Freiwillige Corona-Tests in Arztpraxen mit Hindernissen

Freiwillige Corona-Tests in Arztpraxen mit Hindernissen

  • Testwillige werden hin- und hergeschickt
  • Gesundheitsämter verweisen an Hausärzte und umgekehrt
  • Hausärzte lehnen Tests aus Kosten- und Kapazitätsgründen ab

Noch sind die Tests für Urlaubsrückkehrer freiwillig: Doch viele möchten sich auf eine Corona-Infektion testen lassen. Das ist aber gar nicht so einfach. Viele WDR-Nutzer berichten von Problemen - und dass sie zwischen Hausärzten und Gesundheitsämtern hin- und hergeschickt wurden.

Klare Ansage vom Gesundheitsamt Bottrop

Die Informationen sind widersprüchlich. Laut Bundesgesundheitsministerium sollen sich alle Reisenden kostenlos auf Corona testen lassen können - beim zuständigen Gesundheitsamt oder beim Hausarzt.

Vom Gesundheitsamt der Stadt Bottrop gibt es eine klare Ansage: Auf der Website heißt es: "Entgegen der Berichterstattung vieler überregionaler und regionaler Medien sind die Gesundheitsämter keine Ansprechpartner für Menschen, die aus ausländischen Nicht-Risikogebieten nach Deutschland zurückkehren und auf Corona getestet werden möchten."

Auch auf der Internetseite des Gesundheitsamtes Köln ist zu lesen, "dass im Gesundheitsamt keine Tests und Untersuchungen bezüglich Covid-19 stattfinden. Patientinnen und Patienten mit einem Covid-19-Verdacht wenden sich telefonisch bitte an ihre niedergelassenen Häusärztinnen und Hausärzte."

Ins Zelt statt zum Hausarzt

Corona-Test an einer Autobahn-Raststätte in Bayern.

Wenn Tests in der Hausarztpraxis dann auch möglich wären, wäre es nicht so problematisch. Aber eine WDR-Hörerin aus Bottrop berichtet von einem Telefonat mit ihrer Hausarztpraxis.

Sie schreibt: "Wir kommen am 03.09. aus dem Urlaub aus Österreich zurück, daher haben wir uns gedacht, dass wir uns direkt für den 04.09. zu einem freiwilligen Corona Test anmelden, für den ich gerade einen Termin machen wollte. Auskunft der Praxis: Nein, die wollen das wegen der Kosten nicht, wir können uns ja auf einem Rastplatz im Zelt testen lassen. Danke auch, so viel zu Theorie und Praxis beim Corona Test ..."

Odyssee bis zum Corona-Test

Für Hörerin Katharina Broich aus Grevenbroich und ihre Familie entwickelte sich nach ihrem Urlaub in Belgien die Suche nach einer Testmöglichkeit zur Odyssee. Da ihr Hausarzt in Urlaub ist, haben sie dessen Vertretung aufgesucht. Dort wurde der Test für die beiden erwachsenen Familienmitglieder abgelehnt, die Kinder können am Dienstag (04.08.2020) zum Test kommen, weil sie schon mal in der Praxis waren und dort im System sind.

Für den Test der Erwachsenen sollten bei der weiteren Suche in einer anderen Praxis 100 Euro pro Patient bezahlt werden. Schließlich sind sie zum Köln-Bonner Flughafen gefahren und dort nach rund 45 Minuten Wartezeit getestet worden.

Schlechte Organisation

Jens Wasserberg, Hausarzt in Bedburg und stellvertretender Vorsitzender des Hausärzteverbandes Nordrhein, steht den freiwilligen Tests für Alle skeptisch gegenüber. Im Gespräch bei WDR 2 sagt er, jetzt kämen wieder vermehrt möglicherweise Corona-Infizierte in die Arztpraxen und treffen dort auf chronisch Kranke, die durch Corona stark gefährdet wären.

Für die Praxen sei das mit erheblichem Aufwand verbunden. Wasserberg kritisiert die ministerielle Vorbereitung: "Samstag was raushauen, was Montag wirken soll, ist äußerst schwierig umzusetzen." Grundsätzlich rät er, erst telefonisch Kontakt zum Arzt aufzunehmen und "nicht mit Symptomen zum Arzt oder ins Krankenhaus zu fahren".

Stand: 03.08.2020, 17:11