Corona-Impfung - warum spielen Hausarzt-Praxen keine Rolle?

Eine ältere Frau mit FFP2 Maske und einer dicken Winterjacke

Corona-Impfung - warum spielen Hausarzt-Praxen keine Rolle?

Von Chris Hulin

Seit Montag sind die Impfzentren in NRW am Start. Menschen über 80 Jahre werden geimpft. Doch für viele Senioren ist der Weg zum Impfzentrum weit. Warum dürfen nicht auch die Hausärzte in ihren Praxen impfen?

Gerade im ländlichen Raum müssen Menschen oft lange Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Wagen in Kauf nehmen. Für die Über-80-Jährigen, um die es jetzt geht, ist das schwierig. Entweder sie haben Angehörige, die sie fahren, oder sie müssen mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren – obwohl man Kontakte ja besser meiden soll. So wird aus einem kleinen Pieks eine Halbtagesaktion.

Angehörige fahren die alten Menschen

So wie bei Ruth Schlicht. Die 90-Jährige muss für ihre Corona-Impfung vom heimischen Rheinbach knapp 32 Kilometer nach Sankt Augustin fahren. Der Bus kämen für seine Mutter nicht in Frage, sagt ihr Sohn, Martin Schlicht, denn sie sei nicht mehr gut zu Fuß. So fährt der Sohn die Mutter zum Impfzentrum – und kommt dafür eigens aus Aachen.

Lob für die gute Organisation

Martin Schlicht hat dennoch Verständnis für das Verfahren. Er wünscht sich mehr Impfzentren für den Rhein-Sieg -Kreis. Im Impfzentrum von Sankt Augustin habe alles gut geklappt, sagen Ruth Schlicht und andere Senioren, die sich dort haben impfen lassen. Und trotzdem wäre der Weg zum Hausarzt viel einfacher gewesen, sagt Martin Schlicht.

Hausarztpraxen sind nicht vorgesehen

Momentan sind Hausarztpraxen als Impf-Ort nicht vorgesehen. Es gibt nicht genügend Impfstoff, heißt es aus dem NRW-Gesundheitsministerium. Und auch andere Gründe spielten eine Rolle:

  • Der Impfstoff muss tiefgekühlt gelagert werden. Diese Möglichkeit haben viele Praxen nicht.
  • Es gibt Sicherheitsbedenken. In den Impfzentren wissen die Behörden immer wo wieviel Impfstoff ist.
  • Es geht um Impfgerechtigkeit. Welcher Hausarzt soll Impfstoff bekommen und welcher nicht?
  • Das alles ist ein großer logistischer Aufwand.

Die Grippeimpfung zeigt, dass es geht

Dieser Argumentation widersprechen die Hausärzte. Sie haben im Herbst innerhalb von drei Monaten rund 25 Millionen Menschen gegen die Grippe geimpft. Die Logistik sei also da. Zudem hat der Impfstoffhersteller BioNTech bestätigt, das sein Impfstoff in einem normalen Kühlschrank 5-6 Tage haltbar ist. Das gilt auch für den Moderna-Impfstoff. Ein weiterer Vorteil sei dass die Hausärzte ihre Patienten am besten kennen. Sollte es nach der Impfung Problem geben, sollen die Menschen sowieso zu ihrem Hausarzt gehen und nicht ins Impfzentrum.

Impfzentren und Hausarztpraxen könnten parallel impfen

Am besten wäre es, wenn Impfzentren und Hausarztpraxen impfen dürfen. Davon ist die Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe Nordrhein überzeugt. Sie plädiert dafür, Ärztinnen und Ärzte in die Impfstrategie mit einzubeziehen. Bald wird es mehr Impfstoff geben und dann werden die Impfzentren das Impfen alleine gar nicht leisten können, argumentieren sie. Wenn nur die Hälfte der ca 10.000 Hausarztpraxen in NRW impfen würde, könnten die Impfungen schnell geschafft sein, schätzt Oliver Funken vom Hausärzteverband NRW.

Das NRW-Gesundheitsministerium bestätigt auf WDR-Nachfrage, dass "der Impfstoff auf kurz oder lang auch in den nordrhein-westfälischen Hausarztpraxen zum Einsatz kommen soll". Derzeit prüfe das Land, ob und wie Impfzentren vor Ort bei Bedarf erweitert werden könnten, zum Beispiel mit zusätzlichen dezentralen Impfstraßen.

Stand: 14.02.2021, 13:43