Impfung: Impfstoff und Impftermin vorhanden, aber keiner will?

Impfung: Impfstoff und Impftermin vorhanden, aber keiner will?

Von Lena Sterz

Vor kurzem war es noch schwierig an Impftermine zu kommen. Jetzt wendet sich das Blatt und Impftermine bleiben öfter unbesetzt. Einige Impfzentren und Ärzte lassen sich deshalb etwas einfallen.

So schnell kann sich das Lebensgefühl ändern: Während noch vor wenigen Tagen auf den Websites der Impfzentren alle Termine ausgebucht waren, gibt es nun auf einmal genug freie Impftermine: "Wir haben in den Impfzentren in Westfalen-Lippe noch ungefähr 100.000 Termine im Juli frei," berichtet Andreas Daniel, Sprecher der Kassenärtzlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, die für rund die Hälfte der Impfzentren in NRW zuständig ist. Und wenn im eigenen Impfzentrum kein (passender) Termin frei ist, kann man in einem anderen Zentrum einen Termin vereinbaren.

Hausarzt findet Impflinge beim Metzger

Auch bei den Haus- und Fachärzten entspannt sich die Lage langsam: In der kommenden Kalenderwoche bekommen sie alle erstmals so viel Impfstoff, wie sie bestellt haben. Die ersten Arztpraxen haben jetzt Probleme, ihren Biontech-Impfstoff loszuwerden. Die "Kölnische Rundschau" berichtet über einen Hausarzt in Köln-Heimersdorf, der sieben Impfstoff-Dosen übrig hatte und deshalb in der Einkaufsstraße, in einer Bäckerei und beim Metzger Menschen ansprach, ob er sie nicht impfen könne. So sei er spontan noch alle Impfdosen losgeworden.

Impfaktionen für Jugendliche

Das Impfzentrum in Gütersloh hat ebenfalls Impfstoff übrig und organisiert im Moment jedes Wochenende eine andere Sonder-Impfaktion: Vergangenes Wochenende für Schulabgänger, an diesem Wochenende können alle Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren ohne Termin eine Impfung bekommen. "180 bis 250 Zweit-Termine täglich werden bei uns nicht wahrgenommen. Diese Dosen bekommen jetzt die Jugendlichen," sagte eine Sprecherin. Für die älteren Menschen gebe es auch so genug Impftermine.

Auch in den Kreisen Borken und Steinfurt wurden gerade Schüler und Schülerinnen aufgerufen, sich wegen eines Impftermins im Impfzentrum zu melden. Sie müssen, wie überall, am Tag der Impfung 16 Jahre alt sein. Zwölf- bis 15-Jährige werden derzeit nur in Kinderarztpraxen geimpft.

Das Impfzentrum Attendorn bietet nun abends Impfungen ohne Termin an. Das Impfzentrum Soest will Termine schneller vergeben und arbeitet mit der Impfbrücke zusammen, kurzfristig werden Termine per SMS verschickt.

Verpasste Zweitimpfung: Ist das wirklich Impfmüdigkeit?

WDR 5 Morgenecho - Interview 26.06.2021 03:57 Min. Verfügbar bis 26.06.2022 WDR 5


Download

Sind wir schon impfmüde?

Wenn es bei 54 Prozent Erstgeimpften so einfach ist, an einen Impftermin zu kommen: Sind wir dann schon impfmüde? Wird Deutschland 80 Prozent Herdenimmunität überhaupt erreichen? Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat angekündigt, dass er demnächst fünf Millionen Dosen Astrazeneca-Impfstoff erwartet - werden die ihren Weg in die Oberarme finden?

Mangelware: Junge Männer

Dr. Prosper Rodewyk von der Kassenärztlichen Vereinigung ist aufgefallen, dass sich nur wenige junge Männer zwischen 20 und 40 Jahren impfen lassen. "Die arbeiten den ganzen Tag, die haben keinen Hausarzt und die haben anscheinend nicht so den Drang, sich impfen zu lassen. Die müssen wir noch aktivieren," meint Rodewyk in der Lokalzeit aus Dortmund und schiebt hinterher: "Ich bitte auch die Frauen, ihre Männer zu aktivieren."

Stand: 03.07.2021, 06:00