Schulstart in Corona-Zeiten: Kritik an Plänen des Landes wächst

Schulstart in Corona-Zeiten: Kritik an Plänen des Landes wächst

Die Kritik an den Plänen des Landes für den Schulstart am Mittwoch wächst. Besonders die Maskenpflicht polarisiert. Viele Eltern sind verunsichert - und die Schulen fühlen sich allein gelassen.

Wenige Tage noch, dann fängt für den Sohn von Corinna Lück aus Herford wieder die Schule an. Marten wechselt dann von der Grundschule auf das Friedrichsgymnasium. Der Zehnjährige freut sich auf die neue Schule, doch bisher weiss die Mutter nur wenig darüber, wie der Unterricht ablaufen wird: "Wir haben Informationen dazu bekommen, wie der erste Tag abläuft, das war auch sehr ausführlich und sehr gut und alles weitere wird dann am Mittwoch besprochen."

Maskenpflicht beschäftigt viele Eltern

Auch die Familie von Robert Glowienka im ostwestfälischen Rödinghausen weiß noch nicht, wie der Unterricht für die beiden Kinder aussehen wird. Nur, dass Sohn Julius auf der dortigen Gesamtschule die ganze Zeit eine Maske tragen muss. Das ist eine Vorgabe des Ministeriums. "Julius hat einen echten Grusel davor, dass er die ganze Zeit mit einer Maske da sitzen muss," sagt sein Vater.

Gerade die Maskenpflicht in der Schule treibt viele Eltern in NRW um. Manche Eltern erhoffen sich dadurch mehr Sicherheit für ihre Kinder. Die Landeselternschaft der Gymnasien hat aber auch viele empörte Zuschriften von Eltern bekommen. Diese fürchten zum Beispiel, dass die Konzentration der Kinder leiden könnte.

Schulleiter fühlen sich vom Land allein gelassen

Wie sie mit der Maskenpflicht umgehen sollen und wann und wo es möglicherweise Ausnahmen geben kann, ist nur eines der Themen, das aktuell auch die Schulleiter sehr beschäftigt. Viele kritisieren vor allem, dass die Vorgaben von Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) so kurzfristig kamen: "Ich ziehe nach einer Woche Versuch, Frau Gebauers Vorgaben umzusetzen, das Fazit: Das geht nicht, manche Vorgaben widersprechen sich," sagt eine Schulleiterin aus Bochum, die anonym bleiben möchte.

Auch die Schulleitungsvereinigung NRW wirft dem Ministerium vor, die Verantwortung für einen sicheren Schulstart auf die Schulleitungen abzuwälzen und dabei die konkreten Gegebenheiten vor Ort nicht zu berücksichtigen. So sei es für viele Schulen zum Beispiel kaum möglich, den Unterrichtsstart zu entzerren.

"Land nimmt keine Rücksicht auf Gegebenheiten vor Ort"

Der Vorsitzende der SLV Harald Willert nennt als Beispiel auch noch die Unterrichtsräume: "Frau Gebauer hat auf Nachfrage gesagt, dass Klassensräume, die nicht ausreichend gelüftet werden können, nicht für den Unterricht genutzt werden dürfen. Für viele Schulen heißt das, dass sie viele Räume gar nicht nutzen können."

Beim Thema Schulbusverkehr erntet Gebauers Kollege Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) Kritik. Er hatte am Freitag einen Brief an die Städte verschickt, dass das Land 1000 zusätzliche Schulbusse finanzieren will. "Solch eine Mitteilung hätte eine Woche früher kommen können. Bis zum Schulstart können wir das nicht mehr umsetzen, weil wir erst mal den Bedarf ermitteln müssen," sagt dazu der Stadtsprecher der Stadt Hamm Tom Herberg.

Stand: 08.08.2020, 17:57