Mehr Intensivpatienten: Kliniken treten auf die Bremse

Krankenpfleger arbeiten in Schutzkleidung in einem Krankenzimmer auf der Intensivstation des Uniklinikums Essen, in dem ein Corona-Patient aus Frankreich behandelt wird.

Mehr Intensivpatienten: Kliniken treten auf die Bremse

Von Lars Faulenbach

Die Zahl der an Covid-19-Erkrankten auf Intensivstationen in den Krankenhäusern in NRW steigt stark an. Manche Kliniken ziehen deshalb die Notbremse.

Besonders dramatisch ist die Situation aktuell in Remscheid. Das dortige Sana-Klinikum hat 31 Intensivbetten. Davon ist zurzeit nur noch ein Bett frei. Acht Betten sind mit Covid-19-Patienten belegt, von denen fünf beatmet werden müssen.

Mehr Intensivpatienten als im Frühjahr

Die Zahl der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen ist im gesamten Land seit Anfang Oktober gestiegen. Sie liegt mittlerweile bei 747 und damit um rund 100 höher als im Frühjahr während der ersten Corona-Welle.

Insgesamt sind mehr als 80 Prozent der Intensivbetten im Land belegt. Die Vorsitzende des Marburger Bundes, Susanne Johna, macht sich deshalb mit Blick auf die kommenden Wochen Sorgen: "Wir sehen ja die Infektionszahlen steigen weiter. Und wir wissen, dass wir die Patienten, die sich heute infizieren, etwa erst in zwei Wochen im Krankenhaus sehen. Insofern werden die Zahlen auf den Intensivstationen auch steigen."

Kliniken verschieben Operationen

Einzelne Kliniken ziehen deshalb jetzt schon die Reißleine, um zu verhindern, dass die Betten zu knapp und die Mitarbeiter überlastet werden. Das Klinikum Düsseldorf zum Beispiel nimmt seit Donnerstag nur noch Notfälle stationär auf. Alle anderen geplanten Behandlungen werden verschoben. Diese Regelung gilt zunächst bis Sonntag.

Auch Kölner Kliniken verschieben nicht notwendige Behandlungen, damit sich das Personal vermehrt um die Covid-19-Patienten kümmern kann. Denn Personal wird knapp, weil sich auch Klinikmitarbeiter anstecken, sagt Christian Karagiannidis, Leiter der Intensivstation der Lungenklinik in Köln-Merheim: "Und wenn wir die Intensivkapazitäten aufrechterhalten wollen, kommen wir nicht mehr darum herum, Operationen zu verschieben, um Personal für die Intensivstationen frei zu bekommen."

Behelfskliniken als Notfallplan

Manche Städte arbeiten schon an Möglichkeiten für den Fall, dass das allein nicht ausreicht. Die Stadt Dortmund zum Beispiel hat dafür Pläne aus dem Frühjahr zu einem Behelfskrankenhaus aus der Schublade geholt. Das soll in den Westfalenhallen errichtet werden. Außerdem soll die Johanniter Reha-Klinik am Dortmunder Rombergpark mit Corona-Patienten belegt werden. Ähnliche Überlegungen gibt es auch in Hamm.

Trotzdem gibt es im Moment in manchen Regionen in NRW auch noch große Kapazitäten auf den Intensivstationen, weil dort das Infektionsgeschehen noch überschaubar ist. Über eine Koordinationsstelle beim RKI können deshalb Patienten zwischen Kliniken verschoben oder Patienten aus dem Ausland aufgenommen werden. An Bonner Kliniken werden zum Beispiel Covid-19-Patienten aus Belgien behandelt.

Stand: 05.11.2020, 15:24