Rettet Astrazeneca den Urlaubs- und Party-Sommer?

Rettet Astrazeneca den Urlaubs- und Party-Sommer?

Jeder kann sich nun mit Astrazeneca impfen lassen. Das sind verlockende Aussichten, denn für vollständig Geimpfte gelten wohl bald Lockerungen.

Endlich wieder Party machen und in den Urlaub fahren? Das alte Lebensgefühl rückt näher - so scheint es zumindest. Der Bundestag hat am Donnerstag weitere Freiheiten für Geimpfte und Genesene beschlossen. Die Verordnung muss noch am Freitag den Bundesrat passieren, dann könnte sie schon ab Sonntag in Kraft treten.

Die geplanten Lockerungen dürften rasch einen spürbaren Unterschied machen: Vollständig Geimpfte und Genesene müssen sich, sobald die entsprechende Verordnung in Kraft ist, nicht mehr an die geltenden Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen halten - natürlich bei Einhaltung der AHA-Regeln. Sie können - unabhängig von Inzidenzwerten - privat beliebig viele andere Geimpfte treffen. Und hier kommt Astrazeneca ins Spiel.

Astrazeneca - der Retter der Sommers?

Noch haben nur unter zehn Prozent der Menschen in NRW eine zweite Impfung bekommen, könnten also von den Freiheiten profitieren. Seit Donnerstag können zwar Teile der Priorisierungsgruppe 3 einen Impftermin machen - der wird aber nicht immer sofort möglich sein. Die Hoffnung: Wer sich jetzt auf Astrazeneca einlässt, bekommt am Ende eventuell früher seine Zweitimpfung.

Und nach einem Beschluss von Bund und Ländern wird die Impf-Priorisierung beim Impfstoff Astrazeneca aufgehoben. Jeder, der will, kann sich mit Astrazeneca impfen lassen.

Der Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung könne zudem von zwölf auf bis zu vier Wochen verkürzt werden. Wer sich also jetzt impfen lässt, könnte rechnerisch noch vor den NRW-Sommerferien Anfang Juli seine Zweitimpfung bekommen haben. Allerdings: Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) betonte am Donnerstag, "die nachgewiesene Wirksamkeit ist höher, desto länger das Intervall ist".

Mit Blick auf mögliche Nebenwirkungen bei einer Astrazeneca-Impfung gab Carsten Watzl, Immunologe an der TU Dortmund, in der "Aktuellen Stunde" am Donnerstag Entwarnung. Diese seien "immer besser beherrschbar", vorausgesetzt man gehe schnell zum Arzt, wenn bestimmte Symptome aufträten - zum Beispiel Einblutungen in die Haut, geschwollene Arme und Brustschmerzen. "Dann kann man solche sehr seltenen Fälle entdecken und auch therapieren", sagte Watzl.

Wie bekommt man den Astrazeneca-Impfstoff?

Wie viel Astrazeneca-Impfstoff in NRW bei den Hausärzten zur Verfügung steht, ist von Fall zu Fall verschieden: Einige verimpfen den Impfstoff restlos an die Ü-60-Jährigen, andere Berichte zeigen, dass offenbar der Impfstoff liegen bleibt, weil Ältere sich damit nicht impfen lassen wollen.

Es könnte also auf ein Abklappern von Hausärzten hinauslaufen, auf der Suche nach Resten von Astrazeneca.

Gut für den einzelnen - kein Einfluss auf Herdenimmunität

Die Aufhebung der Priorisierung bei Astrazeneca sei erst einmal nicht schlecht: "Dieser Vorstoß könnte die Impfgeschwindigkeit erhöhen", sagt die WDR-Wissenschaftsredakteurin Ruth Schulz. "Zumindest könnten mehr Menschen früher vollständig geimpft sein."

Auch gegen einen kürzeren Abstand zur Zweitimpfung spreche nichts: "Von der Zulassung her kann man schon nach vier Wochen impfen."

Aber: Von der Aufhebung der Priorisierung darf nicht zu viel erwartet werden, so Ruth Schulz. "Eine frühere Impfung kann für Einzelne individuelle Erleichterungen bringen, aber die Herdenimmunität bleibt trotzdem noch in weiter Ferne."

Stand: 06.05.2021, 20:16