Todesfälle nach Astrazeneca-Impfung: Das wissen wir

Todesfälle nach Astrazeneca-Impfung: Das wissen wir

Von Lena Sterz

Ab Samstag haben Über-60-Jährige die Chance einen Astrazeneca-Impftermin zu vereinbaren. Gleichzeitig empfiehlt die Ständige Impfkommission für Unter-60-Jährige, dass sie bei einer Zweitimpfung einen anderen Impfstoff bekommen sollen.

Es ist ein Hü und Hott mit dem Astrazeneca-Impfstoff: Erst wurde er für die Jüngeren empfohlen, jetzt für die Über-60-Jährigen. Fragen und Antworten zu den neuesten Entwicklungen und Erkenntnissen:

Warum geht man davon aus, dass bei Menschen über 60 die sehr seltenen, aber schweren Nebenwirkungen nicht so häufig auftreten?

Der Chef der Ständigen Impfkommission (STIKO), Thomas Mertens, sagte gegenüber dem Spiegel, dass man nicht mit letzter Sicherheit sagen kann, dass sie nicht auch bei älteren Menschen auftreten. "Aber wir können hier auf die Erfahrungen aus Großbritannien zurückgreifen. Dort wurde eine große Zahl älterer Menschen mit Astrazeneca geimpft, ohne dass auffällig viele Probleme gemeldet wurden."

Wie ist der Stand der Forschung zur Sinusvenenthrombose nach einer Astrazeneca-Impfung?

Die Uni Greifswald hat untersucht, welcher Mechanismus zu den bisher aufgetretenen Sinusvenenthrombosen geführt hat. Der Mechanismus ist jetzt klarer, weil inzwischen 25 Patientenproben untersucht werden konnten und er bei allen gleichermaßen aufgetreten ist. Noch unklar ist, warum vor allem junge Frauen davon betroffen sind, welche Ko-Faktoren eine Rolle spielen und welche Komponente im Impfstoff das auslöst.

Impfen für alle ab 60 - solange Astrazeneca reicht

WDR 5 Westblick - aktuell 01.04.2021 04:58 Min. Verfügbar bis 01.04.2022 WDR 5 Von Michael Brocker


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Warum wird jetzt empfohlen, dass Unter-60-Jährige, die schon einmal mit Astrazeneca geimpft wurden, bei der zweiten Impfung einen anderen Impfstoff erhalten?

Die STIKO schreibt dazu, dass es bisher keine Daten zum Risiko bei der Zweitimpfung gibt. Bis entsprechende Daten vorliegen empfiehlt die STIKO, bei den Unter-60-Jährigen anstelle der zweiten AstraZeneca-Impfstoffdosis eine Dosis eines mRNA-Impfstoffs zwölf Wochen nach der Erstimpfung zu verabreichen. Der Immunologe Carsten Watzl von der Uni Dortmund findet das unproblematisch. "Immunologisch ist es kein Problem, einfach einen zweiten Impfstoff zu nehmen, weil beide Impfstoffe letztendlich das gleiche Ziel verfolgen." Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will am kommenden Mittwoch mit den Gesundheitsministern der Länder über die Empfehlung sprechen.

AstraZeneca: "Pro- und Contra-Situation irritiert nur"

WDR 5 Morgenecho - Interview 01.04.2021 05:26 Min. Verfügbar bis 01.04.2022 WDR 5


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Warum werden in Großbritannien weiterhin alle Altersgruppen mit Astrazeneca geimpft?

Das Land hält die Wirkung des Impfstoffs für größer als das Risiko an einer seltenen Nebenwirkung zu erkranken. Großbritannien hat gerade erstmals Zahlen zu Sinusvenenthrombosen veröffentlicht: 22 seien im März nach einer Impfung mit Astrazeneca aufgetreten, heißt es in einem Regierungsbericht. Die Behörde hat außerdem Zahlen zu Todesfällen veröffentlicht, die im Zusammenhang mit einer Impfung stehen können. Bei Astrazeneca sind 421 Fälle gemeldet worden, bei Biontech 283 Fälle. An den Folgen einer Coronavirus-Erkrankung sind in Großbritannien bisher 126.000 Menschen gestorben.

Stand: 02.04.2021, 14:26