Privates Feuerwerk komplett verbieten? Ein Pro & Contra

Silvesterfeuerwerk

Privates Feuerwerk komplett verbieten? Ein Pro & Contra

Eine Corona-Maßnahme, die lange vor Silvester für viel Ärger gesorgt hat: das Verkaufsverbot für Feuerwerk. Jetzt wird laut darüber nachgedacht, die Böllerei komplett zu verbieten.

Funkelnde Lichter, die eine Millisekunde aufscheinen, verschwinden und dann als schöne Erinnerung zurückbleiben: Das ist ein Anblick, den der Kölner Michael Hoppstein seit seiner Kindheit liebt. Und deswegen zieht er jedes Jahr ans Rheinufer, um die Batterien und Raketen in einer ausgefeilten Feuerwerk-Choreographie abzufeuern. "Da vertreibe ich die Geister des alten Jahres", sagt er. "Das ist genau so schön wie Weihnachten." Silvester ohne Feuerwerk? Für ihn undenkbar.

Dabei wird genau darüber gerade nachgedacht. Die Berliner Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) zum Beispiel will das pandemiebedingte Verkaufsverbot gerne auch in die Nicht-Corona-Zeiten hinein verlängern - einfach, um Berlin zu "befrieden" und von den oft "bürgerkriegsähnlichen Zuständen" zu befreien.

Müll, verschreckte Tiere - und abgerissene Hände

Reste von Silvesterböllern liegen auf einer Straße mit Autos

Tonnenweise Silvester-Müll

Für ein Verbot fänden Befürworter auch in NRW gute Argumente. Da sind die Müll-Mengen, die Stöckchen, Papierschnitzel und Plastikstücke, die längst vom Winde verweht sind, ehe die Ordnungsämter sie einsammeln können. Da sind die Tiere im Haus und draußen in der freien Natur, die sich unterm Bett verkriechen oder aus dem Winterschlaf aufgeschreckt werden.

Nicht zu vergessen die Verletzten und Toten. Neujahr für Neujahr berichten Feuerwehr und Polizei von zerschossenen Gesichtern und abgerissenen Händen. Aber da hat sich offensichtlich etwas geändert: Diesmal gab es in vielen Kommunen einfach nichts zu vermelden, mit einigen traurigen Ausnahmen.

Verbot als Maßnahme zur Bekämpfung der Pandemie

Das Verbot ist in der Coronaschutzverordnung festgeschrieben, die Idee dahinter: weniger Böllerei gibt weniger Verletzte, die in den ohnehin überlasteten Krankenhäusern landen würden. Und: Wo nicht gruppenweise geballert wird, sinkt die Ansteckungsgefahr.

Im belgischen Baarle-Hertog stehen Menschen Schlange vor einem Feuerwerksgeschäft.

Schlangestehen fürs Böllern

Skeptiker waren sich nicht sicher, ob das alles funktionieren würde - besonders, weil Feuerwerk-Fans scharenweise ins Ausland pilgerten, um sich dort einzudecken. Und offensichtlich gab es reichlich "Restbestände", die seit Jahren im Keller lagerten und ganz offiziell verfeuert werden durften.

Weniger Feinstaub-Schwaden am Himmel

Ganz dunkel blieb der Himmel über NRW also auch dieses Jahr nicht. Er war aber auch nicht so strahlend-bunt erleuchtet wie sonst. Die Folge: Die Rauchschwaden, die die abgebrannten Feuerwerkskörper hinterlassen, waren weniger dicht - und damit auch die Feinstaubbelastung deutlich geringer.

Silvester in Düsseldorf

Viele Menschen, viel Feuerwerk

Konkret: Um 90 Prozent sei die Belastung reduziert worden, hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) am Samstag bekannt gegeben. Sie verweist auf Daten aus Messstationen in München und Bremen, in Berlin soll der Rückgang 87 Prozent betragen. Schlussfolgerung der DUH: Privates Feuerwerk sollte komplett verboten werden, auch mit Blick auf die Verletzten und Toten. Dafür soll die neue Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) sorgen.

2.000 Tonnen Feinstaub durch Feuerwerkskörper

Tatsächlich werden durch Feuerwerkskörper normalerweise gut 2.000 Tonnen Feinstaub freigesetzt, das meiste davon in der Silvesternacht. Das macht zwar nur ungefähr ein Prozent der gesamten Menge in Deutschland im Verlauf eines Jahres aus, wie das Umweltbundesamt feststellt. Bei der mittelfristigen Belastung spiele das eher keine Rolle. Aber: Schon zum Jahreswechsel 2020/2021 hat es deutlich weniger Feinstaub gegeben - eindeutig eine Folge der Coronamaßnahmen, so das UBA.

"Eine Kunst, die Freude macht"

Weniger schlechte Luft, weniger Verletzte - und vielleicht auch weniger Müll. Punkte, die für ein Verbot sprechen könnten. Aber selbst das UBA will das nicht: "Traditionen und Bräuche sind Teil unseres Lebens und sollen dies auch bleiben." Das kann Feuerwerks-Fan Michael Hoppstein nur unterschreiben: "Das ist eine Kunst, die Freude macht. Es wäre doch echt schade, wenn man das einfach abschaffen würde."

Stand: 01.01.2022, 16:58