Merkel versus Gebauer: Streit um verlängerte Weihnachtsferien

Angela Merkel während ihrer Rede vor dem deutschen Bundesparlament.

Merkel versus Gebauer: Streit um verlängerte Weihnachtsferien

Eine Verlängerung der Weihnachtsferien ist umstritten. Angela Merkel denkt an das Leben der Großeltern, NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer aber auch an die Nachteile für die Schüler.

Man kennt Angela Merkel eigentlich als sehr beherrscht und kontrolliert. Die Kanzlerin argumentiert in der Regel nicht aus dem Bauch heraus, lässt statt Emotionen lieber Argumente sprechen. Doch bei der Generaldebatte am Mittwoch im Bundestag konnte sich die CDU-Politikerin nicht mehr zurücknehmen. Gefaltete Hände, eindringliche Stimme - ihr Vortrag wirkte flehentlich und fast schon verzweifelt, als sie auf die Schulferien zu sprechen kam.

Ob man nicht einen Weg fände, angesichts des "Jahrhundertereignisses" der Pandemie die Weihnachtsferien drei Tage früher beginnen zu lassen? "Wenn wir jetzt vor Weihnachten zu viele Kontakte haben und es anschließend das letzte Weihnachten mit den Großeltern war, dann werden wir etwas versäumt haben", so ihre Befürchtung.

NRW-Schulministerin Gebauer: "Untauglicher" Vorschlag

Doch über die Ferien entscheidet nicht der Bund, sondern die einzelnen Bundesländer. Und NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hat sich strikt gegen Merkels Vorschlag ausgesprochen. Ein Aussetzen der Schulpflicht werde es mit ihr nicht geben. Der Vorschlag sei "untauglich", sagte Gebauer am Mittwoch im Landtag.

Am Freitag verkündete Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) dann allerdings, dass die Schulferien nun zum Ende hin um zwei Tage verlängert werden sollen und schon ab Montag die Präsenzpflicht für Schüler aufgehoben werde. Für Schüler, die zu Hause bleiben, solle es Distanzunterricht geben, erklärte Gebauer danach - obwohl sie sich in der Vergangenheit vehement für Präsenzunterricht ausgesprochen hatte.

Merkel hatte sich in ihrem Appell auf die Wissenschaftsakademie Leopoldina bezogen, die einen "Lockdown" mit Geschäftsschließungen und Ausheben der Schulpflicht empfiehlt. Gebauer hält von diesem Vorschlag offenbar nichts. Es sei ihr völlig unverständlich, wie eine solche Äußerung von einer Akademie der Wissenschaft in die Öffentlichkeit getragen werden könne, sagte sie.

Bildungsforscher: Kultusminister haben keinen Plan B

Dass Gebauer so lange am Präsenzunterricht festhielt, sorgte bei Bildungsforschern für Kritik. "Die größte Schwäche liegt aktuell darin, dass die Kultusminister keinen Plan B als Alternative zum Präsenzunterricht haben", sagte die Erziehungswissenschaftlerin Felicitas Thiel am Donnerstag der "FAZ". Die Ausstattung und Unterstützung für Hybrid- und Distanzunterricht sei schlecht, Lehrer würden nicht entsprechend weitergebildet.

Kinderärzte: Schließungen nur als "allerletzte Maßnahme"

Auch manche Kinderärzte haben sich gegen eine Verlängerung der Weihnachtsferien ausgesprochen und verwiesen auf die belastenden Folgen selbst kurzfristiger Schulschließungen auf das Wohlbefinden und die Zukunftsperspektiven von Kindern. Geschlossene Schulen, Kindergärten und Kitas sollten "nur als allerletzte Maßnahme im Rahmen eines allgemeinen Lockdowns" erwogen werden, teilten die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und die Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie am Mittwoch mit.

Corona in Schulen: Niedrige Zahlen, aber hohe Dunkelziffer

Bisherige Daten gäben keinen Anlass, generelle Schulschließungen als "taugliches und angemessenes Mittel" zur Pandemiebekämpfung anzusehen, so die Kinderärzte. Tatsächlich waren an den Schulen in NRW Ende November laut Schulministerium von den rund 2,5 Millionen Schülern rund 3.900 infiziert - eine Quote von 0,156 Prozent. Allerdings ist die Dunkelziffer bei den Corona-Infektionen hoch. "Für einen großen Anteil der Fälle kann das Infektionsumfeld nicht ermittelt werden", teilte das Robert Koch-Institut am Donnerstag mit. "In den meisten Kreisen handelt es sich zumeist um ein diffuses Geschehen, mit zahlreichen Häufungen in Haushalten, aber auch in Gemeinschaftseinrichtungen, Schulen und Alten- und Pflegeheimen."

Keine eindeutigen Studien über Schulen als Infektionsherde

Ob Schulen vergleichsweise sicher sind oder heimliche Infektionstreiber, kann man daher nicht mit Bestimmtheit sagen. "Wenn es um das Thema Schule geht, sind Forscher und Forscherinnen sich leider nicht einig", sagte WDR-Wissenschaftsredakteurin Monika Kunze am Donnerstag. Die Studien lieferten bisher keine eindeutigen Ergebnisse.

Stand: 11.12.2020, 20:01

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