu können.

"Die Wahrscheinlichkeit, mich hier zu infizieren, halte ich für deutlich geringer als in Düsseldorf", sagte Welling. "Hier geht es ruhig und gesittet zu." Es gebe immer genügend Platz im Restaurant und am Strand herrschte ein Abstand von drei bis vier Metern.

Ibiza-Urlaub abgesagt

Anders sehen das Dirk D. und Dagmar N. aus Aachen. Das Paar hat sich am Samstagmorgen gegen ihre geplante Ibiza-Reise entschieden und informiert sich im Netz über die Stornobedingungen.

"Das wäre nicht der Urlaub geworden, den wir uns vorstellen", sagte Dagmar N. dem WDR. "Es war eh schon klar, dass in Ibiza alle Clubs zu sind, aber jetzt ist zu befürchten, dass auch Restaurants geschlossen werden", ergänzte Dirk D.

Lieber wieder Holland

Wie sieht es mit einer spanischen Urlaubsalternative aus? Die Reisewarnung gilt nur für Festland-Spanien und die Balearen - nicht für die Kanarischen Inseln. Doch das Paar winkt ab. "Flugreisen haben sich für uns erledigt", sagt Dirk D., "meine Mutter hat im Frühling auf den Kanaren den spanischen Lockdown erlebt."

Sie habe 23,5 Stunden am Tag im Hotelzimmer verbringen müssen. "Das wollen wir nicht auch erleben." Das Paar will nun spontan nach Holland ans Meer fahren. "Das haben wir schon gemacht, als wir im Juni unseren ersten Versuch, nach Ibiza zu kommen, canceln mussten."

Stand: 15.08.2020, 19:12