Protest gegen Corona-Regeln in den Niederlanden: Wann kippt die Stimmung?

Protest gegen Corona-Regeln in den Niederlanden: Wann kippt die Stimmung?

Von Jörn Kießler

Dass Menschen gegen die Corona-Regeln demonstrieren, ist nicht neu. Doch wann verwandelt sich friedlicher Protest in gewalttätige Krawalle wie in den Niederlanden?

Die Krawalle gegen die in den Niederlanden wegen der Corona-Pandemie verhängte Ausgangssperre reißen nicht ab. Am Montag gab es erneut Krawalle in mehreren holländischen Städten. Hunderte gewaltbereite Jugendliche randalierten nach Polizeiangaben bis zum späten Abend.

Auch in Deutschland gibt es immer wieder Proteste gegen die von der Bundesregierung ergriffenen Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Krise. Nach einer Demonstration der "Querdenken"-Bewegung in Leipzig Anfang November kam es auch dort zu Ausschreitungen.

Niederlande: Bilder der gewaltsamen Proteste gegen die Ausgangssperre

Feuer auf der Straße, zertrümmerte Schaufenster. Die zweite Nacht in Folge gab es in den Niederlanden gewaltsame Proteste gegen die Ausgangssperre. Bilder von den Ausschreitungen.

EIn Feuer auf einer Straße. Viele Menschen stehen drumherum.

In mehr als zehn Städten in den Niederlanden wurde in der Nacht wieder randaliert - hunderte gewaltbereite Jugendliche waren auf den Straßen. Die Täter haben in Haarlem unter anderem Gegenstände auf offener Straße angezündet.

In mehr als zehn Städten in den Niederlanden wurde in der Nacht wieder randaliert - hunderte gewaltbereite Jugendliche waren auf den Straßen. Die Täter haben in Haarlem unter anderem Gegenstände auf offener Straße angezündet.

In Rotterdam wurden Polizisten mit Steinen und Feuerwerkskörpern beworfen. Hier wird ein Mann nach einer Konfrontation auf dem Boden festgehalten. Der Bürgermeister von Rotterdam hat im Zusammenhang mit den Ausschreitungen ein Notstandsdekret mit erweiterten Vollmachten für Festnahmen erlassen.

Die Randalierer hinterlassen Zerstörung: Ein Feuerwehrmann löscht in Rotterdam einen Container, der in Brand gesetzt wurde.

Außerdem wurden diverse Geschäfte geplündert: Ein Mann räumt in einem Fast-Food-Restaurant auf. Der Bürgermeister von Rotterdam hat die Plünderungen auf Twitter scharf kritisiert und sich direkt an die Randalierer gewendet; sie gefragt, ob es sich gut anfühlen würde, mit einer Tasche gestohlener Sachen neben sich aufzuwachen.

Am Vortag am Hauptbahnhof in Eindhoven. Mehrere Fahrzeuge wurden angezündet und Geschäfte geplündert. Die Polizei trieb die Demonstrierenden schließlich mit Tränengas auseinander. Zwischenzeitig waren Reisende aufgerufen, den Hauptbahnhof zu meiden.

Laschet: "Wir haben das im Blick"

Davon, dass die Stimmung aus den Niederlanden auch zu uns herüberschwappen und es zu Randale kommen könnte, geht die NRW-Landesregierung derzeit jedoch nicht aus. "Wir haben das im Blick", sagte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Montag. "Unruhen erwarte ich nicht."

Auch die Soziologin Verena Stern von der Universität Bielefeld geht aktuell nicht davon aus, dass es zu gewalttätigen Ausschreitungen kommt. "Ich bezweifle aber nicht, dass grundsätzlich das Potential dafür da ist", sagt die Konfliktforscherin, die auch Mitglied des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung ist.

Entscheidend dafür, dass die Stimmung auch bei uns kippen könnte, sind ihrer Meinung nach zwei Faktoren: "Einerseits, wie hoch das Frustrationspotential der Protestierenden ist", sagt Stern. "Andererseits, wie groß der Teil der Menschen, die aus einer eher gewaltbereiten Szene kommen, wie Hooligans oder Rechtsextreme."

Daher glaubt sie auch nicht, dass die Situation eskalieren würde, selbst wenn auf einer Demo zu Gewalt aufgerufen würde. "Dafür ist die Mischung der Teilnehmer dort zu heterogen", so Stern. "Dazu kommt, dass sich viele der Bewegungen gerne als friedfertig darstellen."

Welche Rolle spielt die "Querdenken"-Bewegung?

Ob Protestbewegungen, wie zum Beispiel "Querdenken", solche gewalttätigen Ausschreitungen grundsätzlich ablehnen, ist jedoch nicht sicher. "Natürlich spricht sich Michael Ballweg, der Kopf von 'Querdenken', öffentlich gegen Gewalt aus", erklärt der Journalist Daniel Laufer, der für die Plattform Netzpolitik.org und das ZDF Magazin Royale die Strukturen hinter Ballwegs "Querdenken"-Bewegung analysiert hat.

Deutlich wurde dabei, dass Ballweg von den Protesten auch finanziell profitiert. Würden die Demos verboten - beispielsweise wegen Ausschreitungen - hätte das negative Folgen für ihn. "Gleichzeitig nützt es Ballweg und der Bewegung, wenn gewaltbereite Teilnehmer, so wie bei der Demo in Leipzig Anfang November, Absperrungen durchbrechen", sagt Laufer. "Sie haben den Weg frei gemacht für die friedlichen Demonstranten, die dort eigentlich auch nicht hätten sein dürfen."

Stand: 26.01.2021, 18:57