Digitales Lernen in der Schule: "Corona wäre Riesenchance gewesen"

Eine Lehrerin hält ein Tablet in der Hand, im Hintergrund ist die Klasse zu sehen.

Digitales Lernen in der Schule: "Corona wäre Riesenchance gewesen"

Die Weiterentwicklung des digitalen Lernens in der Schule wurde verschlafen. Wäre das anders, hätte die Corona-Pandemie eine Chance für viele Schüler sein können, findet Sarah Henkelmann vom Netzwerk Digitale Bildung.

Fehlende Computer und Tablets, Schulen ohne WLAN und Lehrer, die nicht wissen, wie sie digitales Lernen für Schülern am heimischen Computer gestalten sollen. Seit dem Beginn der Corona-Pandemie zeigt sich immer mehr, dass Deutschland die Digitalisierung der Schulen verschlafen hat. Das schadet vor allem den Schülerinnen und Schülern, für die die Krise auch eine Chance hätte sein können, findet Sarah Henkelmann vom Netzwerk Digitale Bildung.

WDR: Frau Henkelmann, wie kann das Lernen zuhause und allein am Computer einen Chance für Kinder und Jugendliche sein?

Sarah Henkelmann: Es geht ja nicht darum zuhause allein und am Computer zu lernen, sondern darum, durch das Arbeiten mit digitalen Lernmethoden Kompetenzen zu erwerben, die die Kinder sonst nicht aufbauen könnten. Und nur weil die Kinder nicht zu zweit oder zu dritt vor dem PC sitzen, heißt das ja nicht, dass sie allein sind. Es gibt durchaus Programme und Methoden, bei denen im virtuellen Raum Lerngruppen gebildet werden können, in denen die Kinder dann zusammen etwas erarbeiten.

WDR: Welche Kompetenzen werden denn durch das digitale Lernen gefördert?

Eine Frau in einen blauen Blazer mit einem bunt gemusterten Tuch um den Hals lehnt an eine Wand und lächelt in die Kamera.

Sarah Henkelmann, Sprecherin des Netzwerk Digitale Bildung

Henkelmann: Das sind die vier K: Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken. Die Kinder sollen nicht nur lernen, wie man mit digitalen Medien arbeitet, sondern auch untereinander darüber reden und hinterfragen, was sie dort erfahren.

WDR: Wieso ist das so wichtig?

Henkelmann: Weil diese Kinder und Jugendlichen in einer digitalen Welt groß werden. Wir arbeiten digital, kommunizieren digital und halten auch privat oft über digitale Medien Kontakt zu anderen Menschen. Dazu kommt, dass über digitale Kanäle quasi alles Wissen dieser Welt zugänglich ist, wenn man weiß, wie man es findet.

WDR: Aber sind solche Lernkonzepte für alle Schüler geeignet?

Henkelmann: Ja, denn ein weiterer Vorteil durch das digitale Lernen ist, dass man es auf die Bedürfnisse der einzelnen Schüler und Schülerinnen anpassen kann. So können sich beispielsweise Schüler mit besonderem Förderbedarf mehr Zeit für Inhalte nehmen und müssen sich nicht der Geschwindigkeit der ganzen Klasse anpassen. Vorausgesetzt, die Lehrer, die digital unterrichten, sind darin geschult und haben gute Konzepte.

WDR: Also reicht es nicht, dass Schulen mit ausreichend Technik ausgestattet werden?

Henkelmann: Bei Weitem nicht. Was bringt einem das tollste Auto, wenn man nicht weiß, wie man damit fährt. Aber die Ausrüstung der Schulen mit ausreichend und vor allem der richtigen Technik ist essentiell. Auch wenn man verhindern will, dass Schüler von dieser Lernform ausgeschlossen werden. Und dabei geht es nicht einmal nur um Kinder und Jugendlichen aus einkommensschwächeren Familien. Oder kennen Sie eine Familie mit drei Kindern, die fünf Computer besitzt?

Das Gespräch führte Jörn Kießler

Stand: 27.01.2021, 06:00

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