Der erste Mittagstisch nach Corona

Kellnerin mit Teller in der Hand

Der erste Mittagstisch nach Corona

Von Susanne Schnabel

  • Restaurants dürfen seit Montag wieder öffnen
  • Alle Gäste müssen sich in Listen eintragen
  • Ein Rundgang zur Mittagszeit in Mönchengladbach
Kellnerin serviert einem Gast ein Schnitzel

Nach vielen Wochen das erste Schnitzel im Lieblingscafé

Die Augen von Jasemin Demir strahlen über der schwarzen Maske. Seit vergangenen Donnerstag hat sie mit ihrem Team vom Café Cannape in Mönchengladbach Tische und Stühle hin und hergeschleppt, hat Abstände gemessen, Markierungen geklebt, Unterlagen vorbereitet und nun ist es endlich soweit: Am Montag (11.05.2020) kommen die ersten Gäste nach sieben Wochen. "Es sind alles Stammgäste und ich freue mich so sehr, alle wiederzusehen", sagt die 34-jährige Angestellte.

"Als hätte ich meine Familie vermisst"

Jedem Gast erklärt sie, wie das nun funktioniert: Name, Adresse, Datum mit Uhrzeit und Dauer des Besuchs und wer saß an welchem Tisch - das alles muss notiert werden. Zudem gibt es Hygienepläne für das Personal: Menü-Karten,Tische, Stühle, Hände, Toiletten werden regelmäßig desinfiziert. "Das wäre bei normalem Betrieb nicht zu schaffen. Wir haben ungefähr die Hälfte der Tische", so Jasemin Demir.

Die Gäste stört das administrative Prozedere nicht - sie sind einfach nur froh, endlich wieder in ihrem Lieblingscafé sitzen zu können. "Als hätte ich meine Familie vermisst", sagt Ilona Köntges.

Umfrage in Mönchengladbach: Endlich wieder Essen gehen

"Endlich wieder Kaffee aus Porzellan", sagt Petra Küppenbender, die regelmäßig mit einer Freundin in der Stadt essen geht. Vor Corona haben die beiden niemals Kaffee aus Pappbechern getrunken. "Aber was sollten wir machen? Es gab ja nichts anderes. Dann haben wir uns halt einen Becher gekauft und auf eine Bank gesetzt."

"Endlich wieder Kaffee aus Porzellan", sagt Petra Küppenbender, die regelmäßig mit einer Freundin in der Stadt essen geht. Vor Corona haben die beiden niemals Kaffee aus Pappbechern getrunken. "Aber was sollten wir machen? Es gab ja nichts anderes. Dann haben wir uns halt einen Becher gekauft und auf eine Bank gesetzt."

"Es geht wieder los!", sagt Kellnerin Paula Palonetto. Die Kellnerin hat ihre Gäste im italienischen Restaurant Marco Polo furchtbar vermisst und freut sich nun riesig auf die Arbeit - trotz Maske und viel Verwaltungsaufwand: "Jeder Gast muss seine Adresse und Telefonnummer hier lassen und es wird aufgeschrieben, wann er wo genau gesessen hat."

"Endlich wieder meine Lieblingspizza essen. Ich schicke meinem Freund in Italien ein Foto davon", sagt Stammgast Manfred Schmidt.

Christine und Ulrich Bockrath sind extra aus dem benachbarten Kleinenbroich gekommen, um direkt am ersten Tag der Öffnung wieder bei ihrem Lieblingsitaliener essen zu können. Wir haben konsequent darauf verzichtet, zwischendurch irgendwo etwas zu bestellen. Das ist nicht unsere Art", so Ulrich Bockrath. "Das macht zu viel Müll und ich finde, das Essen muss heiß auf den Tisch."

"Ich kann nicht kochen. Ich gehe hier normalerweise jeden Tag essen. Zum Glück geht das wieder", sagt Manfred Hoff, der sich auf frisch gekochte Tortellini freut.

Igor Zonjic öffnet sein Café Sunside erst am Dienstag. An die Eingangstür hat er ein Schild gehängt mit der Aufschrift "Vor der Schnelligkeit kommt die Richtigkeit". "Wir brauchen noch ein bisschen Zeit, um die ganzen Anforderungen umzusetzen. Die Entscheidung, dass die Gastronomie wieder öffnen darf, kam sehr überraschend", so Igor Zonjic.

Im Einkaufszentrum Minto haben nur wenige Gastronomen geöffnet und sie bieten ihre Speisen nur zum Mitnehmen an. Für Leonard Kelch und Maximilian Ganser kein Problem: "Die Nudeln schmecken auch auf der Treppe. Wir gehen sowieso nicht oft in Restaurants."

Jasemin Demir arbeitet seit 13 Jahren im Café Cannape. "Seit letzten Donnerstag haben wir uns mit Hochdruck auf die Wiedereröffnung vorbereitet. Das war sehr viel Arbeit", sagt die Angestellte. "Es ist schön, die Gäste wiederzusehen. Eigentlich sollten wir wenig mit ihnen sprechen, um so wenig Kontakt wie möglich zu haben. Das fällt schwer."

Heinz-Willi Gotzen vermisst seine Clique. "Normalerweise sitzen wir hier immer mit fünf Leuten. Das ist ja derzeit noch verboten", so der 79-Jährige, der sich ein Schnitzel mit Spätzle gönnt. Gotzen: "Ich kann auch selber kochen, aber ich lasse es mir hier zwei bis dreimal pro Woche schmecken."

"Personal und Gäste - das ist alles sehr familiär hier und das habe ich vermisst", sagt Illona Köntges, die seit ihrem 14. Lebensjahr das Cannape besucht. "Natürlich unterstütze ich meinen Laden und komme wieder hier hin. Ich bin allerdings nicht sicher, ob das alles nicht etwas zu früh ist mit den Lockerungen."

Luca Bruno trinkt einen Latte Macchiato. "Der erste im Glas seit sieben Wochen", so der 26-Jährige. Er ist selber in der Gastronomie tätig und freut sich, dass es wieder losgeht. "Ich habe die Gespräche mit den Gästen, die Arbeit und auch ein bisschen den Stress vermisst."

"Wir öffnen erst am 19. Mai 2020. Wir sind noch mitten in den Renovierungsarbeiten", sagt Oliver Segner, der das Restaurant Mokka betreibt. Er versucht alles, damit trotz der vielen Bestimmungen die Stimmung nicht auf der Strecke bleibt. Segner: "Die Gastronomie lebt doch vom Gefühl."

Lockerungen kamen für viele Wirte überraschend

Mann im Restaurant fotografiert seine Pizza

Erst fotografieren - dann essen!

Viele Passanten gehen mit ihren Nasen ganz nah an die Scheibe vom Restaurant Mokka. Manche klopfen und winken rein. Die Kabel hängen aus der Decke, Werkzeug liegt auf den Tischen. "Wir hatten nicht so schnell mit Lockerungen gerechnet und stecken mitten in den Renovierungsarbeiten", sagt Restaurantbetreiber Oliver Segner, der am 19. Mai wieder öffnet.

Die Gastronomen in Mönchengladbach tauschen sich untereinander in verschiedenen Foren aus. Es habe so manchen Hilferuf bei Kolleginnen und Kollegen gegeben, erzählt Segner. "Wie soll ich das alles schaffen? Lohnt es sich finanziell zu öffnen? Wie genau sind die Bedingungen? Woher bekommen wir die Infos? Uns alle beschäftigen gerade viele Fragen", so Segner.

Corona-Lockerungen: Was in NRW jetzt erlaubt ist

WDR 5 Westblick - aktuell 11.05.2020 05:29 Min. Verfügbar bis 11.05.2021 WDR 5

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Manche Restaurants und Café sind einfach zu klein

Daniela Marischen befestigt ein Plakat im Fenster ihres Cafés Loulous

Daniela Marischens plant neues Café

Während andere Gastronomen ihre Tische wienern, informiert Daniela Marischen ihre Gäste schweren Herzens per Plakat im Fenster ihres kleinen Cafés Loulou's in der Rheydter Innenstadt. Nur zwei Tische könnte sie in dem kleinen Raum belegen.

Das lohnt bei den finanziell nicht und passt auch nicht zur Philosophie ihres Cafés: 'Nimm einen Stuhl und setzt Dich mit dazu'. Marischen: "Diese Spontanität und Herzlichkeit machen das Loulou's aus." Im September eröffnet die 41-Jährige ein etwas größeres Café ganz in der Nähe.

Stand: 11.05.2020, 20:51

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