Immer mehr Risikogebiete: Tourismusbranche kritisiert Bundesregierung

Stand: 25.09.2020, 19:26 Uhr

Wenn unbedingt verreisen, dann im Inland - das rät Gesundheitsminister Jens Spahn für die Herbstferien. Reiseunternehmen kritisieren den Kurs der Bundesregierung scharf.

"Ich würde nicht ins Ausland gehen und auf keinen Fall fliegen. Da hätte ich Angst." - "Zu Hause bleiben. Was sonst?" - "Das Ganze ist schon frustrierend, aber was will man machen?" Wer sich derzeit mit seinen Mitmenschen über die Pläne für die Herbstferien unterhält, stößt auf viel Unsicherheit und Frust. Die Corona-Zahlen steigen, immer mehr Länder werden ganz oder teilweise zu Risikogebieten erklärt, die Bundesregierung rät von "nicht notwendigen Reisen" in solche Regionen ab.

Was bleibt noch, wenn von den direkten Nachbarländern nur noch Polen ohne Risikogebiete ist? "Man kann ja auch Urlaub im Inland machen", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag im ZDF.

"Urlaub in Regionen, die nicht so stark frequentiert sind"

Auch die Dormagener Reisebloggerin Janett Schindler empfiehlt Reisenden, sich gut zu informieren und mit allem zu rechnen. Denn die Ausbreitung des Virus ist unvorhersehbar und kann schon morgen scheinbar sichere Länder und Gegenden zu Risikozonen machen. Ihr Rat: "Wenn Urlaub, dann nur kurzfristig und mit Stornierungsfunktion." Schindler hat auch eine konkrete Empfehlung als mögliches Reiseziel im Herbst: Mitteldeutschland. Sie rät zum Urlaub abseits der Metropolen, der Küsten und der Berge. "Eben in Regionen, die nicht so stark frequentiert sind."

Existenz vieler Reiseunternehmen bedroht

Die deutsche Reisebranche leidet schwer unter den aktuellen Entwicklungen. Knapp 70 Prozent der Reisebüros und mehr als die Hälfte der Veranstalter seien in einer existenzbedrohlichen Lage, sagte Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbandes, am Freitag der Funke Mediengruppe. Die Anzahl der Flüge in Deutschland ist laut Flughafenverband ADV um 80 Prozent gesunken, die Welttourismusorganisation UNWTO sieht weltweit 100 Millionen Arbeitsplätze in Gefahr.

Reiseverband kritisiert Bundesregierung

Verbandschef Fiebig kritisierte die aktuellen Maßnahmen und Vorgaben der Bundesregierung scharf. Dadurch, dass immer neue Reiseziele zu Risikogebieten erklärt würden, steuerte die Bundesregierung die Reisewirtschaft "in einen zweiten sektoralen Lockdown" und belaste sie unverhältnismäßig. Laut Reiseverband seien etliche Regionen zu Unrecht zu Risikogebieten erklärt worden. So gebe es in Spanien zahlreiche Inseln wie Lanzarote, Formentera und Menorca, auf denen es keinen einzigen Corona-Hotspot gebe, trotzdem würden diese als Risikogebiete geführt. Fiebigs Fazit: "Finca-Urlaub ist in keiner Weise gefährlicher als eine S-Bahn-Fahrt in Berlin." Und Reisen per se sei es auch nicht - vorausgesetzt, die Menschen hielten sich an die Corona-Regeln.

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