9. Juli 1978 - Martina Navratilova gewinnt erstmals Wimbledon

9. Juli 1978 - Martina Navratilova gewinnt erstmals Wimbledon

Martina Navratilova ist acht Jahre alt, als ihr Stiefvater verspricht: "Eines Tages wirst du Wimbledon gewinnen." Mirek Navratil soll recht behalten. Am 9. Juli 1978 nimmt Navratilova mit einem tiefen Knicks bei dem legendären Londoner Tennis-Turnier die begehrte silberne Schale aus den Händen der Herzogin von Kent entgegen.

Mit dem ersten Wimbledon-Sieg geht nicht nur ihr Lebenstraum, sondern auch der ihres Stiefvaters und Trainers in Erfüllung. Allerdings sitzt er an diesem Tag nicht bei Erdbeeren und Schlagsahne im Stadion - wie es für die Angehörigen der Spielerinnen üblich ist. Seit Navratilova während einer Tennis-Tour in den USA geblieben ist, darf ihre tschechische Familie das kommunistische Land nicht mehr verlassen.

Erster Wimbledon-Sieg von Martina Navratilova (am 09.07.1978)

WDR 2 Stichtag 09.07.2018 04:05 Min. Verfügbar bis 06.07.2028 WDR 2


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Einsam in der neuen Heimat

"Ich wusste nicht einmal, ob sie das Spiel sehen konnten", erinnert sich die Tennisspielerin später. Die tschechische Presse ignoriert ihren Einzug ins Finale. Doch die Eltern fahren zur Grenze, um dort das Spiel in den deutschen Medien zu verfolgen.

Erst vier Jahre nach der Flucht sieht sie ihre Mutter wieder. "Das war eine schreckliche Zeit", sagt Navratilova zurückblickend. Zwar erhält die 18-Jährige schnell einen Profi-Vertrag in den USA, leidet aber unter Heimweh. Das bekämpft sie mit Essen und nimmt innerhalb kürzester Zeit deutlich zu. Die Siege auf dem Tennisplatz werden seltener, man spricht schon vom Ende der jungen Karriere.

Die Nummer eins der Weltrangliste

Doch das "Pummelchen aus dem Osten" ist zäh. Navratilova ordnet ihr Leben neu, kämpft sich mit einer strengen Diät und hartem Training auf der Weltrangliste nach vorne. Im Wimbledon-Finale 1978 triumphiert sie in drei Sätzen über die US-Tenniskönigin Chris Evert.

Wenige Wochen nach ihrem Wimbledon-Sieg kommt die endgültige Bestätigung: Sie führt die Weltrangliste an. Insgesamt wird sie auf dieser Position 332 Wochen lang verweilen - trotz vieler Tiefen, die sie als Sportlerin durchleben muss. So lehnen Presse und Publikum sie zunächst ab: zu maskulin ihre Spielweise, zu rau ihre Kommunikation.

Zuschauern lernen sie langsam lieben

Das Jahr 1981 bringt die Wende: Navratilova wird US-Bürgerin und outet sich als homosexuell. Ein mutiger Schritt zu einer Zeit als Funktionäre und Sponsoren noch prüde sind. Sie muss finanzielle Einbußen hinnehmen. Dafür wird sie beim Publikum immer beliebter. "Ich fühlte, die Zuschauer waren mir gegenüber anders eingestellt. Sie jubelten und jubelten", erzählt sie später.

Fast drei Jahrzehnte lang gehört Martina Navratilova zur Tennis-Weltspitze, gewinnt neun Mal Wimbledon im Einzel. 2006 beendet sie ihre Karriere endgültig. Fortan kämpft sie für Homosexuelle, für Abtreibung, für Tiere und 2010 gegen den eigenen Brustkrebs. Zum Glück besiegt sie auch den.

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Stand: 09.07.2018, 00:00