2G im Einzelhandel: Viele Händler fürchten um ihre Existenz

2G im Einzelhandel: Viele Händler fürchten um ihre Existenz

Von Frank Menke

Bund und Länder werden die 2G-Regel auch für den Einzelhandel einführen. Der Handelsverband fürchtet um die Existenz vieler Händler. Es gibt aber auch andere Rückmeldungen aus der Branche.

Mal eben eine neue Jeans kaufen oder das neueste Buch des Lieblingsautors? Kein Problem, wenn man gegen Corona geimpft oder von der Krankheit genesen ist. Für Ungeimpfte ist das zukünftig unmöglich – auch ein Corona-Test hilft dann nicht mehr weiter. Denn Bund und Länder haben am 2. Dezember beschlossen, die 2G-Regel bundesweit und inzidenzunabhängig auf den Einzelhandel auszuweiten. Ausgenommen davon sind nur Geschäfte des täglichen Bedarfs wie zum Beispiel Supermärkte oder Drogerien.

Handelsverband: Maßnahme ist verfassungswidrig

Stefan Hertel, Pressesprecher des Handelsverbands Deutschland

Stefan Hertel, Pressesprecher des Handelsverbands Deutschland

Der Handelsverband Deutschland (HDE) hält diese Maßnahme für verfassungswidrig und beruft sich auf ein von ihm in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten. "Wir schauen uns jetzt erst einmal die Beschlüsse genau an. Am Ende rechnen wir natürlich damit, dass das eine oder andere Unternehmen eine Klage erwägen wird und dabei unser Gutachten als Grundlage verwenden kann", sagte HDE-Sprecher Stefan Hertel dem WDR.

"Das ist natürlich ein Schlag ins Kontor für ganz viele Nicht-Lebensmittelhändler, die sich darauf verlassen haben, dass sie einen versöhnlichen Jahresabschluss hinbekommen können." Stefan Hertel, Sprecher des Handelsverbands Deutschland (HDE)

Zweites Weihnachtsgeschäft unter nicht regulären Bedingungen

Mit 2G, so Hertel, sei die Stimmung im Einzelhandel in der wichtigsten Umsatzzeit des Jahres, im Weihnachtsgeschäft, deutlich getrübt: "Viele Händler fürchten wirklich um ihre Existenz. Das ist natürlich ein Schlag ins Kontor für ganz viele Nicht-Lebensmittelhändler, die sich darauf verlassen haben, dass sie einen versöhnlichen Jahresabschluss hinbekommen können. Die Enttäuschung ist groß. Wir hatten teilweise bis zum Mai hinein einen Lockdown und überhaupt keine Umsätze mehr. Und jetzt kommt das zweite Weihnachtsgeschäft, das nicht unter regulären Bedingungen läuft."

Laut HDE brauche es nun "umfassende Entschädigungsregelungen", die den betroffenen Einzelhandelsunternehmen klare Rechtsansprüche vermittelten. Das müsse deutlich mehr sein als die bisherigen Fixkostenzuschüsse. Diese ersetzten nur etwa ein Viertel der durch die Maßnahmen entstandenen Verluste für die Einzelhändler.

Scholz sagt Hilfe zu, ohne konkret zu werden

Der designierte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat unterdessen allerdings zugesagt, die wirtschaftlichen Folgen für Unternehmen finanziell abzufedern, jedoch ohne konkrete Zahlen zu nennen. In den Beschlüssen von Bund und Ländern heißt es nur, es seien weitere Überbrückungshilfen für Unternehmen vorgesehen.

Nicht alle Einzelhändler in Sorge

Allerdings sehen nicht alle Einzelhändler die Maßnahmen kritisch. "Wir finden 2G gut. Das ist ein guter Kompromiss zu einem richtigen Lockdown und bewegt vielleicht dann doch Ungeimpfte dazu, sich impfen zu lassen", sagte Therese Grabowski von der Düsseldorfer Modeboutique "My Fitch" dem WDR.

"Heute dies, morgen das." Rudolf Müller, Inhaber der Düsseldorfer Buchhandlung "Müller & Böhm"

Ein ernüchterndes Fazit zieht hingegen Rudolf Müller, Mit-Inhaber der Buchhandlung "Müller & Böhm" im Heinrich-Heine-Geburtshaus in der Düsseldorfer Altstadt: "Heute dies, morgen das. Die Politik hat es vermasselt, sich viel zu lange vor konsequenten Maßnahmen gedrückt. Sie hätte viel früher auf die Experten aus der Wissenschaft hören sollen. 2G schlägt bei uns weder so noch so aus. Unsere Kunden sind schon lange sehr verhalten. Dass wir kurz vor Weihnachten oft alleine in der Buchhandlung stehen, ist schon sehr ungewöhnlich."

Stand: 02.12.2021, 21:25