USA starten Corona-Impfungen bei Kindern. Und wir?

Ein achtjähriges Kind erhält am 2. November 2021 im Hartford Hospital in Hartford, Connecticut, den Pfizer-BioNTech-Impfstoff Covid-19 für 5-11-jährige Kinder

USA starten Corona-Impfungen bei Kindern. Und wir?

In den USA werden seit gestern Kinder ab fünf Jahren gegen Corona geimpft. Was bedeutet das für die EU? Wann kommt die Zulassung in Deutschland?

Für US-Präsident Joe Biden ist es ein "Wendepunkt" im Kampf gegen die Pandemie: Seit Dienstagabend werden in den USA Kinder ab fünf Jahren gegen das Coronavirus geimpft. Vorausgegangen war eine Impfempfehlung der US-Gesundheitsbehörde CDC. Sie hatte sich dafür ausgesprochen, die Altersgruppe der Fünf- bis Elfjährigen mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer zu impfen. Eine Studie unter 2.268 Grundschulkindern hat den Angaben zufolge ergeben, dass das Mittel ihnen eine typische Infektion zu knapp 91 Prozent verhindert.

Die Impfempfehlung bedeute für viele Eltern "das Ende von Monaten der Sorge um ihre Kinder", erklärte Präsident Biden. Gleichzeitig verringere die Impfung die Weiterverbreitung des Coronavirus durch Kinder in anderen Altersgruppen. "Das ist ein wichtiger Schritt in unserem Kampf für einen Sieg gegen das Virus."

Welche Dosen bekommen Kinder?

Die verabreichten Dosen enthalten nur ein Drittel der Menge, die Erwachsenen und Kindern ab zwölf verabreicht wird. Die jungen Kinder sollen den Impfstoff in zwei Dosen bekommen, die im Abstand von drei Wochen gespritzt werden.

Klinische Studien bislang sehr klein

Die Gesundheitsbehörden in den USA sind angehalten, bei Kindern weiterhin auf mögliche ernste Nebenwirkungen des Impfstoffs wie Herzmuskelentzündungen zu achten. Die klinischen Studien waren bisher zu klein, um diese Risiken verlässlich zu beschreiben. Das Risiko für sehr seltene Nebenwirkungen kann erst mit einiger Sicherheit abgeschätzt werden, wenn mehrere Zehntausend oder sogar Hunderttausend Kinder eine Impfung erhalten haben.

Es wird aber davon ausgegangen, dass derartige Nebenwirkungen äußerst selten sind. Das Coronavirus selbst verursacht nach Ansicht der Wissenschaftler vermutlich deutlich mehr Herzmuskelentzündungen.

Stiko: Situation in USA und Deutschland nicht vergleichbar

Wann der Corona-Impfstoff für Kinder unter 12 Jahren bei uns auf den Markt kommt, steht noch nicht fest. Biontech/Pfizer hat die Zualssung bereits beantragt, die europäische Arzneimittelbehörde EMA kündigte an, möglichst noch vor Weihnachten darüber entscheiden zu wollen.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) kündigte an, eine eigene Datenanalyse zur Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffes bei Kindern durchzuführen. Die Pfizer-Studie mit weniger als 3.000 Probanden könne das Risiko seltener Nebenwirkungen nicht erfassen, sagte der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens.

Zudem sei die Ausgangslage in den USA nicht mit der hiesigen vergleichbar. "Kinder dort erkranken offenbar deutlich häufiger schwer an Covid-19. Möglicherweise liegt das an dem dortigen Gesundheitssystem und dem höheren Anteil von Kindern mit Risikofaktoren, wie zum Beispiel metabolischem Syndrom oder schlecht eingestelltem Diabetes."

Bundesregierung hat ausreichend Impfstoff für Kinder bestellt

Laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die Bundesregierung ausreichende Mengen des Impfstoffes bei Biontech bestellt, um nach der Zulassung entsprechende Impfungen Fünf- bis Elfjährigen durchzuführen. Er prognostizierte zudem einen Abstand zwischen der Zulassung und der Empfehlung der Stiko: "Nicht dass Sie dann überrascht sind: Es wird auch in diesem Fall Zeit vergehen von der Zulassung bis zur Stiko-Empfehlung."

Impfung auch ohne Zulassung möglich - aber nicht empfohlen

Die Entscheidung, ihre Kinder impfen zu lassen oder nicht, beschäftigt schon jetzt viele Eltern. Medienberichten zufolge gibt es in letzter Zeit immer wieder so genannte Off-Label-Impfungen bei Kindern, für die noch kein Impfstoff zugelassen wurde. Rein rechtlich ist das nicht verboten. Die verwendeten Impfstoffe sind getestet und zugelassen - nur eben nicht bei der Altersgruppe. Ob man das Risiko eingehen will, hängt vom Ermessen der Eltern sowie der behandelnden Ärztinnen und Ärzte ab.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) empfiehlt Off-Label-Impfungen nicht. Neben den bislang fehlenden Studien zu Nutzen, Risiken und Nebenwirkungen bemängelte Verbandssprecher Jakob Maske gegenüber dem "Spiegel", dass in solchen Fällen in der Regel ein Haftungsausschuss vereinbart würde. Die Verantwortung werde entsprechend auf die Eltern abgewälzt. Auch die ständige Impfkommission (Stiko) rät Eltern, die Zulassung abzuwarten.

Stand: 03.11.2021, 12:58

Kommentare zum Thema

4 Kommentare

  • 4 Ben 04.11.2021, 15:33 Uhr

    Es wird höchste Zeit, dass wir es nachholen. Es sind ja erst ein paar Geimpfte, auch schon Kinder, kurz nach der Impfung gestorben.

  • 3 Anonym 03.11.2021, 19:47 Uhr

    Ich finde es sinnvoll nicht nur den Politikern zulasse, sondern dass die Eltern auch ohne Empfehlung ihre Kinder impfen lassen Dürfen

  • 2 Marion 03.11.2021, 15:32 Uhr

    Wen interessiert die Meinung der Stiko, wenn die EMA ihre Zustimmung erteilt?

  • 1 Alexa 03.11.2021, 15:05 Uhr

    Off-Label-Impfungen gibt es ja vermutlich vor allem bei Kindern mit ernsten Vorerkrankungen wie Krebs, Organtransplantationen etc. Worauf sollen diese Familien noch warten, bei stark steigenden Infektionszahlen mit Inzidenzen von 400 und mehr in dem Altersbereich auch in NRW und gleichzeitigem Wegfall der Maskenpflicht in der Schule? Wenn die Studienergebnisse da sind und in den USA schon geimpft wird, kann die Impfung hier dann für diese Kinder wirklich gefährlicher sein als eine Corona-Infektion?