Corona-Tests: Hausärzte befürchten Ansturm von Reiserückkehrern

Corona-Tests: Hausärzte befürchten Ansturm von Reiserückkehrern

  • Sorge vor Überlastung von Arztpraxen
  • Hausärzteverband warnt vor Gefahr für andere Patienten
  • Gesundheitsministerium rechnet nicht mit Problemen

NRW erwartet in dieser Woche an den Flughäfen etwa 15.000 Urlauber aus Risikogebieten zurück. Diese sollen direkt an den Terminals getestet werden.

Alle anderen, die mit Auto, Camper oder Bahn unterwegs waren, sollen sich in den Hausarztpraxen innerhalb von 72 Stunden testen lassen - kostenlos, wie eine Verordnung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) festlegt.

Wie viele Menschen das sind, ist schwierig zu erheben. Und auch wie die Einhaltung der Testpflicht kontrolliert werden soll, ist bisher nicht geklärt.

Anstieg von Corona-Tests

NRW-Gesundheitsminister Laumann hat keine Zweifel, dass die Umsetzung der Testpflicht realisierbar ist. Schon Anfang letzter Woche hatte er gesagt: "Ich denke, wir kriegen das hin."

Der Vorsitzende des Hausarztverbandes Nordrhein Oliver Funken sieht das kritisch. Er führt in seiner Praxis in Rheinbach aktuell pro Woche etwa vier bis fünf Corona-Tests durch. "Ich gehe davon aus, dass das durch die Reiserückkehrerwelle auf 50 bis 60 pro Woche ansteigen wird. Und das ist für die Hausarztpraxen nicht einfach so zu stemmen."

Die Vorbereitung auf einen möglichen Ansturm ab Montag sei "eine Herausforderung, weil Hausarztpraxen keine Testzentren sind", so Funken in der "Aktuellen Stunde" des WDR. Es sei ein Problem, die zusätzliche Arbeit zu bewältigen. Er gehe davon aus, dass es "ein bisschen chaotisch" werde.

"Gefahr für normale Patienten"

Dabei liegt das Problem nicht in den fehlenden Testkapazitäten, die Tests sind da. Laut Robert-Koch-Institut wurde vergangene Woche nur gut die Hälfte der rund 1,2 Millionen verfügbaren Corona-Tests abgerufen. Für Funken liegt das Problem im Schutz seiner Patienten, die teilweise schwer chronisch krank sind.

"Schon jetzt erscheinen Menschen immer wieder unangemeldet in den Praxen, wenn sie einen Test haben wollen. Das ist eine Gefahr für meine anderen Patienten, Menschen mit Herzerkrankungen, mit Lungenerkrankungen, mit Diabetes, Immunerkrankungen und so weiter." Funken befürchtet, dass diese Patienten sich irgendwann nicht mehr in die Praxis trauen würden oder sich eine andere Praxis suchen - ohne Corona-Patienten.

Sorge vor Schäden für die Praxen

Es geht Oliver Funken aber auch um die Wirtschaftlichkeit der Praxen, deren Arbeitsbelastung durch die Tests deutlich steigen könnte. „Sie müssen viel umorganisieren, die Tests sind zeitaufwendig, sie brauchen Schutzkleidung. Das ist nicht mal eben so zu regeln und muss auch finanziert werden."

Man müsse nun in den Praxen Flexibilität zeigen. In seiner Praxis gäbe es für Montag eine "klare Ansage: Jeder, der bei uns reinkommt, wird gefragt: Von wo kommen sie? Was wollen Sie? Wenn die Antort ist: 'Ich will getestet werden" ist die Antwort: Dann kommen Sie zu einer anderen Uhrzeit."

Hausärzteverband fordert klarere Organisation

Funken ist deswegen dafür, die Last auf viele Schultern zu verteilen. Mit dem Hausärzteverband hat er schon vor Wochen ein rotierendes System vorgeschlagen, an dem so viele Praxen wie möglich teilnehmen. So könnten beispielsweise feste Tage und Uhrzeiten pro Praxis festgelegt werden, zu denen Corona-Tests durchgeführt werden. In der restlichen Zeit könnten die anderen Patienten versorgt werden.

Stand: 03.08.2020, 06:00

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