Wiederaufbauhilfe: So kommen Flut-Opfer an ihr Geld

Rund 12 Milliarden Euro liegen in NRW für Geschädigte nach der Unwetterkatastrophe im Juli bereit. Aber wie viel Geld gibt es für jeden, und wie kommt man dran?

Zwei Monate nach der verheerenden Unwetterkatastrophe können Betroffene Geld für den Wiederaufbau beantragen. Das Land hat Informationen und den Online-Antrag für Privatleute auf einer entsprechenden Seite bereitgestellt. Die zu durchforsten, dauert - deswegen gibt es hier ein paar Tipps für den Einstieg.

Für Privatleute: Wie viel Geld gibt es jeweils?

In der Regel werden 80 Prozent des Schadens beglichen, manchmal auch 100 Prozent. Das hängt von der Art des Schadens ab: Ist das Haus zerstört, oder geht es um den Hausrat oder um ein ganzes Unternehmen?

Mein Hausrat ist beschädigt - wie viel wird ersetzt?

Für Schäden am eigenen Hausrat wird eine Billigkeitsleistung in Form einer Pauschale gewährt. Bei Mehr-Personen-Haushalten werden für die erste Person 13.000 Euro, für Ehegatten oder Lebenspartner 8.500 Euro und für jede weitere dort im Schadenszeitpunkt gemeldete Person 3.500 Euro gewährt.

Die Schäden müssen im Nachweisverfahren nicht im Einzelnen durch Originalbelege nachgewiesen werden.

Was gibt es für Schäden am Haus?

Abriss oder Reparatur: Die Kosten werden erstattet | Bildquelle: dpa_Harald Tittel

Das ist komplizierter. Der Schaden muss mindestens 5.000 Euro betragen, sonst gibt es nichts. Wer darüber liegt, erhält 80 Prozent der Schadenssumme. Wer Geld aus Spenden oder von der Versicherung bekommt, kann damit weitere 20 Prozent des Schadens begleichen, so dass er auf 100 Prozent kommt. Damit kann er Haus oder Wohnung reparieren - oder neu bauen oder kaufen. Auch der Abriss wird erstattet.

Wichtig zu wissen: Wer einen besonderen denkmalpflegerischen Aufwand betreiben muss, weil er zum Beispiel Schäden am Fachwerkhaus hat, bekommt von vornherein 100 Prozent. Es gibt auch Geld für Mietausfälle.

Was muss ich dafür tun?

Das Onlineformular hat nur ein paar Seiten, aber: Der Antragsteller muss jede Menge Belege beibringen, wenn es Schäden am Haus gibt.

Geht es um Gebäudeschäden, muss auf jeden Fall ein Gutachter her. Das gilt für Wohnungsunternehmen genauso wie für Privatleute, wenn der Schaden höher ist als 50.000 Euro.

Das Ministerium hat die Namen von fast 5.000 Gutachtern aufgelistet, allerdings muss man mit langen Wartezeiten rechnen.

Wann bekomme ich mein Geld?

Es kann Monate dauern, bis das Geld wirklich auf dem Konto ist - auch wegen der erwähnten Wartezeiten. Deswegen: schnell beantragen! Man kann übrigens schon mit den Aufbauarbeiten beginnen, ehe man alle Belege zusammen oder einen Gutachter gefunden hat.

Das Portal ist bis Ende Juni 2023 freigeschaltet - wer jetzt im Stress ist und es sich leisten kann, kann sich also Zeit lassen.

Ich habe ein Unternehmen - womit kann ich rechnen?

Das Land hat schon Soforthilfen für gut 6.000 Firmen bereitgestellt.

Außerdem bietet die landeseigene Förderbank Kredite bereit - mit Zinssätzen ab 0,01 Prozent und einer Laufzeit bis zu 10 Jahren, allerdings bis maximal 2 Millionen Euro.

Wer Schäden ersetzt haben möchte, muss auf jeden Fall erst einen Gutachter einschalten. Die zuständige Kammer prüft das Ergebnis, dann kann man den Antrag stellen. Mit den Aufbauarbeiten darf man trotzdem schon beginnen.

Hier gibt es Hilfe

Wer Fragen zum Antrag hat, kann sich an eine Hotline wenden. Sie ist ist montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 bis 16 Uhr unter 0211-46844994 erreichbar.

Für die Betroffenen in der Städteregion Aachen gibt es ein spezielles Angebot: Da sind Busse unterwegs, in denen die Anträge direkt gestellt werden können. Mit dabei sind Mitarbeiter der Kommunen, die helfen.