Testpflicht oder nicht - wenn der Urlaub zum Risiko wird

Stand: 22.08.2020, 07:17 Uhr

Von Jan-Hendrik Raffler und Frank Menke

Für welche Urlaubsregionen gelten Reisewarnungen?

Die Liste ist lang und unübersichtlich. Neu ist die Reisewarnung des Auswärtigen Amts für Teile von Kroatien. Da waren zuletzt von 2.400 Corona-Tests mehr als zehn Prozent positiv. Auch die belgische Hauptstadt Brüssel wurde am Freitag als Corona-Risikogebiet eingestuft.

Auch vor Reisen nach Spanien wird gewarnt – ausgenommen sind die Kanarischen Inseln. Und auch von Urlauben in die Türkei wird abgeraten – hiervon ausgenommen sind einige Provinzen in der Ägäisregion und auch die Provinz Antalya. Für Luxemburg und Teile Rumäniens dagegen gilt ab sofort keine Reisewarnung mehr.

ARD-Korrespondentin Katharina Willinger schätzt die Lage in der Türkei am Freitag so ein: "Momentan steigt auch in der Türkei die Zahl der Corona-Infizierten wieder an. Gestern gab es laut dem Gesundheitsministerium rund 1.400 neue Fälle. Das sind etwas weniger als in Deutschland. Aber: Die Zahlen der türkischen Ärztekammern in den einzelnen Provinzen widersprechen den offiziellen Zahlen zum Teil sehr deutlich. Daher ist innerhalb der Türkei auch eine Diskussion darüber im Gange, wie verlässlich die Angaben eigentlich sind."

Welche Reisenden sind am stärksten von Corona-Infektionen betroffen?

Dazu sagte Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband dem WDR: "Hier nennt das Robert-Koch-Institut vornehmlich die Länder des Westbalkans, nämlich Bulgarien, Kosovo und Bosnien-Herzegowina. Das sind Länder, in die man fährt, wenn man seine Familie und Verwandte besucht, es geht um den sogenannten ethnischen Reiseverkehr. Die klassischen Pauschalreisen führen in diesem Jahr nach Spanien, Griechenland, Türkei, Italien, der Schweiz und Österreich. Und aus diesen Ländern sind die Fallzahlen sehr gering."

Nach Nordrhein-Westfalen kam laut NRW-Gesundheitsministerium vom Freitag die Mehrheit der infizierten Reise-Rückkehrer in der vergangenen Woche aus dem Kosovo und der Türkei. 775 Rückkehrer aus dem Kosovo wurden positiv auf das Virus getestet – das war mehr als jeder Dritte der infizierten Einreisenden (36,3 Prozent). Aus der Türkei kamen 425 Menschen mit dem Coronavirus – das war jeder fünfte der Infizierten (19,9 Prozent).

Wo kann ich mich als Reisender informieren?

Auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts gibt es eine aktuelle Liste mit allen Risikogebieten. Und die Einzelheiten zu den Urlaubsregionen findet man auf der Seite des Auswärtigen Amts. Da steht dann zum Beispiel, wie die Corona-Lage vor Ort aussieht, ob die Zahl der Neuinfektionen hoch ist oder niedrig, was man bei der Einreise aus Deutschland beachten muss und welche Corona-Beschränkungen vor Ort gelten.

Was ist mit Reisenden, die sich in einem Risikogebiet aufhalten?

Die können sich überlegen, ob sie den Urlaub fortsetzen oder abbrechen. Wer aus einem Risikogebiet zurück nach Deutschland kommt, muss einen Corona-Test machen. Entweder muss ein Testergebnis schon bei der Einreise vorliegen, oder der Test muss in Deutschland gemacht werden. Bis zum Ergebnis müssen die Reisenden dann in Quarantäne.

Wer bezahlt den Corona-Test für Rückkehrer aus Risikogebieten?

Noch ist der Test für alle kostenlos. Doch das könnte sich bald ändern. Denn immer mehr Politiker wollen, dass Urlauber aus Risikogebieten die Kosten für den Test ganz oder zumindest teilweise selbst bezahlen. Im ZDF sagte NRW-Gesundheitsminister Laumann, in der Anfangsphase sei es in Ordnung, die Testkosten zu übernehmen – auch weil das bürokratischen Aufwand spare.

Langfristig müsse es aber eine andere Lösung geben. Der Steuerzahler könne in der Corona-Krise nicht alle Kosten tragen. Auch die Regierungschefin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, hat sich dafür ausgesprochen, dass Reisende die Kosten auf lange Sicht selbst übernehmen sollen.

Der Kölner Verhaltensökonom Prof. Dominik Enste vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) sieht das anders. "Wenn die Menschen für die Tests selber bezahlen müssen, lassen sie sich seltener testen", sagte er dem WDR. Und mit weniger Tests sei die Wahrscheinlichkeit groß, dass viel mehr Infektionen nicht entdeckt würden: "Insofern macht es schon auch gesamtgesellschaftlich Sinn, jetzt diese Tests zu bezahlen, um höhere Kosten in Krankenhäusern später zu vermeiden."

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