Gibt es wirklich zu wenig Booster-Impfstoff?

Stand: 16.12.2021, 16:52 Uhr

Der neue Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat Inventur gemacht - und überrascht festgestellt: Für Anfang 2022 gibt es zu wenig Impfstoff. Ein Problem für die Booster-Impfungen.

"Wir haben zu wenig Impfstoff. Das hat viele überrascht in der Inventur - mich auch", sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Dienstag in den ARD-Tagesthemen. Für das erste Quartal des neuen Jahres sei nicht genug Booster-Impfstoff da.

Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit, spricht bei einer Plenarsitzung im Deutschen Bundestag.

neuer Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach

Lauterbach sagte in den Tagesthemen, er sei "schon seit dem Wochenende" unter anderem direkt mit den Impfstoff-Herstellern in Kontakt, um zügig für weiteren Impfstoff zu sorgen. Wie das Gesundheitsministerium am Mittwoch mitteilte, sollen nun Impfstoffe für 2,2 Milliarden Euro nachgekauft werden. Davon sollen 80 Millionen Dosen von Biontech über EU-Verträge sowie 12 Millionen Dosen direkt beschafft werden.

Am Donnerstag teilte Lauterbach mit, dass Deutschland vom Impfstoff-Hersteller Moderna 35 Millionen Impfdosen früher erhalten kann als geplant. Die EU-Kommission habe nun ihre Zustimmung dafür erteilt.

Hat Vorgänger Spahn die Bestellung verschlafen?

Mahnt die Umsetzung von Corona-Schutzregeln in den Fußball-Stadien an: Jens Spahn.

ehemaliger Bundesgesundheitsminister Jens Spahn

Unkar ist, wie es zu dem jetzt angekündigten Mangel kommen konnte. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat im ZDF indirekt Lauterbachs Vorgänger Jens Spahn (CDU) Versäumnisse vorgeworfen: Unter der früheren Leitung sei im Gesundheitsministerium offensichtlich "nicht klar Schiff gemacht" worden. Lauterbach betonte am Donnerstag: Seine Feststellung, dass es zu wenig Impfstoff gebe, sei keine Kritik an seinem Vorgänger.

Die Union warf ihrerseits Lauterbach vor, Hysterie zu verbreiten. "Karl Lauterbach ruft Feuer, um dann Feuerwehr zu spielen – obwohl er weiß, dass es gar nicht brennt", so der gesundheitspolitische Sprecher Tino Sorge (CDU) in einem Schreiben an seine Fraktionskollegen. Dies sei "ein durchsichtiges politisches Manöver, um die SPD von der Großen Koalition abzusetzen".

Das Gesundheitsministerium selbst zeigt in einer Liste mit den im November und Dezember angelieferten Impfstoffmengen von Moderna und Biontech, dass längst nicht so viel verimpft wie geliefert wurde. Demnach sind fast 19 Millionen Impfdosen mehr beim Bund angekommen, als im selben Zeitraum Impfungen stattgefunden haben.

NRW-Gesundheitsminister: In NRW absehbar genug Impfstoff da

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU)

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) zeigte sich am Mittwoch im Morgenecho von WDR 5 entspannt: Zwar sei auch er überrascht gewesen von der Ankündigung eines Impfstoffmangels, "aber ich bin auch ziemlich sicher, dass es dem Bund gelingt, in den nächsten 14 Tagen auch zusätzlichen Impfstoff zu bekommen." In NRW gebe es derzeit 1,4 bis 1,5 Millionen Booster-Impfungen pro Woche: "Das muss so weitergehen." Die Impfkampagne dürfe nicht ins Stottern geraten.

Laumann sagte außerdem, in NRW sei im "absehbaren Zeitraum" genug Impfstoff da, die Hausarztpraxen seien gut beliefert worden. Das Gesundheitsministerium teilte dem WDR mit, dass die Impfstoff-Lieferungen zentral vom Bund über Arzneimittelgroßhändler und Apotheken organisiert werden. Um Engpässe abzupuffern, hält das Land aber im eigenen Zentrallager eine Notreserve bereit. Der Bund hat an dieses Zentrallager zuletzt 150.000 Dosen Moderna und 650.000 Dosen Biontech geliefert, die bei Engpässen an die Kommunen weitergereicht werden.

Laumann: Bis Silvester noch 1,1 Millionen Booster in NRW

In einer Aktuellen Stunde des Düsseldorfer Landtags am Donnerstag gab Laumann bekannt, dass in Nordrhein-Westfalen bis Silvester noch rund 1,1 Millionen Auffrischungsimpfungen angeboten werden, um das bundesweite 30-Millionen-Ziel zu erreichen.

Wie weit die vorhandenen Dosen auch im kommenden Jahr für Auffrischungsimpfungen reichten, könne er noch nicht abschließend sagen, sagte Laumann.