Kinder gegen Corona impfen lassen? Was dafür spricht, was dagegen

Ein Mädchen erhält eine Dosis des Corona-Impfstoffes von BioNTech-Pfizer.

Kinder gegen Corona impfen lassen? Was dafür spricht, was dagegen

Die Stiko empfiehlt die Corona-Impfung nun auch für Kinder ab zwölf Jahren. Was sollten Eltern jetzt tun? Ihre Kinder gegen Corona impfen lassen oder besser nicht? Argumente dafür und dagegen:

Die Ständige Impfkommission empfiehlt nun auch 12- bis 17-Jährigen die Impfung gegen das Coronavirus. Nach sorgfältiger Bewertung neuer wissenschaftlicher Daten komme man zu der Einschätzung, "dass die Vorteile der Impfung gegenüber dem Risiko von sehr seltenen Impfnebenwirkungen überwiegen".

Für Eltern ist es eine schwierige Entscheidung. Viele fragen sich: Schade ich meinem Kind eher, wenn ich es nicht impfen lasse? Oder schade ich ihm gerade durch eine Impfung? Argumente dafür und dagegen:

Kontra Kinder-Impfung wegen Delta

"Kinder werden fast nie krank", bekräftigte Jakob Maske vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte gegenüber dem WDR. Und es gebe "so gut wie keine" schweren Erkrankungen. Laut Stiko gab es in der ganzen Pandemie in Deutschland bislang nur zwei Todesfälle in der Altersgruppe der 12- bis 19-Jährigen. Beide Kinder waren schon schwer krank.

Die Sterblichkeitsrate und Erkrankungsschwere von Kindern und Jugendlichen nach einer Corona-Infektion seien ähnlich niedrig wie bei der saisonalen Grippe, betonte zudem der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, Jörg Dötsch, in der "Rheinischen Post". Dies gelte auch im Hinblick auf die Delta-Variante: "Ich schätze die Gesundheitsrisiken durch eine Corona-Infektion für Kinder und Jugendliche derzeit als so gering ein, dass auch Abwarten auf neue Erkenntnisse zur Impfung eine Option für zögerliche Menschen sein kann", so Dötsch.

Pro Kinder-Impfung wegen Delta

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt seit Montag (16.08.2021) das Impfen von Kindern und Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren. Die Stiko kommt nach der Auswertung wissenschaftlicher Daten zu der Erkenntnis, dass die Vorteile der Impfung gegenüber dem Risiko von sehr seltenen Impfnebenwirkungen überwiegen.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach meint ebenfalls, dass eine Infektion mit Covid-19 gefährlicher sei als die Impfung - vor allem durch die ansteckendere Delta-Variante. "Die Kinder werden sich gegenseitig anstecken, was bei der ursprünglichen Variante in diesem Umfang überhaupt nicht beobachtet wurde." Daher gebe es beispielsweise in Großbritannien, in den Vereinigten Staaten und in Israel in den Schulen größere Ausbrüche.

Lauterbach ist dagegen, zunächst die Lage weiter zu beobachten. "Wenn wir warten, sind die meisten Kinder infiziert gewesen." Ein weiteres Argument, das gegen das Warten spreche: Wenn eine Impfung Komplikationen bringt, dann sind diese Komplikationen fast immer am Anfang zu sehen. Und das habe man bei Impfungen von Kindern in Amerika und Kanada nicht gesehen.

Er kenne viele Ärzte, die ihre eigenen Kinder zwar geimpft hätten, bei fremden Kindern aber bisher immer zurückhalten gewesen seien, weil ihnen der rechtliche Schutz durch eine Stiko-Empfehlung fehlte. "Das war auch für mich so, ich bin ja auch Impfarzt", sagte Lauterbach. Die allermeisten Ärzte impften ihre eigenen Kinder. "Ich zum Beispiel auch, meine 14-jährige Tochter ist geimpft", so Lauterbach.

Ähnlich sieht es auch der Weltärztebund-Vorsitzende Frank Ulrich Montgomery. Denn langfristig helfe nur, 100 Prozent der Bevölkerung zu impfen - und damit eben auch Kinder, wenn die Voraussetzungen dafür gegeben seien.

Übrigens: In einem Infoblatt hat auch das Robert Koch-Institut die Informationen von EMA und Stiko zusammengetragen, um Eltern und Kinderärzten eine Entscheidungshilfe zu geben:

Stand: 02.08.2021, 19:13