Verpackung einer Pferdewurmkur

Warum das Entwurmungsmittel Ivermectin nicht gegen Corona hilft

Stand: 17.11.2021, 18:17 Uhr

Hilft ein Wurmkur-Präparat gegen Corona? Experten sagen nein. Trotzdem wird das Entwurmungsmittel Ivermectin genutzt. Im schlimmsten Fall droht eine Vergiftung.

Von Christian Wolf

Die Corona-Pandemie hat schon so manches Skurriles hervorgebracht. In Erinnerung wird sicherlich der Ansturm auf Klopapier im Frühjahr 2020 bleiben. Auch die vom damaligen US-Präsidenten Donald Trump öffentlich vorgetragene Idee, im Kampf gegen das Coronavirus Desinfektionsmittel zu spritzen, sorgte für Aufsehen und Kopfschütteln.

Nun gibt es eine neue Skurrilität, die sogar gefährlich werden kann. In bestimmten Kreisen wird propagiert, dass das Entwurmungsmittel Ivermectin zur Behandlung bei einer Corona-Erkrankung eingesetzt werden könne. Dabei handelt es sich um ein Medikament, das hauptsächlich in der Tiermedizin eingesetzt wird, um Pferde oder Rinder zu entwurmen.

Ivermectin in österreichischen Apotheken ausverkauft

Und ausgerechnet das soll nun gegen Corona wirken? Manch einer hält das tatsächlich für möglich. So gibt es aktuell Meldungen aus Österreich, dass das Entwurmungsmittel teilweise ausverkauft sei. Der Präsident der Oberösterreichischen Apothekerkammer, Thomas Veitschegger, sagte den Oberösterreichischen Nachrichten: "Ivermectin ist immer wieder ausverkauft und das, obwohl es rezeptpflichtig ist."

In seiner eigenen Apotheke habe man das Mittel bereits aus Frankreich nachbestellen müssen. Dabei sagte Veitschegger: "Viele Leute nehmen das Medikament völlig falsch ein. Sie nehmen die weitaus höhere Dosis, die eigentlich für Pferde gedacht ist." Es habe sogar schon Vergiftungen gegeben.

Angekurbelt worden könnte die Nachfrage durch den impfskeptischen Chef der rechten FPÖ, Herbert Kickl. Anfang November präsentierte er einen "Plan B" gegen das Virus. Aus seiner Sicht sollte auf die frühzeitige Behandlung von Covid-19 statt auf die Impfung gesetzt werden. Er erwähnte dabei auch das Anti-Wurmmittel Ivermectin.

FDA warnt vor Entwurmungsmittel gegen Corona

Und auch in den USA spielt das Mittel eine Rolle. Laut dem Ärzteblatt häufen sich bei den Giftnotrufzentralen die Anrufe von Patienten, die zur Prävention oder Behandlung von COVID-19 Ivermectin eingenommen haben. Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA warnte schon im August via Twitter: "Du bist kein Pferd. Du bist keine Kuh. Ernsthaft. Hör auf."

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Studien zeigen keine Hinweise auf Wirksamkeit

Doch warum wird Ivermectin überhaupt genommen? Tatsächlich gab es laut der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA Laborstudien, wonach Ivermectin die Vervielfältigung des Virus blockieren kann. Aber: Dafür brauche es eine viel höhere Konzentration, als die derzeit zugelassene Dosierung erlaube. Manche Studien hätten einen Nutzen gesehen, andere wiederum nicht. Zudem hat jüngst eine übergreifende Analyse von mehr als einem Dutzend Studien keinerlei Hinweis auf eine Wirksamkeit gezeigt. Eine Zulassung im Zusammenhang mit Corona gibt es deshalb nicht.

RKI warnt vor "schwerwiegenden Toxizität" durch Ivermectin

Zwar scheint es hierzulande - glücklicherweise - noch keinen Run auf Ivermectin zu geben. In Onlineapotheken wird es angeboten, allerdings ist ein Rezept nötig. Doch gewarnt wird trotzdem schon mal. So wird es vom Robert-Koch Institut als Substanz "ohne nachgewiesenen Nutzen in der Behandlung von COVID-19" eingestuft. Es gebe keinen Hinweis auf eine Effektivität. Stattdessen bestehe das "Risiko der schwerwiegenden Toxizität bei unkontrollierter Anwendung". Bedeutet: Wer Ivermectin einfach mal so einnimmt, läuft Gefahr, sich selbst zu vergiften.

Angesichts dessen fasst der österreichische Fernsehmoderator Armin Wolf den Ansturm auf das Entwurmungsmittel so zusammen: Entweder gebe es ungewöhnlich viele Menschen, deren Tiere gerade Läuse, Milben, Zecken oder Würmer haben. "Oder ungewöhnlich viele Corona-Spinner." Er selbst habe da eine Vermutung, was eher zutrifft.