Impfdurchbruch: Infiziert trotz Corona-Impfung - was das bedeutet

Coronapandemie Impfung

Impfdurchbruch: Infiziert trotz Corona-Impfung - was das bedeutet

Auch eine vollständige Impfung schützt nicht davor, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Fachleute nennen das einen Impfdurchbruch. Er ist aber sehr selten. Das wissen wir derzeit darüber.

Mittlerweile ist klar, dass sich auch vollständig geimpfte Menschen mit dem Coronavirus infizieren können. Experten sprechen dann von einem Impfdurchbruch. Welche Gründe sind derzeit dafür bekannt, wie gravierend sind die Krankheitsverläufe und spielen die Virusvarianten dabei eine Rolle?

Gute Nachricht: Infektionen von Geimpften sind sehr selten

In Deutschland hat das Robert Koch-Institut seit Beginn der Impfkampagne bis zum 1. September 15.887 Impfdurchbrüche nach vollständiger Impfung registriert. Das sind bei bis dahin 50,6 Millionen vollständig geimpften Menschen gerade einmal 0,03 Prozent. Allerdings waren noch nicht bei allen davon die zwei Wochen nach der letzten Impfung vergangen.

Dass sich überhaupt geimpfte Menschen infizieren können, ist für Wissenschaftler keine Überraschung. "Wir wussten von Anfang an, dass die Impfung nicht zu 100 Prozent wirksam ist. Selbst in den Zulassungsstudien hatten sich vollständig Geimpfte infiziert", erklärt Carsten Watzl, Immunologe am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung der Technischen Universität Dortmund.

Impfung schützt vor schwerer Erkrankung

Laut dem Infektionsimmunologen Leif Erik Sander von der Berliner Charité ist es recht klar, dass wir alle bis Ende kommenden Jahres mit dem Virus - sei es nun Delta oder eine andere Variante - in Kontakt kommen würden: "Entweder wir sind dann geimpft, so dass dieser Kontakt wie eine Impfauffrischung wirkt und wir gar nichts oder nur wenig von der Infektion merken, oder wir sind ungeimpft und haben einen Erstkontakt mit dem Virus - und damit das Risiko, schwer zu erkranken."

Die Unsicherheit ist beim Impfen immer dabei

Eine gewisse Unsicherheit ist beim Impfen immer dabei. Eine Wirksamkeit von 95 Prozent bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit einer Infektion bei Geimpften 95 Prozent geringer ist. Im Umkehrschluss bedeutet das: Es stecken sich immer einige Menschen trotz Impfung an.

Das Robert Koch-Institut (RKI) schätzt deshalb die Gefährdung der Gesundheit bei Geimpften immer noch als "moderat" ein. Zum Vergleich: Einmal- oder Ungeimpfte haben eine "hohe" Gefährdung. Eine gute Nachricht ist auch, dass die Hospitalisierungsrate, also der Anteil derer, die ins Krankenhaus müssen, bei Impfdurchbrüchen relativ gering ist.

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Die Gefahr der Übertragung ist hoch

Zur Zeit werden fast nur Viren der Delta-Variante übertragen. Wer sie trotz Impfung erwischt, hat zu Beginn eine massiv erhöhte Virus-Last im Rachen. "Wegen der Impfung geht sie aber nach ein oder zwei Tagen zurück", erklärt Ruth Schulz von der WDR-Wissenschaftsredaktion. Wie schnell das passiert, hängt auch davon ab, wie viele Antikörper man gebildet hat. Diese helfen dabei, die Virus-Last zu reduzieren. Deswegen sollte man auf jeden Fall weiterhin eine Maske tragen, vor allem in Innenräumen.

Wie lange schützt die Impfung?

Virusmutationen wie die derzeit vorherrschende Delta-Variante können die Wirksamkeit der Impfstoffe senken. Deshalb könnte bald eine dritte Impfung mit einem angepassten Impfstoff empfohlen werden. Dazu laufen aber derzeit noch Studien, und die Experten sind sich nicht einig.

So sagte Prof. Christian Bogdan, Direktor des Mikrobiologischen Instituts am Universitätsklinikum Erlangen und Mitglied der Stiko, die Delta-Variante spiele keine Rolle, da die Impfungen auch gegen sie wirksam seien. Er nannte im Gespräch mit dem WDR eine Quote von fünf Prozent, die sogenannte "Impfversager" seien. Bei diesen Menschen sei entweder falsch geimpft worden oder sie reagierten schlichtweg nicht auf den Impfstoff.

Eher unstrittig ist, dass Menschen mit einem schwachen Immunsystem gefährdeter sind, sich zu infizieren. So ist die körpereigene Abwehr beispielsweise bei Krebspatienten und bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen geschwächt.

Corona: Krankenhäuser sehen sich für Herbst gerüstet

WDR 5 Mittagsecho 10.08.2021 04:46 Min. Verfügbar bis 10.08.2022 WDR 5


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Bei älteren Menschen reagiert das Immunsystem oft nicht mehr so stark auf die Impfung. Es werden dann weniger Antikörper gebildet und die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung ist höher.

Mehr Geimpfte - mehr Impfdurchbrüche

Die Impfwirkung dauert nicht ewig an, sie lässt im Laufe der Zeit nach. Das haben Studien aus Israel gezeigt. Auch dies kann dazu führen, dass eine dritte Impfung nötig wird.

Und schließlich spielt die Statistik uns noch einen Streich: Denn je mehr Menschen geimpft sind, umso häufiger werden auch Impfdurchbrüche. Eine hohe Impfquote erhöht auch die Fallzahl der Durchbrüche.

Mit Material vom Science Media Center

Stand: 04.09.2021, 08:40

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