Doppelt geimpft und trotzdem krank: Warum gibt es so viele Impfdurchbrüche?

Ein Mensch liegt mit Beatmungsgerät auf der Intensivstation.

Doppelt geimpft und trotzdem krank: Warum gibt es so viele Impfdurchbrüche?

Immer öfter stecken sich auch geimpfte Menschen mit Covid-19 an, landen sogar in der Klinik. Ein Blick auf die Zahlen zeigt aber: Die Impfung bringt trotzdem was. 

Fünf Millionen erfasste Covid-Infizierte seit Beginn der Pandemie - und ein Ende ist nicht abzusehen. Die vierte Welle rollt und baut sich immer weiter auf. "Wir stehen erst am Anfang eines harten Winters", befürchtet Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). "Die Welle, die wir vor uns haben, wird alle bisherigen Wellen in den Schatten stellen." In Bayern hat Ministerpräsident Markus Söder sogar den Corona-Katastrophenfall ausgerufen: Dort liegt die Sieben-Tages-Inzidenz am Mittwoch (17.11.2021) mit 568,4 weit über dem Bundesdurchschnitt (319,5), in neun Landkreisen ist sie auf über 1.000 gestiegen.

Jeder dritte Corona-Intensivpatient ist voll geimpft

Gleichzeitig steigt die Zahl der Erkrankten, die auf der Intensivstation behandelt werden müssen. Am 14. November waren es etwas mehr als 3.000 Menschen. Darunter sind wahrscheinlich auch viele Geimpfte - Zahlen für November liegen zwar noch nicht vor, aber im Oktober war jeder dritte Intensivpatient über 60 Jahren doppelt geimpft. Bei den 18- bis 59-Jährigen lag die Quote bei 12,5 Prozent.

Nun könnte sich die Frage stellen: Was bringt die Impfung, wenn man trotzdem auf der Intensivstation landen kann? Der Blick auf die Zahlen zeigt, warum die Impfung trotz solcher Fälle nicht sinnlos ist.

Komplett geimpft heißt nicht komplett geschützt

Schon seit Beginn der Impfkampagne ist klar: Die Impfung schützt nicht zu 100 Prozent vor einem schweren Krankheitsverlauf, sie macht ihn nur deutlich unwahrscheinlicher. Das bedeutet: Wenn der Anteil der geimpften Menschen steigt, wird es auch wahrscheinlicher, dass mehr Geimpfte auf Intensivstationen landen.

Impfdurchbrüche nehmen laut RKI zu

Das RKI definiert als "wahrscheinliche Impfdurchbrüche" nur solche mit offensichtlichen Symptomen - auch milden. Unterm Strich hat die Behörde deutschlandweit bislang bei 0,31 Prozent der rund 56 Millionen vollständig Geimpften solche Impfdurchbrüche registriert. Bis zum 10. November waren es insgesamt 175.188 Fälle. Allerdings war die Inzidenz im Sommer auch niedrig und die Schutzwirkung der Impfungen bei vielen noch höher.

Die meisten dieser Impfdurchbrüche traten in den vergangenen Wochen auf. Die Zahl steigt also an. Allein in den Kalenderwochen 41 bis 44 (10. Oktober bis 7. November) waren es 90.471 solcher Fälle - also mehr als die Hälfte.

Der Schutz nimmt ab, das Risiko wächst

Dritte Impfung

Boostern soll es bringen

Keine große Zahl, so scheint es. Trotzdem macht sie vielen Menschen Angst, gerade wegen der Betroffenen auf der Intensivstation. Dass das oft gerade Ältere sind, hat einen Grund: Der Impfschutz nimmt kontinuierlich ab - parallel steigt das Infektionsriskiko. Weil die Älteren als erstes geimpft wurden, wird der Schutz bei ihnen auch als erstes schwächer. Deswegen dringen Intensivmediziner wie Christian Karagiannidis darauf, beim Boostern den "Turbo" einzulegen. Nur so könnten die Intensivstationen entlastet werden.

Weitaus mehr Ungeimpfte auf der Intensivstation

Um es klar zu sagen: Auf den Intensivstationen liegen weitaus mehr Ungeimpfte als Geimpfte. Sieben von zehn Intensivpatienten mit Corona konnten oder wollten sich nicht gegen Covid impfen lassen. Weil der Impfstatus im Krankenhaus ermittelt wird, steht diese Zahl fest.

Eine Krankenpflegerin steht in einem Zimmer der Corona-Intensivstation des Universitätsklinikums Essen und behandelt einen Patienten.

Vor allem Ungeimpfte auf der Intensivstation

Anders sieht es bei der Sieben-Tages-Inzidenz aus. Die Vermutung liegt nah, dass sie bei Geimpften wesentlich niedriger ist als bei Ungeimpften. Allerdings wird das nicht überall erfasst oder veröffentlicht. Und es gibt zu viele Unwägbarkeiten. Zum Beispiel: In welche Kategorie fallen Menschen, die nur einmal geimpft sind, und sich angesteckt haben? Und was ist mit den doppelt Geimpften, deren Infektion gar nicht registriert wird, weil sie sich nicht mehr testen lassen?

Bei den Ungeimpften lag die offizielle Inzidenz in Sachsen vergangene Woche bei knapp 1.400 - bei den Geimpften bei 72. Das Land NRW veröffentlicht dazu keine Werte.

Das RKI kommt zu einem eindeutigen Schluss: "In der vollständig geimpften Bevölkerung lag sowohl die Inzidenz der symptomatischen Fälle als auch die Hospitalisierungsinzidenz zu jedem Zeitpunkt deutlich unter der jeweiligen Inzidenz der ungeimpften Bevölkerung", schreibt es in seinem Lagebericht Ende Oktober. Auch, wenn die Zahl der Neuinfektionen auch bei komplett Geimpften zunimmt: Eine Impfung verringert das Risiko einer Ansteckung entscheidend.

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Stand: 17.11.2021, 10:58

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