Corona: Wann kommt der Impfstoff für Kinder unter 12 Jahren?

Professor Watzl zu Impfungen bei Kindern 01:24 Min. Verfügbar bis 01.09.2022

Corona: Wann kommt der Impfstoff für Kinder unter 12 Jahren?

Bald soll es auch ein Impfangebot für Kinder unter 12 Jahren geben. Unter welchen Umständen könnte die Impfung sinnvoll sein? Was weiß man über Risiken? Fragen und Antworten.

Noch gibt es keinen genauen Zeitplan, wann ein Impfstoff für Kinder unter 12 Jahren auf den Markt kommt. Klar ist nur eins: Die Entscheidung, ihre Kinder impfen zu lassen oder nicht, wird für die meisten Eltern keine leichte sein. Auch weil die Zahl der Corona-Infektionen bei Kindern aktuell hoch ist.

Der Inzidenz-Wert nur für die Fünf- bis 14-Jährigen liegt in NRW derzeit bei über 300. Nach nicht einmal zwei Wochen Unterricht sitzen außerdem 30.000 Schulkinder in Quarantäne.

Wann kommt ein zugelassener Impfstoff für jüngere Kinder?

Das ist noch nicht sicher. Bereits seit Monaten führen die Impfstoff-Firmen Biontech und Moderna Studien mit mehreren Tausend Kindern zwischen sechs Monaten und elf Jahren durch. Laut dem Immunologen Carsten Watzl vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung der Technischen Universität Dortmund will zumindest Biontech erste Ergebnisse bereits im September vorlegen.

Bereits im Oktober könnte ein Antrag auf Zulassung bei der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) eingehen. Die Zulassung könnte möglicherweise schon nach wenigen Wochen folgen.

Anschließend wird sich noch die Ständige Impfkommission (Stiko) mit dem Impfstoff befassen. Eine allgemeine Impfempfehlung der Stiko für die Altersgruppe ist aber zunächst unwahrscheinlich - das haben die hitzigen Diskussionen um eine Impfempfehlung für Jugendliche deutlich gezeigt.

Wird für Kinder ein eigener Impfstoff entwickelt?

Nein. Sowohl Biontech als auch Moderna arbeiten in ihren Studien mit den Impfstoffen, die auch Erwachsene bekommen. Allerdings wird die Dosierung an die geringere Körpergröße und das leistungsfähigere Immunsystem jüngerer Kinder angepasst - verschiedene Altersgruppen bekommen unterschiedliche Mengen des Wirkstoffs.

Wie hoch ist das Risiko für Nebenwirkungen?

Immunologe Prof. Carsten Watzl

Carsten Watzl

Das wird man erst sehen, wenn die Impfstoff-Firmen ihre Studienergebnisse veröffentlichen. Allerdings wird es dann wohl noch keine absolute Gewissheit über die Risiken geben - denn die Studien beruhen nur auf Beobachtungen bei rund 3.000 Kindern. "An der Zahl kann man schon sehr gut die Impfreaktionen ablesen - also diese grippeähnlichen Symptome, die ein bis zwei Tage nach der Impfung auftreten", erklärte Immunologe Watzl am Dienstagabend bei WDR aktuell.

Das Risiko für sehr seltene Nebenwirkungen kann erst dann mit einiger Sicherheit abgeschätzt werden, wenn mehrere Zehntausend oder sogar Hunderttausend Kinder eine Impfung erhalten haben. Ein Beispiel: Die Impfstoffe von Moderna und Biontech stehen im Verdacht, in sehr, sehr seltenen Fällen eine Herzmuskelentzündung auslösen zu können - vor allem bei jungen Männern im Alter von 16 bis 30 Jahren. "Das heißt, es ist nicht auszuschließen, dass Nebenwirkungen auftreten, die eher Jüngere betreffen. (...) Aber wir würden hier über sehr seltene Nebenwirkungen reden", sagte Watzl.

Brauchen Kinder überhaupt einen Schutz gegen Covid-19?

Das ist hochumstritten. Schwere Verläufe, die im Krankenhaus behandelt werden müssen, kommen laut einer Erhebung des Robert Koch-Instituts (RKI) mit Daten bis Juni bei Kindern und Jugendlichen bis 17 Jahren nur in etwa einem Prozent, bei Säuglingen unter einem Jahr in etwa zwei Prozent der Fälle vor. Tödlich endet eine Infektion so gut wie nie. Bei den wenigen bekannten Todesfällen von Kindern und Jugendlichen im Zusammenhang mit Covid-19 gab es stets schwere Vorerkrankungen.

Genau darauf weist auch Jörg Dötsch hin. Er leitet die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Uniklinik Köln und spricht von einer "sehr geringen Zahl" von Kindern, die wegen einer Covid-19-Erkrankung ins Krankenhaus kämen. Das Risiko sei "ausgesprochen gering", ernsthaft krank zu werden, sagte Dötsch am Mittwochabend im WDR.

In Köln müsse derzeit zum Beispiel bei einer Inzidenz von etwa 400 nur ein Kind auf Station mit einer Covid-Erkrankung behandelt werden. "Das heißt, trotz dieser hohen Inzidenzen ganz, ganz wenige Kinder in den Kliniken."

Wie gefährlich ist Long Covid für Kinder?

Nur weil ein mit Corona infiziertes Kind nicht ins Krankenhaus musste, schließt das Komplikationen wie Long Covid nicht ganz aus. Wie oft und wie schwer Kinder nach einer Erkrankung von Langzeitfolgen wie chronischer Erschöpfung betroffen sind, ist aber noch nicht geklärt. Allerdings deuten Studien zum Thema darauf hin, dass Kinder viel seltener unter Spätfolgen leiden als Erwachsene.

Kinderarzt Dötsch weist auf eine Studie aus der Schweiz hin, laut der Kinder ohne eine Coronainfektion genauso häufig Symptome von Long Covid zeigten wie Kinder ohne eine Infektion. Bei Jugendlichen sei es womöglich ein bisschen anders, da gebe es die ein oder anderen mit Long Covid. "Aber insgesamt ist das auch in dieser Altersgruppe sehr selten", so Dötsch, der auch Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin ist.

Stand: 09.09.2021, 18:25