Omikron: Harmlose Corona-Variante oder unterschätzte Gefahr?

Omikron: Harmlose Corona-Variante oder unterschätzte Gefahr?

Von Jörn Seidel

Zwei neue Studien machen Hoffnung: Mit der Corona-Variante Omikron gibt es in England und Schottland weniger Klinik-Einweisungen. In Deutschland gibt es aber offenbar schon einen ersten Todesfall.

In den sozialen Medien sind sich viele sicher: Die Omikron-Variante sei deutlich harmloser als die Corona-Variante Delta, denn sie führe seltener zu schweren Krankheitsverläufen. Zwei neue Studien stützen diese These. Und eine Virologin meint, dass Omikron möglicherweise ein "Ticket" aus der Pandemie sein könnte. Werden die nächsten Monate also doch nicht so schlimm?

Facebook-User zu Omikron: "Langsam wird es echt lachhaft"

"Die Omikron-Variante ist harmlos, da es nur Erkältungssymptome sind", schreibt zum Beispiel Facebook-Userin Kerstin Paulchen. "In Afrika spricht man von einem leichten Schnupfen und Kratzen im Hals", schreibt Userin Gerta Schmitz. "Und dafür soll ich mich dann ein viertes Mal impfen lassen?", fragt User Willi Bott. "Langsam wird es echt lachhaft", so seine Meinung.

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Britische Studien zu Omikron: Weniger Krankenhaus-Fälle

Tatsächlich bestätigen nun zwei neue Studien aus Großbritannien den Verdacht, dass es mit Omikron weniger Klinik-Einweisungen geben könnte als bei Delta.

Das Forscherteam vom Imperial College in London untersuchte 56.000 Omikron-Fälle in England. Das Ergebnis:

  • 40 Prozent geringeres Risiko, mit Omikron für eine Nacht oder länger im Krankenhaus zu landen als mit Delta.
  • 20 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit, überhaupt in eine Klinik eingewiesen zu werden.

Die Forschenden der Universität von Edinburgh untersuchten 24.000 Omikron-Infektionen in Schottland. Das Ergebnis:

  • Zwei Drittel geringeres Risiko, mit Omikron in eine Klinik eingewiesen zu werden als mit Delta.

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Drosten: Gefahr durch rasante Omikron-Ausbreitung

Virologe Christian Drosten bezeichnete die vorläufigen Studienergebnisse bei Twitter als "erfreulich", ergänzte aber auch: "Man muss immer dazu sagen: Ein schneller Inzidenzanstieg macht den Effekt zunichte." Darauf wiesen auch die britischen Forschenden selbst hin.

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Virologe aus Südafrika: Milde Verläufe wegen Genesenen?

Wolfgang Preiser, Virologe

Virologe Wolfgang Preiser

Auch Virologe Wolfgang Preiser aus Kapstadt gibt keine Entwarnung. Am Donnerstag berichtete er im "Morgenecho" bei WDR5 über die Lage in Südafrika: "Zum Glück werden nur wenig Leute schwer krank." Es sei zu vermuten, dass das an den vielen Genesenen mit ihrem erhöhten Immunschutz liege. Südafrika habe "einen unglaublichen Aderlass hinter sich" mit vielen Toten.

Außerdem ist die südafrikanische Gesellschaft jünger als die deutsche. Bei jüngeren Menschen ist der Corona-Krankheitsverlauf bekanntlich häufiger mild als bei älteren. Mild - das bedeutet laut Drosten bei Twitter: "Weniger Husten, weniger Fieber."

Eckerle: Omikron womöglich "Ticket" aus der Pandemie

Die deutsche Virologin Isabella Eckerle vom Universitätsspital Genf gibt zwar ebenfalls keine Entwarnung: Es könne durch Omikron zu "massiven Engpässen" kommen, wenn "ein größerer Teil der Bevölkerung in kurzer Zeit krank wird", schreibt sie bei Twitter.

Prof. Isabella Eckerle, Leiterin Zentrum fuer Viruserkrankungen, Universitaetsspital Genf

Virologin Isabella Eckerle

Die Virusvariante könnte aber auch das "Ticket" aus der Pandemie sein, meint sie. "Der positive Aspekt daran könnte sein, dass danach das Infektionsgeschehen schnell absinkt und wir die endemische Situation erreicht haben." Corona wäre dann wie die Grippe keine Pandemie mehr, sondern eine Endemie. Bedeutet: Es gäbe zwar immer noch Infektionswellen, aber nicht mehr in dem bisherigen Ausmaß.

Zuvor sei jedoch erforderlich, so die Virologin, "sich auf eine kurze massive Omikron-Welle einzustellen".

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Das Robert Koch-Institut ordnet mittlerweile rund 3.200 Corona-Fälle Omikron zu. Von 48 Fällen wisse man, dass sie ins Krankenhaus aufgenommen wurden. Außerdem gab die Behörde am Donnerstag einen ersten Todesfall mit der Variante bekannt. Es handele sich um einen Menschen zwischen 60 bis 79 Jahren. Ob die Person Vorerkrankungen hatte, ist bislang nicht bekannt.

Stand: 23.12.2021, 16:01