Leere Innenstädte, freie Straßen: Kontaktverbot zeigt Wirkung

Leere Innenstädte, freie Straßen: Kontaktverbot zeigt Wirkung

Von Christian Basl und Peter Schneider

Teil 2/2 - Verkehr, Parks und Supermärkte

Ruhe auf NRW-Straßen

Auch auf den Straßen ist es merklich ruhiger geworden. Seit dem Wochenende 14./15. März gibt es nahezu keine nennenswerten Staus mehr.

"Es fahren zwar noch Autos und Lkw auf den Autobahnen, allerdings so wenige, dass der Verkehr nicht mehr stockt", so Frank Schewe vom WDR-Verkehrsstudio. Zu Verkehrsstörungen komme es nur durch Unfälle oder gelegentliche Sperrungen.

Wie es in den Städten aussieht, zeigen Daten des Navigationsgeräte-Herstellers "Tom Tom". Täglich werden Daten aus Navis und Mobiltelefonen herangezogen, um die Verkehrsdichte zu messen. Dafür wird - vereinfacht gesagt - ausgerechnet, wie lange ein Weg ohne jegliche Verkehrsbehinderungen dauern würde und dann mit der tatsächlichen Fahrtdauer abgeglichen.

Deutlicher Rückgang im Vergleich zum Jahresdurchschnitt

Daten liegen für mehrere NRW-Städte und das Ruhrgebiet vor. Der Trend ist eindeutig. In der Woche vom 9. bis 13. März ist das Verkehrsaufkommen bereits rückläufig. Ab dem 14. März gehen die Werte dann deutlich zurück - vor allem im Vergleich zu den Durchschnittswerten des Vorjahrs.

Fazit: Wenig los - auch ohne strenge Ausgangssperre

Die Daten zeigen, wie die Menschen in NRW mit dem Kontaktverbot umgehen: Sie meiden die Bahnhöfe, Innenstädte und Straßen. Der Gang zum Supermarkt ist offenbar für viele die einzige Flucht aus der freiwilligen Quarantäne - hier ist der Rückgang weniger stark als bei den anderen Zahlen.

An diesem Samstag gingen in NRW-Städten im Durchschnitt 30 Prozent weniger Menschen als üblich einkaufen. Dass die Zahlen überhaupt zurückgehen, liegt möglicherweise an den Einlasskontrollen und Beschränkungen, die viele Supermärkte in NRW eingeführt haben.

Großer Andrang auf den Poller Wiesen in Köln

Einen starken Anstieg gab es am Wochenende laut Google Maps allerdings an einem Ort in Köln: An den Poller Wiesen, einem beliebten Ausflugsziel am Rhein, waren am Wochenende dreimal mehr Menschen unterwegs als üblich. Die Kölner sind der Quarantäne offenbar auf der Suche nach frischer Luft entflohen. Während an einem normalen Wochenende laut den Google-Maps-Daten durchschnittlich 833 Menschen an den Poller Wiesen unterwegs sind, waren es an diesem Wochenende 2.353. Die Düsseldorfer waren da offenbar etwas vorsichtiger: Im Hofgarten waren am Wochenende 49 Prozent weniger Menschen als üblich unterwegs.

So haben Sie NRW noch nie gesehen

Die Corona-Pandemie hat NRW fest im Griff. Menschenleere Orte, an denen sonst das Leben tobt. Wir haben Fotos aus dem ganzen Land gesammelt.

Das 53 Meter hohe Hermannsdenkmal in Detmold auf dem Kamm des Teutoburger Waldes

Hermannsdenkmal in Detmold: Eines der bekanntesten Wahrzeichen von NRW - ausnahmsweise ganz ohne Scharen von Ausflüglern und Touristen.

Hermannsdenkmal in Detmold: Eines der bekanntesten Wahrzeichen von NRW - ausnahmsweise ganz ohne Scharen von Ausflüglern und Touristen.

Hindenburgstraße Mönchengladbach: Die große Einkaufsstraße in Mönchengladbach ist normalerweise der Hotspot der Innenstadt. In diesen Tagen aber völlig verwaist.

Kurpark in Bad Salzuflen: Bis zu 600.000 Liter Sole rieseln täglich durch die Gradierwerke, zerstäuben zu feinstem Nebel und bilden ein meerähnliches Klima, das die Kurgäste so sehr schätzen. Zurzeit unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Elisenbrunnen Aachen: Vor diesem klassizistischen Bau tummeln sich sonst die Touristen der Euregio. Jetzt sieht es gespenstisch leer aus.

Flughafen Köln/Bonn: Wo sonst Tausende Menschen zu ihren Dienstreisen oder in den Urlaub aufbrechen, fühlt man sich derzeit eher einsam. Kaum ein Flieger hebt derzeit noch ab.

Aasee-Terrassen Münster: Bei gutem Wetter ist hier kaum ein freies Plätzchen zu finden, die Studenten aus Münster lieben diesen Ort. Aktuell allerdings ist Platz ohne Ende.

Die Severinskirche in Köln: Auch ein gemeinsames Gebet ist derzeit nicht möglich. Ein Blick in die nahezu leere Severinskirche von Köln.

Römermuseum Haltern: Im vergangenen Jahr besuchten 40.000 Menschen das Römermuseum in Haltern. Viele Schulklassen kommen während der Woche in das Museum. Aktuell ist niemand da.

Rathaus Düsseldorf: Eine gespenstische Szene - normalerweise laufen unzählige Menschen auf dem Rathausplatz in Düsseldorf umher und erledigen zum Beispiel Behördengänge. Die Behörden sind momentan auch in der Hauptstadt geschlossen und nur telefonisch oder digital erreichbar.

Krefeld: Der Ostwall in Krefeld ist sonst voller Menschen, die auf dem Weg zum Einkaufen sind oder einfach nur spazieren gehen. Im Moment nur Leere.

Hauptbahnhof Köln: Wann hat man je den Bahnhofsvorplatz der Millionenstadt Köln so leer gesehen?

Innenstadt Aachen: Nicht anders sieht es in Aachen aus. Wo sonst Deutsche, Belgier und Niederländer einkaufen und Kaffee trinken, befindet sich derzeit kaum eine Menschenseele.

Phantasialand Brühl: Normalerweise kommen knapp zwei Millionen Besuchern pro Jahr in den Freizeitpark zwischen Köln und Bonn. Das wird 2020 vermutlich anders sein.  

Neuss: Auch die Innenstadt von Neuss ist menschenleer - ein absolut ungewohnter Anblick, der aber auch zeigt: Die Menschen folgen den Anordnungen der Politik.

Einkaufen in Essen: Die Innenstadt gilt als Shopping-City. Aber momentan geht hier gar nichts. Verschlossene Geschäfte, keine Kunden.

Bankautomaten in Essen: Wer nicht einkaufen kann, braucht auch kein Geld. So herrscht auch an den Bankautomaten gähnende Leere.

Heumarkt in Köln: Wo an Karneval Tausende schunkeln und sich selbst und ihre Stadt feiern, findet sich derzeit kaum ein Passant.

Aachener Dom: Diese Luftaufnahme vom Dom in Aachen zeigt die seltsam anmutende Leere in den umliegenden Straßen.

Stand: 30.03.2020, 05:00

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