Impfung für Kinder ab fünf Jahren: Was dafür spricht und dagegen

Ein Mädchen im Schulalter wird geimpft.

Impfung für Kinder ab fünf Jahren: Was dafür spricht und dagegen

Von Jörn Seidel

Schon in wenigen Tagen werden in Deutschland Fünf- bis Elfjährige gegen Corona geimpft. Das Stiko-Urteil steht noch aus. Was sollten Eltern tun? Argumente pro und kontra Impfung.

Für Eltern kann es eine schwierige Entscheidung sein: Sollte man sein Kind, das zwischen fünf und elf Jahren alt ist, gegen Corona impfen? Schon am 13. Dezember soll der Biontech-Impfstoff für Kinder dieser Altersgruppe an Deutschland ausgeliefert werden - eine Woche früher als geplant. Das teilte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Mittwoch mit.

Kinderimpfung: EMA erlaubt sie - Stiko-Urteil steht noch aus

In der vergangenen Woche hatte die europäische Arzneimittelbehörde EMA grünes Licht gegeben für die Zulassung des Biontech/Pfizer-Impfstoffs, der für jüngere Kinder angepasst wurde. Die finale Entscheidung muss die Europäische Kommission treffen. Deren Zustimmung gilt allerdings als Formsache.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat sich noch nicht entschieden, ob sie Impfungen von Kindern zwischen fünf und elf Jahren empfehlen soll.

Was spricht für und gegen eine Impfung von Kindern zwischen fünf und elf Jahren? Eine Auswahl an Argumenten:

Pro Corona-Impfung von fünf- bis elfjährigen Kindern

Generell gilt das Impfen gegen Corona als Schlüssel, um die Pandemie in den Griff zu kriegen. Zwar "scheinen Kinder weniger infektiös zu sein als Erwachsene", so das Robert Koch-Institut (Stand 26.11.2021). Allerdings wurde die Infektiosität im Kindesalter "bisher selten untersucht und kann daher nicht abschließend bewertet werden".

Aus den Zulassungsstudien mit Erwachsenen ist bekannt, dass die in Deutschland zugelassenen Corona-Impfstoffe Infektionen "in einem erheblichen Maße verhindern", so das RKI. Bekannt ist durch die Studien mit Erwachsenen auch, dass die Virusausscheidung bei geimpften Infizierten "kürzer als bei ungeimpften Personen mit Sars-CoV-2-Infektion" ist.

Was Kinder angeht, steht jedenfalls fest: Die meisten Corona-Neuinfektionen werden derzeit unter Kindern und Jugendlichen erfasst - allerdings werden sie in den Schulen und Kitas auch häufig getestet.

Ein weiteres Argument für eine Corona-Impfung von Fünf- bis Elfjährigen: Es ist noch unklar, welche mittelfristigen und späteren Folgen eine Corona-Infektion für sie haben kann.

Christian Drosten.

Virologe Christian Drosten

Virologe Christian Drosten sagte dem Schweizer Online-Magazin Republik im Juni, dass etwa 4,5 Prozent der mit Corona infizierten Kinder selbst bei einem milden Verlauf nach einem Monat noch Symptome wie Geruchsverlust, Geschmacksverlust und dauerhafte Müdigkeit hätten.

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Als weitere Gefahr nannte Drosten das Multisystemische Entzündungssyndrom PIMS, das allerdings äußerst selten auftrete. Das sei eine schwere Erkrankung, die bis zu sechs Monate dauern könne. "Aus Elternperspektive wäre mein Kind geimpft. Klarer Fall. Dieses Risiko möchte ich nicht", so Drosten.

Kontra Corona-Impfung von fünf- bis elfjährigen Kindern:

Wozu impfen, wenn die Corona-Gefahr für Kinder und Jugendliche offenbar gar nicht so groß ist? "Kinder werden fast nie krank", sagte Jakob Maske vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte schon im August dem WDR. Und es gebe "so gut wie keine" schweren Corona-Erkrankungen.

Das sieht der Ärzte-Verband auch weiterhin so. Zu den Impfungen von Fünf- bis Elfjährigen hieß es vergangene Woche in einer gemeinsamen Erklärung mit der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie: "Die primäre Krankheitslast dieser jungen Altersgruppe durch schwere Erkrankungen ist unverändert sehr gering."

Zum Einfluss von Kindern auf das Infektionsgeschehen heißt es in der Erklärung: "Die Annahme, dass die Impfung bei jungen Kindern einen anhaltenden Einfluss auf die Übertragungsrate des Virus nehmen wird, ist unbestätigt."

Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (StiKo).

Thomas Mertens, Vorsitzender der Stiko

Stiko-Chef Thomas Mertens ist da noch deutlicher: "Ich glaube, die Rolle der Kinder in der Pandemiebekämpfung wird einfach von manchen überbetont", sagte er vergangene Woche der "taz".

Zwar werden die Risiken einer Impfung als gering eingeschätzt - ganz ausschließen lassen sich schwerwiegende Nebenwirkungen bis hin zum Tod aber nicht. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) führt bis 30. September (das ist der jüngste Bericht) fünf Todesfälle von Kindern und Jugendlichen im zeitlichen Zusammenhang mit einer Corona-Impfung auf. Drei davon hatten schwere Vorerkrankungen, eine Jugendliche starb im Zusammenhang mit Herzrhythmusstörungen, und bei einem weiteren Kind "sind sehr wenige, insgesamt unzureichende Informationen zum Verlauf und den Todesumständen bekannt", so das PEI.

Im November war ein zwölf Jahre altes Kind im Kreis Cuxhaven zwei Tage nach seiner Zweitimpfung gegen das Coronavirus gestorben. Nach der Obduktion steht fest, dass die Impfung nicht der alleinige Auslöser für den tragischen Tod war. Das Kind hatte eine schwere Vorerkrankung des Herzens.

Stand: 01.12.2021, 15:50